Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen seit 2025

Kategorie: Burkhard Ewert (Seite 4 von 9)

Leserbrief zu „Nach dem Anschlag ist vor dem Achselzucken – Wo bleibt nach der linksextremen Sabotage in Berlin die öffentliche Empörung?“ von Burkhard Ewert, NOZ vom 15.01.2026, Seite 2

Viel Empörung, wenig Maßstab: Warum der Kommentar von Burkhard Ewert mehr Agenda als Analyse ist.

Hallo NOZ, hallo Herr Ewert,

der Kommentar von Burkhard Ewert zum Anschlag auf die Berliner Stromversorgung spricht ein reales Problem an, arbeitet aber mit fragwürdigen Zuspitzungen und Maßstäben.

Sabotage an kritischer Infrastruktur ist ohne Zweifel ernst zu nehmen. Problematisch wird es jedoch dort, wo die Bedeutung eines terroristischen Akts nahezu ausschließlich aus der vermuteten Höhe des Sachschadens abgeleitet wird. Terror entfaltet seine Wirkung nicht primär über Kostenrechnungen, sondern über Angst, Verunsicherung, politische Instrumentalisierung, und über die Frage, wie Staat und Öffentlichkeit reagieren.

Gerade deshalb erscheint der Eindruck einer angeblich beispiellos „milden“ Reaktion wenig überzeugend. Der Anschlag wurde breit medial begleitet, die Bundesanwaltschaft ermittelt, Sicherheitsbehörden sprechen offen von Terrorverdacht. Das ist keine Bagatellisierung, sondern ein funktionierender rechtsstaatlicher Umgang.

Wenn man historische Maßstäbe anlegt, zeigt sich zudem, dass Terror in Deutschland sehr unterschiedliche Formen angenommen hat. Der NSU etwa wirkte über Jahre hinweg, mit tödlichen Folgen und gravierenden Ermittlungsfehlern. Seine zerstörerische Kraft lag weniger im materiellen Schaden als in der Dauer, den Opfern und dem institutionellen Versagen. Daran gemessen greift eine Bewertung zu kurz, die aktuelle Ereignisse vor allem anhand ökonomischer Schadenssummen dramatisiert.

Schließlich irritiert die wiederholte Andeutung, politische und mediale Reaktionen würden je nach ideologischem Hintergrund der Täter grundsätzlich unterschiedlich ausfallen. Solche Pauschalurteile tragen eher zur Polarisierung bei, als dass sie zur nüchternen Analyse politischer Gewalt beitragen.

Wer demokratische Resilienz stärken will, sollte genau darin bestehen, auf Präzision, Maßstäbe und Zurückhaltung, auch im Kommentar.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu „Günthers Aussagen zu Medienverboten irritieren“ von Ewert und Schulte, NOZ vom 12.01.2025, Seite 1

Pressefreiheit oder Gatekeeper-Panik? Ein Leserbrief zur NOZ, politischer Medienkritik und dem Verlust journalistischer Deutungshoheit.

Hallo NOZ, hallo Herr Ewert, hallo Herr Schulte,

der Kommentar von NOZ-Chefredakteur Burkhard Ewert und Martin Schulte zu Daniel Günthers Auftritt bei Markus Lanz wirft eine Frage auf, die im Text selbst nicht gestellt wird: Verteidigen Ewert und Schulte hier wirklich die Pressefreiheit, oder vor allem die eigene Deutungshoheit?

Es ist auffällig, mit welcher Vehemenz politische Kritik an bestimmten Medienangeboten sofort zur angeblichen Zensurgefahr hochgezogen wird. Dabei schützt Artikel 5 des Grundgesetzes vor staatlichen Verboten, nicht vor politischer Einordnung oder öffentlicher Kritik. Wer jede scharfe Bewertung von Medien durch Politiker bereits als autoritären Dammbruch framet, betreibt keine Aufklärung, sondern Dramatisierung.

