Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen seit 2025

Autor: Timm Reichl (Seite 24 von 59)

Leserbrief zum Artikel zu Clasen Talk „Vier von fünf Bäumen sind nicht gesund“ in der NOZ vom Montag, 17.11.2025 (Windkraft als Gefahr)

Windkraft im Wald wird häufig überdramatisiert, während die eigentlichen Ursachen der Waldschäden – Klimawandel und Braunkohleabbau – kaum erwähnt werden. Der Leserbrief fordert eine sachliche Abwägung statt pauschaler Panikmache.

Hallo NOZ, hallo Herr Clasen,

ich sende Ihnen meinen Leserbrief zum Artikel zu Clasen Talk „Vier von fünf Bäumen sind nicht gesund“ in der NOZ vom Montag, 17.11.2025.

Im jüngsten Clasen Talk wurde erneut Windkraft im Wald als große Gefahr dargestellt. Das verzerrt die Realität. Die massiven Waldschäden der letzten Jahre stammen nicht von Windrädern, sondern vom Klimawandel: Dürre, Hitze und Borkenkäfer haben hunderttausende Hektar zerstört. Vier von fünf Bäumen gelten laut Waldzustandsbericht als geschädigt, ganz ohne Einfluss der Energiewende.

Auch die oft beschworenen „autobahnähnlichen Schneisen“ sind überzogen. Der Bau eines Windrades bedeutet einen Eingriff, aber einen begrenzten. Viele Flächen werden später wieder aufgeforstet. Zum Vergleich: Für Braunkohleabbau wie in Garzweiler oder Lützerath wurden ganze Wälder und Ortschaften ausgelöscht, über Jahrzehnte hinweg und in riesigen Dimensionen. Diese Relationen sollte man nicht ausblenden.

Entscheidend ist eine ehrliche Abwägung: Naturschutzverbände befürworten Windkraft auf geschädigten Monokulturen oder Kahlflächen, während artenreiche Altwälder tabu bleiben müssen. Wer jedoch jede Anlage im Wald pauschal verteufelt, bremst nicht nur die Energiewende, sondern schwächt am Ende auch den Waldschutz.

Denn ohne wirksame Klimapolitik wird der Wald weiter verlieren, unabhängig davon, wie viele Windräder wir verhindern.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zum Artikel von Chefredakteur Ewert – Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander, NOZ vom Montag, 16.11.2025, Seite 5

Der Leserbrief kritisiert, dass Ewerts Artikel ein sehr positives Bild der NOZ zeichnet, das mit der realen Ausrichtung der Redaktion nicht immer übereinstimmt. Er bemängelt, dass kritische Hinweise auf Schieflagen oder einseitige Themensetzungen von der Chefredaktion eher abgewehrt als ernsthaft geprüft werden. Der Text fordert mehr echte Vielfalt und Selbstreflexion im journalistischen Alltag.

Hallo NOZ, hallo Herr Ewert,

mit Interesse habe ich die Ausführungen des Chefredakteurs zur Rolle der NOZ gelesen.

Der Artikel formuliert hohe Ansprüche: Breite der Perspektiven, historische Bescheidenheit, kritische Distanz zur Macht. Doch gerade hier entsteht ein deutlicher Widerspruch zwischen Selbstbeschreibung und tatsächlicher publizistischer Praxis.

Wenn Herr Ewert behauptet, Kritik an einem Rechtsruck komme von Menschen, „die keine Vielfalt wollen“, dann dient das weniger der Debatte als der Immunisierung gegen berechtigte Einwände. Wer eine einseitige Schwerpunktsetzung anspricht (etwa in der migrationspolitischen Berichterstattung oder in den jüngsten Interviews und Meinungsbeiträgen), wird auf diese Weise pauschal diskreditiert. Vielfalt ist nicht gegeben, wenn bestimmte Perspektiven quantitativ überwiegen und andere nur am Rand vorkommen.

Auch die Warnung vor historischen Parallelen, etwa zu Weimar, klingt weniger nach intellektueller Bescheidenheit als nach politischer Entschärfung. Gerade in Zeiten wachsender Radikalisierung braucht es einen Journalismus, der Entwicklungen klar benennt, statt sie aus Angst vor „falschen Vergleichen“ zu relativieren.

Zudem fällt auf, dass Herr Ewert keine einzige selbstkritische Reflexion erwähnt, weder zu journalistischen Fehlgewichten noch zu problematischen Framings, die Leser zu Recht irritieren. Vorwürfe verschwinden so nicht; sie werden nur rhetorisch abgefedert.

Ich und viele weitere Lesende wünschen sich eine NOZ, die ihren eigenen Anspruch ernst nimmt: tatsächliche Breite, kritische Haltung gegenüber allen politischen Akteuren, klare Trennung von Meinung und Berichterstattung und eine ehrliche, auch selbstkritische, Auseinandersetzung mit redaktionellen Schieflagen.

