Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen

Kategorie: Rena Lehmann (Seite 3 von 10)

Rena Lehmann ist Redakteurin der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) mit Schwerpunkt Politik und Außenpolitik. Diese Kategorie analysiert ihre Kommentare und Meinungsbeiträge, darunter Texte zu Friedrich Merz, Donald Trump, Streikrecht und Arbeitsmarktpolitik. Wiederkehrendes Muster: die Übernahme politischer Deutungsrahmen ohne kritische Distanz.

Halbwahrheiten statt Analyse. Was Rena Lehmann in der NOZ am DGB-Steuerkonzept verschweigt

Rena Lehmann wirft dem DGB Populismus vor, weil er Sozialkürzungen kritisiert. Arbeitgeberverbände dürfen dagegen ungestört lobbyieren. In der NOZ gilt Interessenvertretung offenbar nur für eine Seite.

Hallo NOZ, hallo Frau Lehmann,

Rena Lehmanns Kommentar zum DGB-Steuerkonzept hat eine eigentümliche Struktur. Er beginnt mit einem sachlichen Befund, dem sie sogar zustimmt, und endet mit dem Vorwurf des Populismus. Was dazwischen liegt, überzeugt allerdings so gar nicht.

Die Behauptung, schon ein Handwerksbetrieb oder ein Hausbesitzer in guter Lage falle unter den DGB-Begriff „reich“, ist nicht belegt. Das DGB-Konzept sieht ausdrücklich Freibeträge für Betriebsvermögen vor. Wer das weglässt, zeichnet ein falsches Bild.

Dass die oberen zehn Prozent rund die Hälfte des Einkommensteueraufkommens zahlen, ist richtig. Aber dieser Anteil entspricht annähernd ihrem Anteil am Gesamteinkommen. Solidarität ist kein Opfer, wenn man gemessen am eigenen Einkommen nicht überproportional belastet wird.

Der Hinweis auf den Spitzensteuersatz lässt zudem die entscheidende Information weg. Er greift heute bereits ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von rund 67.000 Euro, also in einem Bereich, der von Ökonomen aller Couleur als Fehler im System gilt. Der DGB will genau das korrigieren, indem die hohen Sätze erst bei deutlich höheren Einkommen einsetzen sollen. Das wäre eine Entlastung der Mitte, nicht ihre Belastung.Schließlich der Populismusvorwurf. Der DGB benennt geplante Sozialkürzungen als sozialen Kahlschlag, das ist eine Positionsäußerung im Vorfeld eines Spitzengesprächs, also genau das, was Interessenvertretung bedeutet. Wer das als Verweigerung von Kompromissbereitschaft wertet, legt den Gewerkschaften eine Schweigeverpflichtung auf, die für Arbeitgeberverbände offenbar nicht gilt.

Mit freundlichen Grüßen

Linnemanns Narrativ, Lehmanns Feder — wie die NOZ CDU-Framing als eigene Analyse verkauft

Einen Tag nachdem Linnemann in der Bild „Sparen, sparen, sparen“ fordert, erscheinen in der NOZ gleich zwei Texte mit identischer Botschaft, ohne dass die CDU-Herkunft des Narrativs kenntlich gemacht wird.

Hallo NOZ, hallo Frau Lehmann,

in der heutigen Ausgabe erscheinen gleich zwei Texte mit identischer Stoßrichtung: Mathias Middelberg fordert Sparehrgeiz bei Förderungen, Sie warnen vor neuen Schulden und erklären Kostendruck zum Reformmotor. Beide Texte ergänzen sich zu einem geschlossenen Bild. Was dabei auffällt: CDU-Generalsekretär Linnemann hatte dieselbe Botschaft einen Tag zuvor in der Bild platziert, „sparen, sparen, sparen“, neue Schulden als „Ausdruck politischer Faulheit“. Ihr Kommentar klingt wie ein Echo davon, ohne dass diese Herkunft kenntlich gemacht wird.

