Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen seit 2025

Autor: Timm Reichl (Seite 26 von 59)

Leserbrief zu Robuster Kanzler-Merz wird 70 (Rena Lehmann, NOZ vom 11. November)

Der Leserbrief wirft der NOZ vor, Friedrich Merz in einem unkritisch-verklärenden Porträt darzustellen. Statt oberflächlicher Lobeshymnen auf sein Auftreten brauche es eine ehrliche Analyse seiner politischen Bilanz, die der Verfasser als erfolglos und stagnierend bewertet.

Hallo NOZ Team, hallo Frau Lehmann,

hier mein Leserbrief zu „Robuster Kanzler-Merz wird 70“ (Rena Lehmann, NOZ vom 11. November).

Was genau will uns Rena Lehmann mit dieser verklärten Hommage an Friedrich Merz sagen? Dass Fitness, Sonnenbräune und Französischkenntnisse wichtiger seien als politische Bilanz? Ihr Text liest sich nicht wie Journalismus, sondern wie eine PR-Broschüre aus dem Konrad-Adenauer-Haus.

Statt über Merz Mountainbike, sein alkoholfreies Leben und seine angebliche „unbändige Energie“ zu schwärmen, wäre eine ehrliche Bestandsaufnahme angebracht gewesen: Wo sind die versprochenen „Wenden“? Wo die politischen Erfolge? In der Realität steckt die Union in Umfragen fest, inhaltlich herrscht Stillstand, und selbst in der eigenen Partei wächst die Unzufriedenheit.

Die schönfärbende Erzählung vom „robusten Kanzler“ ersetzt keine Analyse. Sie lenkt nur davon ab, dass Merz bislang weder inhaltlich überzeugt noch regierungsfähig geführt hat. Journalismus sollte einordnen, nicht verklären.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zur NOZ vom Samstag, 08.11.2025, zum Artikel über das Deutschlandticket auf der Seite 2

Der Leserbrief kritisiert, dass Union und SPD ihr eigenes Versprechen zur Preisstabilität des Deutschlandtickets brechen. Statt bis 2028 bezahlbar zu bleiben, steige der Preis bereits jetzt deutlich und künftig automatisch weiter. Der Verfasser sieht darin ein Muster gebrochener Entlastungszusagen, das Vertrauen zerstört.

Sehr geehrte Redaktion,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Samstag, 08.11.2025, zum Artikel zum Deutschlandticket auf der Seite 2.

Im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD steht schwarz auf weiß:

„Das Deutschlandticket wird über 2025 hinaus fortgesetzt. Dabei wird der Anteil der Nutzerfinanzierung ab 2029 schrittweise und sozialverträglich erhöht.“

Das war für viele Bürgerinnen und Bürger das Versprechen: Das Ticket bleibt bis 2028 bezahlbar. Doch davon ist längst keine Rede mehr. Der Preis ist schon jetzt von 49 auf 58 Euro gestiegen, und ab 2026 soll er auf 63 Euro klettern. Ab 2027 wird er dann automatisch weiter erhöht, je nach Kostenindex.

Damit kassiert die Regierung ihre eigene Zusage vier Jahre zu früh. Aus einem Entlastungsprojekt für den Alltag wird ein schleichendes Belastungsprogramm. Viele Menschen, die auf Bus und Bahn angewiesen sind, fühlen sich zu Recht getäuscht.

Ähnlich wie bei der Stromsteuer zeigt sich ein Muster: Erst wird Entlastung versprochen, dann still und leise zurückgenommen. So verspielt man Vertrauen, gerade bei denjenigen, die ohnehin schon jeden Euro zweimal umdrehen müssen.

Wenn Union und SPD Glaubwürdigkeit zurückgewinnen wollen, müssen sie endlich wieder zu dem stehen, was sie selbst unterschrieben haben.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zur NOZ vom 06.11.2025, Kommentar Burkhard Ewert zu Bill Gates

Der Leserbrief kritisiert den NOZ-Kommentar, der Bill Gates als pragmatischen Kritiker des „Klimaalarmismus“ darstellt. Er weist darauf hin, dass Gates’ eigene Investments davon profitieren und dass die Klimafakten – steigende Hitzetote – die Dringlichkeit der Krise belegen. Ein Kommentar sollte Verantwortung statt Beschwichtigung betonen.

Hallo NOZ Team, hallo Herr Ewert,

hier meine Meinung zum Kommentar zu Bill Gates in der NOZ vom 06.11.2025.

