Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen seit 2025

Autor: Timm Reichl (Seite 54 von 60)

Leserbrief zur NOZ vom Montag, 12.05.2025, Expertentalk Seite 2, Artikel „Von Dohnanyi rät zu Gesprächen mit Moskau“

Hallo NOZ Team,

beigefügt sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Montag, 12.05.2025, Expertentalk Seite 2, Artikel „Von Dohnanyi rät zu Gesprächen mit Moskau“.

Mit Interesse habe ich Ihren Artikel über den Expertentalk mit Klaus von Dohnanyi und Christian Hardinghaus gelesen. Der Wunsch nach Frieden ist zweifellos richtig und wichtig, doch ich halte die präsentierten Positionen für hochproblematisch, weil sie zentrale Narrative der russischen Propaganda nahezu unreflektiert übernehmen.

Wenn Herr von Dohnanyi vor angeblicher Eskalation durch Waffenlieferungen warnt und Gespräche mit Moskau fordert, blendet er aus, dass Russland seit Jahren keinerlei echtes Interesse an diplomatischer Lösung zeigt, sondern gezielt Leid und Zerstörung einsetzt, um politische Ziele zu erzwingen. Der Vorschlag, die Ukraine solle „Gebietsverluste akzeptieren“, entspricht exakt der Logik des Aggressors: Wer mit Gewalt Land nimmt, wird am Ende dafür noch mit einem Verhandlungssieg belohnt.

Auch die implizite Kritik an der transatlantischen Partnerschaft nach dem Motto „Europa soll nicht nur den Amerikanern folgen“ spielt in das bekannte russische Narrativ, Europa sei bloß ein Spielball fremder Mächte. Es ist auffällig, wie sehr der Artikel Verständnis für russische Interessen zeigt, und wie wenig Raum für die ukrainische Perspektive bleibt.

Frieden entsteht nicht durch Appeasement, sondern durch klare Prinzipien: Völkerrecht, territoriale Integrität und die Verteidigung demokratischer Gesellschaften. Wer diese Prinzipien aufgibt, um einen „Verhandlungsfrieden“ zu erkaufen, riskiert langfristig weit mehr als einen regionalen Konflikt, nämlich die Stabilität Europas insgesamt.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zur NOZ vom Donnerstag, 08.05.2025, Seite 3, Interview russischer Botschafter

Hallo NOZ Team, 

beigefügt sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Donnerstag, 08.05.2025, Interview mit russischem Botschafter.

Keine Bühne für Propaganda

Sehr geehrte Redaktion,

mit großem Befremden habe ich Ihr Interview mit dem russischen Botschafter Sergej Netschajew („Haben bereits einen Kalten Krieg – sogar in schärferer Form“) gelesen. So wichtig es ist, auch Vertreter autoritärer Regime zu befragen, so enttäuschend ist es, dass diesem Interview jegliche journalistische Einordnung fehlt.

Herr Netschajew verbreitet darin unkommentiert die altbekannten Narrative des Kremls: Die Ukraine sei selbst Schuld an ihrer Lage, Russland führe keinen Angriffskrieg, die Sowjetunion habe Polen 1939 nicht besetzt, sondern „Sicherheitsinteressen“ gewahrt – alles Geschichtsverdrehung in Reinform. Dass diese Aussagen nicht einmal durch Fakten oder historische Korrekturen relativiert werden, ist journalistisch problematisch. Kritische Rückfragen sind zwar vorhanden, doch die Widersprüche bleiben unbezeichnet, die Desinformation wirkt dadurch salonfähig.

Ein Interview mit einem russischen Diplomaten ist keine Bühne für Propaganda, sondern eine Verantwortung, Lügen als solche zu benennen. In einer Zeit des Informationskriegs sollte Medienkompetenz bedeuten: Klar benennen, was Propaganda ist – gerade wenn sie im diplomatischen Gewand daherkommt.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zur NOZ vom Dienstag, 06.05.2025, Meinung Thomas Ludwig Seite 2

Hallo NOZ Team,

beigefügt sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Dienstag, 06.05.2025, zur Meinung von Thomas Ludwig auf Seite 2.

