Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen

Autor: Timm Reichl (Seite 51 von 85)

Leserbrief zur NOZ vom Donnerstag, 13.11., Meinung Ebert zur Polyhochzeit in Berlin, Seite 26

Der Leserbrief widerspricht Eberts Kritik an einer Berliner Polyhochzeit und betont, dass die Kirche Menschen nicht ausgrenzen, sondern begleiten soll. Er kritisiert Eberts Spott als unsachlich und argumentiert, dass eine lebendige Kirche Wandel zulassen muss, statt sich wie ein Museum an starre Vorstellungen zu klammern.

Hallo NOZ, hallo Herr Ebert,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Donnerstag, 13.11., Meinung von Ebert zur Polyhochzeit in Berlin, Seite 26.

Herr Ebert schreibt, die evangelische Kirche verliere sich selbst, weil eine Pfarrerin vier Männer „verheiratet“ hat. Doch wer so urteilt, verliert selbst den Blick für das, worum es eigentlich geht: um Menschen, die nach Liebe, Sinn und Nähe suchen, und um eine Kirche, die versucht, sie nicht auszugrenzen.

Es ist billig, über eine Pfarrerin und ihr Handeln Spott zu gießen. Das ist keine Kritik, das ist Häme. Die evangelische Kirche hat schon immer Wandel zugelassen. Sie darf sich verändern, weil sie von Freiheit und Gewissen lebt, nicht von Angst vor dem Zeitgeist.

Eberts Text klingt, als müsse Kirche ein Museum sein, damit sie echt bleibt. Aber eine Kirche, die sich nicht bewegt, verliert nicht den „Zeitgeist“, sondern den Heiligen Geist. Und wer nur über den Sex anderer Menschen schreibt, um Relevanz zu beweisen, sollte sich fragen, ob er nicht selbst dem sucht, was er der Kirche vorwirft: Aufmerksamkeit um jeden Preis.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zur NOZ vom Donnerstag, 13.11., Artikel Google Investitionen in D, Seite 6

Der Leserbrief kritisiert, dass Googles Milliardeninvestition in Deutschland überwiegend dem Konzern selbst nützt. Rechenzentren schaffen kaum Jobs, erhöhen den Energiebedarf und verstärken Europas Abhängigkeit von ausländischer Infrastruktur. Stattdessen sollte die Politik europäische Technologien fördern, um Wertschöpfung und digitale Souveränität zu sichern.

Hallo NOZ,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur NOZ vom Donnerstag, 13.11., Artikel Google Investitionen in D, Seite 6.

In der NOZ klingt die Google-Investition über 5,5 Milliarden Euro wie ein großer Gewinn für Deutschland. Doch bei genauerem Hinsehen profitiert vor allem der Konzern selbst.

Rechenzentren schaffen kaum dauerhafte Arbeitsplätze, im Schnitt bleiben nur rund zwölf Jobs pro Standort. Ein großer Teil des Geldes fließt wieder in die USA zurück, weil teure Komponenten wie Chips von Nvidia dort eingekauft werden. Und Rechenzentren brauchen enorme Mengen Strom: In den USA sind in manchen Regionen die Strompreise für Verbraucher um über 30 Prozent gestiegen.

Solche Projekte stärken vor allem die großen Technologiekonzerne, nicht unsere digitale Unabhängigkeit. Wenn die zentrale Infrastruktur in ausländischer Hand bleibt, wächst die Abhängigkeit Europas weiter.

Statt solche Ankündigungen zu feiern, sollte die Politik lieber eigene, offene und europäische Technologien fördern, damit Wertschöpfung, Wissen und Kontrolle hier bleiben und wir nicht nur Zuschauer der digitalen Zukunft sind.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zur NOZ vom Donnerstag, 13.11., Artikel Verbrennerverbot kippen: Wäre das gut?

Hallo NOZ, hallo Herr Schmidt,

Ihr Artikel „Verbrennerverbot kippen: Wäre das gut?“ vermittelt den Eindruck, dass das geplante Verbot der Zulassung neuer Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren ab 2035 vor allem eine riskante Last für Industrie und Arbeitsplätze sei, doch dieser Fokus greift zu kurz. 

Fakt ist: Chinesische Hersteller wie GAC Group bringen bereits heute ein Elektroauto für rund 5.500 Euro auf den Markt, eine strategische Kampfansage an die europäischen Hersteller. Gleichzeitig zeigen Studien, dass Elektroautos im Lebenszyklus längst nicht mehr teurer sind als Verbrenner.

Diese Fakten legen nahe, dass nicht allein das Verbot das Problem ist, sondern vielmehr das Versäumnis vieler europäischer Hersteller, den Wandel konsequent anzupacken. Ihre Darstellung verstärkt jedoch die Vorstellung vom Verbrenner „gerettet werden müssen“, statt die Mobilitätswende als Chance zu sehen.

Bitte berücksichtigen Sie in künftigen Beiträgen doch stärker, dass Technologie-, Kosten- und Wettbewerbsdaten bereits in Bewegung sind, und damit die Debatte über Verbots- oder Transformationspolitik anders geführt werden müsste.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu „Dringend nötige Atempause“ von Thomas Ludwig (NOZ, 13. November) 

Der Leserbrief widerspricht der Behauptung, deutsche Kommunen seien bei der Aufnahme Geflüchteter „ausgereizt“. Er verweist auf aktuelle Daten, die zeigen, dass die große Mehrheit der Kommunen die Situation als machbar einstuft und Asylzahlen rückläufig sind. Der Brief kritisiert pauschale Überlastungsrhetorik und fordert eine faktenbasierte Debatte.

