Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen

Kategorie: NOZ allgemein (Seite 9 von 12)

Strukturelle Medienkritik an der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) und ihrem Verlagshaus NOZ/mh:n: Kommentarspalten-Schließung, Leserbrief-Politik, unkritische NZZ-Übernahmen, das neue Debattenformat „360°“ und die Frage, welche Öffentlichkeit eine Regionalzeitung mit überregionalem Mantelteil herstellt. Diese Kategorie richtet den Blick auf die NOZ als Institution.

Klassenprimus Dobrindt – und die NOZ lobt mit

Rena Lehmann adelt Dobrindt als „Konsensmaschine“, während auf derselben Seite Spaniens pragmatische Migrationspolitik steht. Ein Kontrast, den die NOZ nicht kommentiert.

Hallo NOZ, hallo Frau Lehmann,

der Meinungsbeitrag von Rena Lehmann über Alexander Dobrindt ist ein Lehrstück in wohlwollender Porträtierung. Der Innenminister wird als nachdenklicher Pragmatiker gezeichnet, der Polarisierung zurückdrängen will und dabei auf seine Sprache achtet. Was fehlt, sind die Maßstäbe.

Denn auf derselben Seite steht ein Artikel über Spanien, der zeigt, was eine andere Migrationspolitik konkret bedeuten kann; Legalisierung, Integration, wirtschaftliche Vernunft. Dieser Kontrast bleibt unkommentiert. Die Juxtaposition ist zufällig, und gerade deshalb aufschlussreich.

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Dass Dobrindts Zurückweisungen an den Grenzen rechtlich auf „dünnem Eis“ stehen, erwähnt der Artikel immerhin, um es sofort wegzuerklären. Kein Grundsatzurteil bisher, Glück gehabt. Dass das Berliner Verwaltungsgericht bereits im Juni 2025 entsprechend geurteilt hat, das Innenministerium dies aber als „Einzelfall“ abtat und die Praxis einfach weiterführte, ist kein Kleinreden, sondern ein handfester Rechtsbruch auf Probe. Das verdient mehr als einen Nebensatz.

Ebenso auffällig ist, dass der Rückgang der Asylzahlen Dobrindt als Erfolg zugeschrieben wird, obwohl der Artikel selbst Migrationsforschern zitiert, die ihn vor allem auf den Sturz des Assad-Regimes zurückführen. Das ist ein erheblicher Widerspruch, der im Text aber nicht als solcher behandelt wird, sondern als Dobrindt-Zitat über das „Kleinreden“ seiner Gegner.

Schließlich, Lehmanns Schlussbemerkung, Dobrindt sei „ganz zufrieden mit sich“, klingt wie ein Befund, ist aber das Ergebnis eines Gesprächs ohne Aufzeichnung, auf Wunsch des Ministers. Welchen Erkenntnisgewinn ein solches Porträt jenseits des Selbstbilds des Porträtierten hat, bleibt offen.

Wer Friedrich Merz als kühlen Realisten adelt und Dobrindt als Klassenprimus, betreibt kein Nachrichtenmagazin, sondern Begleitmusik zur Regierung. Das ist eine redaktionelle Entscheidung, die man treffen kann, sie sollte aber als solche erkennbar sein.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu „Sollten Wiedereinstieg in die Kernkraft prüfen“ von Andreas Schweiger/Braunschweiger Zeitung, NOZ vom 15.04.2026

Die NOZ übernimmt unkommentiert ein Kernkraft-Interview aus der Braunschweiger Zeitung. Erneuerbare kosten zu viel? Dabei fehlen im Text die 40 bis 65 Milliarden Euro jährlich für fossile Importe und Subventionen. Selektive Zahlen, keine Gegenstimme, kein Kontext.

Hallo NOZ,

am 15. April 2026 veröffentlichen Sie ein Interview des Energieexperten Jürgen Kuck, das zuerst in der Braunschweiger Zeitung erschien. Diese Herkunft wird erst im letzten Satz des Textes erwähnt, eine redaktionelle Einordnung fehlt vollständig. Das ist problematisch, weil der Artikel keine ausgewogene Analyse bietet, sondern eine klar positionierte Argumentation gegen die Energiewende, die ohne jede Gegenstimme präsentiert wird.

