Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen seit 2025

Schlagwort: ANK

Heiko Pohlmann, die Hasepost und die Kunst der selektiven Empörung

Richtigstellung (22.03.2026): In einer früheren Version dieses Artikels wurden mehrere Begriffe – „importierter Terror“, „links-grün-woke“, „Zensurbefürworter“, „die Gutmenschen“, „die Systemmedien“ sowie „rechten Meinungen“ – in Anführungszeichen verwendet, die den Eindruck wörtlicher Zitate von Heiko Pohlmann erweckten. Nach Prüfung lässt sich die direkte Verwendung dieser Begriffe durch Pohlmann nicht belegen. Die entsprechenden Passagen wurden daher korrigiert. Die inhaltliche Kritik an Pohlmanns publizistischem Stil bleibt davon unberührt.

Der jüngste Kommentar von Heiko Pohlmann in der Hasepost zur „Aktion NOZkritisch“ (ANK) und zum Podcast der Osnabrücker Rundschau ist ein Musterbeispiel für die Doppelmoral, die sein publizistisches Wirken seit Jahren prägt. Unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit inszeniert er sich als Verteidiger der offenen Debatte, doch wer seine Artikel und Kommentare der vergangenen Jahre verfolgt, erkennt schnell, Pohlmanns Verständnis von Vielfalt endet dort, wo seine eigene Agenda beginnt.

NOZblog

Der Vorwurf der Verbotsmentalität, ein klassischer Projektionsmechanismus

Pohlmann unterstellt der ANK, sie wolle lieber verbieten als diskutieren. Sein Geschäftsmodell basiert darauf, eine Misstrauensgemeinschaft zu bedienen, die sich gegen den Mainstream wendet, und genau diese Dynamik kritisiert bspw. der Soziologe Aladin El-Mafaalani als demokratiegefährdend.

Pohlmanns Vorwurf ist also projektiv. Er wirft anderen vor, was er selbst praktiziert. Sein Kommentar zur ANK ist kein Beitrag zur Sachdebatte, sondern ein Ablenkungsmanöver, um von der eigenen inhaltlichen Schwäche abzulenken.

Die Hasepost als „Alternative“? Ein Geschäftsmodell der Polarisierung

Pohlmanns Hasepost inszeniert sich als Gegenentwurf zu etablierten Medien wie der NOZ. Doch statt sachlicher Berichterstattung setzt sie auf Klickökonomie und Provokation. Das zeigt sich nicht nur in der Auswahl der Themen, sondern auch in der Rhetorik.

Dabei ist es gerade diese Art des Journalismus, die Misstrauen schürt und gesellschaftliche Spaltung vorantreibt.

Pohlmanns Kommentar als Symptom, nicht als Lösung

Pohlmanns Angriff auf die ANK ist kein Beitrag zur Medienkritik, sondern ein Beleg für die Krise des lokalen Journalismus. Statt inhaltliche Auseinandersetzung zu suchen, setzt er auf Polarisierung und persönliche Angriffe. Doch eine funktionierende Demokratie braucht keine Polarisierungsunternehmer, sondern Medien, die faktenbasiert informieren und Meinungsvielfalt ernst nehmen, auch wenn sie der eigenen Meinung widerspricht.

Die ANK fordert von der NOZ mehr Transparenz, mehr redaktionelle Eigenständigkeit und eine klare Haltung gegen demokratiefeindliche Narrative. Das ist kein Angriff auf die Meinungsfreiheit, sondern ein Plädoyer für verantwortungsvollen Journalismus. Pohlmann hingegen nutzt jede Gelegenheit, um genau das zu diskreditieren, was er vorgibt zu verteidigen: den offenen, sachlichen Diskurs.

Wer wirklich an einer vielfältigen Medienlandschaft interessiert ist, sollte nicht Pohlmanns Provokationen folgen, sondern sich für eine Kultur der sachlichen Auseinandersetzung einsetzen, auch und gerade dort, wo sie unbequem ist.

