Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen seit 2025

Autor: Timm Reichl (Seite 25 von 59)

Leserbrief zur NOZ vom Donnerstag, 13.11., Meinung Ebert zur Polyhochzeit in Berlin, Seite 26

Der Leserbrief widerspricht Eberts Kritik an einer Berliner Polyhochzeit und betont, dass die Kirche Menschen nicht ausgrenzen, sondern begleiten soll. Er kritisiert Eberts Spott als unsachlich und argumentiert, dass eine lebendige Kirche Wandel zulassen muss, statt sich wie ein Museum an starre Vorstellungen zu klammern.

Hallo NOZ, hallo Herr Ebert,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Donnerstag, 13.11., Meinung von Ebert zur Polyhochzeit in Berlin, Seite 26.

Herr Ebert schreibt, die evangelische Kirche verliere sich selbst, weil eine Pfarrerin vier Männer „verheiratet“ hat. Doch wer so urteilt, verliert selbst den Blick für das, worum es eigentlich geht: um Menschen, die nach Liebe, Sinn und Nähe suchen, und um eine Kirche, die versucht, sie nicht auszugrenzen.

Es ist billig, über eine Pfarrerin und ihr Handeln Spott zu gießen. Das ist keine Kritik, das ist Häme. Die evangelische Kirche hat schon immer Wandel zugelassen. Sie darf sich verändern, weil sie von Freiheit und Gewissen lebt, nicht von Angst vor dem Zeitgeist.

Eberts Text klingt, als müsse Kirche ein Museum sein, damit sie echt bleibt. Aber eine Kirche, die sich nicht bewegt, verliert nicht den „Zeitgeist“, sondern den Heiligen Geist. Und wer nur über den Sex anderer Menschen schreibt, um Relevanz zu beweisen, sollte sich fragen, ob er nicht selbst dem sucht, was er der Kirche vorwirft: Aufmerksamkeit um jeden Preis.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zur NOZ vom Donnerstag, 13.11., Artikel Verbrennerverbot kippen: Wäre das gut?

Hallo NOZ, hallo Herr Schmidt,

Ihr Artikel „Verbrennerverbot kippen: Wäre das gut?“ vermittelt den Eindruck, dass das geplante Verbot der Zulassung neuer Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren ab 2035 vor allem eine riskante Last für Industrie und Arbeitsplätze sei, doch dieser Fokus greift zu kurz. 

Fakt ist: Chinesische Hersteller wie GAC Group bringen bereits heute ein Elektroauto für rund 5.500 Euro auf den Markt, eine strategische Kampfansage an die europäischen Hersteller. Gleichzeitig zeigen Studien, dass Elektroautos im Lebenszyklus längst nicht mehr teurer sind als Verbrenner.

Diese Fakten legen nahe, dass nicht allein das Verbot das Problem ist, sondern vielmehr das Versäumnis vieler europäischer Hersteller, den Wandel konsequent anzupacken. Ihre Darstellung verstärkt jedoch die Vorstellung vom Verbrenner „gerettet werden müssen“, statt die Mobilitätswende als Chance zu sehen.

Bitte berücksichtigen Sie in künftigen Beiträgen doch stärker, dass Technologie-, Kosten- und Wettbewerbsdaten bereits in Bewegung sind, und damit die Debatte über Verbots- oder Transformationspolitik anders geführt werden müsste.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zum Kommentar „Das wäre echt irre, Herr Söder“ von Tobias Schmidt in der NOZ vom Mittwoch, 12.11.2025

Der Leserbrief kritisiert, dass Markus Söder das „Heizungsgesetz“ angreift, obwohl dessen Ursprung auf eine Regierung unter CSU-Beteiligung zurückgeht. Er wirft Söder faktenfreie Stimmungsmache und häufige politische Kehrtwenden vor. Zudem würdigt er die sachliche Rückmeldung des NOZ-Autors und ergänzt dessen Einordnung.

Hallo NOZ, hallo Herr Schmidt,

hier meine Meinung zum Kommentar „Das wäre echt irre, Herr Söder“ von Tobias Schmidt in der NOZ vom Mittwoch, 12.11.2025.

Was Herr Schmidt leider unerwähnt lässt: Das sogenannte Heizungsgesetz, über das Markus Söder nun so lautstark herzieht, stammt nicht von Robert Habeck, sondern von der Großen Koalition unter CDU/CSU und SPD. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) wurde 2020 von einer Regierung beschlossen, an der die CSU selbst beteiligt war, mit Horst Seehofer als Bauminister.Habeck hat dieses Gesetz später lediglich novelliert, teils entschärft und mit langen Übergangsfristen sowie Förderungen versehen, also das Gegenteil dessen, was Söder suggeriert.

Wenn der bayerische Ministerpräsident heute „weg mit dem Heizungsgesetz“ ruft, dann fordert er also faktisch die Abschaffung eines eigenen CSU-Gesetzes. Aber das scheint ihn nicht weiter zu stören. Hauptsache, es klingt populär.Söder inszeniert sich einmal mehr als Lautsprecher der Empörung, während er verschweigt, dass seine eigene Partei die Grundlage des Gesetzes gelegt hat. Das ist keine Politik, das ist pure Stimmungsmache auf Kosten von Fakten und Vernunft.

Mit freundlichen Grüßen 

Schmidt, Tobias <t.schmidt@noz.de> schrieb am Mi., 12. Nov. 2025, 09:14:

Lieber Herr Reichl, 

da haben Sie einen Punkt. Die Ampel wollte das alte GEG allerdings um ein Jahr vorziehen – das war sozusagen der Anlass für das dann folgende Beben.

