Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen

Kategorie: NOZ allgemein (Seite 6 von 12)

Strukturelle Medienkritik an der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) und ihrem Verlagshaus NOZ/mh:n: Kommentarspalten-Schließung, Leserbrief-Politik, unkritische NZZ-Übernahmen, das neue Debattenformat „360°“ und die Frage, welche Öffentlichkeit eine Regionalzeitung mit überregionalem Mantelteil herstellt. Diese Kategorie richtet den Blick auf die NOZ als Institution.

Nuhr, der Femizidvorwurf, die NOZ und die Artikel, die niemand findet

Nuhr verteidigt sich mit „mehreren Artikeln“ gegen Femizid-Kritik. Tatsächlich sind es zwei Texte, einer davon sagt explizit das Gegenteil von dem, was er behauptet. Die NOZ druckt die Verteidigung unhinterfragt ab.

Hallo NOZ,

der Artikel „Dieter Nuhr: Vorwurf ist lächerlich“ (dpa) gibt fast ausschließlich Nuhrs eigene Verteidigung wieder, und übernimmt dabei eine zentrale Behauptung ohne jede Prüfung.

Nuhr begründet seine Pointe damit, er habe auf ‚mehrere Artikel in großen deutschen Zeitungen‘ reagiert, in denen Frauen infrage gestellt hätten, ’noch mit Männern leben zu können‘. Recherchen von t-online zeigen, dass Nuhr sich konkret auf einen Text in der taz und einen in der Süddeutschen Zeitung bezog. Der taz-Text selbst widerlegt Nuhrs Darstellung unmittelbar. Er trägt den Titel ‚Ich will mit Männern leben‚ und endet mit dem Satz ‚Doch ich will ein Zusammenleben trotzdem nicht aufgeben‘. Das Gegenteil von dem, was Nuhr behauptet.

Wer Frauen vorwirft, pauschal zu urteilen, und dabei selbst aus zwei einzelnen Texten eine unbestimmte Masse macht, betreibt genau die Verkürzung, die er anderen vorwirft.

Auch inhaltlich bleibt die eigentliche Pointe im Artikel unwidersprochen stehen. Nuhr rät, den Partner „vor dem Geschlechtsverkehr“ kennenzulernen, um sich zu schützen. Tatsächlich findet Gewalt gegen Frauen überwiegend innerhalb bestehender Beziehungen statt, die betroffenen Frauen haben ihre Partner also längst gekannt. Dieser Einwand ist in anderen Medien dokumentiert, im NOZ-Artikel fehlt er völlig.

Der Text lässt Nuhr und den rbb ausführlich zu Wort kommen, aber keine einzige Stimme, die seine zentrale Behauptung prüft oder den eigentlichen Vorwurf einordnet. Das ist keine Berichterstattung über eine Debatte, das ist die unkommentierte Weitergabe einer Selbstverteidigung und passt nahtlos zur Masche aus dem Yad-Vashem-Artikel vom 14.06.2026. Dort fehlten Wagner, Czollek, Steinke und die taz komplett, hier fehlt jede einzige weibliche oder feministische Stimme zu einem Text, der im Kern um Gewalt gegen Frauen geht. Die NOZ lässt wieder nur eine Seite sprechen.

Mit freundlichen Grüßen

Lesende wünschen sich von der NOZ mehr Fakten, weniger Schlagseite

Eine ANK-Umfrage bestätigt, was dieser Blog seit Monaten Artikel für Artikel belegt.

Die Aktion NOZ-kritisch hat ihr offenes Treffen vom 19. Mai 2026 ausgewertet und die Wünsche und Kritikpunkte der Teilnehmenden veröffentlicht. Wer die Ergebnisse liest, erkennt darin ziemlich genau die Muster, die hier seit Anfang des Jahres Fall für Fall dokumentiert werden.

