Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen seit 2025

Autor: Timm Reichl (Seite 37 von 59)

Leserbrief zur NOZ vom Samstag, 06.09.2025, Seite 5, Ein Denken wie Lenin – T-Shirt Verfassungsschutz

Leserbrief zur NOZ: Die Empörung über das T-Shirt des Verfassungsschutzes lenkt von der echten Gefahr ab – dem Versuch, den Verfassungsschutz politisch zu diskreditieren.

Sehr geehrte Redaktion,

die Empörung über ein T-Shirt des niedersächsischen Verfassungsschutzes wirkt vorgeschoben. Ausgerechnet CDU, Werteunion und FDP, die sonst für Vorratsdatenspeicherung, Staatstrojaner oder Palantir-Software eintreten, geben sich plötzlich als Hüter der Bürgerrechte.

Der Verdacht liegt nahe: Manche Konservative kritisieren den Verfassungsschutz weniger wegen eines missglückten Spruchs, sondern weil sie selbst durch seine Arbeit ins Visier geraten könnten, sei es bei der Beobachtung rechtsextremer Netzwerke oder der AfD.

Die eigentliche Gefahr für unsere Demokratie liegt nicht in einem flapsigen Werbespruch, sondern in dem Versuch, den Verfassungsschutz politisch zu diskreditieren.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zur NOZ vom Freitag, 05.09.2025, Artikel So ungerecht ist die Erbschaftsteuer, Seite 2

Die Erbschaftsteuer ist nicht ungerecht, sondern ihre ungleiche Verteilung. Milliardenerben profitieren von Ausnahmen, während der Mittelstand stark belastet wird. Es braucht eine Schließung von Steuer-Schlupflöchern, um Ungleichheit zu bekämpfen.

Sehr geehrte Redaktion, sehr geehrte Frau Lehmann,

Ihre Schlagzeile „So ungerecht ist die Erbschaftsteuer“ greift zu kurz. Ungerecht ist nicht, dass der Staat Erbschaften besteuert. Ungerecht ist, wer wie viel zahlt. Heute trifft die Steuer vor allem den gehobenen Mittelstand, etwa Familien, die ein Haus in München erben. Überreiche Milliardenerben hingegen können über großzügige Ausnahmen und Gestaltungen oft fast steuerfrei Hunderte Wohnungen oder ganze Unternehmen übernehmen.

Dass Ihr Artikel sich fast ausschließlich auf Anton Steiner stützt, Präsident eines Erbrechts-Anwaltsvereins, verschiebt die Perspektive. Seine Forderung nach einem Einheitssatz von 3–5 Prozent würde nicht „Gerechtigkeit schaffen“, sondern vor allem die Reichsten in Deutschland massiv entlasten.

Finanzwissenschaftler wie das DIW betonen dagegen: Rund 400 Milliarden Euro werden jährlich vererbt, eine zentrale Quelle wachsender Ungleichheit. Wer ernsthaft über Gerechtigkeit sprechen will, muss endlich die Schlupflöcher für Überreiche schließen, statt Erbschaften pauschal zu verbilligen.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zum Kommentar von Burkhard Ewert „Ach, Habeck, Wie anders war er wirklich?“ in der NOZ vom 04.09.2025

Burkhard Ewerts Kommentar zu Robert Habeck verzerrt Fakten und übertreibt. Statt einer fairen Bilanz gibt es polemische Unterstellungen und selektive Kritik. Ein kritischer Rückblick sollte ausgewogen und faktenorientiert sein.

Sehr geehrte Redaktion, sehr geehrter Herr Ewert,

hier mein Leserbrief zum Kommentar von Burkhard Ewert „Ach, Habeck, Wie anders war er wirklich?“ in der NOZ vom 04.09.2025.

Burkhard Ewerts Kommentar über Robert Habeck ist kein fairer Rückblick, sondern ein gezieltes Nachtreten. Statt einer ausgewogenen Bilanz greift er zu Übertreibungen und persönlichen Unterstellungen.

So erklärt er das Gebäudeenergiegesetz kurzerhand zum „Scheitern“. Fakt ist: Das Gesetz wurde nach intensiven Debatten und Anpassungen 2023 verabschiedet. Es als gescheitert darzustellen, ist schlicht falsch.

Ebenso verzerrt ist der Vorwurf einer „Agora-Connection“. Ja, Habeck holte Vertraute ins Ministerium, wie es jede neue Regierung tut. Doch daraus eine reine Seilschaft zu konstruieren, unterschlägt, dass er zahlreiche erfahrene Fachleute übernahm.

