NOZ & Tobias Schmidt; wie aus Halbwissen und AfD-Zitaten ein „Skandal“ wird. Warum der Artikel zu Heidi Reichinneks Audi kein Journalismus, sondern billige Hetze ist.
Hallo NOZ, hallo Herr Schmidt,
mit Interesse habe ich Ihren Artikel „Dürfen Sie Luxus, Frau Reichinnek?“ gelesen. Leider muss ich feststellen, dass der Beitrag weniger durch fundierte Recherche als durch polemische Unterstellungen und oberflächliche Provokationen besticht. Statt die Leser sachlich über die Hintergründe des sogenannten „Audi-Gate“ zu informieren, bedienen Sie Klischees und tragen so zur weiteren Polarisierung der politischen Debatte bei.
Ihr Artikel suggeriert, Heidi Reichinnek nutze einen 106.000-Euro-Audi als Privatfahrzeug oder zumindest in einer Weise, die ihrer politischen Haltung widerspricht. Doch statt diese Behauptung mit einer offiziellen Stellungnahme der Linksfraktion zu untermauern, verlassen Sie sich auf Spekulationen und die gezielte Verbreitung des Themas durch die AfD. Dabei hätte eine einfache Anfrage bei der Fraktion Klarheit schaffen können. Der Audi ist ein geleastes Fraktionsfahrzeug, das aus Fraktionsmitteln finanziert wird, eine gängige Praxis in der Politik, die Sie verschweigen.
Sie stellen die Frage „“Darf eine Linke Luxus?“, als wäre dies ein Skandal. Doch warum fragen Sie nicht auch: „“Darf ein Grünen-Politiker mit einem dicken BMW-SUV vorfahren?“ oder „“Darf die AfD mit rechtsextremen Kennzeichen Wahlwerbung betreiben?“ Die selektive Empörung wirkt willkürlich und dient vor allem der Diskreditierung politischer Gegner. Journalismus sollte jedoch Kontexte schaffen, nicht Vorurteile bedienen.
Als regionale Zeitung mit großer Reichweite tragen Sie eine besondere Verantwortung. Statt die Leser über die tatsächlichen Hintergründe aufzuklären, etwa, dass personalisierte Kennzeichen in der Politik verbreitet sind oder dass Fraktionsfahrzeuge nicht privat genutzt werden, verstärken Sie mit reißerischen Überschriften und einseitigen Darstellungen die Spaltung der Gesellschaft. Das ist kein Qualitätsjournalismus, sondern Boulevard.
Ich schreibe Ihnen nicht, um Heidi Reichinnek oder die Linke in Schutz zu nehmen, sondern um auf die Gefahr hinzuweisen, die von oberflächlicher und tendenziöser Berichterstattung ausgeht. In Zeiten, in denen soziale Medien ohnehin schon für die Verbreitung von Falschinformationen sorgen, braucht es seriöse Quellen, die Fakten prüfen und einordnen. Ihr Artikel tut das Gegenteil.
Mit kritischen Grüßen
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