Als Burkhard Ewert, Chefredakteur der NOZ, meinen kritischen Leserbrief mit „Sie schreiben gut“ lobte und mich einlud, klang das wie ein Dialogangebot…bis meine Nachfrage nach dem Rahmen des Gesprächs im Schweigen endete.
Das Lob, das kein Gespräch wurde
Mein Leserbrief war eine klare Abrechnung mit Ewerts Kommentar zu Christian Lindner, der dessen politischen Abgang als „Freiheitstat“ verklärte. Statt auf die inhaltliche Kritik einzugehen, lobte Ewert meinen Stil und lud mich zum Gespräch ein (Korrespondenz siehe unten). Doch als ich nach dem Rahmen fragte (welche Themen? Welches Ziel?), deutete er meine Nachfrage als mangelndes Interesse. Meine Antwort: drei konkrete Themenvorschläge – journalistische Verantwortung, Umgang mit Kritik, Perspektivenvielfalt. Die Reaktion? Nichts.
Das war kein Zufall. Es passt ins Muster, die NOZ lädt Leser:innen ein, solange sie nicht zu unbequem werden.
Die neue NOZ-Debattenkultur: Einladung zum Schweigen
Seit Februar 2026 schließt die NOZ ihre Kommentarspalten und kontrolliert die Verbreitung von Leserbriefen stärker. Offizielle Begründung: „Qualitätssicherung“. Doch was wirklich passiert, ist klar. Widerspruch wird erschwert, Kontrolle erhöht.
Mein Austausch mit Ewert zeigt, wie das funktioniert. Lob ja, Dialog nein. Kritik wird gelesen, aber nicht beantwortet. Leser:innen sind willkommen, aber nur als statistische Masse, nicht als gleichberechtigte Gesprächspartner.
Warum das problematisch ist
Journalismus lebt vom Diskurs. Doch wenn eine Zeitung Leserbriefe lobt, aber Debatten schließt, wird aus dem „öffentlichen Forum“ ein kontrollierter Monolog. Mein Fall ist kein Einzelfall. Er zeigt, wie Medien mit Kritik umgehen, wenn sie unbequem wird. Man hört zu, aber nur, solange es keine Konsequenzen hat.
Ein Qualitäts-Siegel mit Haken
Burkhard Ewerts „Sie schreiben gut“ war kein Anfang, sondern ein Ende. Ein Kompliment, das keine Antwort verlangt. Ein Dialogangebot, das keine Diskussion zulässt.
Und so bleibt am Ende nur eines: „Approved by NOZ…aber bitte nicht zu laut.“
PS: Ich habe länger überlegt, diesen Beitrag wirklich zu veröffentlichen. Vor dem aktuellen Hintergrund, der Streichung von öffentlicher Beteiligung an der NOZ, denke ich aber, nun ist genau der richtige Zeitpunkt dafür gekommen. Zum Hintergrund siehe diese beiden Artikel:
Weniger Widerspruch, mehr Kontrolle. Warum die NOZ ihre Kommentarspalten schließt.
Leserbrief zum Thema Leserbriefe, Artikel „In eigener Sache“ von der Chefredaktion, NOZ vom 13.02.2026, Seite 2
Hier die Korrespondenz mit Burkhard Ewert
Ewert, Burkhard <b.ewert@noz.de> schrieb am Do., 27. Nov. 2025, 08:38:
Hallo Herr Reichl,Sie schreiben gut. ich würde Sie gerne einmal kennenlernen. Haben Sie Lust?
Mit freundlichen Grüßen Burkhard Ewert
Hallo Herr Ewert,
vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Ich freue mich über Ihr Interesse.Bevor ich über ein persönliches Treffen entscheide, würde ich gern wissen, in welchem Rahmen und mit welchem konkreten Anlass Sie ein Kennenlernen vorschlagen.
Mit freundlichen Grüßen
Hallo, ich lade Sie gerne bei uns in die Redaktion zum persönlichen Gespräch mit mir ein und würde mich über eine Zusage freuen. Viele Grüße, Burkhard Ewert
Hallo Herr Ewert,
danke für Ihre Einladung in die Redaktion.Bevor ich einen Termin zusage, würde ich gern kurz wissen, in welchem konkreten Rahmen das Gespräch stattfinden soll und welche Themen Sie ansprechen möchten. Da meine (und sicherlich auch Ihre) Zeit begrenzt ist, ist mir eine kurze Orientierung wichtig, um einschätzen zu können, ob ein Treffen für beide Seiten sinnvoll ist.
Mit freundlichen Grüßen
Guten Morgen, es zählt zu meinem Beruf und Antrieb, vielseitige Menschen zu treffen und Perspektiven kennenzulernen. Aber wenn Ihr Interesse so begrenzt und die Zeit knapp ist, wünsche ich mit Bedauern eine schöne Adventzeit und gesegnete Weihnachten. Beste Grüße, Burkhard Ewert
Hallo Herr Ewert,
vielen Dank für Ihre Nachricht. Meine Nachfrage nach dem Rahmen des Gesprächs war nicht Ausdruck mangelnden Interesses, sondern ein ganz normaler Schritt, um den Zweck und die inhaltliche Ausrichtung eines Treffens einordnen zu können.Sollte das persönliche Gespräch weiterhin in Ihrem Sinne sein, wäre für mich folgender allgemeiner Rahmen relevant:
– Ein Austausch über journalistische Verantwortung und redaktionelle Entscheidungsprozesse
– Die Rolle unterschiedlicher Perspektiven im öffentlichen Diskurs
– Der Umgang der Redaktion mit kritischen LesermeinungenWenn dies Ihrem Anliegen entspricht, können wir gern über einen Termin sprechen.Ansonsten auch Ihnen entspannte Festtage.
Mit freundlichen Grüßen
Hierauf erhielt ich leider keine Antwort mehr von Burkhard Ewert…