Hallo NOZ, hallo Herr Ludwig,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zu „Dringend nötige Atempause“ von Thomas Ludwig (NOZ, 13. November).

Thomas Ludwig schreibt, die Kapazitätsgrenzen bei der Aufnahme und Integration von Geflüchteten seien „ausgereizt“. Dafür nennt er aber keine Zahlen. Tatsächlich zeigen aktuelle Daten ein anderes Bild:
Laut einer bundesweiten Umfrage unter über 800 Kommunen (Mediendienst Integration/Uni Hildesheim, 2024) bewerten mehr als 70 Prozent die Lage als „herausfordernd, aber machbar“. Nur rund 5 Prozent sehen sich als überlastet, und die Zahl der überforderten Kommunen ist gegenüber 2023 deutlich gesunken.

Auch die Asylanträge und illegalen Einreisen sind seit 2024 rückläufig, das bestätigen die Statistiken des Bundesamts für Migration.

Natürlich gibt es regionale Probleme, etwa bei Wohnraum oder Behörden, aber von einer flächendeckenden Überforderung kann keine Rede sein. Solche pauschalen Aussagen, wie sie Herr Ludwig trifft, verzerren die Lage und befeuern unnötig Ängste.

Eine sachliche Debatte sollte sich auf Fakten stützen, nicht auf gefühlte Überlastung.

Mit freundlichen Grüßen 

Leserbrief zum Kommentar „Das wäre echt irre, Herr Söder“ von Tobias Schmidt in der NOZ vom Mittwoch, 12.11.2025

Der Leserbrief kritisiert, dass Markus Söder das „Heizungsgesetz“ angreift, obwohl dessen Ursprung auf eine Regierung unter CSU-Beteiligung zurückgeht. Er wirft Söder faktenfreie Stimmungsmache und häufige politische Kehrtwenden vor. Zudem würdigt er die sachliche Rückmeldung des NOZ-Autors und ergänzt dessen Einordnung.

Hallo NOZ, hallo Herr Schmidt,

hier meine Meinung zum Kommentar „Das wäre echt irre, Herr Söder“ von Tobias Schmidt in der NOZ vom Mittwoch, 12.11.2025.

Was Herr Schmidt leider unerwähnt lässt: Das sogenannte Heizungsgesetz, über das Markus Söder nun so lautstark herzieht, stammt nicht von Robert Habeck, sondern von der Großen Koalition unter CDU/CSU und SPD. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) wurde 2020 von einer Regierung beschlossen, an der die CSU selbst beteiligt war, mit Horst Seehofer als Bauminister.Habeck hat dieses Gesetz später lediglich novelliert, teils entschärft und mit langen Übergangsfristen sowie Förderungen versehen, also das Gegenteil dessen, was Söder suggeriert.

Wenn der bayerische Ministerpräsident heute „weg mit dem Heizungsgesetz“ ruft, dann fordert er also faktisch die Abschaffung eines eigenen CSU-Gesetzes. Aber das scheint ihn nicht weiter zu stören. Hauptsache, es klingt populär.Söder inszeniert sich einmal mehr als Lautsprecher der Empörung, während er verschweigt, dass seine eigene Partei die Grundlage des Gesetzes gelegt hat. Das ist keine Politik, das ist pure Stimmungsmache auf Kosten von Fakten und Vernunft.

Mit freundlichen Grüßen 

Schmidt, Tobias <t.schmidt@noz.de> schrieb am Mi., 12. Nov. 2025, 09:14:

Lieber Herr Reichl, 

da haben Sie einen Punkt. Die Ampel wollte das alte GEG allerdings um ein Jahr vorziehen – das war sozusagen der Anlass für das dann folgende Beben.

Wir könnten die Zeitung mit Hinweisen auf Kehrtwenden von Herrn Söder füllen. Er war ja auch einer der ersten, die ein Verbrennerverbot gefordert haben. Nun schreit er am lautesten nach der Abschaffung ebendieses Verbotes.

Mit besten Grüßen!

Tobias Schmidt

Lieber Herr Schmidt,

vielen Dank für Ihre Rückmeldung,  und vor allem dafür, dass Sie sich immer die Zeit nehmen, auf Zuschriften zu reagieren. Das ist in der heutigen Medienlandschaft leider alles andere als selbstverständlich und spricht für Sie.

Ihr Hinweis auf die damalige Vorziehung durch die Ampel ist natürlich richtig, das war tatsächlich der Funke, der das politische Feuer entfacht hat. Nur schade, dass dabei oft vergessen wird, wer das GEG überhaupt auf die Welt gebracht hat. Aber wie Sie schreiben: Bei Herrn Söder ließen sich ganze Zeitungsseiten mit Kehrtwenden füllen, vom „Verbrennerverbot“ bis zum Heizungsgesetz und der Kernkraftdebatte.

Manchmal hat man den Eindruck, sein politischer Kompass zeigt immer genau dorthin, wo gerade der lauteste Applaus herkommt. Vielleicht sollte man das Gerät mal eichen lassen. 

Mit besten Grüßen

Timm Reichl 

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