Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen

„Keine AfD in Talkshows“? Bednarz widerlegt ihre These selbst

Wer den Aufstieg der AfD mit einem Boykott erklärt und zugleich schreibt, sie brauche keine Öffentlich-Rechtlichen mehr, hat ein Logikproblem.

Hallo NOZ, hallo Frau Bednarz,

über den Umgang mit der neurechten Ideenwelt lässt sich streiten, und Ihre Frage nach der Auseinandersetzung ist berechtigt. Ihre Argumentation hat aber Lücken.

Sie schreiben selbst, die AfD und ihr Vorfeld benötigten „gar keine öffentlich-rechtlichen Formate mehr“, weil sie eigene reichweitenstarke Kanäle haben. Dann kann der angebliche Boykott kaum die Ursache des Wachstums sein. Ihre These widerlegt sich im eigenen Text.

Die Behauptung, es würden nur linke Stimmen eingeladen, bleibt ohne Beleg. Ebenso vermischen Sie Wertschätzung für Wähler mit einer Bühne für Vordenker, als wäre das dasselbe. Dass sich viele Wähler vom Vorwurf des Rechtsextremismus nicht mehr beeindrucken lassen, sagt nichts darüber, ob er stimmt.

Schließlich nennen Sie Rufe nach einem Verbotsverfahren „hilflos“, ohne ein Argument zu liefern. Auf der Titelseite derselben Ausgabe fragt die NOZ dagegen, warum die AfD nicht verboten wird. Die Leser bekommen am selben Tag zwei gegensätzliche Botschaften, ohne dass die Redaktion das einordnet.

Mit freundlichen Grüßen

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1 Kommentar

  1. Sabine Driehaus

    Der Beitrag lässt mich ziemlich sprachlos zurück.
    Wer, bitte, sind denn die „neurechten Vordenker“?! Adolf Hitler oder Martin Sellner?
    Und faschistische Ideologien kann man doch als Demokrat:in nicht ernsthaft in einen politischen „Ideenwettbewerb“ einbringen – was für eine Idee! Die Neurechten wollen keine Demokratie, keinen Rechtsstaat und missachten die im GG festgeschriebene Gleichstellung und Menschenwürde / Menschenrechte für alle.
    Sorry, aber hier nehme ich – abgesehen vom autokratischen, faschistischen Ziel selbst – kein „Denken“ wahr, sondern nur Hetze (das Misstrauen gegenüber seriösen Medien wurde z.B. gezielt geschürt) und ein hemmungsloses Ausnutzen der Angst, die Krisen bei den Menschen hervorrufen. Es ist bekannt, dass Krisen dem Rechtsextremismus in die Hände spielen.
    Aufgrund der Medienschelte der AfD-Protagonist:innen informieren sich die ihnen zugeneigten Wähler:innen doch ohnehin nicht mehr dort, sondern auf rechten Portalen und Social Media. AfD-Politiker:innen nutzen eine Bühne in seriösen Medien wie dem ÖRR trotzdem gerne, weil man sie dort behandelt, als ob sie normale Politiker:innen wären – was dabei heraus kommt, war erst kürzlich in den Sommerinterviews zu bewundern – und d a s hilft ihnen ungemein.
    Meiner Meinung nach hilft weniger Sichtbarkeit, weniger „Normalisierung“ und eine gewisse Ächtung schon gegen die AfD. Jedes Interview ist eines zuviel, schon allein, weil die Moderator:innen oft sehr hilflos vor ihrem Gegenüber stehen und ihn damit eben n i c h t entlarven.
    Und auch ein Verbotsverfahren – bzw. die juristische Prüfung eines Parteienverbots – ist klar im Grundgesetz vorgesehen. Aus gutem Grund! Forderungen danach sind nicht „Hilflosigkeit“, sondern das schärfste Schwert um zu verhindern, dass Antidemokrat:innen in eine Position gelangen, unsere Demokratie und unseren Rechtsstaat abschaffen zu können – ja abschaffen, der „Neuen Rechten“ geht es n i c h t um „Verbesserungen“ der Demokratie!

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