ANK – Aktion NOZ-kritisch: Einladung zum zweiten Treffen

Die Initiative ANK – Aktion NOZ-kritisch lädt alle Interessierten zu ihrem zweiten öffentlichen Treffen ein. Im Fokus steht die kritische Begleitung der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) mit dem Ziel, faktenbasierten Journalismus und eine faire Abbildung gesellschaftlicher Realitäten zu fördern.

Hintergrund

Die Initiative äußert sich besorgt über aktuelle Entwicklungen in der Berichterstattung der NOZ. Dazu zählen unter anderem das Schweigen des Herausgebers zu Vorwürfen des Rechtspopulismus sowie Kommentare, die eine „fragwürdige Begeisterung für Autokraten“ erkennen lassen.

Programm der Veranstaltung

Datum & Uhrzeit: Dienstag, 24. Februar 2026, 19:00 Uhr

Ort: Lagerhalle (Spitzboden), Osnabrück

Ablauf

Öffentlicher Teil: Resümee, Stellungnahmen und Erfahrungsberichte (mit Pressebeteiligung)

Interner Teil: Planung künftiger Projekte und Aktionen (ohne Presse)

Zielgruppe

Die Veranstaltung richtet sich an alle, die sich für Medienkritik interessieren oder sich aktiv einbringen möchten.

Weitere Informationen und Updates gibt es auf dem Bluesky/Mastodon-Account der Initiative:🔗 [@Aktion_NOZ_kritisch](https://osna.social/@Aktion_NOZ_kritisch)

Quelle: Pressemitteilung der ANK – Aktion NOZ-kritisch vom 26.01.2026

Leserbrief zum Kommentar „Warum wir konstruktive Medienkritik brauchen – Skepsis und Austausch sind für guten Journalismus unverzichtbar“ im Bezug auf das Treffen der Aktion NOZkritisch von Louisa Riepe, NOZ vom 25.11.2025, Seite 2

Die NOZ-Kolumne verharmlost konkrete Kritik an rechtspopulistischen Kommentaren und einseitiger Berichterstattung, statt sich inhaltlich damit auseinanderzusetzen.

Hallo NOZ, hallo Frau Riepe,

hier meine Replik zum Kommentar in der NOZ vom 25.11.2025 zu und über das Treffen der Aktion NOZkritisch ANK.

Die Chefredakteurin beschreibt das Treffen als Austausch mit „besorgten Leserinnen und Lesern“. Das greift jedoch zu kurz. Die Kritik, die dort geäußert wurde, und die OS Rundschau ausführlich dokumentiert hat, richtet sich nicht gegen „die Medien“ im Allgemeinen oder gegen abstrakte Branchenskandale, sondern gegen sehr konkrete journalistische Fehlentwicklungen im überregionalen Mantel der NOZ.

Es geht um systematisch wiederkehrende Narrative einzelner Redakteure, die rechte Talking Points verstärken, um fehlende Einordnung extremistischer Positionen, um das Weglassen unbequemer Gegenperspektiven und um redaktionelle Entscheidungen, die bestimmte Stimmen leiser und andere lauter machen. Diese Punkte tauchen in der Kolumne leider gar nicht auf.

Konstruktive Medienkritik lebt aber davon, dass man genau diese konkreten Vorwürfe ernst nimmt, statt sie in allgemeinen Reflexionen über Vertrauen, Polarisierung und historische Medienskandale aufzulösen.

Wer Dialog ernst meint, sollte nicht nur zuhören, sondern auch öffentlich auf die inhaltlichen Kritikpunkte eingehen. Sonst bleibt der Eindruck, dass die Sorgen der Leser zwar als Anlass für eine Kolumne taugen, aber nicht für eine echte Auseinandersetzung mit den problematischen Mustern in der eigenen Berichterstattung.

Mit freundlichen Grüßen

Sehr geehrter Herr Reichl,

haben Sie vielen Dank für Ihre ausführliche Replik zu meiner Kolumne. Ich schätze es sehr, wenn Leserinnen und Leser ihre Kritik so konkret formulieren – gerade dann, wenn sie das Ziel haben, unsere journalistische Arbeit besser zu machen.