Am häufigsten genannt wurde der Wunsch nach faktenbasiertem Journalismus. Die Befragten erwarten eine breitere Darstellung des politischen Spektrums, mehr Kontext zu Meinungsbeiträgen und nachvollziehbare Quellenangaben. Das ist auch der Kern vieler Leserbriefe auf diesem Blog gewesen, etwa wenn zentrale Fakten fehlten oder Einordnungen ausblieben.

Ein zweiter Schwerpunkt betrifft die Verantwortung der NOZ als Zeitungsmonopolist in der Region. Mehrere Teilnehmende fordern, die Gefahr durch Rechtspopulismus nicht kleinzureden. Das deckt sich mit einer Beobachtung, die hier inzwischen mehrfach belegt wurde, nämlich dass selbst dort, wo der Verfassungsschutz die AfD ausdrücklich dem Rechtsextremismus zuordnet, der Begriff in der Berichterstattung auffällig oft fehlt.

Auch die Kritik an einseitigen Kommentaren passt ins Bild. In der Umfrage wird unter anderem „zu viel Ewert“ und eine insgesamt zu rechtslastige Kommentarauswahl bemängelt. Hinzu kommt der Wunsch, weniger NZZ-Beiträge unkommentiert zu übernehmen, ein Muster, das hier zuletzt bei der Berichterstattung über „Omas gegen rechts“ und beim Epstein-Artikel dokumentiert wurde.

Bemerkenswert ist außerdem, wie viele Teilnehmende die Schließung der Kommentarspalten und die schleppende, oft verspätete Veröffentlichung von Leserbriefen kritisieren. Auch das ist hier bereits ausführlich beschrieben worden, inklusive der wenig überzeugenden Antwort aus der Chefredaktion dazu.

Die Auswertung der „Abschiedsbriefe“ zeigt schließlich, wie tief die Enttäuschung bei ehemaligen Abonnentinnen und Abonnenten sitzt. Genannt werden unter anderem rechtspopulistische Tendenzen in den Kommentaren, fehlende Belege bei Falschmeldungen und das Gefühl, als Leser nicht mehr ernst genommen zu werden, wenn eigene Kommentare gelöscht wurden.

Die vollständigen Ergebnisse mit allen Einzelantworten finden sich auf der Seite der ANK.

Eine Bühne ohne Einordnung – Warum das NOZ-Interview mit Roxane Köhler von der Lebensschutzbewegung zentrale Fragen unbeantwortet lässt.

Die NOZ interviewt die Vorsitzende der Jugend für das Leben, ohne den organisatorischen Hintergrund zu nennen, ohne Gegenstimme, ohne die fragwürdige Quellenlage zu hinterfragen. Aus einem Interview wird eine unwidersprochene Bühne.

Hallo NOZ, hallo Frau Handl,

ihr Interview mit Roxane Köhler, der Vorsitzenden der „Jugend für das Leben“, verzichtet komplett auf die Einordnung, die ein Thema von dieser Tragweite braucht. Was als persönliches Porträt einer jungen Aktivistin daherkommt, wirkt am Ende wie ein unwidersprochener Werbeauftritt für die Positionen der Lebensschutzbewegung.

Schon die Quellenlage bleibt unkommentiert. Köhler behauptet, Hauptgründe für Abtreibungen seien oft finanzielle oder partnerschaftliche Probleme. Das Statistische Bundesamt erfasst solche persönlichen Entscheidungsgründe bei Schwangerschaftsabbrüchen jedoch gar nicht. Die Zahlen, auf die sich solche Aussagen meist stützen, stammen von kleinen, nicht repräsentativen Studien oder von Beratungsstellen wie Profemina, die selbst der Lebensschutzbewegung zugehören und ein erklärtes Interesse daran haben, Frauen von einer Abtreibung abzubringen. Eine Quelle aus der eigenen Bewegung wird hier als objektive Faktenlage präsentiert, ohne dass jemand nachfragt, woher die Zahl eigentlich kommt.

