Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen

Schenna zum zehnten Mal, und was der Übermedien-Text über die NOZ verrät, das ich schon lange kenne

Stefan Niggemeier deckt unmarkierte Reise-PR in der NOZ auf. Die Reaktion des Verlags folgt einem Muster, das ich aus eigener Erfahrung mit ganz anderen Themen bereits kenne.

Stefan Niggemeier hat bei Übermedien nachgezeichnet, wie die NOZ ihren Reiseteil offenbar über Jahre von einer Tochterfirma der Neuen Westfälischen füllen ließ, ohne die Texte zu prüfen. PR-Agenturen schrieben Werbetexte für Hotels und Reiseziele, teils unter eigenem Namen, ohne dass jemand in der Redaktion einen Blick auf den Inhalt geworfen hat. Geprüft wurde laut Verlag nur die Optik, nicht der Inhalt.

Für mich als jemand, der die NOZ systematisch begleitet, klingt das erstaunlich vertraut. Nur eben in einem anderen Ressort.

Fremde Texte, keine Einordnung

Wenn die NOZ NZZ-Artikel übernimmt, etwa den Text über „Omas gegen rechts“ oder den Beitrag zu ostdeutschen Wirtschaftsverbänden und der AfD, passiert im Kern dasselbe wie bei den Reiseartikeln. Ein fremder Text landet unkommentiert in der Zeitung, ohne redaktionelle Einordnung, ohne Hinweis auf die politische Schlagseite der Quelle, ohne dass jemand offenbar die Frage stellt, ob das so stehen bleiben kann. Bei den PR-Texten ging es um Hotelwerbung, bei den NZZ-Übernahmen um politische Deutungsmacht. Das Prinzip ist aber austauschbar. Fremde Interessen fließen ungefiltert in die Zeitung, weil offenbar niemand mehr genau hinschaut, wer den Text eigentlich geschrieben hat und warum.

Fehler eingeräumt, Substanz bleibt aus

Auch die Reaktion des Verlags kommt mir bekannt vor. Die NOZ räumt gegenüber Übermedien Versäumnisse ein, kündigt Kennzeichnung an, verspricht Besserung. Und selbst im ersten korrigierten Artikel, den Niggemeier vorab zu sehen bekam, bleibt der redaktionelle Text weiterhin auffallend werblich. Das Gewinnspiel ist markiert, der Rest liest sich wie vorher.

Genau dieses Muster kenne ich aus meiner eigenen Korrespondenz mit der Redaktion. Auf meine Kritik an der Schließung der Kommentarspalten kam eine freundliche, ausführliche Antwort, die im Kern nichts verändert hat. Auf meine Nachfrage, warum bei der AfD-Berichterstattung wiederholt der Begriff Rechtsextremismus fehlt, kam keine wirkliche Erklärung. Man bekommt den Eindruck, dass Kritik gehört, aber selten in redaktionelle Konsequenzen übersetzt wird.

Ein Muster, kein Einzelfall

Was Niggemeier bei der Reise-PR beschreibt und was ich bei politischer Berichterstattung seit Monaten dokumentiere, läuft am Ende auf dieselbe Frage hinaus. Wie viel Kontrolle hat die Redaktion eigentlich noch über das, was unter ihrem Namen erscheint? Ob es um ein Hotel in Südtirol geht oder um die Einordnung einer vom Verfassungsschutz beobachteten Partei, in beiden Fällen zeigt sich dieselbe Lücke zwischen Anspruch und Praxis.

Vielleicht ist das der eigentliche Wert von Niggemeiers Recherche für Leute wie mich, die die NOZ aus einer ganz anderen Richtung kritisch begleiten. Sie bestätigt, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt, sondern um ein strukturelles Problem der redaktionellen Kontrolle, das sich durch verschiedenste Ressorts zieht

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5 Kommentare

  1. Sabine Driehaus

    Nicht nur das, bei übernommenen (politischen) Artikeln wird ggf. auch die Überschrift „angepasst“. So geschehen bei einem vom „Tagesspiegel“ übernommenen Artikel über die Gründe von AfD-Wähler:innen mit migrantischem Hintergrund:
    Original-Überschrift im „Tagesspiegel“: „Wir fühlen uns nicht gesehen“.
    Überschrift in der NOZ: „Das ist die kompetenteste Partei“.

