Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen seit 2025

Autor: Timm Reichl (Seite 30 von 59)

Leserbrief zu: Bürgergeld kommt weg – und das ist gut so! (Rena Lehmann, NOZ, 10.10.2025)

Der Leserbrief kritisiert Lehmanns Kommentar zur Abschaffung des Bürgergelds als einseitig und sozial unsensibel, betont wachsende Ungleichheit und warnt vor einer Debatte, die Armut moralisiert statt strukturelle Probleme zu benennen

Sehr geehrtes NOZ Team,  sehr geehrte Frau Lehmann, 

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zu: Bürgergeld kommt weg – und das ist gut so! (Rena Lehmann, NOZ, 10.10.2025).

Der Kommentar von Rena Lehmann auf der Titelseite zur Abschaffung des Bürgergelds zeigt deutlich, wie einseitig inzwischen über Sozialpolitik berichtet wird. Während direkt daneben ein Bericht über den enormen Reichtumszuwachs der Milliardäre in der EU steht, fordert Lehmann mit moralischem Unterton mehr Strenge gegenüber Menschen am unteren Ende der Gesellschaft. Diese Gleichzeitigkeit ist bezeichnend.

Lehmann behauptet, das Bürgergeld habe „Neiddebatten“ befeuert und die SPD von der arbeitenden Bevölkerung entfremdet. Doch belegt wird das nicht. Die meisten Bürgergeldbeziehenden sind keine „Leistungsverweigerer“, sondern Kinder, Alleinerziehende oder Menschen in schlecht bezahlten Jobs, die trotz Arbeit nicht über die Runden kommen. Von einer „Rückkehr zum ursprünglichen Sinn“ zu sprechen, heißt, soziale Not wieder stärker zu sanktionieren, das ist kein Fortschritt, sondern Rückschritt.

Wer „Vermittlungsvorrang“ und Leistungskürzungen bis zur kompletten Streichung als „gesellschaftlichen Frieden“ verkauft, verkennt, was wirklich spaltet: die wachsende soziale Ungleichheit. Wenn die reichsten 3600 Menschen in der EU so viel besitzen wie 181 Millionen der ärmsten Bürgerinnen und Bürger, dann ist das kein moralisches, sondern ein strukturelles Problem.

Lehmanns Kommentar verschiebt den Blick von dieser Ungerechtigkeit weg hin zu vermeintlich „unwilligen“ Armen. Das mag ins politische Konzept der Union passen, aber es trägt nicht zu einer ehrlichen Debatte über Gerechtigkeit, Respekt und Teilhabe bei. Ein Sozialstaat, der Menschen bestraft, statt sie zu befähigen, verliert seine Glaubwürdigkeit.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zur Titelseite der NOZ vom Donnerstag, 09.10.2025, Rechtsextremismus vs Linksextremismus

Der Leserbrief kritisiert die NOZ-Titelseite vom 09.10.2025 für eine irreführende Schlagzeile, die linke Sachbeschädigungen überdramatisiert und damit die reale Gefahr des Rechtsextremismus relativiert.

Sehr geehrte Redaktion,  sehr geehrter Herr Koch, 

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur Titelseite der NOZ vom Donnerstag,  09.10.2025.

Die NOZ-Titelseite liefert ein widersprüchliches Bild: In seinem Meinungsbeitrag betont Jonas Koch völlig zu Recht, dass der Rechtsextremismus die größte Gefahr für unsere Demokratie darstellt. Umso erstaunlicher ist, dass er gleichzeitig mit der reißerischen Überschrift „Auch Linksextreme gefährden die Demokratie“ die Aufmerksamkeit auf vermeintlich linksextreme Angriffe lenkt, obwohl der Text zeigt, dass es sich um Sachbeschädigungen handelt, nicht um Überfälle.

Damit wird ein völlig falscher Eindruck erweckt: Statt die tatsächlichen Relationen klar zu benennen, entsteht durch Wortwahl und Platzierung der Eindruck einer linken Bedrohungswelle. Die Dramatisierung konterkariert den differenzierten Teil des Kommentars und fügt sich leider in ein mediales Muster, das rechte Gewalt relativiert, indem es linke Randerscheinungen überbetont.

Wer glaubwürdig über Extremismus berichten will, sollte nicht mit Schlagzeilen arbeiten, die den Leser in die Irre führen.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zum Thema Chatkontrolle, NOZ, Seite 7, 7. Oktober 2025, Katrin Pribyl

Sehr geehrte Redaktion,  sehr geehrte Frau Pribyl,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zum Thema Chatkontrolle, NOZ, Seite 7, 7. Oktober 2025.