Besonders problematisch ist die Darstellung der SPD-Position. Miersch hat nicht gefordert, die Schuldenbremse auszusetzen. Er hat gesagt, im schlimmsten Fall müssten alle Optionen auf den Tisch. Das ist eine Bedingung, keine Ankündigung. Wer daraus ein Schulden-Fetisch-Narrativ baut, verzerrt die Ausgangslage.

Dass selbst Ökonomen, die die Schuldenbremse grundsätzlich verteidigen, differenzieren, bleibt in Ihrem Kommentar unerwähnt. Stattdessen wird ein Bild gezeichnet, in dem Spardisziplin alternativlos und jede Schuldenüberlegung verantwortungslos ist.

Dieses Bild hätte zumindest eine Gegenfrage verdient: Warum gilt die Spardisziplin nicht für den Bundestag selbst? Die aktuelle Diätenerhöhung kommt in beiden Texten nicht vor. Wer Förderungen für „grundsätzlich sinnvoll“ hält, sie aber trotzdem kürzen will, und dabei die eigene Vergütung erhöht, hat kein Sparkonzept. Er hat ein Glaubwürdigkeitsproblem.

Meinungsjournalismus darf pointiert sein. Er sollte aber kenntlich machen, wessen Narrative er transportiert.

Mit freundlichen Grüßen

Warkens Kürzungen treffen die Falschen – warum die NOZ das verschweigt

Rena Lehmanns Kommentar zur Gesundheitsreform vom 23.04.2026 preist Nina Warken als „Lichtblick“, weil sie endlich handle. Doch dieses Lob ignoriert, dass Warkens Reformen vor allem Geringverdienerinnen und Geringverdiener, Patientinnen und Patienten sowie das Gesundheitssystem selbst hart treffen.

Die geplanten Kürzungen bei der Mitversicherung, pauschalen Medikamentenzuzahlungen und dem Krankengeld belasten einkommensschwache Haushalte überproportional. Während Gutverdienerinnen und Gutverdiener sowie private Krankenversicherungen verschont bleiben, müssen gesetzlich Versicherte die Last tragen. Sozialverbände und Kliniken warnen zu Recht vor Wartelisten und einem „staatlich veranlassten Kliniksterben“.

Lehmann übernimmt unkritisch Warkens Behauptung, die Reform sei „sozial verträglich“. Doch pauschale Zuzahlungen sind das Gegenteil: Sie treffen die, die sich 15 Euro für Medikamente am wenigsten leisten können. Statt die Haushaltsnot als Naturgesetz zu akzeptieren, müsste gefragt werden, warum das Gesundheitssystem chronisch unterfinanziert ist, etwa durch Steuerausfälle oder die Privilegierung privater Kassen.Handlungsfähigkeit ist wichtig, aber nicht um jeden Preis. Eine Reform, die soziale Ungleichheit vertieft, verdient kein Lob.

Klassenprimus Dobrindt – und die NOZ lobt mit

Rena Lehmann adelt Dobrindt als „Konsensmaschine“, während auf derselben Seite Spaniens pragmatische Migrationspolitik steht. Ein Kontrast, den die NOZ nicht kommentiert.

Hallo NOZ, hallo Frau Lehmann,

der Meinungsbeitrag von Rena Lehmann über Alexander Dobrindt ist ein Lehrstück in wohlwollender Porträtierung. Der Innenminister wird als nachdenklicher Pragmatiker gezeichnet, der Polarisierung zurückdrängen will und dabei auf seine Sprache achtet. Was fehlt, sind die Maßstäbe.

Denn auf derselben Seite steht ein Artikel über Spanien, der zeigt, was eine andere Migrationspolitik konkret bedeuten kann; Legalisierung, Integration, wirtschaftliche Vernunft. Dieser Kontrast bleibt unkommentiert. Die Juxtaposition ist zufällig, und gerade deshalb aufschlussreich.