Auch der Verweis auf die ZDF-Umfrage zu Paragraf 218 bleibt unscharf. Die Zahl selbst, 54 Prozent für den Erhalt der Strafbarkeit, stammt aus dem Jahr 2023 und wird als aktueller gesellschaftlicher Konsens dargestellt. Dabei zeigt sich bei Umfragen zu diesem Thema immer wieder, wie stark allein die Frageformulierung das Ergebnis verschiebt, je nachdem ob die Straffreiheit in den ersten zwölf Wochen erwähnt wird oder nicht. Eine seriöse Einordnung hätte das zumindest erwähnen müssen.

Besonders schief liegt die Aussage „Biologen sind da auf unserer Seite“, mit der Köhler den Beginn des Menschseins auf den Moment der Befruchtung legt. Dass eine befruchtete Eizelle ein Lebewesen der Spezies Mensch mit eigener DNA ist, bestreitet niemand, das ist triviale Biologie. Daraus folgt aber nicht automatisch, ab wann moralischer oder rechtlicher Personenstatus beginnt. Diese Frage verhandeln Ethik und Rechtswissenschaft seit Jahrzehnten kontrovers, mit gestuften Lebensschutzkonzepten und unterschiedlichen Personenbegriffen. Wer das als längst von der Wissenschaft entschieden darstellt, vermischt eine biologische Tatsache mit einer ethischen Position. Genau diese Vermischung hätte journalistisch markiert werden müssen.

Am schwersten wiegt aber, was über die Organisation selbst fehlt. Die „Jugend für das Leben“ ist der Jugendverband der „Aktion Lebensrecht für Alle“ (ALfA). Über ALfA berichten andere Medien deutlich kritischer. Die taz attestiert dem Verein antifeministische und christlich-fundamentalistische Inhalte, die Tagesschau wirft ihm undeklarierte Lobbyarbeit vor. Wissenschaftliche Untersuchungen zur Lebensschutzbewegung beschreiben zudem enge Verbindungen zu evangelikalen und konservativ-katholischen Milieus, teils auch Überschneidungen mit der AfD. Nichts davon kommt im Interview vor. Köhler erscheint als unabhängige junge Frau mit einer persönlichen Meinung, nicht als Funktionärin einer seit Jahrzehnten organisierten, politisch aktiven Bewegung.

Dazu kommt, dass keine Gegenstimme zu Wort kommt, kein Mediziner, keine Juristin, keine unabhängige Beratungsstelle. Auch sprachlich übernimmt der Text unkommentiert die Begriffswelt der Bewegung, „Baby“ statt Embryo oder Fötus, „ungeborener Mensch“ als feste Formel.

Ein Interview darf eine Position vorstellen, auch eine kontroverse. Aber wenn weder die Quellen der zentralen Behauptungen geprüft noch der organisatorische Hintergrund der Gesprächspartnerin erwähnt werden, wird aus journalistischer Arbeit eine Bühne ohne Einordnung.

Mit freundlichen Grüßen

Reif für rechts? Wie Meltem Sekers Kolumne aus einer Reifegeschichte eine politische Wertung macht

Die NOZ veröffentlicht heute eine Kolumne von Meltem Seker mit einem Reifungsnarrativ. Links wird zur jugendlichen Phase erklärt, rechts zur erwachsenen Vernunft. Linke Positionen werden seziert, rechte bleiben wohlklingend und vage.

Hallo NOZ, hallo Frau Seker,

Ihre Kolumne „Vom linken Herz zu konservativem Realismus“ beschreibt einen persönlichen Wandel, vermischt diesen aber mit einer Wertung, die der Text nicht offen ausspricht. Das Eingangszitat setzt den Rahmen für die ganze Argumentation. Links wird mit Jugend und Gefühl gleichgesetzt, rechts mit Reife und Verstand. Das ist keine politische Begründung, sondern eine Entwicklungserzählung, die der eigenen späteren Position automatisch mehr Gewicht verleiht.