Inhaltlich fällt vor allem eine Leerstelle auf. Professor Kuck rechnet detailliert vor, was Erneuerbare-Subventionen und Netzausbau kosten. Er beziffert die Einspeisevergütungen auf 16 Milliarden Euro und den Netzzuschuss auf 6,5 Milliarden Euro. Was im gesamten Interview nicht auftaucht, sind die Kosten auf der anderen Seite der Bilanz. Deutschland gibt jährlich zwischen 40 und 65 Milliarden Euro für fossile Energieimporte aus, je nach Preisniveau. Hinzu kommen staatliche Subventionen für fossile Energieträger, die das Umweltbundesamt auf rund 65 Milliarden Euro jährlich beziffert, darunter die Steuerermäßigung auf Diesel, die Kerosinsteuerbefreiung und weitere Vergünstigungen. Wer über die Kosten der Energiewende spricht, ohne diese Zahlen zu nennen, betreibt keine Analyse, sondern selektive Arithmetik.

Auch die Forderung nach einem Kernkraft-Wiedereinstieg hält einer näheren Betrachtung nicht stand. Neue Reaktoren in Europa sind kein theoretisches Risiko, sondern eine dokumentierte Katastrophe. Der EPR-Reaktor in Flamanville kostete statt drei mittlerweile über 13 Milliarden Euro und wurde mit zwölf Jahren Verzögerung fertiggestellt. Das Projekt in Olkiluoto verlief ähnlich. Small Modular Reactors existieren bislang nicht in kommerziellem Maßstab. Selbst bei einer sofortigen politischen Entscheidung für einen Wiedereinstieg würde frühestens in den 2040er Jahren Strom fließen. Das ist kein Beitrag zur aktuellen Versorgungskrise, sondern ein Verweis auf eine Zukunft, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht eintrifft.

Dazu kommt, dass Kernkraft das Abhängigkeitsproblem nicht löst, sondern verschiebt. Uran stammt zu wesentlichen Teilen aus Niger, Kasachstan und Russland. Frankreich, das seinen Reaktorpark in den vergangenen Jahrzehnten konsequent ausgebaut hat, erlebte 2022 einen noch schärferen Strompreisschock als Deutschland, weil rund die Hälfte der Reaktoren wegen Wartungsproblemen nicht am Netz war.

Der eigentliche Befund des Interviews lautet, dass fossile Abhängigkeit das Kernproblem ist. Dieser Befund wird dann aber nicht konsequent zu Ende gedacht, sondern umgekehrt. Als Lösung wird nicht der beschleunigte Ausstieg aus fossilen Brennstoffen vorgeschlagen, sondern die Verlangsamung der Energiewende. Das ist eine politische Position, keine wissenschaftliche Einschätzung.

Ich erwarte von der NOZ, dass sie externe Artikel mit einer klaren energiepolitischen Agenda nicht unkommentiert übernimmt. Ein Hinweis auf die Herkunft reicht nicht. Notwendig wäre eine Einordnung, die fehlende Zahlen ergänzt, den Interviewpartner kontextualisiert und zumindest andeutet, dass es zur dargestellten Position gewichtige Gegenargumente gibt. Ohne diese Einordnung betreibt die NOZ keine Berichterstattung, sondern Weitergabe.

Mit freundlichen Grüßen

Krieg ohne Völkerrecht: Warum die NOZ mit dem NZZ-Artikel zum Iran-Krieg eine zentrale Einordnung schuldig bleibt

Die NOZ übernimmt einen NZZ-Artikel zum Iran-Krieg ohne ein Wort zum Völkerrecht. Dass die US-Angriffe gegen die UN-Charta verstoßen, kommt nicht vor. Das ist kein Journalismus, das ist Rahmensetzung per Auslassung.

Hallo NOZ, hallo NZZ,

die unkommentierte Übernahme des NZZ-Artikels „Die große Entfremdung“ vom 13.04.2026 ist ein weiteres Beispiel für ein inzwischen vertrautes Muster. Die NOZ druckt einen meinungsgeladenen Text, ohne ihn redaktionell einzuordnen, und übernimmt dabei stillschweigend dessen Prämissen.

Der Artikel beschreibt den US-amerikanischen Angriff auf den Iran ausschließlich als geopolitisches Kommunikationsproblem zwischen Merz und Trump. Was vollständig fehlt ist der völkerrechtliche Rahmen. Die Militärschläge gegen den Iran erfolgten ohne UN-Mandat, ohne Selbstverteidigungsartikel nach Art. 51 der UN-Charta, ohne Resolution des Sicherheitsrats. Sie sind damit nach überwiegender Einschätzung von Völkerrechtsexperten ein klarer Verstoß gegen das Gewaltverbot der UN-Charta. Dass Israel und die USA diesen Krieg führen, macht ihn nicht legitim, er macht ihn zu einem Angriffskrieg im Sinne des Völkerrechts.