Burkhard Ewert lobt Bill Gates als mutigen Realisten, der den „Klimaalarmismus“ beendet. Tatsächlich bedient er damit eine bequeme Erzählung: Wir müssen nichts ändern, Innovation wird’s schon richten.

Dass Gates selbst Milliarden in Technologien investiert, die von dieser Sichtweise profitieren, bleibt unerwähnt. Auch seine angebliche „Faktenlage“ ist trügerisch: Zwar starben in der Vergangenheit mehr Menschen an Kälte als an Hitze, doch laut The Lancet kehrt sich dieser Trend längst um. Mit zunehmender Erderwärmung nehmen Hitzetote massiv zu, während Kältetote abnehmen. Wer das verschweigt, verharmlost die Krise.

Die Klimaforschung ruft nicht zur Panik auf, sondern zur Verantwortung. Diese Haltung wäre eines Kommentars würdiger gewesen als die Beschwichtigung im Gewand der Vernunft.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zum Kommentar von Rena Lehmann „Ein Jahr Ampel-Aus, Merz liefert nicht bei wichtigstem Thema“, NOZ vom 6. November 2025

Der Leserbrief kritisiert, dass der NOZ-Kommentar zu Friedrich Merz seine Versäumnisse verharmlost. Statt eine kritische Bilanz zu ziehen, werde seine Verantwortung relativiert und die Koalition positiv dargestellt, obwohl wirtschaftliche und soziale Impulse fehlen. Der Verfasser fordert eine sachliche Analyse statt Schönfärberei.

Sehr geehrte Redaktion,

der Kommentar von Rena Lehmann (Ein Jahr Ampel-Aus-Merz liefert nicht bei wichtigstem Thema) liest sich wie ein Versuch, Friedrich Merz trotz offensichtlicher Versäumnisse im Amt noch ein wohlwollendes Zeugnis auszustellen. Von einer kritischen Bilanz kann keine Rede sein.

Zwar wird erwähnt, dass Merz seine „Wirtschaftswende“ nicht eingelöst hat, doch die Kritik bleibt oberflächlich. Statt seine leeren Versprechungen und handwerklichen Fehler beim Wort zu nehmen, werden externe Faktoren wie Trump oder China bemüht, um die Verantwortung zu relativieren. So wird Merz nicht als politisch Verantwortlicher dargestellt, sondern als Getriebener der Umstände.

Auch die Behauptung, die neue Koalition sei „besser als ihr Ruf“, wirkt wie Schönfärberei angesichts einer wirtschaftlich und sozial orientierungslosen Regierung, die weder Impulse für nachhaltiges Wachstum noch für soziale Gerechtigkeit setzt. Die Umfragen, in denen die AfD die Union inzwischen überholt hat, sind kein Zufall, sondern Ausdruck wachsender Enttäuschung über die inhaltsleere Politik eines Kanzlers, der mehr Schlagworte als Lösungen liefert.

Ein Kommentar, der Anspruch auf politische Einordnung erhebt, sollte diese Widersprüche benennen, und nicht weichzeichnen. Wer nach Jahren des Ampel-Bashings nun Merz Versagen mit milder Tonlage begleitet, betreibt keine Analyse, sondern Imagepflege.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zur NOZ vom Dienstag, 04.11.2025, Interview Boehme-Neßler zu Meinungsfreiheit, Seite 27

Der Leserbrief bemängelt, dass das NOZ-Interview zur Meinungsfreiheit einseitig ist. Statt nur staatliche Überreaktionen zu kritisieren, sollte auch die Rolle von Ermittlungen zum Schutz der Demokratie und die Notwendigkeit rechtstaatlicher Grenzen berücksichtigt werden.

Hallo NOZ Team, hallo Herr Ebert,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Dienstag, 04.11.2025, Interview Boehme-Neßler, Seite 27.Das Interview zur Meinungsfreiheit wirft wichtige Fragen auf, bleibt aber einseitig. Wer ausschließlich einen Experten sprechen lässt, der Behörden und Politik pauschal Überreaktionen vorwirft, verschiebt das Bild. Gerade bei Themen wie digitaler Hetze und Extremismus braucht es Differenzierung: Ermittlungen finden nicht im luftleeren Raum statt, sondern dienen oft dem Schutz unseres demokratischen Miteinanders. Kritik an staatlichem Handeln ist notwendig, aber ebenso die Einordnung, dass rechtstaatliche Grenzen und gesellschaftliche Verantwortung dazugehören. Eine ausgewogene Darstellung hätte dieser Debatte gutgetan.

Mit freundlichen Grüßen 

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