Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen seit 2025

Autor: Timm Reichl (Seite 38 von 59)

Leserbrief zum NZZ-Artikel Standortrisiko Klimawandel? in der NOZ von 3. September 2025 (Seite 4)

Der NZZ-Artikel relativiert die Klimakrise, indem er Fehler in einzelnen Studien auf das gesamte Fachgebiet ausweitet. Klimawissenschaft warnt unmissverständlich vor enormen Risiken – es ist gefährlich, diese Forschung zu diskreditieren.

Sehr geehrte Redaktion,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zum NZZ-Artikel Standortrisiko Klimawandel? in der NOZ von 3. September 2025 (Seite 4).

Die NZZ wirft in ihrem Artikel „Standortrisiko Klimawandel?“ berechtigte Fragen zur Qualität einzelner Studien auf. Wissenschaft lebt vom Widerspruch, und Korrekturen sind Teil seriöser Forschung. Problematisch ist jedoch der Unterton: Aus den Fehlern einer Studie wird ein Generalverdacht gegenüber der gesamten Klimaforschung abgeleitet.

Wer so argumentiert, riskiert, den Eindruck zu erwecken, Klimawissenschaft sei insgesamt unsicher oder übertrieben, und dass Politik sich vorschnell auf „alarmistische“ Szenarien stütze. Genau diese Skepsis transportiert der Artikel, auch durch den Hinweis auf mögliche ökonomische „Vorteile“ der Erderwärmung. Damit wird weniger Wissenschaftskritik betrieben, sondern subtil die Notwendigkeit ambitionierter Klimapolitik relativiert.

Tatsächlich zeigt die Gesamtheit der Forschung, dass die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Risiken des Klimawandels enorm sind, auch wenn einzelne Modellrechnungen Fehler enthalten. Es wäre deshalb ehrlicher, nicht einzelne Patzer zu verallgemeinern, sondern die breite wissenschaftliche Evidenz darzustellen, die seit Jahrzehnten unmissverständlich vor hohen Kosten und irreversiblen Schäden warnt.

Mit der unkommentierten Übernahme des NZZ-Artikels relativiert die NOZ die Klimakrise und stellt die Glaubwürdigkeit der Forschung pauschal infrage.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zur NOZ vom Dienstag, 02.09.2025, Söders Behauptungen auf der Seite 1

Söders Kritik am Bürgergeld ist Heuchelei, während Abgeordnete sich Diätenerhöhungen gönnen. Gerechtigkeit beginnt bei den großen Vermögen, nicht bei den Bedürftigen. Auch die SPD sollte konsequent für soziale Sicherheit eintreten.

Sehr geehrte Redaktion,

beigefügt sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Dienstag, 02.09.2025, Söders Behauptungen auf der Seite 1.

Markus Söder nennt den Sozialstaat „in dieser Form ungerecht“, und meint damit Kürzungen beim Bürgergeld. Das ist blanke Heuchelei. Gerade erst haben sich Abgeordnete die Diäten um mehrere Hundert Euro erhöht, deutlich mehr als ein Bürgergeldsatz im Monat. Wer so privilegiert ist, sollte nicht nach unten treten.

Ungerecht ist nicht, dass Bedürftige ein Minimum zum Leben erhalten, sondern dass große Gewinne und Vermögen weiterhin kaum belastet werden. Wer wirklich Gerechtigkeit will, muss oben anfangen, nicht bei den Schwächsten.

Auch die SPD täte gut daran, nicht in dieselbe Falle zu tappen und das Bürgergeld kleinzureden, sondern konsequent für soziale Sicherheit einzustehen.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zum Artikel „Merz: Einschnitte im Sozialsystem – Thema Bürgergeld“, NOZ vom 01.09.2025, Seite 1

Bürgergeld stärkt die Realwirtschaft, während Steuererleichterungen für Reiche die Wirtschaft kaum fördern. Merz’ Einschnitte würden die ärmsten Bürger schwächen und die soziale Ungleichheit weiter vergrößern – ein ökonomisch unsinniger Schritt.

Sehr geehrte Redaktion, sehr geehrter Herr Grupe,

beigefügt mein Leserbrief zur im Betreff genannten Ausgabe der NOZ.

Im Artikel „Merz: Einschnitte im Sozialsystem“ wird erneut der Eindruck erweckt, das Bürgergeld sei eine untragbare Last. Auch der Kommentar von Leon Grupe weist zwar zurecht auf die Gefahr von Ausgrenzung hin, bleibt aber an der Oberfläche. Es geht nicht nur um Gerechtigkeit, sondern auch um schlichte ökonomische Vernunft.

