Die NOZ druckt heute einen NZZ-Text, der Fragen über Trumps Gesundheit als Wunschdenken seiner Gegner rahmt. Quellenhinweis am Ende, redaktionelle Einordnung: keine. Das NOZ-NZZ-Muster funktioniert immer gleich.
Hallo NOZ, hallo Herr Schreiner,
die NOZ druckt auf Seite 3 einen Text der Neuen Zürcher Zeitung über Trumps Gesundheitszustand und kennzeichnet ihn am Ende mit dem Hinweis „Dieser Artikel erschien zuvor in der Neuen Zürcher Zeitung.“ Das ist formal korrekt und redaktionell unzureichend.
Der Text von Andreas Schreiner ist kein neutraler historischer Rückblick. Er verfolgt ein erkennbares Ziel, nämlich berechtigte Fragen über Trumps physische und mentale Verfassung sollen als Wunschdenken seiner Gegner eingeordnet werden. Die argumentative Struktur ist dabei nicht schwer zu erkennen. Zuerst kommt die historische Aufwärmrunde mit Cleveland, Wilson, Kennedy. Dann Biden als Hauptvergleichsfall. Und am Ende der Schluss: Wer Trump für krank hält, projiziert. „Wie gesund es ist, sich solche Gedanken zu machen, steht auf einem anderen Blatt.“
Das ist eine rhetorische Entlastungsstrategie, keine Analyse. Denn der Text unterschlägt einen wesentlichen Unterschied. Biden wurde von seiner eigenen Partei zur Aufgabe gedrängt, nachdem seine Defizite öffentlich unübersehbar waren. Trump hingegen behauptet aktiv, gesünder zu sein als je zuvor, während sein Weißes Haus Testergebnisse zurückhält und sein Leibarzt KI-gestützte Herzalterberechnungen als medizinischen Befund verkauft. Wer diese beiden Situationen unter dem Etikett „Vertuschung im Weißen Haus“ zusammenfasst, betreibt eine Symmetrie, die so nicht existiert.
Dazu kommt, dass die NZZ in der deutschen Mediendebatte keine neutrale Stimme ist. Sie ist seit Jahren für eine redaktionelle Linie bekannt, die Kritik an Trump und anderen Rechtspopulisten regelmäßig als Hysterie oder Wunschdenken rahmt. Wer NZZ-Texte übernimmt, übernimmt diese Perspektive. Das wäre kein Problem, wenn die NOZ das kenntlich machte. Sie tut es nicht.Ein kleiner Quellenhinweis am Ende des Artikels ist keine redaktionelle Einordnung. Er ist das Gegenteil davon.
Mit freundlichen Grüßen
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