Auffällig ist die ungleiche Behandlung beider Seiten. Linke Politik wird auf gute Absichten reduziert, auf Gesetze für Gleichheit, auf Bewusstseinsarbeit gegen Diskriminierung, auf den Ruf nach mehr Solidarität. Konservative Positionen bleiben dagegen vage. Ordnung, Sicherheit und Zusammenhalt klingen wohlwollend, benennen aber keine konkrete Politik, an der sich etwas prüfen ließe. Wer eine Seite seziert und die andere unangetastet lässt, betreibt keine Einordnung, sondern Rhetorik.

Auch die Behauptung, Konservatismus sei heute die eigentliche Form des Nonkonformismus, bleibt unbelegt. Dass Universitäten, soziale Medien und Kulturbranche angeblich geschlossen progressiv seien, blendet aus, dass konservative Positionen in Parteien, Wirtschaft und vielen Institutionen weiterhin stark vertreten sind.

Der eine Satz zu demokratiefeindlichen Gefahren im konservativen Spektrum wirkt wie eine Pflichtübung. Er bleibt folgenlos, während der restliche Text genau jene Schieflage fortsetzt, die er angeblich vermeiden will.

Eine Kolumne darf zuspitzen. Sie sollte aber kennzeichnen, wo eine persönliche Reifegeschichte endet und wo eine politische Wertung beginnt.

Mit freundlichen Grüßen

Wunschdenken oder Wirklichkeit? Wie die NZZ Trumps Kritiker pathologisiert, und die NOZ dabei schweigt

Die NOZ druckt heute einen NZZ-Text, der Fragen über Trumps Gesundheit als Wunschdenken seiner Gegner rahmt. Quellenhinweis am Ende, redaktionelle Einordnung: keine. Das NOZ-NZZ-Muster funktioniert immer gleich.

Hallo NOZ, hallo Herr Schreiner,

die NOZ druckt auf Seite 3 einen Text der Neuen Zürcher Zeitung über Trumps Gesundheitszustand und kennzeichnet ihn am Ende mit dem Hinweis „Dieser Artikel erschien zuvor in der Neuen Zürcher Zeitung.“ Das ist formal korrekt und redaktionell unzureichend.

Der Text von Andreas Schreiner ist kein neutraler historischer Rückblick. Er verfolgt ein erkennbares Ziel, nämlich berechtigte Fragen über Trumps physische und mentale Verfassung sollen als Wunschdenken seiner Gegner eingeordnet werden. Die argumentative Struktur ist dabei nicht schwer zu erkennen. Zuerst kommt die historische Aufwärmrunde mit Cleveland, Wilson, Kennedy. Dann Biden als Hauptvergleichsfall. Und am Ende der Schluss: Wer Trump für krank hält, projiziert. „Wie gesund es ist, sich solche Gedanken zu machen, steht auf einem anderen Blatt.“

Das ist eine rhetorische Entlastungsstrategie, keine Analyse. Denn der Text unterschlägt einen wesentlichen Unterschied. Biden wurde von seiner eigenen Partei zur Aufgabe gedrängt, nachdem seine Defizite öffentlich unübersehbar waren. Trump hingegen behauptet aktiv, gesünder zu sein als je zuvor, während sein Weißes Haus Testergebnisse zurückhält und sein Leibarzt KI-gestützte Herzalterberechnungen als medizinischen Befund verkauft. Wer diese beiden Situationen unter dem Etikett „Vertuschung im Weißen Haus“ zusammenfasst, betreibt eine Symmetrie, die so nicht existiert.

Dazu kommt, dass die NZZ in der deutschen Mediendebatte keine neutrale Stimme ist. Sie ist seit Jahren für eine redaktionelle Linie bekannt, die Kritik an Trump und anderen Rechtspopulisten regelmäßig als Hysterie oder Wunschdenken rahmt. Wer NZZ-Texte übernimmt, übernimmt diese Perspektive. Das wäre kein Problem, wenn die NOZ das kenntlich machte. Sie tut es nicht.Ein kleiner Quellenhinweis am Ende des Artikels ist keine redaktionelle Einordnung. Er ist das Gegenteil davon.

Mit freundlichen Grüßen

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