Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen

Autor: Timm Reichl (Seite 39 von 72)

Leserbrief zum Kommentar „Das wäre echt irre, Herr Söder“ von Tobias Schmidt in der NOZ vom Mittwoch, 12.11.2025

Der Leserbrief kritisiert, dass Markus Söder das „Heizungsgesetz“ angreift, obwohl dessen Ursprung auf eine Regierung unter CSU-Beteiligung zurückgeht. Er wirft Söder faktenfreie Stimmungsmache und häufige politische Kehrtwenden vor. Zudem würdigt er die sachliche Rückmeldung des NOZ-Autors und ergänzt dessen Einordnung.

Hallo NOZ, hallo Herr Schmidt,

hier meine Meinung zum Kommentar „Das wäre echt irre, Herr Söder“ von Tobias Schmidt in der NOZ vom Mittwoch, 12.11.2025.

Was Herr Schmidt leider unerwähnt lässt: Das sogenannte Heizungsgesetz, über das Markus Söder nun so lautstark herzieht, stammt nicht von Robert Habeck, sondern von der Großen Koalition unter CDU/CSU und SPD. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) wurde 2020 von einer Regierung beschlossen, an der die CSU selbst beteiligt war, mit Horst Seehofer als Bauminister.Habeck hat dieses Gesetz später lediglich novelliert, teils entschärft und mit langen Übergangsfristen sowie Förderungen versehen, also das Gegenteil dessen, was Söder suggeriert.

Wenn der bayerische Ministerpräsident heute „weg mit dem Heizungsgesetz“ ruft, dann fordert er also faktisch die Abschaffung eines eigenen CSU-Gesetzes. Aber das scheint ihn nicht weiter zu stören. Hauptsache, es klingt populär.Söder inszeniert sich einmal mehr als Lautsprecher der Empörung, während er verschweigt, dass seine eigene Partei die Grundlage des Gesetzes gelegt hat. Das ist keine Politik, das ist pure Stimmungsmache auf Kosten von Fakten und Vernunft.

Mit freundlichen Grüßen 

Schmidt, Tobias <t.schmidt@noz.de> schrieb am Mi., 12. Nov. 2025, 09:14:

Lieber Herr Reichl, 

da haben Sie einen Punkt. Die Ampel wollte das alte GEG allerdings um ein Jahr vorziehen – das war sozusagen der Anlass für das dann folgende Beben.

Wir könnten die Zeitung mit Hinweisen auf Kehrtwenden von Herrn Söder füllen. Er war ja auch einer der ersten, die ein Verbrennerverbot gefordert haben. Nun schreit er am lautesten nach der Abschaffung ebendieses Verbotes.

Mit besten Grüßen!

Tobias Schmidt

Lieber Herr Schmidt,

vielen Dank für Ihre Rückmeldung,  und vor allem dafür, dass Sie sich immer die Zeit nehmen, auf Zuschriften zu reagieren. Das ist in der heutigen Medienlandschaft leider alles andere als selbstverständlich und spricht für Sie.

Ihr Hinweis auf die damalige Vorziehung durch die Ampel ist natürlich richtig, das war tatsächlich der Funke, der das politische Feuer entfacht hat. Nur schade, dass dabei oft vergessen wird, wer das GEG überhaupt auf die Welt gebracht hat. Aber wie Sie schreiben: Bei Herrn Söder ließen sich ganze Zeitungsseiten mit Kehrtwenden füllen, vom „Verbrennerverbot“ bis zum Heizungsgesetz und der Kernkraftdebatte.

Manchmal hat man den Eindruck, sein politischer Kompass zeigt immer genau dorthin, wo gerade der lauteste Applaus herkommt. Vielleicht sollte man das Gerät mal eichen lassen. 

Mit besten Grüßen

Timm Reichl 

Leserbrief zum Artikel Wie gewalttätig ist die linksextreme Szene? (NOZ, 11. November 2025)

Der Leserbrief kritisiert, dass der NOZ-Artikel über linksextreme Gewalt die Relationen verzerrt. Angesichts deutlich höherer Zahlen rechtsextremer Straftaten fordert der Verfasser eine Berichterstattung, die das tatsächliche Verhältnis politischer Gewalt klar benennt, statt ein unausgewogenes Bedrohungsbild zu erzeugen.

Hallo NOZ Team,

hier mein Leserbrief zum Artikel Wie gewalttätig ist die linksextreme Szene? (NOZ, 11. November).

Der Artikel über angeblich zunehmende linksextreme Gewalt in Hamburg vermittelt mit seiner Überschrift ein verzerrtes Bild der tatsächlichen Sicherheitslage. Zwar sind die geschilderten Brandanschläge und Bedrohungen in keiner Weise zu verharmlosen, aber sie werden im Text in einen Kontext gestellt, der die Relationen verschiebt.

Die zitierten Zahlen des Verfassungsschutzes zeigen selbst, dass 2024 in Hamburg 1272 rechtsextremistische Straftaten registriert wurden, also achtmal so viele wie im linken Spektrum (156). Auch bei Gewalttaten ist das Verhältnis mit 116 zu 16 eindeutig. Diese deutliche Überlegenheit rechter Gewalt wird im Artikel zwar erwähnt, aber nicht eingeordnet. Stattdessen entsteht der Eindruck, die linksextreme Szene sei ein ähnlich großes Problem wie rechtsextreme Strukturen.

Tatsächlich sind es jedoch Rechtsextreme, die bundesweit für den Großteil politisch motivierter Gewalttaten, für Todesopfer, rassistische und antisemitische Übergriffe verantwortlich sind.