Ein Leitartikel, der vor allem die eigene Strategie lobt, ersetzt diese Arbeit nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zur NOZ vom Samstag, 15.11.2025, Subventionen Luftverkehr – Klimawandel egal?, Seite 16

Die Bundesregierung subventioniert weiterhin Billigflieger, während Bus- und Bahntickets teurer werden. Kurzstreckenflüge wie Münster/Osnabrück–München sollten auf die Schiene verlagert werden. Der Leserbrief kritisiert, dass diese Politik weder sozial gerecht noch klimaschonend ist.

Hallo NOZ, hallo Herr Fays,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Samstag, 15.11.2025, Subventionen im Luftverkehr, Seite 16.

Die Bundesregierung macht Fliegen billiger und das Deutschlandticket teurer. Das ist völlig absurd. Billigflieger und Regionalflughäfen werden entlastet, während Millionen Menschen für Bus und Bahn mehr zahlen sollen. So sieht keine soziale Politik aus. Und schon gar kein Klimawandel.

Gerade Kurzstreckenflüge wie Münster/Osnabrück–München gehören auf die Schiene. Stattdessen wird eine der klimaschädlichsten Branchen weiter gefüttert, während der öffentliche Nahverkehr kaputtgespart wird.

Wer ernsthaft die Zukunft im Blick hat, stärkt Bahn und Bus, nicht den sowieso schon stark subventionierten Luftverkehr. Diese Politik geht mal wieder am Alltag der Menschen vorbei und am Klima ebenfalls.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zur NOZ vom Donnerstag, 13.11., Meinung Ebert zur Polyhochzeit in Berlin, Seite 26

Der Leserbrief widerspricht Eberts Kritik an einer Berliner Polyhochzeit und betont, dass die Kirche Menschen nicht ausgrenzen, sondern begleiten soll. Er kritisiert Eberts Spott als unsachlich und argumentiert, dass eine lebendige Kirche Wandel zulassen muss, statt sich wie ein Museum an starre Vorstellungen zu klammern.

Hallo NOZ, hallo Herr Ebert,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Donnerstag, 13.11., Meinung von Ebert zur Polyhochzeit in Berlin, Seite 26.

Herr Ebert schreibt, die evangelische Kirche verliere sich selbst, weil eine Pfarrerin vier Männer „verheiratet“ hat. Doch wer so urteilt, verliert selbst den Blick für das, worum es eigentlich geht: um Menschen, die nach Liebe, Sinn und Nähe suchen, und um eine Kirche, die versucht, sie nicht auszugrenzen.

Es ist billig, über eine Pfarrerin und ihr Handeln Spott zu gießen. Das ist keine Kritik, das ist Häme. Die evangelische Kirche hat schon immer Wandel zugelassen. Sie darf sich verändern, weil sie von Freiheit und Gewissen lebt, nicht von Angst vor dem Zeitgeist.

Eberts Text klingt, als müsse Kirche ein Museum sein, damit sie echt bleibt. Aber eine Kirche, die sich nicht bewegt, verliert nicht den „Zeitgeist“, sondern den Heiligen Geist. Und wer nur über den Sex anderer Menschen schreibt, um Relevanz zu beweisen, sollte sich fragen, ob er nicht selbst dem sucht, was er der Kirche vorwirft: Aufmerksamkeit um jeden Preis.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zur NOZ vom Donnerstag, 13.11., Artikel Google Investitionen in D, Seite 6

Der Leserbrief kritisiert, dass Googles Milliardeninvestition in Deutschland überwiegend dem Konzern selbst nützt. Rechenzentren schaffen kaum Jobs, erhöhen den Energiebedarf und verstärken Europas Abhängigkeit von ausländischer Infrastruktur. Stattdessen sollte die Politik europäische Technologien fördern, um Wertschöpfung und digitale Souveränität zu sichern.

Hallo NOZ,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Donnerstag, 13.11., Artikel Google Investitionen in D, Seite 6.

In der NOZ klingt die Google-Investition über 5,5 Milliarden Euro wie ein großer Gewinn für Deutschland. Doch bei genauerem Hinsehen profitiert vor allem der Konzern selbst.

Rechenzentren schaffen kaum dauerhafte Arbeitsplätze, im Schnitt bleiben nur rund zwölf Jobs pro Standort. Ein großer Teil des Geldes fließt wieder in die USA zurück, weil teure Komponenten wie Chips von Nvidia dort eingekauft werden. Und Rechenzentren brauchen enorme Mengen Strom: In den USA sind in manchen Regionen die Strompreise für Verbraucher um über 30 Prozent gestiegen.

Solche Projekte stärken vor allem die großen Technologiekonzerne, nicht unsere digitale Unabhängigkeit. Wenn die zentrale Infrastruktur in ausländischer Hand bleibt, wächst die Abhängigkeit Europas weiter.

Statt solche Ankündigungen zu feiern, sollte die Politik lieber eigene, offene und europäische Technologien fördern, damit Wertschöpfung, Wissen und Kontrolle hier bleiben und wir nicht nur Zuschauer der digitalen Zukunft sind.

Mit freundlichen Grüßen

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