Im Artikel kommt diese Einordnung mit keinem Wort vor. Stattdessen wird der Hudson-Institute-Experte Peter Rough zitiert, der die europäische Zurückhaltung als „erbärmlich“ rahmt und die Straße von Hormus als Argument für eine deutsche Kriegsbeteiligung anführt. Das ist nicht Analyse, sondern Interessenvertretung eines dezidiert konservativen US-Thinktanks, unmarkiert und unkommentiert abgedruckt.

Genauso wenig thematisiert der Text, dass Deutschland und die EU nicht aus Drückebergerei distanziert reagierten, sondern aus ernsthafter völkerrechtlicher Überzeugung. Diese Position als bloße Kommunikationspanne oder Merz’sche Undiszipliniertheit zu rahmen, verzerrt die Debatte fundamental.

Eine Regionalzeitung wie die NOZ, die Texte aus Zürich übernimmt, trägt Verantwortung dafür, was sie unkommentiert in den Blätterwald setzt. Wer den Iran-Krieg ohne Völkerrecht diskutiert, führt keine Debatte. Er betreibt Stimmungsmache.

Mit freundlichen Grüßen

Gesinnungsprüfung statt Kunstfreiheit – mein Leserbrief an die NOZ zum Rückzug von Lies und der Stadt Osnabrück vom EMAF

Die NOZ berichtet; Ministerpräsident Lies widerruft die EMAF-Schirmherrschaft, weil eine Künstlerin eine umstrittene politische Haltung vertritt, obwohl ihre Posts legal sind und der Film selbst nicht beanstandet wird. Mein Leserbrief an die NOZ; das ist kein Eintreten gegen Antisemitismus, sondern vorauseilender Gehorsam auf Kosten der Kunstfreiheit.

Hallo NOZ, hallo Herr Döring,

Ihre beiden Artikel zur EMAF-Kontroverse in der NOZ vom 30.03.2026 beschreiben den Sachverhalt, ziehen aber eine entscheidende Schlussfolgerung nicht.

Was Ministerpräsident Lies und die Stadt Osnabrück hier praktizieren, ist kein Eintreten gegen Antisemitismus, sondern vorauseilender Gehorsam.

Beide haben es selbst eingeräumt, die Social-Media-Posts der Künstlerin sind durch Kunst- und Meinungsfreiheit gedeckt. Der Filmbeitrag selbst steht nicht in der Kritik. Was bleibt, ist eine politische Haltung, die legal ist, und eine Nähe zu einer Bewegung, deren Einstufung als antisemitisch durch den Bundestag keinerlei rechtliche Wirkung entfaltet. Wer auf dieser Grundlage die Schirmherrschaft widerruft und sich „von Teilen des Programms distanziert“, nimmt keine ethische Position ein, sondern betreibt Gesinnungsprüfung. Das Werk wird nicht bewertet, die Person wird geprüft.

Bezeichnend ist der Kontrast zur EMAF-Leitung selbst. Sie hat die Programmierung transparent begründet, zwischen Werk und Biografie unterschieden und eine begleitende Diskussionsrunde angekündigt. Das ist Verantwortung im Umgang mit strittigen Inhalten. Lies und die Stadt hingegen wählen den Rückzug aus der Reibung, und behaupten dabei, die gesellschaftliche Debatte schützen zu wollen. Wer Debatten verhindert, indem er die Schirmherrschaft niederlegt, bevor die Diskussion begonnen hat, befeuert genau jene Polarisierung, von der er sich distanzieren will.

Das verdient auch deshalb Erwähnung, weil die NOZ selbst in jüngster Vergangenheit den Begriff der Pressefreiheit bemüht hat, etwa wenn es um staatliche Medienkritik oder die Einschränkung von Kommentarspalten ging. Wer Kunstfreiheit ernst nimmt, muss sie auch dort verteidigen, wo die gezeigte Haltung politisch unbequem ist. Andernfalls bleibt „Kunstfreiheit“ eine Schutzformel für das Unverfängliche.

Mit freundlichen Grüßen

Kein Einzelfall – Merz‘ Rassismus hat Methode

Merz nutzte eine Debatte über digitale Gewalt gegen Frauen, um erneut pauschal Zuwanderer als Täter darzustellen. Es ist nicht das erste Mal. Von „kleinen Paschas“ über das „Stadtbild“ bis heute, das ist kein Ausrutscher, das ist Methode.

Hallo NOZ, hallo Frau Jaquet,

hier sende ich Ihnen meinen Leserbrief zur Meinung „Die Realität kann nicht rassistisch sein“ (NOZ, 30.3.2026).

