Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen

Kategorie: NOZ allgemein (Seite 7 von 8)

Strukturelle Medienkritik an der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) und ihrem Verlagshaus NOZ/mh:n: Kommentarspalten-Schließung, Leserbrief-Politik, unkritische NZZ-Übernahmen, das neue Debattenformat „360°“ und die Frage, welche Öffentlichkeit eine Regionalzeitung mit überregionalem Mantelteil herstellt. Diese Kategorie richtet den Blick auf die NOZ als Institution.

Leserbrief zu „Migrationspolitik der EU – Warum Rückführungszentren überfällig sind“ von Sonja Scheller, NOZ vom 10.03.2026

Rückführungszentren? Eine zynische Scheinlösung! Warum die Forderung nach „Return Hubs“ von Sonja Scheller in der NOZ unmenschlich, überflüssig und widerlegt ist.

Hallo NOZ, hallo Frau Scheller,

Sonja Schellers Forderung nach „Return Hubs“ in Drittstaaten ignoriert nicht nur die Realität von Flucht und Migration, sondern auch die tatsächliche Situation in deutschen Kommunen. Die Behauptung, Städte und Gemeinden seien „am Limit“, ist schlicht übertrieben. Aktuell sehen nur noch 11 Prozent der Kommunen ihre Unterbringungskapazitäten als überlastet an, und selbst in Großstädten arbeiten „nur“ gut 60 Prozent der Ausländerbehörden im „Notfallmodus“, ein deutlicher Rückgang gegenüber den Vorjahren. Die Asylantragszahlen sind 2025 um 32 Prozent gesunken, und selbst Bayerns Innenminister spricht von „spürbarer Entlastung“ für die Kommunen.

Die Annahme, dass „Pull-Faktoren“ wie Sozialleistungen oder Bleibeperspektiven Migration verursachen, ist wissenschaftlich widerlegt. Studien zeigen, dass Menschen vor Krieg, Verfolgung und existenzieller Not fliehen, nicht wegen vermeintlicher „Anreize“ in Europa. Die geplante Auslagerung von Asylverfahren in Drittstaaten ist nicht nur rechtlich fragwürdig, sondern auch zynisch. Wer abgelehnte Asylbewerber:innen in Länder bringt, die oft selbst von Instabilität geprägt sind, riskiert Menschenrechtsverletzungen.

Statt auf Abschreckung zu setzen, sollte die EU endlich die Ursachen von Flucht bekämpfen; durch Klimaschutz, faire Handelsbeziehungen und Unterstützung für Krisenregionen. Auch die Behauptung, Rückführungszentren würden „Vertrauen in den Rechtsstaat“ stärken, ist eine Milchmädchenrechnung. Ein Rechtsstaat, der Schutzsuchende in prekäre Situationen drängt, verliert Glaubwürdigkeit und gewinnt sie nicht. Stattdessen braucht es faire Asylverfahren, europäische Solidarität und eine Politik, die Menschlichkeit über Abschottung stellt.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu einseitiger Berichterstattung zu politisch motivierter Gewalt, NOZ vom 07.03.2026

NOZ wieder auf Kurs: Reißerische Überschrift zu Linksextremismus, während rechtsextreme Gewalt unter den Tisch fällt.

Hallo NOZ, hallo Herr Hinrichs,

der Artikel „Keine einzige Tat aufgeklärt – Linksextreme Gewalt nimmt zu“ von Jürgen Hinrichs (übernommen aus dem Weser-Kurier) in der NOZ vom 07.03.2026, Seite 5 ist ein weiteres Beispiel für die selektive Wahrnehmung Ihrer Redaktion. Die Überschrift suggeriert, linksextreme Gewalt sei das zentrale Problem, doch die Zahlen widerlegen das: 398 rechtsextreme Delikte stehen 192 linksextremen gegenüber. Warum wird dieser Kontext nicht genannt?

Noch problematischer ist die pauschale Behauptung, „keine einzige Tat“ sei aufgeklärt. Das gilt offenbar für beide politische Lager. Statt jedoch die strukturellen Defizite der Strafverfolgung zu hinterfragen, wird der Fokus einseitig auf Linksextremismus gelegt. Auch die Einstellung von Verfahren wegen Geringfügigkeit betrifft alle Formen politisch motivierter Kriminalität, kein Alleinstellungsmerkmal linker Täter.

Eine seriöse Analyse hätte zudem die Motive linker Gewalt (z. B. gegen Rüstungsfirmen oder Wohnungsinvestoren) einordnen müssen. Stattdessen wird mit reißerischen Formulierungen Stimmung gegen „den Staat und das Kapital“ gemacht, während rechtsextreme Gewalt systematisch verharmlost wird.

