Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen

Autor: Timm Reichl (Seite 37 von 72)

Leserbrief zur Meinung von Philipp Ebert auf Seite 1 der NOZ vom 18.11.2025 zum Thema „Vorschlag von Ferdinand von Schirach: Soll Merz sieben Jahre Kanzler bleiben? Was Deutschland wirklich helfen könnte“ 

In Reaktion auf den Artikel von Philipp Ebert in der NOZ wird die Frage aufgeworfen, ob Merz sieben Jahre Kanzler bleiben sollte und welche Maßnahmen Deutschland wirklich helfen könnten. Es wird betont, dass eine Modernisierung des politischen Systems notwendig ist, jedoch ohne autoritäre Ansätze, die die demokratische Repräsentation gefährden.

Moin NOZ, moin Herr Ebert,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur Meinung von Philipp Ebert auf Seite 1 der NOZ vom 18.11.2025 zum Thema „Vorschlag von Ferdinand von Schirach: Soll Merz sieben Jahre Kanzler bleiben? Was Deutschland wirklich helfen könnte“.

Im Kommentar von Herrn Ebert entsteht der Eindruck, Deutschland habe „seit 1998 keinen echten Regierungswechsel“ erlebt. Diese Darstellung ist irreführend. Der Wechsel von Schröder zu Merkel 2005 war politisch tiefgreifend, ebenso der Übergang zur Ampel 2021. Auch die Behauptung, die SPD „regiere immer“, ignoriert, dass die CDU sechzehn Jahre lang das Kanzleramt innehatte.

Problematisch ist zudem, das britische Mehrheitswahlrecht als Lösung darzustellen. Dieses System führt regelmäßig zu stark verzerrten Mehrheiten: Parteien mit zweistelligen Ergebnissen erhalten fast keine Sitze, während Regierungen oft ohne gesellschaftliche Mehrheit handeln. Die politischen Turbulenzen in Großbritannien der letzten Jahre zeigen eher Instabilität als Stärke. In Deutschland würde ein solches Modell kleinere Parteien weitgehend ausschalten und könnte im Osten der AfD viele Direktmandate sichern. Das wäre eine deutliche Schwächung der demokratischen Repräsentation.

Ja, unser politisches System braucht Modernisierung – aber sicher keine autoritären Experimente und auch keinen Import eines Wahlrechts, das die Probleme eher verschärft. Nötig sind bessere parlamentarische Verfahren, mehr Transparenz und ein effizienteres Regierungshandeln, nicht weniger Demokratie.

Leserbrief zum Artikel „Industriestrompreis zugesagt“ von Marcus Alwes in der NOZ vom 18.11.2025

Der Leserbrief beleuchtet die Kritik am geplanten Industriestrompreis: Während große Industriebetriebe stark subventioniert werden sollen, trägt die Allgemeinheit die Kosten und Haushalte bleiben auf hohen Energiepreisen sitzen. Im Fokus steht die Frage nach Fairness und ausgewogenen politischen Prioritäten.

Hallo NOZ, hallo Herr Alwes,

ich sende Ihnen meinen Leserbrief zum Artikel „Industriestrompreis zugesagt“ von Marcus Alwes in der NOZ vom 18.11.2025.

Mit dem Industriestrompreis werden große Energieverbraucher massiv entlastet, bezahlt wird das aber aus dem Bundeshaushalt und damit von uns Bürgerinnen und Bürgern. Während Konzerne künftig Strom für fünf Cent beziehen sollen, zahlen Haushalte und kleine Betriebe weiter deutlich mehr. Natürlich sind Arbeitsplätze wichtig, aber es bleibt die Frage nach der Fairness: Warum gibt es milliardenschwere Hilfen für die Industrie, während die Kosten für private Verbraucher kaum sinken? 

Am Ende trägt die Allgemeinheit die Rechnung, entweder über Steuergeld, Einsparungen an anderer Stelle oder neue Schulden. Eine ausgewogene Energiepolitik darf die Bevölkerung dabei nicht aus dem Blick verlieren.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zum Artikel zu Clasen Talk „Vier von fünf Bäumen sind nicht gesund“ in der NOZ vom Montag, 17.11.2025 (Windkraft als Gefahr)

Windkraft im Wald wird häufig überdramatisiert, während die eigentlichen Ursachen der Waldschäden – Klimawandel und Braunkohleabbau – kaum erwähnt werden. Der Leserbrief fordert eine sachliche Abwägung statt pauschaler Panikmache.

Hallo NOZ, hallo Herr Clasen,

ich sende Ihnen meinen Leserbrief zum Artikel zu Clasen Talk „Vier von fünf Bäumen sind nicht gesund“ in der NOZ vom Montag, 17.11.2025.

Im jüngsten Clasen Talk wurde erneut Windkraft im Wald als große Gefahr dargestellt. Das verzerrt die Realität. Die massiven Waldschäden der letzten Jahre stammen nicht von Windrädern, sondern vom Klimawandel: Dürre, Hitze und Borkenkäfer haben hunderttausende Hektar zerstört. Vier von fünf Bäumen gelten laut Waldzustandsbericht als geschädigt, ganz ohne Einfluss der Energiewende.

