Eine NZZ-Reportage verspricht in der Überschrift mehr Atomkraft, als der Text selbst und die US-Energiedaten hergeben.
Hallo NOZ, hallo NZZ, hallo Herr Rasch,
die Reportage über den Bau von Mini-AKW für Rechenzentren ist an einer Stelle ehrlicher als ihre Überschrift. Der Text räumt selbst ein, dass vieles noch in der Entwicklungs- oder Testphase steckt, dass die meisten Projekte frühestens 2030 ans Netz gehen und dass in rund 75 Prozent der Anlagen derzeit Gas den Strom liefert. Forciert wird also bislang vor allem Gas, nicht das Mini-AKW.
Auch die Aussage, Sonne und Wind seien für Rechenzentren ungeeignet, bleibt ohne Beleg. Im selben Text stehen Batteriespeicher, und Amazon nennt Wind und Solar in seinem Energieportfolio. Die US-Energiebehörde EIA erwartet für 2026 rund 86 Gigawatt neue Kraftwerksleistung, davon gut die Hälfte Solar, 28 Prozent Batteriespeicher und 14 Prozent Wind. Neue Kernkraftleistung kommt demnach in diesem Jahr nicht hinzu. Diese Zahlen hätten in eine Einordnung gehört.Kleinere Auslassungen verstärken den Eindruck. Beim Kraftwerk Three Mile Island wird der Block, den Microsoft wieder anfahren lässt, direkt neben dem Unfall von 1979 erklärt, ohne zu sagen, dass es sich um einen anderen Block handelt. Kosten, Abfall und Genehmigungsfragen fehlen ganz.
Für eine Regionalzeitung, zu deren Gebiet Lingen gehört, fehlt zudem jeder Bezug zur hiesigen Energiedebatte. Eine kurze redaktionelle Einordnung hätte genügt.
Mit freundlichen Grüßen