Mit freundlichen Grüßen

Update vom 16.03.2026, Herr Hinrichs hat geantwortet:

Hallo Herr Reichl,

wir haben uns bewusst für eine kleine Serie allein den Linksextremismus in Bremen vorgenommen. Dass die Taten von Rechtsextremisten rein quantitativ das größere Problem sind, ergibt sich schon aus den von Ihnen zitierten Zahlen in meinem Artikel. Nur dass es in der Serie eben um einen anderen Fokus ging – das hat mit Verharmlosung oder Relativierung rechtsextremer Gewalt rein gar nichts zu tun. Diese Fälle werden in der kontinuierlichen Berichterstattung selbstverständlich berücksichtigt und, wo das gelingt, auch eingeordnet.

Das Phänomen, dass in Bremen keine einzige Gewalttat Linksextremer aufgeklärt werden konnte, ist einzigartig. Vom LKA wird das eingeräumt und mit den semi-professionellen Strukturen der Szene erklärt. Einzigartig ist auch die Qualität der Taten.

Mit freundlichen Grüßen Jürgen Hinrichs

Update 16.03.2026, meine Antwort an Hinrichs:

Hallo Herr Hinrichs,

Ihre Antwort offenbart das eigentliche Problem. Wenn 398 rechtsextreme Delikte 192 linken gegenüberstehen, ist es keine „Fokussierung“, sondern eine Verzerrung, dies nicht bereits in der Überschrift klarzustellen. Dass Sie rechtsextreme Gewalt in einer „kontinuierlichen Berichterstattung“ behandeln, ist ein leeres Versprechen, solange Sie keine konkreten Beispiele nennen. Wo sind die investigativen Artikel zu den unaufgeklärten Brandanschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte? Warum keine Serie zu den „semi-professionellen Strukturen“ der rechten Szene?Ihre Behauptung, unaufgeklärte linke Gewalt sei einzigartig, ist schlicht falsch. Einzigartig ist allein, dass Sie rechte Gewalt, trotz höherer Fallzahlen, nicht als systemisches Versagen der Ermittler thematisieren. Das LKA als Quelle anzuführen, während Sie dessen Blindflecke bei Rechts ignorieren, wirkt wie selektive Empörung.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu „Mossad-Agent, QAnon und Ritualmorde?“ zum Fall Epstein von Nico Hoppe, NOZ vom 27.02.2026, Seite 3

NOZ übernimmt unkritisch NZZ-Artikel zum Epstein-Skandal und macht sich zur Komplizin der Verharmlosung.

Hallo NOZ, hallo NZZ, hallo Herr Hoppe,

die unkommentierte Übernahme des NZZ-Artikels „Mossad-Agent, QAnon und Ritualmorde?“ in Ihrer Ausgabe vom 27. Februar 2026 ist kein harmloses redaktionelles Versäumnis, sondern ein Symptom für den Verlust journalistischer Standards.

Statt den Epstein-Skandal, einen der schwerwiegendsten Fälle organisierten sexuellen Missbrauchs der jüngeren Geschichte, sachlich und mit dem gebotenen Respekt vor den Opfern aufzuarbeiten, übernimmt die NOZ einen Text, der die nachgewiesenen Verbrechen durch den Fokus auf Verschwörungstheorien relativiert. Der Artikel bedient pauschale „Eliten“-Narrative und reduziert die systematische Ausbeutung Minderjähriger zu einer bloßen Projektionsfläche für Spekulationen. Die NOZ druckt dies nicht nur ohne eigene Einordnung, sondern verzichtet sogar darauf, ihren Leser:innen zu erklären, warum dieser Text für sie relevant sein soll.

Besonders problematisch ist die implizite Botschaft. Indem der Artikel die Epstein-Akten vor allem als „Beleg“ für oder gegen Verschwörungsmythen diskutiert, werden die Verbrechen, Verurteilungen, strukturelle Verantwortlichkeiten und das Leid der Opfer zur Nebensache degradiert. Die NOZ trägt damit zur Verharmlosung eines Skandals bei, der Hunderten von Menschen irreparables Leid zufügte. Journalistische Sorgfalt hätte hier verlangt, klar zwischen gesicherten Fakten (Epsteins und Maxwell Verurteilungen, die Rolle von Mittätern) und haltlosen Spekulationen (QAnon, Pizzagate) zu unterscheiden. Stattdessen wird beides vermischt, mit dem Ergebnis, dass weder die Verbrechen angemessen thematisiert noch die Verschwörungstheorien wirksam widerlegt werden.