Thomas Ludwigs Appell zur Zurückhaltung im Umgang mit der AfD verkennt die Dringlichkeit der Lage. Wenn eine Partei laut Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird, kann der Rechtsstaat nicht einfach abwarten, bis „die Mitte“ wieder attraktiv genug ist. Ein Verbotsverfahren ist kein Schnellschuss, sondern ein gesetzlich vorgesehener Mechanismus zum Schutz der Demokratie – mit hohen Hürden und sorgfältiger Prüfung durch das Bundesverfassungsgericht.

Der Verweis auf gesellschaftliche Spaltung ist nachvollziehbar, aber wer ernsthaft glaubt, die Demokratie stärke man durch Passivität gegenüber Verfassungsfeinden, verkennt die Gefahr. Gerade der Staat muss zeigen, dass er handlungsfähig ist, wenn seine Grundlagen angegriffen werden. Abwarten ist kein Beweis von Stärke, sondern ein Risiko. Wehret den Anfängen!

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zur NOZ vom Dienstag, 29.04.2025, Seite 15, „Beamte aus rechten Chats bleiben“

Hallo NOZ Team, 

auf diesem Wege sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Dienstag, 29.04.2025, Seite 15, „Beamte aus rechten Chats bleiben“.Leserbrief: „Restvertrauen? Ernsthaft?“

Wenn man liest, dass Polizisten, die über Jahre hinweg rassistische und verfassungsfeindliche Inhalte verschickt haben, trotz allem im Dienst bleiben dürfen, fällt es schwer, noch an die Selbstreinigungskräfte innerhalb der Polizei zu glauben.

Das Oberverwaltungsgericht spricht von einem „Restvertrauen“ – aber was soll das heißen? Vertrauen ist keine kleine Restgröße, die man einfach übriglässt, wenn jemand seine Grundpflichten als Beamter mit Füßen tritt.

In einer Zeit, in der gerade ein junger Mann wie Lorenz A. nach einem Polizeieinsatz in Oldenburg ums Leben kam – auch wenn dieser Fall selbstverständlich noch aufgeklärt werden muss – wirkt ein solches Urteil fast zynisch.

Man erwartet gerade von Polizisten, dass sie klar und unmissverständlich für unsere Verfassung stehen. Wer sich in rechtsextremen Chats herumtreibt, hat im Staatsdienst nichts verloren, Punkt.

Vertrauen wächst nicht durch Wegsehen und minimale Konsequenzen. Es wächst durch klare Haltung. Diese vermisse ich hier schmerzlich.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zur NOZ vom Montag, 28.04.2025, Artikel Expertentalk auf Seite 2

Hallo NOZ Team,

hiermit sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Montag, 28.04.2025, Artikel Expertentalk auf Seite 2.Meinungsfreiheit braucht Verantwortung – nicht Panikmache

Zum Artikel „Frontalangriff auf die Meinungsfreiheit“:

Natürlich ist es wichtig, die Meinungsfreiheit zu schützen. Aber die pauschale Empörung von Joachim Steinhöfel und Raphael Bonelli im Artikel halte ich für überzogen.

Meinungsfreiheit bedeutet nicht, dass bewusste Falschinformationen und demokratiegefährdende Lügen ungestraft bleiben müssen. Schon heute schützt das Strafrecht unsere Gesellschaft vor Verleumdung und Volksverhetzung – völlig zu Recht. Demokratische Staaten wie Finnland zeigen, dass der Schutz öffentlicher Debatten vor gezielter Desinformation kein Angriff auf die Freiheit, sondern eine Notwendigkeit ist.

Die Behauptung, Deutschland steuere auf einen totalitären Staat zu, entbehrt jeder Grundlage. Auch der Hinweis auf YouTube-Löschungen während der Pandemie verkennt, dass Plattformen eine Verantwortung für die Eindämmung gefährlicher Fehlinformationen tragen.

Zudem sollten Leser wissen, dass sowohl Steinhöfel als auch Bonelli eigene wirtschaftliche Interessen haben: Steinhöfel profitiert juristisch von Auseinandersetzungen mit Plattformen, Bonelli als Bestsellerautor von einer staatsskeptischen Erzählung.

Meinungsfreiheit lebt von Wahrheit und Redlichkeit. Wer gezielt täuscht, gefährdet diese Freiheit. Kluge, transparente Regeln gegen Desinformation sind daher keine Zensur, sondern Schutz der Demokratie.

Mit freundlichen Grüßen

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