Wir könnten die Zeitung mit Hinweisen auf Kehrtwenden von Herrn Söder füllen. Er war ja auch einer der ersten, die ein Verbrennerverbot gefordert haben. Nun schreit er am lautesten nach der Abschaffung ebendieses Verbotes.

Mit besten Grüßen!

Tobias Schmidt

Lieber Herr Schmidt,

vielen Dank für Ihre Rückmeldung,  und vor allem dafür, dass Sie sich immer die Zeit nehmen, auf Zuschriften zu reagieren. Das ist in der heutigen Medienlandschaft leider alles andere als selbstverständlich und spricht für Sie.

Ihr Hinweis auf die damalige Vorziehung durch die Ampel ist natürlich richtig, das war tatsächlich der Funke, der das politische Feuer entfacht hat. Nur schade, dass dabei oft vergessen wird, wer das GEG überhaupt auf die Welt gebracht hat. Aber wie Sie schreiben: Bei Herrn Söder ließen sich ganze Zeitungsseiten mit Kehrtwenden füllen, vom „Verbrennerverbot“ bis zum Heizungsgesetz und der Kernkraftdebatte.

Manchmal hat man den Eindruck, sein politischer Kompass zeigt immer genau dorthin, wo gerade der lauteste Applaus herkommt. Vielleicht sollte man das Gerät mal eichen lassen. 

Mit besten Grüßen

Timm Reichl 

Leserbrief: Schönfärberei statt Analyse, die NOZ-Kommentierung zu Friedrich Merz in der NOZ vom Mittwoch, 12.11.2025

Der Leserbrief kritisiert den NOZ-Kommentar zu Friedrich Merz als unkritische Schönfärberei, die Umfragen und politische Realität ignoriere. Statt Wohlwollen brauche es eine klare Analyse der bisherigen Merz-Regierung, die der Verfasser als stagnierend und orientierungslos beschreibt.

Hallo NOZ, hallo Frau Lehmann,

ich sende Ihnen mal wieder einen Leserbrief: 

Schönfärberei statt Analyse, die NOZ-Kommentierung zu Friedrich Merz in der NOZ vom Mittwoch, 12.11.2025 (Kein Rambo-Zambo zum 70. Geburtstag von Bundeskanzler Friedrich Merz).Der Kommentar von Rena Lehmann  wirkt wie ein Geburtstagslob statt wie eine kritische Analyse. Während laut Umfrage 73 Prozent der Deutschen eine erneute Kanzlerkandidatur von Merz ablehnen, bemüht sich Lehmann, seine bisherige Regierungszeit als „redlich“ und „sorgsam“ zu verklären. Diese Diskrepanz zwischen öffentlicher Meinung und Kommentar ist auffällig.

Politisch zählt nicht, ob Merz sich „bemüht“, sondern was er erreicht. Nach fast einem halben Jahr Kanzlerschaft herrschen wirtschaftliche Stagnation, soziale Verunsicherung und politische Orientierungslosigkeit. Das als „Kanzlerschaft der kleinen Schritte“ verharmloste Zögern ist in Wahrheit Stillstand, und kein Führungsstil.

Auch die nostalgische Rückschau auf Merz Wirtschaftswundergeneration hilft nicht weiter. Deutschland braucht mutige Entscheidungen für die Zukunft, nicht die beruhigende Erzählung vom bemühten Kanzler, dem nur der „große Moment“ fehle.

Die NOZ sollte politische Leistung kritisch prüfen, statt sie durch wohlwollende Kommentare weichzuzeichnen.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zum Artikel Wie gewalttätig ist die linksextreme Szene? (NOZ, 11. November 2025)

Der Leserbrief kritisiert, dass der NOZ-Artikel über linksextreme Gewalt die Relationen verzerrt. Angesichts deutlich höherer Zahlen rechtsextremer Straftaten fordert der Verfasser eine Berichterstattung, die das tatsächliche Verhältnis politischer Gewalt klar benennt, statt ein unausgewogenes Bedrohungsbild zu erzeugen.

Hallo NOZ Team,

hier mein Leserbrief zum Artikel Wie gewalttätig ist die linksextreme Szene? (NOZ, 11. November).

Der Artikel über angeblich zunehmende linksextreme Gewalt in Hamburg vermittelt mit seiner Überschrift ein verzerrtes Bild der tatsächlichen Sicherheitslage. Zwar sind die geschilderten Brandanschläge und Bedrohungen in keiner Weise zu verharmlosen, aber sie werden im Text in einen Kontext gestellt, der die Relationen verschiebt.

Die zitierten Zahlen des Verfassungsschutzes zeigen selbst, dass 2024 in Hamburg 1272 rechtsextremistische Straftaten registriert wurden, also achtmal so viele wie im linken Spektrum (156). Auch bei Gewalttaten ist das Verhältnis mit 116 zu 16 eindeutig. Diese deutliche Überlegenheit rechter Gewalt wird im Artikel zwar erwähnt, aber nicht eingeordnet. Stattdessen entsteht der Eindruck, die linksextreme Szene sei ein ähnlich großes Problem wie rechtsextreme Strukturen.

Tatsächlich sind es jedoch Rechtsextreme, die bundesweit für den Großteil politisch motivierter Gewalttaten, für Todesopfer, rassistische und antisemitische Übergriffe verantwortlich sind.

Eine verantwortungsvolle Berichterstattung sollte solche Relationen klar benennen, um nicht unbeabsichtigt das Bedrohungsbild zu verschieben. Wer über Extremismus berichtet, muss den Hauptträger politischer Gewalt in Deutschland, den Rechtsextremismus, auch im Verhältnis sichtbar machen.

Mit freundlichen Grüßen

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