Birgit Holzer warnt in der NOZ zu Recht vor der Migrationserklärung als Auslöser der gewaltsamen Unruhen in Frankreich, macht es sich aber mit der Ultralinken-These widerum selbst zu einfach.

Hallo NOZ, hallo Frau Holzer,

Sie warnen in ihrer Meinung in der NOZ vom 20.10.2026 auf Seite 4 zu den Ausschreitungen in Frankreich davor, die Unruhen auf Migration zu verkürzen. Das ist berechtigt. Leider gerät der Kommentar dabei selbst in ein zu einfaches Muster, indem er die Ultralinken zur Triebkraft der Gewalt erklärt. Das entspricht der Deutung der französischen Regierung, ist aber nur die halbe Wahrheit.

Polizeiquellen, die BFMTV vorliegen, zeichnen ein anderes Bild. Die Plünderer in Paris stammten danach überwiegend nicht aus dem ultralinken Spektrum, sondern aus opportunistischen Jugendlichen der Vorstädte, die Aufrufen in den sozialen Medien folgten. Nur rund 20 Prozent der in Paris festgenommenen Plünderer wohnten überhaupt in der Stadt. Klar ist lediglich, dass die Zusammenstöße mit der Polizei von Black-Blocks mitgetragen wurden. Beides zusammen ergibt eine bislang beispiellose Konstellation, die einfache Schuldzuweisungen absurd macht.

Ihre eigene Zeitung zitiert zudem den Pariser Bürgermeister Grégoire mit der Feststellung, die Linkspartei LFI habe die Krawalle nicht organisiert. Die Zeitung Libération beschreibt das Wochenende als das Fiasko der Sicherheitskräfte. 550.000 Menschen protestierten, die Behörden hatten mit einem Bruchteil gerechnet, und Tränengas wurde auch gegen friedliche Demonstrierende eingesetzt.

Was in der gesamten Berichterstattung weitgehend fehlt, sind die Ursachen der Proteste. Explodierende Lebenshaltungskosten, verfallende Schulen, Perspektivlosigkeit in den Vorstädten. Wer nur über Randale, Plünderer und Ultralinke schreibt, macht es sich genauso einfach wie jene, die nur über Migration schreiben. Beide Erzählungen verstellen den Blick auf das eigentliche Problem, ein Land, in dem sich ein großer Teil der Jugend vom Staat im Stich gelassen fühlt.

Mit freundlichen Grüßen