Kritischer Leserbrief zum Wiegelmann-Kommentar über Trumps Europa-Aussagen: Warum seine Rhetorik nicht verharmlost werden darf.

Hallo NOZ, hallo Herr Wiegelmann,

der Kommentar von Herrn Wiegelmann versucht, überzogene Empörung zu dämpfen, verharmlost dabei aber die politische Realität. Denn Donald Trumps jüngste Aussagen über Europa und die Ukraine sind nicht bloße Sticheleien, die man unter Freunden sportlich nehmen könnte, sondern Teil einer langen Linie von Drohungen, Desinformation und offenen Angriffen auf die transatlantische Sicherheitsarchitektur.

Zwar benennt der Kommentar einige Falschbehauptungen Trumps, zieht daraus aber einen erstaunlichen Schluss: Weil Trump oft Unrecht hat, solle man seine Worte nicht zu ernst nehmen. In Wahrheit ist das Gegenteil richtig. Wenn ein möglicher nächster US-Präsident systematisch mit Unwahrheiten arbeitet, Bündnispartner herabsetzt und die NATO-Beistandspflicht wiederholt infrage stellt, dann müssen Europa und Deutschland genau hinhören, nicht abwinken.

Auch der Hinweis, Europa habe tatsächlich Probleme wie irreguläre Migration, rechtfertigt nicht Trumps pauschale Herabsetzung ganzer Staaten als „schwach“ oder „im Niedergang“. Sachliche Kritik ist das eine, populistische Entwertung und Destabilisierung etwas ganz anderes. Diese Unterscheidung verwischt der Kommentar.

Ebenso hinkt der Vergleich mit früheren Misstönen in transatlantischen Beziehungen. Weder Rumsfelds „altes Europa“ noch Kissingers Bonmot stellten die grundlegende Bündnistreue infrage. Trumps Äußerungen tun das, und zwar konsequent.

Was Europa derzeit braucht, ist keine gelassene Relativierung, sondern eine nüchterne, realistische Einschätzung der sicherheitspolitischen Lage. Dazu gehört auch, Trumps Worte nicht als folglose Laune abzutun, sondern als das zu betrachten, was sie sind: politische Signale mit potenziell gravierenden Folgen.

Vor diesem Hintergrund wirken auch die jüngsten Aussagen von Friedrich Merz bemerkenswert, der Trump nahelegt, notfalls Deutschland als bevorzugten Partner zu wählen, falls er mit Europa „nichts anfangen“ könne. Diese Haltung schwächt nicht nur den europäischen Zusammenhalt, sondern sendet genau das falsche Signal in einer Phase, in der Europa Geschlossenheit demonstrieren müsste.

Mit freundlichen Grüßen