Einen Tag nachdem Linnemann in der Bild „Sparen, sparen, sparen“ fordert, erscheinen in der NOZ gleich zwei Texte mit identischer Botschaft, ohne dass die CDU-Herkunft des Narrativs kenntlich gemacht wird.
Hallo NOZ, hallo Frau Lehmann,
in der heutigen Ausgabe erscheinen gleich zwei Texte mit identischer Stoßrichtung: Mathias Middelberg fordert Sparehrgeiz bei Förderungen, Sie warnen vor neuen Schulden und erklären Kostendruck zum Reformmotor. Beide Texte ergänzen sich zu einem geschlossenen Bild. Was dabei auffällt: CDU-Generalsekretär Linnemann hatte dieselbe Botschaft einen Tag zuvor in der Bild platziert, „sparen, sparen, sparen“, neue Schulden als „Ausdruck politischer Faulheit“. Ihr Kommentar klingt wie ein Echo davon, ohne dass diese Herkunft kenntlich gemacht wird.
Besonders problematisch ist die Darstellung der SPD-Position. Miersch hat nicht gefordert, die Schuldenbremse auszusetzen. Er hat gesagt, im schlimmsten Fall müssten alle Optionen auf den Tisch. Das ist eine Bedingung, keine Ankündigung. Wer daraus ein Schulden-Fetisch-Narrativ baut, verzerrt die Ausgangslage.
Dass selbst Ökonomen, die die Schuldenbremse grundsätzlich verteidigen, differenzieren, bleibt in Ihrem Kommentar unerwähnt. Stattdessen wird ein Bild gezeichnet, in dem Spardisziplin alternativlos und jede Schuldenüberlegung verantwortungslos ist.
Dieses Bild hätte zumindest eine Gegenfrage verdient: Warum gilt die Spardisziplin nicht für den Bundestag selbst? Die aktuelle Diätenerhöhung kommt in beiden Texten nicht vor. Wer Förderungen für „grundsätzlich sinnvoll“ hält, sie aber trotzdem kürzen will, und dabei die eigene Vergütung erhöht, hat kein Sparkonzept. Er hat ein Glaubwürdigkeitsproblem.
Meinungsjournalismus darf pointiert sein. Er sollte aber kenntlich machen, wessen Narrative er transportiert.
Mit freundlichen Grüßen
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