NOZblog

Dass Dobrindts Zurückweisungen an den Grenzen rechtlich auf „dünnem Eis“ stehen, erwähnt der Artikel immerhin, um es sofort wegzuerklären. Kein Grundsatzurteil bisher, Glück gehabt. Dass das Berliner Verwaltungsgericht bereits im Juni 2025 entsprechend geurteilt hat, das Innenministerium dies aber als „Einzelfall“ abtat und die Praxis einfach weiterführte, ist kein Kleinreden, sondern ein handfester Rechtsbruch auf Probe. Das verdient mehr als einen Nebensatz.

Ebenso auffällig ist, dass der Rückgang der Asylzahlen Dobrindt als Erfolg zugeschrieben wird, obwohl der Artikel selbst Migrationsforschern zitiert, die ihn vor allem auf den Sturz des Assad-Regimes zurückführen. Das ist ein erheblicher Widerspruch, der im Text aber nicht als solcher behandelt wird, sondern als Dobrindt-Zitat über das „Kleinreden“ seiner Gegner.

Schließlich, Lehmanns Schlussbemerkung, Dobrindt sei „ganz zufrieden mit sich“, klingt wie ein Befund, ist aber das Ergebnis eines Gesprächs ohne Aufzeichnung, auf Wunsch des Ministers. Welchen Erkenntnisgewinn ein solches Porträt jenseits des Selbstbilds des Porträtierten hat, bleibt offen.

Wer Friedrich Merz als kühlen Realisten adelt und Dobrindt als Klassenprimus, betreibt kein Nachrichtenmagazin, sondern Begleitmusik zur Regierung. Das ist eine redaktionelle Entscheidung, die man treffen kann, sie sollte aber als solche erkennbar sein.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu „Fünf Lehren aus der Baden-Württemberg-Wahl“ von Rena Lehmann, NOZ vom 10.03.2026

Pragmatismus vs. Ideologie? Cem Özdemirs Erfolg widerlegt Rena Lehmanns vereinfachende Narrative in ihrem Artikel in der NOZ.

Hallo NOZ, hallo Frau Lehmann,

Rena Lehmanns Analyse der Landtagswahl in Baden-Württemberg trifft in vielen Punkten zu, besonders in der Würdigung von Cem Özdemirs Erfolg. Doch die immer wiederkehrende Gegenüberstellung von „pragmatischen“ Grünen in Baden-Württemberg und einer angeblich „ideologischen“ Bundespartei ist nicht nur vereinfachend, sondern eine inhaltsleere Abwertung, die der politischen Realität nicht gerecht wird.

Özdemirs Politik ist nicht ideologiefrei, sondern erfolgreich in der Umsetzung. Dass er Klimaschutz und Wirtschaft verbindet, ist kein Verzicht auf Prinzipien, sondern eine moderne Synthese, und genau das honorieren die Wähler:innen. Die Grünen in Baden-Württemberg zeigen, dass wertegebundene Politik und Pragmatismus kein Widerspruch sein müssen. Dies als „gallisches Dorf“ abzutun, das sich vom „ideologischen“ Rest der Partei abgrenzt, ignoriert, dass auch Özdemirs Ansatz auf klaren Überzeugungen basiert: Ökologie und Ökonomie gehören zusammen. Das ist kein Verzicht auf Ideologie, sondern ihre intelligente Anwendung.

Gleichzeitig wird die Union in Lehmanns Artikel als „pragmatisch“ oder „mittig“ beschrieben, doch wo bleibt da die inhaltliche Substanz? Friedrich Merz CDU führte einen Wahlkampf ohne klare Zuspitzung und verlor trotzdem. Das ist kein Pragmatismus, sondern Planlosigkeit. Die Union wirkt aktuell weniger „ideologiefrei“, sondern schlicht ideenarm. Der Vorwurf der „“grünen Ideologie“ dient hier oft als Ablenkung von eigener Ratlosigkeit, statt als sachliche Kritik.

Politik lebt von Werten und ihrer Umsetzung. Wer das eine gegen das andere ausspielt, verkennt, dass erfolgreiche Politik beides braucht. Cem Özdemir hat das verstanden. Vielleicht sollte man das nicht als Ausnahme, sondern als Lehrstück begreifen.

Mit freundlichen Grüßen

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