Besonders entlarvend ist Ewerts Klage über die Öffentlichkeitsarbeit von Ministerien und Behörden. Wenn staatliche Stellen schneller und direkter mit Bürgerinnen und Bürgern kommunizieren, ist das kein Angriff auf die Demokratie, sondern ein Verlust an Gatekeeper-Macht für klassische Medien. Dass dies aus Verlagssicht schmerzt, ist nachvollziehbar. Es als Gefahr für die Pressefreiheit zu verkaufen, hingegen nicht.Irritierend ist zudem die moralische Überhöhung. Ausgerechnet große Medienhäuser, die selbst zuspitzen, weglassen, rahmen und politische Narrative selektiv verstärken, geben sich plötzlich als letzte Bastion differenzierter Wahrheit. Kritik daran wird reflexhaft als demokratiefeindlich etikettiert.

Der vielzitierte China-Vergleich schließlich wirkt wie ein rhetorischer Nebelwerfer. In einem Rechtsstaat mit unabhängigen Gerichten, Medienvielfalt und föderaler Ordnung ist es unseriös, politische Medienkritik in die Nähe totalitärer Zensur zu rücken.

Vielleicht geht es hier weniger um den Schutz der Demokratie als um die Angst, dass Meinungsbildung nicht mehr ausschließlich über etablierte Redaktionen läuft. Pressefreiheit bedeutet Vielfalt und auch die Freiheit, journalistische Autoritäten zu hinterfragen.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu „Entscheidung gegen den Hass – Erika Kirk will Versöhnung im gespaltenen Land“ von Burkhard Ewert, NOZ vom 31.12.2025, Seite 34

Wenn Moral Analyse ersetzt: Ein Leserbrief über die journalistische Doppelmoral der NOZ im Umgang mit dem Kommentar zu Erika Kirk.

Hallo NOZ, hallo Herr Ewert,

der Kommentar von Burkhard Ewert zur Witwe von Charlie Kirk ist weniger Meinungsbeitrag als moralische Verklärung. Eine persönliche Geste der Vergebung wird zur politischen Großtat überhöht, während der politische Kontext systematisch ausgeblendet wird. Charlie Kirk war kein neutraler Versöhner, sondern ein zentraler Akteur der US-amerikanischen Rechtsradikalisierung. Diese Tatsache verschwindet im Text nahezu vollständig.

Auffällig ist dabei die journalistische Doppelmoral. Wo bei linken oder progressiven Akteuren jedes Wort, jede Nähe, jede Wirkungskette kritisch seziert wird, ersetzt hier religiöses Pathos die notwendige Einordnung. Kritik wird nicht argumentativ aufgegriffen, sondern pauschal als „Empörung ohne Maß“ delegitimiert. Das ist keine Auseinandersetzung, sondern eine moralische Abschottung.

Selbstverständlich ist es respektabel, wenn eine Witwe nicht zu Hass und Vergeltung aufruft. Daraus jedoch eine nationale Beruhigungserzählung zu konstruieren, ist journalistisch dünn und politisch bequem. Vergebung ist eine persönliche Haltung, sie enthebt weder Personen noch Bewegungen ihrer Verantwortung für das Klima, das sie mit geschaffen haben.

Meinungsstarke Kommentare sind legitim. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sie mit gleichen Maßstäben messen. Genau daran mangelt es diesem Text.

Dem Team der NOZ wünsche ich einen gesunden Start in 2026, bleiben Sie mir gewogen.

Mit freundlichen Grüßen

Zwei Kommentare, ein blinder Fleck – Leserbrief zu den Meinungen von Rena Lehmann und Burkhard Ewert in der NOZ vom 24.12.2025, Seite 9/10

Leserbrief zur NOZ: Weihnachts-Zuversicht schön, aber gesellschaftliche Konflikte und politische Ursachen werden zu wenig thematisiert.

Hallo NOZ, hallo Frau Lehmann, hallo Herr Ewert,

auf den Seiten 9 und 10 der Weihnachtsausgabe werben zwei Meinungsartikel für Zuversicht, Mäßigung und einen gnädigen Blick aufeinander. Das ist verständlich, und sympathisch. Auffällig ist jedoch, dass beide Texte gesellschaftliche Konflikte vor allem moralisch und psychologisch rahmen, nicht politisch.