Die NOZ-Artikel zur sogenannten Chatkontrolle erwecken den Eindruck, Kinderschutzorganisationen forderten ein automatisches Durchleuchten privater Nachrichten. Das ist schlicht falsch. Der Deutsche Kinderschutzbund, wie auch viele Fachverbände, lehnt die geplante EU-Chatkontrolle ausdrücklich ab. Er fordert mehr Prävention, Aufklärung und besser ausgestattete Jugendämter, nicht die Schwächung digitaler Grundrechte.

Die EU-Verordnung würde es erlauben, dass Messenger-Dienste wie WhatsApp oder Signal private Chats und Bilder automatisiert durchsuchen, also ein technisches System schaffen, das einer anlasslosen Überwachung aller Bürgerinnen und Bürger gleichkommt. Dieses sogenannte Client-Side-Scanning untergräbt Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und gefährdet damit nicht nur die Privatsphäre, sondern auch die IT-Sicherheit aller. Wer Verschlüsselung aufweicht, öffnet Einfallstore für Missbrauch, auch durch Kriminelle.

Kinderschutz darf nicht zum Vorwand für Massenüberwachung werden. Effektiver Schutz vor sexualisierter Gewalt entsteht durch Prävention, internationale Zusammenarbeit, qualifizierte Ermittler und digitale Bildung, nicht durch das Durchsuchen von Familienchats und Urlaubsfotos.

Die Bundesregierung sollte klar Nein sagen zur Chatkontrolle, im Interesse unserer Kinder und unserer Grundrechte.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zur NOZ vom 06.10.2025, Artikel Julia Ruhs und „Cancel Culture“, Seite 4, Thomas Ludwig

Der Leserbrief kritisiert die NOZ dafür, die Causa Julia Ruhs trotz geklärter Fakten weiter als Beispiel für „Cancel Culture“ darzustellen und damit Misstrauen gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu schüren

Sehr geehrte Redaktion,  sehr geehrter Herr Ludwig, 

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom 06.10.2025, Artikel Julia Ruhs, Seite 4.

Erstaunlich, mit welcher Beharrlichkeit die NOZ das Thema Julia Ruhs am Köcheln hält. Wieder wird suggeriert, ihre Absetzung beim NDR sei Folge einer „Cancel Culture“, als Beleg für eine angeblich „links-grüne Meinungsmacht“. Dabei wurde diese Erzählung längst widerlegt und Ruhs arbeitet weiterhin im ÖRR.

Über 250 NDR-Mitarbeitende betonten in einem offenen Brief, dass Ruhs’ Absetzung nichts mit Gesinnung, sondern mit journalistischer Glaubwürdigkeit zu tun hatte. Diese zentrale Information blendet Thomas Ludwig aus. Stattdessen darf Ruhs zusammen mit dem notorischen Medienpessimisten Norbert Bolz altbekannte Klischees bedienen, von „Agitation statt Information“ bis zur vermeintlichen Meinungsdiktatur.

So wird eine längst beendete Personalie zum Anlass, um erneut Misstrauen gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu säen. Wer wirklich Vielfalt will, sollte differenzieren statt pauschal verdächtigen. Dass die NOZ solche Narrative, die man eigentlich von rechtsradikalen Stimmen gewohnt ist, weiterträgt, wirkt weniger wie Meinungsvielfalt, und mehr wie kalkulierte Stimmungsmache.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zu: „Dann hätte er (Donald Trump) den Nobelpreis verdient“(NOZ, 6. Oktober, Seite 1), Sören Becker

Der Leserbrief widerspricht der Idee, Donald Trump könne den Friedensnobelpreis verdienen, und verweist auf seine Lügen, seine Rolle bei der Kapitol-Attacke und seine konfliktverschärfende Außenpolitik.

Sehr geehrte Redaktion,  sehr geehrter Herr Becker, 

hier erhalten Sie meinen Leserbrief zum Kommentar Dann hätte er den Nobelpreis verdient (NOZ, 6. Oktober, Seite 1).

Beckers Gedanke, Donald Trump könne den Friedensnobelpreis verdienen, verkennt die Realität. Trump ist ein verurteilter Straftäter und notorischer Lügner, der über 30.000 Falschbehauptungen verbreitet hat. Er hat den Sturm auf das Kapitol mit angeheizt, demokratische Institutionen geschwächt und sein Verteidigungsministerium zynisch in Kriegsministerium umbenannt.

Auch außenpolitisch hat Trump Konflikte verschärft: mit der Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem, der Kürzung von Hilfen für Palästinenser und der einseitigen Parteinahme für Israel.

Wer Lüge, Spaltung und Drohung als politische Mittel nutzt, ist kein Friedensstifter, und schon gar kein Kandidat für den Friedensnobelpreis.

Mit freundlichen Grüßen 

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