Sie schreiben, dass meine Darstellung aus Ihrer Sicht zu kurz greife und die geäußerte Kritik stärker auf konkrete Muster in unserer Berichterstattung ziele. Ich nehme diesen Hinweis ernst. Gleichzeitig möchte ich darauf hinweisen, dass uns fortlaufend Kritik aus sehr unterschiedlichen politischen Richtungen erreicht – und wir uns professionell und selbstkritisch damit auseinandersetzen.

Die von Ihnen angesprochenen Punkte diskutieren wir selbstverständlich intern: Fragen der Einordnung politischer Positionen, der Gewichtung von Stimmen sowie der Verantwortung im Umgang mit kontroversen Narrativen gehören zu unserem täglichen Qualitätsdiskurs. In einer Kolumne kann ich diese Themen jedoch nicht im Detail ausführen, weil sie einen anderen publizistischen Rahmen benötigen.

Gleichzeitig möchte ich klarstellen, dass pauschale Vorwürfe systematischer Fehlentwicklungen oder bewusst gestalteter Narrative aus meiner Sicht nicht den Kern redaktioneller Arbeit treffen. Unsere Journalistinnen und Journalisten arbeiten nach anerkannten professionellen Standards. Wenn uns Leserinnen und Leser konkrete Fehler oder Unausgewogenheiten rückmelden, gehen wir dem nach.

Ihr Anliegen, dass Dialog nicht beim Zuhören enden darf, sondern auch eine öffentliche Auseinandersetzung mit Kritik braucht, teile ich ausdrücklich. Deshalb habe ich die Gruppe zu einem weiteren Austausch in unsere Redaktion eingeladen. Ich würde mich sehr freuen, wenn dieses Gespräch zustande kommt.

Mit freundlichen Grüßen

Louisa Riepe

Sehr geehrte Frau Riepe,

vielen Dank für Ihre Rückmeldung und dafür, dass Sie sich mit meiner
Kritik auseinandersetzen.

Ich möchte noch einmal präzisieren, worauf meine Kritik abzielt. Sie
schreiben, dass pauschale Vorwürfe systematischer Fehlentwicklungen
nicht den Kern redaktioneller Arbeit treffen. Genau solche pauschalen
Vorwürfe habe ich jedoch nicht erhoben. Meine Kritik bezieht sich auf
konkrete, wiederkehrende Muster in der Berichterstattung, die sich
anhand klar benennbarer Beispiele nachvollziehen lassen.

Dazu zählen unter anderem:
– Kommentare, die zentrale AfD-Rahmungen übernehmen,
– wiederholte unkritische Weitergabe der Erzählungen von Friedrich
Merz in Kommentaren von Rena Lehmann,
– Interviews, in denen politisch stark aufgeladene oder nachweislich
falsche Aussagen unwidersprochen bleiben (z. B. Christian Dürr),
– eine ganzseitige, unkommentierte Darstellung der AfD wenige Monate zuvor.

Diese Fälle (meine Leserbriefe u.a. dazu liegen Ihrem Hause vor) sind
einzeln betrachtet vielleicht erklärbar, in ihrer Summe zeichnen sie
jedoch ein Muster, das nicht deckungsgleich ist mit dem Hinweis, dass
Kritik „aus allen Richtungen“ komme. Mein Anliegen ist daher kein
Generalverdacht, sondern die Bitte, diese inhaltlichen Beispiele als
Ausgangspunkt einer konkret geführten Qualitätsdiskussion zu nehmen.

Ich stimme Ihnen absolut zu, dass Dialog und Transparenz wichtig sind.
Genau deshalb halte ich es für notwendig, die angesprochenen Beispiele
inhaltlich zu diskutieren, nicht nur abstrakt über Standards oder
unterschiedliche politische Blickwinkel. Denn meine Kritik zielt nicht
darauf, dass die NOZ Fehler macht (das passiert überall), sondern
darauf, dass bestimmte politische Narrative häufiger unkritisch
transportiert werden als andere.

Mit freundlichen Grüßen
Timm Reichl