NOZ-Forum ‚360°‘: Wenn gesittete Debatten unliebsame Kommentare einfach blockieren, und warum meine Antwort an Burkhard Ewert zu Grönemeyers „rechten Ratten“ technisch unterdrückt wurde.
Hallo NOZ, hallo Frau Kowalski, hallo Herr Ewert,
Ihre Schilderung der Premiere von „360° | Das Forum“ liest sich wie ein Erfolgsbericht; „lebhaft und gesittet“, „echter Dialog“, „Qualität vor Quantität“. Doch meine Erfahrung mit diesem Format war eine andere, und sie wirft Fragen auf, die über Herbert Grönemeyer und Burkhard Ewert hinausgehen.
Als ich mich mit einem Kommentar an der Debatte beteiligte (eine inhaltliche, sachliche Erwiderung auf Ewerts Kritik an Grönemeyers politischer Haltung), erhielt ich nach seiner Replik plötzlich die Meldung: „Kommentar kann aus technischen Gründen nicht abgeschickt werden.“ Während andere Teilnehmer:innen mehrfach posten konnten, blieb meine Stimme unsichtbar. Keine Begründung, keine Korrekturmöglichkeit, einfach ein „Fehler“, der meine Antwort verschluckte.
Das Problem daran, Ihr Format wirbt mit „reflektiertem Diskurs“ und „besten Argumenten“. Doch wenn technische Hürden gezielt kritische Stimmen ausschließen, entsteht der Eindruck, dass hier nicht die Leser:innen debattieren, sondern die Redaktion entscheidet, welche Perspektiven gehört werden. Das ist kein „sportlicher Meinungsaustausch“, sondern eine strukturelle Verzerrung, und die ist weit weniger „gesittet“ als eine klare Haltung wie Grönemeyers „rechte Ratten“.
Ihre Community-Richtlinien betonen, dass „ausschließlich auf Sinnhaftigkeit und Etikette“ geprüft wird. Doch wenn ein Kommentar, der weder unhöflich noch sinnfrei war, einfach nicht ankommt, stellt sich die Frage: Wer wird hier eigentlich zensiert, und warum?
Ich würde mich über eine Erklärung freuen, wie es zu diesem technischen Fehler kam, und ob meine Antwort an Burkhard Ewert vielleicht doch noch nachgereicht werden kann. Schließlich geht es in einer echten Debatte nicht um Wer hat recht?“, sondern um „Wer darf überhaupt antworten?“
Mit freundlichen Grüßen
Update 19.03.2026, die NOZ schickt eine Antwort:
Hallo Herr Reichl,
Ihre Antwort an Herrn Ewert ist angekommen. Die hatten Sie am Dienstag ja auch noch per Mail an uns verschickt.
Zum technischen Fehler:
Wir können nicht nachvollziehen, wo genau das technische Problem lag. Wir können nur so viel sagen: Ihr zweiter Kommentar (also Ihre Antwort auf den Kommentar von Herrn Ewert) ist nie bei uns im System angekommen.
Ihrem Vorwurf, dass „technische Hürden gezielt kritische Stimmen ausschließen“ möchten wir daher entschieden widersprechen. Dem ist nicht so!
Im Nachgang des Debattenformats haben wir keinerlei weitere Rückmeldungen zu etwaigen „technischen Problemen“ erhalten.
Wir würden uns freuen, wenn Sie bei der nächsten Debatte wieder dabei sind.
VG vom Community-Team
Und meine Antwort darauf:
Hallo Community-Team,
vielen Dank für Ihre Antwort. Dass mein Kommentar nie im System angekommen ist, bestätigt leider genau das Problem. Wenn kritische Stimmen „verschwinden“, ohne dass es bei Ihnen eine Fehlermeldung oder eine Benachrichtigung gibt, wirkt das nicht wie ein technischer Fehler, sondern wie ein Feature.
Dass „keinerlei weitere Rückmeldungen“ zu technischen Problemen eingingen, nun ja. Wer blockiert wird, weiß vielleicht gar nicht, dass er blockiert wurde, oder gibt irgendwann auf.
Dass Sie meinen Vorwurf der „gezielten Ausschließung“ zurückweisen, ist verständlich. Doch wenn ein System kritische Antworten (wie meine) nicht ankommen lässt, während unkritische Beiträge problemlos durchgehen, stellt sich die Frage, wer eigentlich prüft, ob das System fair funktioniert?
Ihr Angebot, bei der nächsten Debatte wieder dabei zu sein, nehme ich zur Kenntnis. Vielleicht dann mit transparenten Regeln…
Wie kann sichergestellt werden, dass Kommentare nicht einfach verschwinden?Warum gibt es keine Benachrichtigung, wenn ein Beitrag nicht ankommt? Wer überprüft, ob das System alle Stimmen gleich behandelt?
Eine „gesittete Debatte“ lebt davon, dass alle gehört werden, nicht nur die, deren Kommentare ankommen. Ich bleibe gespannt, ob die nächste Runde diese Standards erfüllt.
Mit freundlichen Grüßen
Ich stimme uneingeschränkt zu. Auch die Erfahrungen von Volkmar Seliger kann ich bestätigen.
Darüber hinaus wundere ich mich über die angeblich so große Resonanz auf diesen Kommentar von Herrn Ewert. Meiner Erinnerung nach – ist ja mittlerweile alles gelöscht – hatten zumindest online nur sehr wenige Kommentator:innen auf diesen Beitrag reagiert.