  2. Norbert D.

    Dass der Reiseteil der NOZ und der NW /MT über lange Jahre hinweg größtenteils identisch war, ist mir natürlich auch aufgefallen. Da ich aber immer schon Reiseteile als reine PR angesehen habe, habe ich das nicht groß beachtet.

    Geht man in die Recherche mit Google KI (Reiseteil Kooperation NOZund NW) kommt haarsträubender Unsinn heraus:

    Natürlich haben NOZ und NW an diesem Punkt seit 2013 ein Gemeinschaftsprodukt herausgegeben. Aber die behauptete Zusammenarbeit in der NDS Berichterstattung ist absoluter Blödsinn,.Hier wurde von der KI die NW mit der NWZ in Oldenburg verwechselt.

    Interessant ist der Link zu einer Seite für Touristik PR, in der Veränderungen bei der Herstellung von Reisezeiten sichtbar werden. Der Artikel zu NOZ/NW stammt aus dem Jahr 2019.
    https://www.touristikpr.de/news-aus-pr-und-medien/details/news/reiseseiten-von-neuer-westfaelischernoz-jetzt-auch-in-flensburg-und-schwerin/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=765e1715a1caa2f63872a65b8d66a503

    Fakt ist jedenfalls, dass es diese Zusammenarbeit von NW und NOZ heute nicht mehr gibt.
    Die Reiseseiten der NW/MT kommen vom RND in Hannover, das z.B. auch die Badische Zeitung beliefert. Den genauen Zeitpunkt des Wechsels müsste man im Archiv der NW oder NOZ recherchieren. Der letzte Treffer zu „Schenna “ ist vom 06.09.2025 im NW Archiv.
    Im “ Reisereporter“ des RND taucht „Schenna“ aber weiterhin auf. Letzter Artikel vom 16.07.

    Am 1.07. 2026 endete auch die Printerstellung der NW und des HK bei der NOZ Druckerei.
    Die Stadtausgabe Bielefeld wird seitdem in Rodenberg gedruckt, wie auch schon länger Madsacks HAZ/NP. und die Mindener Ausgaben der NW.

    Kurz:
    Die billige Herstellung von Reiseseiten mit PR Material ist gang und gebe in den
    deutschen Regionalzeitungen und kein Alleistellungsmerkmal der NOZ.

  3. Norbert D.

    Ergänzend dazu: Bei der NW gibt es zwischen 2004 und 2025 44 Treffer zu Schenna im Reiseteil im gemeinsamen Zeitraum mit der NOZ ab 2013: 22

  4. Sabine Driehaus

    Wenn es sich bei Reiseartikeln in einer Zeitung um Werbung / PR handelt, und n i c h t um einen redaktionellen oder Gast- Beitrag (entsprechend zu kennzeichnen), gehört da meines Wissens eigentlich das Wörtchen „Anzeige“ drüber, wie bei anderen Werbeblöcken auch.
    Insofern darf die Praxis, PR ohne Kennzeichnung abzudrucken, durchaus als „Schleichwerbung“ kritisiert werden.
    Ob das bei anderen Zeitungen ebenso praktiziert wird, ist dabei völlig unerheblich.

  5. Norbert D.

    Die ehrlichste Lösung wäre, diese Seiten in den Printausgaben aufzugeben. Werbekunden kann man damit offenbar gar nicht mehr gewinnen. In allen 3 Wochenendausgaben, die ich gesehen habe, nicht ein einziges Inserat. Allenfalls Eigenwerbung für Leserreisen.
    Der Werbemarkt hat sich komplett in die Online-Kanäle verlagert,

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