Finja Jaquet argumentiert, Merz Aussagen zur „explodierenden Gewalt“ seien durch die Kriminalstatistik gedeckt und daher kein Rassismus. Diese Einordnung klingt sachlich, sie ist es aber nicht. Denn sie betrachtet eine Aussage im Vakuum, die Teil eines langen, erkennbaren Musters ist.

Erinnern wir uns, als Merz im Januar 2023 arabischstämmige Grundschulkinder bei Markus Lanz als „kleine Paschas“ bezeichnete, ohne Belege, pauschal und trotz Kritik unentschuldigt. Im September 2023 behauptete er, abgelehnte Asylbewerber würden Deutschen die Zahnarzttermine wegnehmen. Eine Aussage, die der Präsident der Bundeszahnärztekammer umgehend als falsch zurückwies, ebenso der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Im November 2025 sprach er von einem „Problem im Stadtbild“, das durch Abschiebungen gelöst werden solle. Ein Satz, der Menschen, die seit Jahrzehnten hier leben, als unerwünschten Anblick markiert.

Und nun, im März 2026, nutzt er eine Debatte über digitale Gewalt gegen Frauen, ausgelöst durch den Fall Ulmen/Fernandes, einem gebürtigen Deutschen ohne jeden Migrationsbezug, um erneut Zuwanderer pauschal als Gewalttäter darzustellen.

Das ist kein nüchternes Benennen von Realität. Das ist ein wiederholtes, politisch kalkuliertes Muster, ein gesellschaftliches Problem wird aufgegriffen, und der Blick wird ohne sachliche Notwendigkeit auf Migranten gelenkt. Dabei bedient Merz jedes Mal dasselbe Grundnarrativ. „Die“ nehmen „uns“ etwas weg oder bedrohen „uns“. Mal sind es Zahnarzttermine, mal das Stadtbild, mal die Sicherheit der Frauen. Der Inhalt ist austauschbar, die Wirkung dieselbe.

Zur Statistik, die Jaquet anführt folgendes. Stimmt, ausländische Tatverdächtige sind in der Kriminalstatistik überrepräsentiert. Aber die Statistik erfasst Verdächtige, nicht Verurteilte, und sie spiegelt auch wider, wer häufiger kontrolliert und angezeigt wird. Vor allem aber erklärt sie nichts ohne den sozioökonomischen Kontext. Armut, Prekarität und fehlende gesellschaftliche Teilhabe sind bekannte Faktoren für erhöhte Kriminalitätsbelastung, unabhängig von Herkunft oder Pass. Diese Faktoren zu ignorieren und stattdessen auf Herkunft zu verweisen, ist keine Ehrlichkeit, es ist eine verkürzte Lesart, die Ursachen verschleiert statt sie zu benennen.

Der Vergleich mit dem Slogan „Not all men, but always men“ hinkt zudem erheblich. Dieser beschreibt strukturelle Machtverhältnisse, die historisch gewachsen und gesellschaftlich umfassend belegt sind. Eine ethnische Zuschreibung von Kriminalität ist kategorial etwas anderes. Sprache hat Folgen. Wenn der Bundeskanzler im Bundestag ohne sachlichen Anlass den Begriff „Zuwanderer“ in eine Debatte über Gewalt gegen Frauen einführt, entsteht ein Klima. Eines, in dem sich Menschen, die seit Jahrzehnten hier arbeiten, Steuern zahlen und ihr Leben aufgebaut haben, fragen müssen: Bin ich gemeint? Diese Menschen stellen diese Frage nicht, weil sie kriminell sind. Sie stellen sie, weil politische Sprache Zugehörigkeit verteilt, und entzieht.

Die Realität ist nicht rassistisch. Aber ihre selektive, wiederholte und kontextfreie Nutzung gegen eine bestimmte Bevölkerungsgruppe kann es sehr wohl sein.