Der „Nachgang“ von Frau Kowalski sowie auch die „neuen Richtlinien“ lesen sich – auch ohne die einschlägigen Erfahrungen mit Blockaden von Kommentaren – wie ein geschöntes „Wir lassen nur das durch, was uns genehm ist“. Denn diese(!) Kommentare bleiben offensichtlich dauerhaft sichtbar.
Ich war bis zur Schließung der Kommentarspalten vor allem deshalb dort aktiv, weil vieles unkorrekt bzw. nur die „halbe Wahrheit“ berichtet wurde, sowohl in Artikeln wie auch in den Kommentaren darunter. Das(!) wurde ganz offensichtlich von der Redaktion nicht(!) geprüft, im Gegenteil, einmal wurde mir(!) von der Redaktion „eine falsche Information“ vorgeworfen, als ich kritisierte, dass ein Meinungsbeitrag nur auf einer einzigen Nachrichtenquelle fußte, ohne dass sie mir das Gegenteil beweisen konnte oder wollte.
Redaktionelle Kommentare sind Meinungsäußerungen, nicht mehr und nicht weniger. Sie sagen lediglich etwas über die Gesinnung des Autors aus. Herr Ewert darf also meinen, was er möchte – was ihn allerdings nicht von sauberer Recherche entbindet, baut er seine Meinung auf Tatsachen auf. Letzteres vermisse ich zunehmend. Dass ein Journalist für „Telegram“ als Informationsquelle wirbt, sagt eigentlich schon alles – Kommentare, die darauf und die Rüge des Presserats wegen unsauberen Journalismus‘ hinwiesen, wurden übrigens ebenfalls blockiert.
Für mich ist die NOZ als Informationsquelle schon lange „gestorben“ – es ist traurig und erschreckend, dass eine solche Gazette das Informationsmonopol für halb Norddeutschland hat.
Halllo Frau Driehaus,
vielen Dank für Ihren treffenden Kommentar. Genau das ist der Punkt; die NOZ inszeniert „Debattenkultur“, doch wer zu genau hinschaut, erkennt ein Muster. Ihre Beobachtungen decken sich exakt mit meinen Erfahrungen:
Die „große Resonanz“ auf Ewerts Artikel ist ein Mythos. Tatsächlich wurden kritische Stimmen aktiv ausgefiltert (wie mein blockierter Kommentar) oder, wie Sie schreiben, nachträglich gelöscht. Dass ausgerechnet genehme Kommentare dauerhaft sichtbar bleiben, spricht Bände.
„Wir prüfen nur Etikette, nicht Inhalte“, eine glatte Lüge. Ihr Beispiel zeigt, wer Fakten prüft (z. B. einseitige Quellen in Meinungsbeiträgen) oder auf Presserat-Rügen hinweist, wird blockiert. Die NOZ zensiert nicht Beleidigungen, sondern unbequeme Wahrheiten.
Wenn ein Chefredakteur Telegram als Quelle empfiehlt (wie von Ihnen angemerkt), ist das kein Zufall, sondern journalistischer Bankrott. Dass Kritiker:innen daran gehindert werden, das anzuprangern, bestätigt, dass es hier es nicht um Dialog geht, sondern um Kontrolle.
Ihr Satz „Für mich ist die NOZ als Informationsquelle gestorben“ trifft es leider genau. Doch das eigentliche Problem ist ja, dass solange sie das Informationsmonopol für eine ganze Region hält, mit ihr auch die demokratische Debatte stirbt.
Danke, dass Sie das so klar benennen, Ihre Bestätigung zeigt, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt, sondern um System.
Etwas Off-Topic, aber wir werden unser NOZ-Abo jetzt kündigen. neben der steigenden Flut von schlecht gekennzeichneter Werbung, den unsäglichen Clickbait Überschriften, den scheinbar blind zugekauften Beiträgen ist es vor allem diese widerliche Ersetzung der Community-Kommentare durch ein Format, das eben diese Community (dort) endgültig zum Schweigen bringt.
Die unfassbare Lobhudelei zum Auftaktartikel (gab es jemals mehr positive Adjektive?) der 360° Aktion setzt dem ganzen ein Krönchen auf, das wir nicht weiter tolerieren können.
Ich frage mich auch, wie abwesend (oder halt selbstverliebt) in der Aktualität jemand ist, der diesen Grönemeyer Kommentar! – 4 Wochen alt – zum Auftaktthema wählt. Energiepreise, Iburger Straße, Krieg im nahen Osten….es gäbe wahrlich genug zu debattieren.
Wir sind raus, aber dafür u. a. hier 🙂
Vielen Dank für Ihren Kommentar, es tut gut zu sehen, dass andere ähnliche Erfahrungen machen und den Mut haben, Konsequenzen zu ziehen.
Ihre Kritik an der NOZ trifft den Nagel auf den Kopf. Wenn ein Medium seine Leserschaft durch Werbeflut, Clickbait und manipulierte Debattenformen vergrault, statt sie ernst zu nehmen, verliert es nicht nur Abonnenten, sondern auch seine Glaubwürdigkeit. Dass Sie trotzdem hier aktiv bleiben, zeigt, wie wichtig unabhängige Stimmen sind, gerade jetzt.
Ich freue mich, dass Sie Teil dieser Plattform sind, und würde weitere anregende Beiträge von Ihnen hier natürlich sehr schätzen.