Denn: Jeder Euro Bürgergeld fließt unmittelbar in den Wirtschaftskreislauf. Wer wenig hat, gibt sein Geld für Miete, Lebensmittel, Kleidung oder Nahverkehr aus, sichert damit Nachfrage, Arbeitsplätze und spült über die Mehrwertsteuer sogar Mittel zurück in die Staatskasse. Eine Milliarde Euro Bürgergeld erzeugt so fast denselben Effekt im Bruttoinlandsprodukt.

Ganz anders bei Steuererleichterungen für Top-Verdiener: Hier wandert der Großteil in Rücklagen, Aktien oder Immobilienblasen. Für die heimische Wirtschaft bringt das fast nichts. Kurz gesagt: Bürgergeld stärkt die Realwirtschaft, Reichen-Geschenke füttern nur die Spekulation.

Wenn also Friedrich Merz von „schmerzhaften Einschnitten“ spricht, dann heißt das im Klartext: den ärmsten Bürgern Kaufkraft entziehen, die Wirtschaft schwächen und soziale Spannungen verschärfen, während große Gewinne und Vermögen weiter unangetastet bleiben. Das ist nicht nur zutiefst ungerecht, sondern auch ökonomisch unsinnig.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zur NOZ vom Samstag, 30.08.2025, Meinung Burkhardt Ewert zu Angela Merkels „Wir schaffen das“, Seite 1

Der Kommentar zu Merkels „Wir schaffen das“ verzerrt 2015. Die Zahl der Geflüchteten war nicht so dramatisch wie oft behauptet, und ihre Integration war erfolgreich. Merkel setzte auf Humanität und Integration – und hatte recht.

Sehr geehrte Redaktion, sehr geehrter Herr Ewert,

hier mein Leserbrief zur NOZ vom Samstag, 30.08.2025, Meinung Burkhardt Ewert, Seite 1.

Der Kommentar zu Angela Merkels „Wir schaffen das“ verzerrt das Bild von 2015. Ja, damals stieg die Zahl der Asylanträge stark an, rund 476.000 im Jahr, wir alle wissen warum. Von „Millionen Syrern“ kann aber keine Rede sein, und längst nicht alle sind geblieben.

Auch die Behauptung, Merkels Entscheidung habe den Brexit „entscheidend“ ausgelöst, ist historisch unhaltbar. Das Referendum war längst angekündigt, die britische EU-Skepsis tief verwurzelt. Merkels Politik war vielleicht ein Mosaikstein, sicher aber nicht der Schlüssel zum Austritt.

Gern wird auch der Aufstieg der AfD allein auf 2015 zurückgeführt. Das ist bequem, blendet aber andere Ursachen wie soziale Abstiegsängste und allgemeine Politikverdrossenheit aus.

Vor allem unterschlägt der Kommentar die Realität von heute: Laut IAB sind inzwischen 64 % der 2015 Geflüchteten erwerbstätig, rechnet man Selbstständige hinzu sogar knapp 70 %. Damit liegt diese Gruppe fast gleichauf mit der Beschäftigungsquote der Gesamtbevölkerung (77 %). Männliche Geflüchtete arbeiten sogar überdurchschnittlich häufig. Wer also behauptet, Merkels Entscheidung habe Deutschland nur geschadet, ignoriert diese Fakten.

Angela Merkels „Wir schaffen das“ war kein Ausdruck von Willkür, sondern eine politische Wette auf Humanität und Integrationskraft. Zehn Jahre später zeigt sich: Ganz so falsch lag sie nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zum Artikel „Studie: Windparks könnten chemische Stoffe ins Meer abgeben“ (NOZ, 27. August 2025, Seite 24)

Sehr geehrte Redaktion,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zum Artikel „Studie: Windparks könnten chemische Stoffe ins Meer abgeben“ (NOZ, 27. August 2025, Seite 24), in dem ich mir eine zusätzliche Einordnung gewünscht hätte.

Die Risiken durch Offshore-Windparks sind real, aber technisch gut vermeidbar, etwa mit modernen Korrosionsschutzsystemen oder biologisch abbaubaren Schmierstoffen. Demgegenüber richten Öl- und Gastanker nachweislich schwere Schäden an: Havarien und chronische Ölverschmutzungen belasten die Meere seit Jahrzehnten massiv.

Werden fossile Importe durch Windstrom ersetzt, entfallen diese Tankerrisiken, und zusätzlich Treibhausgase, die Ozeane erwärmen und versauern. In der Gesamtbilanz schützt Offshore-Wind die Meere also eher, vorausgesetzt, die Betreiber setzen klare Umweltstandards um.

Mit freundlichen Grüßen 

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