Noch gravierender ist das redaktionelle Versagen. Die NOZ übernimmt einen Text, der weder lokal verankert ist noch eine eigene Haltung erkennen lässt. Das ist kein Journalismus, sondern bloße Platzfüllung. Wenn schon keine eigenen Recherchen möglich sind, wäre zumindest eine redaktionelle Einordnung nötig gewesen, die den Artikel kontextualisiert und die Leserschaft vor den Fallstricken der Thematik warnt. So aber bleibt der Eindruck, die NOZ verstecke sich hinter der NZZ und verzichte damit auf ihre eigentliche Aufgabe; Aufklärung statt bloßer Verbreitung von Inhalten.

Ein Medium, das sich als seriöse Stimme der Region versteht, darf sich nicht zum unkritischen Verbreiter fremder Texte machen, schon gar nicht bei Themen, die so viel Leid und so viel Desinformation umfassen. Die NOZ sollte sich fragen, welchen Anspruch sie tatsächlich noch verfolgt. Die Leserschaft verdient mehr als gedankenlose Übernahme. Sie verdient Journalismus, der Verantwortung übernimmt.

Mit kritischen Grüßen

Leserbrief zu „Hitlergruß auf einem AfD-Plakat?“ von Kathrin Klette, NOZ vom 27.02.2026, Seite 2

Wenn die NOZ ein verurteiltes AfD-Plakat mit Hitlergruß-Bezug durch CDU-Vergleiche und NZZ-Übernahmen zur „Debatte“ verharmlost.

Hallo NOZ, hallo NZZ, hallo Frau Klette,

der Artikel „Hitlergruß auf einem AfD-Plakat?“ (NOZ, 27.02.2026)
illustriert ein Problem, nämlich die schleichende Normalisierung rechtsextremer
Provokationen durch unkritische Berichterstattung.

Der Vergleich des verurteilten AfD-Plakats mit einem CDU-Motiv relativiert
die Brisanz. Während die CDU nie mit nationalsozialistischer Symbolik in
Verbindung gebracht wurde, ist der Hitlergruß-Bezug der AfD
dokumentiert, von Höckes „völkischen“ Äußerungen bis zu Möllers
Verurteilung. Diese Unterschiede werden nicht benannt.

Auffällig ist zudem das Fehlen lokaler Stimmen. Keine Reaktionen aus Osnabrücker Politik oder Zivilgesellschaft, keine Einordnung durch Expert:innen.
Stattdessen bleibt es bei einer oberflächlichen Darstellung, die das
Plakat als „kontrovers“ statt als skandalös einstuft.

Besorgniserregend ist auch die ständige Übernahme von Inhalten aus der NZZ, die selbst die AfD oft als „legitime Opposition“ framed. Wenn die NOZ solche Texte unkritisch druckt, trägt sie zur Verwässerung der Debatte bei.

Die AfD nutzt gezielt Provokationen, um Grenzen auszutesten. Medien wie die
NOZ sollten dies nicht durch Neutralität, sondern durch klare
Einordnung begleiten, sonst wird sie zum Komplizen der Normalisierung.

Mit kritischen Grüßen
Timm Reichl

Aktion NOZkritisch: Bürgerprotest gegen Qualitätsverlust der NOZ

Aktion NOZkritisch formiert sich. 70 Bürger:innen protestieren gegen Qualitätsverlust und Rechtsdrift der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Am 24. Februar 2026 trafen sich 70 Menschen in Osnabrück, um gegen die sinkende journalistische Qualität und politische Rechtsdrift der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) zu protestieren.

Die Kritik: Der überregionale Mantelteil der NOZ, der über 30 Regionalzeitungen beliefert, ist zunehmend faktenschwach, übernimmt unkritisch rechtslastige Inhalte (z. B. aus der NZZ) und vernachlässigt fundierte Berichterstattung zugunsten von Klicks.

Der hervorragend ausführliche und lesenswerte Artikel auf dem Blog von Robert Koop beschreibt die Hintergründe, die Dynamik der Initiative und die Brisanz dieser Entwicklung. Die Aktion NOZkritisch (ANK) will sichtbarer werden, mit professionellem Webauftritt, Social-Media-Präsenz und einer Vereinsstruktur. Ein wichtiger Beitrag, der zeigt, Medienkritik ist kein Lamento, sondern notwendige Demokratiearbeit.

Nächstes Treffen: 19. Mai 2026, Lagerhalle Osnabrück

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