Auch der Versuch, Habecks Lehrauftrag an der Universität Berkeley als „keine relevante Würde“ abzuwerten, wirkt kleinlich. Gastdozenturen an einer der weltweit führenden Hochschulen sind zweifellos eine Auszeichnung. Dass Ewert dies ins Gegenteil verkehrt, spricht Bände.

Habecks kommunikative Entgleisungen gegenüber politischen Gegnern verdienen Kritik. Aber Ewert reiht sie ohne Einordnung aneinander und stilisiert sie zu einem Charakterbild. Damit entsteht ein Zerrspiegel, der weniger über Habeck als über die Schlagseite des Autors verrät.

Wer Robert Habecks Rückzug aus der Politik kommentiert, darf Stärken und Schwächen benennen. Doch wenn persönliche Polemik und selektive Fakten die Grundlage sind, verfehlt der Text sein Ziel. Eine Zeitung, die Meinungsvielfalt betont, sollte Kommentare veröffentlichen, die kritisch und faktenorientiert sind, nicht persönliche Abrechnungen.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zur Meinung zur Energiewende von Thomas Ludwig in der NOZ vom 04.09.2025, Seite 1

Verzögerungen bei der Energiewende kosten mehr als die Umstellung selbst. Langfristig spart Deutschland durch den Umbau Energie, reduziert Importe und schafft neue Jobs – „Tempo rausnehmen“ ist der falsche Ansatz

Sehr geehrte Redaktion, sehr geehrter Herr Ludwig,

hier mein Leserbrief zur Meinung zur Energiewende von Thomas Ludwig in der NOZ vom 04.09.2025, Seite 1.Thomas Ludwig zeichnet die Energiewende als teure Belastungsprobe und fordert ein „Tempo rausnehmen“. Doch das greift zu kurz.

Ja, die Energiewende kostet Milliarden, aber Verzögerungen kosten noch mehr. Schon heute importiert Deutschland fossile Brennstoffe für rund 130 Milliarden Euro jährlich. Auf 25 Jahre gerechnet summiert sich das auf über drei Billionen Euro, Geld, das ins Ausland fließt. Hinzu kommen die massiven Folgekosten der Klimakrise.

Die oft zitierte Zahl von 5,4 Billionen Euro (DIHK-Studie) ist ein industrienahes Schreckensszenario: Sie rechnet Kosten hoch, verschweigt aber Einsparungen durch sinkende Energiekosten, vermiedene Importe und neue Jobs. Studien von Fraunhofer und DIW zeigen: Der Umbau rechnet sich langfristig.

„Tempo rausnehmen“ klingt moderat, heißt aber: mehr Abhängigkeit, höhere Kosten und verfehlte Klimaziele. Die eigentliche Illusion ist zu glauben, dass langsameres Handeln billiger wäre.

Mit freundlichen Grüßen 

Lesebrief zur NOZ vom 03.09.2025, Seite 4, Meinung Rena Lehmann „Sozialer Sprengstoff“ zum Sozialstaat

Die Sozialstaatsausgaben sind nicht explodiert – sie sind stabil bei rund 30 % des BIP. Das eigentliche Problem sind stagnierende Reallöhne, steigende Mieten und eine Steuerpolitik, die die Mittelschicht belastet.

Sehr geehrte Redaktion, sehr geehrte Frau Lehmann,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom 3. September 2025, Seite 4, Meinung Rena Lehmann „Sozialer Sprengstoff“.

Rena Lehmann warnt vor „sozialem Sprengstoff“ und verweist auf angebliche „Rekordausgaben“ des Sozialstaats. Richtig ist: Die absoluten Ausgaben steigen, wie alle Staatsausgaben. Entscheidend ist aber der Anteil an der Wirtschaftsleistung. Laut Statistischem Bundesamt liegt die Sozialleistungsquote seit zwei Jahrzehnten stabil bei etwa 29 bis 31 Prozent. Von einem ausufernden Sozialstaat kann keine Rede sein.

Auch Familien mit mittleren Einkommen profitieren massiv von Sozialleistungen, von Kindergeld über Rente bis zur Krankenversicherung. Wer hier ein Gegeneinander von „Leistungsträgern“ und „Leistungsempfängern“ aufmacht, lenkt von den eigentlichen Problemen ab: stagnierenden Reallöhnen, steigenden Mieten und einer Steuerpolitik, die die Mitte besonders belastet.

Mit freundlichen Grüßen

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