So erscheint Polarisierung vor allem als Tonfall- oder Empathieproblem. Gleichzeitig stehen auf denselben Seiten Berichte über neue Kriegsschiffe, Abschiebeboni und eine zunehmend rabiat durchgesetzte Migrationspolitik. Hinzu kommt eine fortschreitende Normalisierung der AfD in Talkshows, Medien und Debatten, während soziale Ungleichheit, Wohnungsnot und Abstiegsängste wachsen. Diese Entwicklungen lassen sich nicht durch innere Einkehr oder einen gnädigeren Blick auflösen, sie sind das Ergebnis konkreter politischer Entscheidungen mit realen Folgen.

Auch der Appell, Politik gnädiger zu betrachten, greift zu kurz. Kritik entsteht nicht aus Ungeduld allein, sondern aus Erfahrungen von Unsicherheit, sozialer Spaltung, sichtbarer Korruption und dem Eindruck fehlender demokratischer Gestaltungsmacht.

Zuversicht ist wichtig. Doch sie sollte Analyse ergänzen, nicht ersetzen. Sonst droht sie zur Beschwichtigung zu werden.

Dem Team der NOZ wünsche ich gesunde Festtage, bleiben Sie mir gewogen.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zum Kommentar „Was war das für ein Wochenende! Rest der Republik AfD-Jugend und linke Gewalt – und die anderen Parteien spielen den politischen Rändern in die Hände“ von Burkhard Ewert in der NOZ vom 04.12.2025, Seite 2

Kritischer Leserbrief zu Ewerts Kommentar in der NOZ: Polizeigewalt in Gießen, Fehldeutungen der Hufeisentheorie, wirtschaftspolitische Verzerrungen und Verharmlosung der AfD.

Hallo NOZ, hallo Herr Ewert,

Ihr Kommentar zum vergangenen Wochenende greift wichtige Punkte auf, zeichnet aber ein verzerrtes Bild der Ereignisse in Gießen und der politischen Lage insgesamt. Besonders problematisch finde ich, dass Sie linke Gegendemonstranten und die völkisch auftretende neue AfD-Jugendorganisation nahezu spiegelbildlich behandeln, als stünden sich hier zwei gleichartige Extreme gegenüber. Diese Gleichsetzung entspricht der sogenannten Hufeisentheorie, die in der Politikwissenschaft aus guten Gründen scharf kritisiert wird: Sie verwischt zentrale Unterschiede in Zielsetzung, Ideologie und Gefährdungslage und relativiert damit die reale Bedrohung, die von organisiertem Rechtsextremismus ausgeht.

Was in Ihrem Kommentar völlig fehlt, ist die Perspektive der überwältigenden Mehrheit der friedlichen Demonstrierenden in Gießen. Der Oberbürgermeister hat diesen demokratischen Protest ausdrücklich gelobt. Gleichzeitig dokumentieren zahlreiche Videos ein äußerst hartes, teils unverhältnismäßiges Vorgehen der Polizei gegenüber friedlichen Teilnehmenden. Diese Aspekte gehören zu einer vollständigen Einordnung zwingend dazu.

Zudem fällt auf, dass Sie Sozialpolitik, Steuerdebatten und wirtschaftspolitische Vorschläge pauschal als „populistisch“ einordnen, ohne ökonomische Daten oder die realen Verteilungsfragen in Deutschland überhaupt zu erwähnen. Damit entpolitisieren Sie ökonomische Interessenkonflikte und stellen Arbeitgeber als neutrale Opfer dar, ein Framing, das weder der gesellschaftlichen Realität noch der Komplexität der Debatte gerecht wird.

Wenn etablierte Parteien Kritik an Ungleichheit, Vermögen oder Unternehmenspolitik äußern, ist das keine populistische Geste, sondern legitime demokratische Auseinandersetzung. Durch die pauschale Abwertung solcher Positionen wirken diese Parteien in Ihrem Kommentar ähnlich „spaltend“ wie die AfD, eine Gleichsetzung, die inhaltlich nicht haltbar ist und die Gefährlichkeit der AfD letztlich relativiert.

Gerade in politisch aufgeladenen Zeiten sollten Kommentare Unterschiede klar benennen und einordnen statt sie einzuebnen.

Mit freundlichen Grüßen

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