Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen

Schlagwort: Antifaschismus

Der Song von Danger Dan „Keine Angst“, viele Lesarten, nur eine bei der NOZ

Ebert nennt Danger Dans „Keine Angst“ ein Manifest der Selbstgerechtigkeit und den ZDF-Rückzieher „Ehrenrettung“. Dass die eigenen „Anstalt“-Macher das „mutlos“ nannten und der Song auch als Mut-Mach-Lied gelesen wird, fehlt komplett.

Hallo NOZ, hallo Herr Ebert,

Ihr Kommentar zu Danger Dans Song „Keine Angst“ wirkt auf den ersten Blick wie eine klare moralische Einordnung. Bei genauerem Lesen zeigt sich aber vor allem eines, nämlich wie selektiv diese Einordnung ausfällt.

Sie zitieren die schärfste Textpassage des Songs isoliert und leiten daraus einen pauschalen Gewaltaufruf ab. Was fehlt, ist der Rest des Liedes. Weite Teile beschreiben niedrigschwelliges Engagement wie gemeinsames Reden, kleine Solidaritätspartys, das Ansprechen rassistischer Sprüche auf Familienfeiern. Andere Medien haben genau diese Ebene des Songs herausgearbeitet und den Song vor allem als Ermutigung gegen die eigene Ohnmacht gelesen. Diese Lesart erwähnen Sie mit keinem Wort.

Auffällig ist auch Ihre Formulierung, der Rückzieher des ZDF sei „ein Stück Ehrenrettung“. Die Redaktion von „Die Anstalt“ selbst nannte die Entscheidung des Senders „mutlos“ und distanzierte sich öffentlich davon. Dass ausgerechnet diese interne Kritik am eigenen Sender in Ihrem Text nicht vorkommt, wirkt bei einem Kommentar zur Pressefreiheit und journalistischen Verantwortung nicht ganz vollständig.

Ein Kommentar darf pointiert sein. Er sollte aber kenntlich machen, dass es zu diesem Song mehrere ernstzunehmende Lesarten gibt, und nicht nur die eigene als selbstverständlich voraussetzen.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu „Moralisierend und dogmatisch Rest der Republik Was ist nur aus Herbert Grönemeyer geworden?“ von Burkhard Ewert, NOZ vom 19.02.2026, Seite 2

Burkhard Ewert und der Künstler, den er sich wünscht. Warum seine Grönemeyer-Kritik mehr über ihn selbst verrät.

Hallo NOZ, hallo Herr Ewert,

Burkhard Ewerts Attacke auf Herbert Grönemeyer („Aus dem Humanisten ist ein Misanthrop geworden“) offenbart weniger über den Sänger als über den Kritiker selbst. Ewert wirft Grönemeyer vor, mit „dogmatischen Phrasen“ zu predigen, doch sein eigener Text ist ein Meisterwerk der selektiven Empörung. Während er Grönemeyers politische Äußerungen als „Anweisungen“ geißelt, ignoriert er geflissentlich, was dessen aktuelle Tour tatsächlich ausmacht, nämlich Kunst, die Brücken baut.

Die Augsburger Allgemeine bspw. beschrieb am 15.02.2026, wie Grönemeyer in München mit „Streichern und Chor“ überzeugt, nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern mit der Kraft seiner Musik. Die Zuschauer erleben seine politischen Bezüge als Teil eines Ganzen, nicht als Belehrung. Doch Burkhard Ewert scheint nur zu hören, was er hören will; den „Moralapostel“, der ihm den Spiegel vorhält. Denn was stört ihn wirklich? Dass Grönemeyer erfolgreich ist mit einer Haltung, die andere vielleicht selbst nicht so elegant vermitteln könnten?

Sein Artikel ist kein Plädoyer für künstlerische Freiheit, sondern wirkt wie ein Rachefeldzug der Enttäuschten. Ewert trauert dem „alten“ Grönemeyer nach, dem sensiblen Dichter, der keine Forderungen stellte.

Doch Kunst lebt vom Wandel, und Grönemeyers Stärke war immer, poetisch UND politisch zu sein. Dass dies für Burkhard Ewert scheinbar schwer zu ertragen ist, sagt mehr über seinen eigenen Unwillen aus, Widersprüche zuzulassen, als über Grönemeyers Werk.

Mit freundlichen Grüßen