Ebert nennt Danger Dans „Keine Angst“ ein Manifest der Selbstgerechtigkeit und den ZDF-Rückzieher „Ehrenrettung“. Dass die eigenen „Anstalt“-Macher das „mutlos“ nannten und der Song auch als Mut-Mach-Lied gelesen wird, fehlt komplett.
Hallo NOZ, hallo Herr Ebert,
Ihr Kommentar zu Danger Dans Song „Keine Angst“ wirkt auf den ersten Blick wie eine klare moralische Einordnung. Bei genauerem Lesen zeigt sich aber vor allem eines, nämlich wie selektiv diese Einordnung ausfällt.
Sie zitieren die schärfste Textpassage des Songs isoliert und leiten daraus einen pauschalen Gewaltaufruf ab. Was fehlt, ist der Rest des Liedes. Weite Teile beschreiben niedrigschwelliges Engagement wie gemeinsames Reden, kleine Solidaritätspartys, das Ansprechen rassistischer Sprüche auf Familienfeiern. Andere Medien haben genau diese Ebene des Songs herausgearbeitet und den Song vor allem als Ermutigung gegen die eigene Ohnmacht gelesen. Diese Lesart erwähnen Sie mit keinem Wort.
Auffällig ist auch Ihre Formulierung, der Rückzieher des ZDF sei „ein Stück Ehrenrettung“. Die Redaktion von „Die Anstalt“ selbst nannte die Entscheidung des Senders „mutlos“ und distanzierte sich öffentlich davon. Dass ausgerechnet diese interne Kritik am eigenen Sender in Ihrem Text nicht vorkommt, wirkt bei einem Kommentar zur Pressefreiheit und journalistischen Verantwortung nicht ganz vollständig.
Ein Kommentar darf pointiert sein. Er sollte aber kenntlich machen, dass es zu diesem Song mehrere ernstzunehmende Lesarten gibt, und nicht nur die eigene als selbstverständlich voraussetzen.
Mit freundlichen Grüßen
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