Mit freundlichen Grüßen

UPDATE 30/03/2026 – Finja Jaquet hat auf meinen Leserbrief geantwortet;

Hallo Herr Reichl, 
danke für Ihre Nachricht. Ich erkenne ein anderes, langes Muster, als Sie. Ein Muster, in dem Menschen, die hier Schutz und Unterstützung suchen, zu oft die Grenzen übertreten haben. Und ein Muster, in dem dieser Missstand zu oft eben nicht angesprochen gemacht wurde. Egal, ob wir über fehlende Täterbeschreibungen bei Straftaten reden, da diese Vorurteile schüren könnten oder über frisierte Erhebungen des Arbeitsamts darüber, welche Vornamen die häufigsten Bürgergeldempfänger haben - all das zahlt für mich in dasselbe Muster ein. 
Ob Merz diesen Punkt in dem Fernandes/Ulmen-Fall nun ohne sachliche Notwendigkeit eingebracht hat, darüber lässt sich streiten. Mein Komentar bezog sich eher auf die anschließende Empörung, die ich aus genannten Gründen für nicht gerechtfertigt halte. 
Den von Ihnen genannten sozioökonomischen Kontext habe ich aufgegriffen und halte ihn für eine Erklärung für Gewalt, aber nicht für eine Begründung oder gar Entschuldigung. Ebenso wenig die Herkunft. Ich schrieb nur, was ist: Und zwar, dass Gewaltstraftaten im Vergleich häufiger von Menschen nicht deutscher Herkunft begangen werden.  Das nutze ich nicht als Begründung oder Erklärung, sondern als Fakt. 
Ja, Sprache hat Folgen. Unausgesprochenes ebenfalls. 
Herzliche Grüße
Finja Jaquet

UPDATE 30/03/2026 – meine Antwort an Frau Jaquet lautet:

Hallo Frau Jaquet, danke für Ihre Antwort. Ich nehme sie ernst, und widerspreche ihr deshalb klar. Zum Argument des „langen Schweigens“; Merz spricht seit Jahren über Migration als Problem, „kleine Paschas“, Zahnarzttermine, das Stadtbild, jetzt Gewalt gegen Frauen. Von Schweigen kann keine Rede sein. Das Gegenteil ist wahr, kein anderer Politiker der Mitte hat das Thema in den letzten Jahren häufiger und pauschalisierender besetzt. Wenn Ihr Kommentar also eine Reaktion auf ein vermeintliches Tabu war…dieses Tabu existiert nicht. Was existiert, ist berechtigte Kritik an der Art, wie das Thema gerahmt wird. Zur Frage, ob Merz den Migrationsbezug sachlich eingebracht hat, folgendes. Sie schreiben, darüber lasse sich streiten. Ich finde, dazu lässt sich nicht streiten. Merz wurde nach digitaler Gewalt gegen Frauen gefragt, ausgelöst durch einen Fall, in dem der Täter ein gebürtiger Deutscher aus Rheinland-Pfalz ist. Es gab keinen sachlichen Anlass, Zuwanderung einzuführen. Keinen. Das ist keine Interpretation, das ist der protokollierte Verlauf der Bundestagsdebatte. Zum sozioökonomischen Kontext, ich habe ihn nicht als Entschuldigung eingebracht. Das schreiben Sie mir zu, ohne dass ich es gesagt habe. Ich habe ihn als Erklärung eingebracht, weil Erklärungen für eine ernsthafte Debatte notwendig sind. Wer Kriminalität bekämpfen will, muss ihre Ursachen verstehen. Wer stattdessen auf Herkunft zeigt, lenkt von den Ursachen ab, und damit auch von den Lösungen. Zur Gleichsetzung von Täterbeschreibungen und Bürgergeldstatistiken. Das sind zwei völlig verschiedene Sachverhalte, die Sie in einen Topf werfen. Täterbeschreibungen sind ein legitimes polizeiliches Instrument. Manipulierte Behördenstatistiken über Vornamen von Bürgergeldempfängern sind eine gezielte politische Kampagne. Diese Gleichsetzung ist kein Argument, sie ist Whataboutism. Zu „Unausgesprochenes hat ebenfalls Folgen“. Das ist Ihr stärkstes Argument, und es stimmt. Aber es trifft Ihre eigene Position. Unausgesprochen bleibt in Ihrer Analyse, dass die Kriminalstatistik Tatverdächtige erfasst, nicht Verurteilte. Unausgesprochen bleibt, dass erhöhte Kontrolldichte bestimmter Gruppen die Statistik verzerrt. Unausgesprochen bleibt, dass die von Merz beschworene „explodierende Gewalt“ im selben Moment stattfand, in dem die Asylzahlen auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren gefallen sind. Und unausgesprochen bleibt vor allem die Wirkung. Dass Menschen, die seit Jahrzehnten hier leben, nach solchen Debatten leiser sprechen, vorsichtiger werden, sich fragen, ob sie noch dazugehören. Sie schreiben, Sie hätten nur genannt, „was ist“. Aber Fakten ohne Kontext sind keine Wahrheit, sie sind eine Auswahl. Und diese Auswahl hat Merz, haben Sie, hat jeder zu verantworten. Mit freundlichen Grüßen

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