Auch die oft beschworenen „autobahnähnlichen Schneisen“ sind überzogen. Der Bau eines Windrades bedeutet einen Eingriff, aber einen begrenzten. Viele Flächen werden später wieder aufgeforstet. Zum Vergleich: Für Braunkohleabbau wie in Garzweiler oder Lützerath wurden ganze Wälder und Ortschaften ausgelöscht, über Jahrzehnte hinweg und in riesigen Dimensionen. Diese Relationen sollte man nicht ausblenden.

Entscheidend ist eine ehrliche Abwägung: Naturschutzverbände befürworten Windkraft auf geschädigten Monokulturen oder Kahlflächen, während artenreiche Altwälder tabu bleiben müssen. Wer jedoch jede Anlage im Wald pauschal verteufelt, bremst nicht nur die Energiewende, sondern schwächt am Ende auch den Waldschutz.

Denn ohne wirksame Klimapolitik wird der Wald weiter verlieren, unabhängig davon, wie viele Windräder wir verhindern.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zum Artikel von Chefredakteur Ewert – Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander, NOZ vom Montag, 16.11.2025, Seite 5

Der Leserbrief kritisiert, dass Ewerts Artikel ein sehr positives Bild der NOZ zeichnet, das mit der realen Ausrichtung der Redaktion nicht immer übereinstimmt. Er bemängelt, dass kritische Hinweise auf Schieflagen oder einseitige Themensetzungen von der Chefredaktion eher abgewehrt als ernsthaft geprüft werden. Der Text fordert mehr echte Vielfalt und Selbstreflexion im journalistischen Alltag.

Hallo NOZ, hallo Herr Ewert,

mit Interesse habe ich die Ausführungen des Chefredakteurs zur Rolle der NOZ gelesen.

Der Artikel formuliert hohe Ansprüche: Breite der Perspektiven, historische Bescheidenheit, kritische Distanz zur Macht. Doch gerade hier entsteht ein deutlicher Widerspruch zwischen Selbstbeschreibung und tatsächlicher publizistischer Praxis.

Wenn Herr Ewert behauptet, Kritik an einem Rechtsruck komme von Menschen, „die keine Vielfalt wollen“, dann dient das weniger der Debatte als der Immunisierung gegen berechtigte Einwände. Wer eine einseitige Schwerpunktsetzung anspricht (etwa in der migrationspolitischen Berichterstattung oder in den jüngsten Interviews und Meinungsbeiträgen), wird auf diese Weise pauschal diskreditiert. Vielfalt ist nicht gegeben, wenn bestimmte Perspektiven quantitativ überwiegen und andere nur am Rand vorkommen.

Auch die Warnung vor historischen Parallelen, etwa zu Weimar, klingt weniger nach intellektueller Bescheidenheit als nach politischer Entschärfung. Gerade in Zeiten wachsender Radikalisierung braucht es einen Journalismus, der Entwicklungen klar benennt, statt sie aus Angst vor „falschen Vergleichen“ zu relativieren.

Zudem fällt auf, dass Herr Ewert keine einzige selbstkritische Reflexion erwähnt, weder zu journalistischen Fehlgewichten noch zu problematischen Framings, die Leser zu Recht irritieren. Vorwürfe verschwinden so nicht; sie werden nur rhetorisch abgefedert.

Ich und viele weitere Lesende wünschen sich eine NOZ, die ihren eigenen Anspruch ernst nimmt: tatsächliche Breite, kritische Haltung gegenüber allen politischen Akteuren, klare Trennung von Meinung und Berichterstattung und eine ehrliche, auch selbstkritische, Auseinandersetzung mit redaktionellen Schieflagen.

Ein Leitartikel, der vor allem die eigene Strategie lobt, ersetzt diese Arbeit nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zur NOZ vom Samstag, 15.11.2025, Subventionen Luftverkehr – Klimawandel egal?, Seite 16

Die Bundesregierung subventioniert weiterhin Billigflieger, während Bus- und Bahntickets teurer werden. Kurzstreckenflüge wie Münster/Osnabrück–München sollten auf die Schiene verlagert werden. Der Leserbrief kritisiert, dass diese Politik weder sozial gerecht noch klimaschonend ist.

Hallo NOZ, hallo Herr Fays,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Samstag, 15.11.2025, Subventionen im Luftverkehr, Seite 16.

Die Bundesregierung macht Fliegen billiger und das Deutschlandticket teurer. Das ist völlig absurd. Billigflieger und Regionalflughäfen werden entlastet, während Millionen Menschen für Bus und Bahn mehr zahlen sollen. So sieht keine soziale Politik aus. Und schon gar kein Klimawandel.

Gerade Kurzstreckenflüge wie Münster/Osnabrück–München gehören auf die Schiene. Stattdessen wird eine der klimaschädlichsten Branchen weiter gefüttert, während der öffentliche Nahverkehr kaputtgespart wird.

Wer ernsthaft die Zukunft im Blick hat, stärkt Bahn und Bus, nicht den sowieso schon stark subventionierten Luftverkehr. Diese Politik geht mal wieder am Alltag der Menschen vorbei und am Klima ebenfalls.

Mit freundlichen Grüßen 

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