Eine verantwortungsvolle Berichterstattung sollte solche Relationen klar benennen, um nicht unbeabsichtigt das Bedrohungsbild zu verschieben. Wer über Extremismus berichtet, muss den Hauptträger politischer Gewalt in Deutschland, den Rechtsextremismus, auch im Verhältnis sichtbar machen.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu Robuster Kanzler-Merz wird 70 (Rena Lehmann, NOZ vom 11. November)

Der Leserbrief wirft der NOZ vor, Friedrich Merz in einem unkritisch-verklärenden Porträt darzustellen. Statt oberflächlicher Lobeshymnen auf sein Auftreten brauche es eine ehrliche Analyse seiner politischen Bilanz, die der Verfasser als erfolglos und stagnierend bewertet.

Hallo NOZ Team, hallo Frau Lehmann,

hier mein Leserbrief zu „Robuster Kanzler-Merz wird 70“ (Rena Lehmann, NOZ vom 11. November).

Was genau will uns Rena Lehmann mit dieser verklärten Hommage an Friedrich Merz sagen? Dass Fitness, Sonnenbräune und Französischkenntnisse wichtiger seien als politische Bilanz? Ihr Text liest sich nicht wie Journalismus, sondern wie eine PR-Broschüre aus dem Konrad-Adenauer-Haus.

Statt über Merz Mountainbike, sein alkoholfreies Leben und seine angebliche „unbändige Energie“ zu schwärmen, wäre eine ehrliche Bestandsaufnahme angebracht gewesen: Wo sind die versprochenen „Wenden“? Wo die politischen Erfolge? In der Realität steckt die Union in Umfragen fest, inhaltlich herrscht Stillstand, und selbst in der eigenen Partei wächst die Unzufriedenheit.

Die schönfärbende Erzählung vom „robusten Kanzler“ ersetzt keine Analyse. Sie lenkt nur davon ab, dass Merz bislang weder inhaltlich überzeugt noch regierungsfähig geführt hat. Journalismus sollte einordnen, nicht verklären.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zur NOZ vom Samstag, 08.11.2025, zum Artikel über das Deutschlandticket auf der Seite 2

Der Leserbrief kritisiert, dass Union und SPD ihr eigenes Versprechen zur Preisstabilität des Deutschlandtickets brechen. Statt bis 2028 bezahlbar zu bleiben, steige der Preis bereits jetzt deutlich und künftig automatisch weiter. Der Verfasser sieht darin ein Muster gebrochener Entlastungszusagen, das Vertrauen zerstört.

Sehr geehrte Redaktion,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Samstag, 08.11.2025, zum Artikel zum Deutschlandticket auf der Seite 2.

Im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD steht schwarz auf weiß:

„Das Deutschlandticket wird über 2025 hinaus fortgesetzt. Dabei wird der Anteil der Nutzerfinanzierung ab 2029 schrittweise und sozialverträglich erhöht.“

Das war für viele Bürgerinnen und Bürger das Versprechen: Das Ticket bleibt bis 2028 bezahlbar. Doch davon ist längst keine Rede mehr. Der Preis ist schon jetzt von 49 auf 58 Euro gestiegen, und ab 2026 soll er auf 63 Euro klettern. Ab 2027 wird er dann automatisch weiter erhöht, je nach Kostenindex.

Damit kassiert die Regierung ihre eigene Zusage vier Jahre zu früh. Aus einem Entlastungsprojekt für den Alltag wird ein schleichendes Belastungsprogramm. Viele Menschen, die auf Bus und Bahn angewiesen sind, fühlen sich zu Recht getäuscht.

Ähnlich wie bei der Stromsteuer zeigt sich ein Muster: Erst wird Entlastung versprochen, dann still und leise zurückgenommen. So verspielt man Vertrauen, gerade bei denjenigen, die ohnehin schon jeden Euro zweimal umdrehen müssen.

Wenn Union und SPD Glaubwürdigkeit zurückgewinnen wollen, müssen sie endlich wieder zu dem stehen, was sie selbst unterschrieben haben.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zur NOZ vom 06.11.2025, Kommentar Burkhard Ewert zu Bill Gates

Der Leserbrief kritisiert den NOZ-Kommentar, der Bill Gates als pragmatischen Kritiker des „Klimaalarmismus“ darstellt. Er weist darauf hin, dass Gates’ eigene Investments davon profitieren und dass die Klimafakten – steigende Hitzetote – die Dringlichkeit der Krise belegen. Ein Kommentar sollte Verantwortung statt Beschwichtigung betonen.

Hallo NOZ Team, hallo Herr Ewert,

hier meine Meinung zum Kommentar zu Bill Gates in der NOZ vom 06.11.2025.

Burkhard Ewert lobt Bill Gates als mutigen Realisten, der den „Klimaalarmismus“ beendet. Tatsächlich bedient er damit eine bequeme Erzählung: Wir müssen nichts ändern, Innovation wird’s schon richten.

Dass Gates selbst Milliarden in Technologien investiert, die von dieser Sichtweise profitieren, bleibt unerwähnt. Auch seine angebliche „Faktenlage“ ist trügerisch: Zwar starben in der Vergangenheit mehr Menschen an Kälte als an Hitze, doch laut The Lancet kehrt sich dieser Trend längst um. Mit zunehmender Erderwärmung nehmen Hitzetote massiv zu, während Kältetote abnehmen. Wer das verschweigt, verharmlost die Krise.

Die Klimaforschung ruft nicht zur Panik auf, sondern zur Verantwortung. Diese Haltung wäre eines Kommentars würdiger gewesen als die Beschwichtigung im Gewand der Vernunft.

Mit freundlichen Grüßen

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