Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen

Ein NOZ-Interview mit dem Vorsitzenden der AfD-Jugendorganisation, das ihm alle Erklärungen abnimmt

Wie Tim Prahle in der NOZ dem AfD-Nachwuchspolitiker Jean-Pascal Hohm Raum gibt, Rechtsextremismus-Vorwürfe und den Begriff Bevölkerungsaustausch unwidersprochen als Missverständnis darzustellen.

Hallo NOZ, hallo Herr Prahle,

Ihr Interview mit Jean-Pascal Hohm liest sich wie eine Bühne für Selbstdarstellung, nicht wie eine kritische Befragung.Wenn Hohm die Einstufung als rechtsextremer Politiker durch den brandenburgischen Verfassungsschutz als bloße Einschätzung im politischen Wettstreit abtut, wäre eine Nachfrage fällig gewesen. Stattdessen lassen Sie diese Aussage einfach stehen. Genauso beim Begriff Bevölkerungsaustausch, den Hohm als rein beschreibend umdeutet, obwohl er zu den klassischen Versatzstücken rechtsextremer Verschwörungserzählungen gehört. Dass er selbst eingesteht, das Worst-Case-Szenario sei eine Zukunft ohne deutsche Mehrheitsbevölkerung, hätten Sie aufgreifen müssen, statt direkt zur nächsten Frage überzugehen.

Auffällig ist auch die Frageform. Verletzt es Sie oder Haben Sie Angst sind keine Fragen, die eine Position prüfen, sondern Fragen, die zum Sich-Erklären einladen. So bekommt Hohm reichlich Raum, seine Aussagen als Missverständnisse zu framen, ohne dass Sie an einer einzigen Stelle konkret nachhaken, welches dieser angeblich neunzig Prozent erklärbaren Zitate er denn nun erklären soll.

Ein Interview mit dem Vorsitzenden der AfD-Jugendorganisation darf durchaus kritische Distanz zeigen. Ihres tut das nicht.

Mit freundlichen Grüßen

NOZblog

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5 Kommentare

  1. Elke Kuiter

    Was soll diese Augenwischerei? Diese Organisation, die sich „Partei“ nennen darf, ist völkisch-nationalistisch ausgerichtet und vertritt auf der ganzen Linie antidemokratische und menschenverachtende Ziele in sämtlichen Parteiprogrammen auf allen Ebenen. Glaubt Herr Holm wirklich, ER kann in der neuen Generation das Ruder der gesamten Ausrichtung rumreißen? Ich finde den Artikel unverantwortlich angesichts der noch unentschieden Wählerinnen und Wähler. Ich wünsche mir, dass die MT beim Thema AfD bitte eine ganz klare Position vertritt.

    • Sabine Driehaus

      Ich bezweifle sehr, dass Hohm „das Ruder“ überhaupt „herumreißen“ w i l l . Man braucht nur den Wikipedia-Artikel, also seine „Vita“, über ihn zu lesen, um ihn im rechtsextremen, neonazistischen Milieu zu verorten.
      Schon als die neue Jugendorganisation der AfD gegründet wurde, wurde deren gewähltem Vorstand eine Nähe zur Identitären Bewegung nachgewiesen – die Jugendorganisation ist noch rechtsextremer als die AfD selbst. Und schon damals kündigte diese an, die AfD diesbezüglich aufmischen zu wollen.
      Gibt man solchen Leuten eine Bühne, fressen die natürlich Kreide und relativieren. Deshalb erst gar keine Bühne geben.
      Mittlerweile gibt es viele Stimmen, die einen Verbotsantrag für die AfD juristisch für sehr aussichtsreich erachten.
      Es ist fünf nach zwölf.

  2. Christoph Schnare

    So oder so, die Tendenz ist ja unübersehbar: statt die AfD als das zu beschreiben, was sie ist – eine in weiten Teilen rechtsextreme Partei mit der klar erkennbaren Absicht, einen massiven politischen Systemwechsel in Deutschland herbeizuführen – gefällt sich die NOZ-Redaktion zunehmend in der Rolle eines Schutzpatrons für AfD-Funktionäre. Bei Vertretern anderer Parteien wie z.B. den Linken oder den Grünen wird jede sich bietende Angriffsfläche genutzt, um diese Parteien als ideologisch oder antidemokratisch zu framen, die AfD dagegen wird wie ein zu schützendes Biotop behandelt. So verspielt die NOZ ihr Renomme als seriöse Tageszeitung und verwandelt sich mehr und mehr in eine rechtspopulistische Agitationsmaschine!

  3. Norbert D.

    An der Haltung zur AFD und gegen rechts scheiden sich mittlerweile selbst im lokalen Bereich in den Räten die Geister. Und dabei gibt es auch sehr positive Entwicklungen, die nicht ins Weltbild der NOZ Matelredaktion passen.

    Zwei Beispiele:

    1. Stadtrat Bad Nenndorf stimmt einstimmig einem Antrag der Grünen zu, dass die Gemeinde jetzt mit einem Austritt einen enfgültigen Schluss unter das Kapitel Agnes Miegel Gesellschaft zieht.( Hier gibt es deztliche Querverbindungen zur AFD )
    2. Die komplette FDP Ratsfraktion in Stadthagen ist im Zwist mit dem Kreisverband aus der Partei ausgetreten (teils nach 50Jahren Mitgliedschaft), Hintergrund ist ein seit 2 Jahren schwelender Streit um den Aufruf zur Kundgebung „Stadthagen steht auf-gegen rechts“, den der Ortsverband mit dem FDP Logo mit unterzeichnet hatte.Der Kreisverband : “ Wir wehren uns gegen das Credo „rechts böse-links gut“.

    Die Haltung zur AFD wird also zum reinen Glaubensbekenntnis erklärt.

  4. Norbert D.

    Die NOZ orientiert sich ja gern am Kurs des Springer-Konzerns. Und da ist ähnlich wie bei der NOZ offensichtlich, dass man versucht, eine Zusammenarbeit von CDU und AFD herbeizuschreiben.
    https://taz.de/Bericht-ueber-Merz-Doepfner-Treffen/!6193011/

    Die Tendenz ist eindeutig, auch wenn es keine eindeutigen Beweise für den Verlauf eines Hintergrundgesprächs zwischn Döpfner und Merz gibt, über das am Mittwoch der RND Podcast spekuliert hat.
    https://www.rnd.de/politik/merz-und-doepfner-geraten-aneinander-die-ganze-geschichte-im-neuen-rnd-podcast-wenn-sie-wuessten-VSLZMQOY35CSHHHXRMIACGEMB4.html

    Wenn es so verlaufen wäre, würde es zeigen, dass Merz in dieser Frage Rückgrat hat.

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