Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen

Der Punk Monchi als Kronzeuge

Ewert macht Monchi zum Kronzeugen gegen die Brandmauer, quasi „selbst die Linken sagen, so schlimm ist die AfD nicht“. Nur lässt er dessen härtere Sätze weg. Und aus einem Freispruch wird bei ihm eine Verurteilung.

Burkhard Ewert hat einen neuen Kronzeugen gefunden, und der passt wunderbar in die eigene Erzählung. Jan Gorkow, besser bekannt als Monchi, Sänger von Feine Sahne Fischfilet, vorbestraft, einst im Verfassungsschutzbericht als Linksradikaler geführt. Wenn ausgerechnet der sagt, man solle AfD-Wähler nicht pauschal ausgrenzen, dann muss doch was dran sein, so die stille Botschaft der Kolumne. Seht her, selbst die Linken geben zu, dass die Brandmauer Unsinn ist.

Diese Rhetorik ist so alt wie durchsichtig. Die eigene These wirkt glaubwürdiger, wenn sie ausgerechnet von jemandem kommt, dem man sie nicht zutrauen würde. Nur funktioniert der Trick nur, wenn man sorgfältig auswählt, was der Kronzeuge sonst noch so sagt. Und genau hier wird Ewerts Text unredlich. Monchi erklärt in seinem Buch auch, dass er deshalb noch lange nicht die rechte Wange hinhält. Das kommt in der Kolumne nicht vor. Übrig bleibt nur der Teil, der die eigene Linie stützt, der Rest fällt der redaktionellen Schere zum Opfer.

Noch bezeichnender ist ein Detail, das sich leicht überprüfen lässt. Ewert schreibt, Monchi habe „Verurteilungen wegen Landfriedensbruchs“ kassiert. Plural. Tatsächlich gab es genau einen Fall. 2015 warfen Monchi und zwei weitere bei einer Kundgebung für Geflüchtete in Güstrow Stühle auf eine Gruppe angreifender Neonazis, um die Versammlung zu schützen. Verhandelt wurde das erst zwei Jahre später, und am 19. Dezember 2017 sprach das Amtsgericht Güstrow alle drei Angeklagten frei. Nicht verurteilt. Freigesprochen. Nachzulesen bei Wikipedia, in der taz, im Rolling Stone, überall mit identischem Datum und identischem Ausgang.

Aus einem Freispruch eine Verurteilung zu machen ist kein Ausrutscher, sondern das genaue Gegenteil der Wahrheit. Wer eine Biografie zur Stütze einer politischen These heranzieht, trägt eine gewisse Verantwortung dafür, diese Biografie korrekt wiederzugeben. Das gilt erst recht, wenn die falsche Version den Betroffenen kriminalisierter aussehen lässt, als er es tatsächlich ist, und damit die eigene Pointe (selbst ein Vorbestrafter mahnt zur Mäßigung) noch wirkungsvoller macht.

So bleibt am Ende ein Text, der zweifach danebenliegt. Er dreht einem Menschen einen Freispruch in eine Verurteilung um, und er stilisiert eine sehr persönliche, in einem konkreten Dorf verankerte Haltung zu einer allgemeinen politischen Lehre hoch, die so gar nicht dasteht. Wenn man schon einen linken Punk als Kronzeugen gegen die Brandmauer aufruft, sollte wenigstens stimmen, was man über ihn schreibt.

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2 Kommentare

  1. Christoph Schnare

    Moin Timm, vielen Dank für deine gründliche Recherche zu Ewerts heutiger RdR-Kolumne! Es ist ja nicht nur so, dass Ewert hier offensichtliche Falschinformationen verbreitet. Als rechtspopulistischer Demagoge vermischt er auch zwei Ebenen miteinander, die voneinander zu unterscheiden sind: das eine ist die persönliche Beziehungsebene der Menschen vor Ort, der Menschen im Dorf oder in der Stadt. Dass man hier zivilisiert miteinander umgeht, auch wenn man politisch unterschiedlicher Meinung ist, sollte selbstverständlich sein.

    Das andere ist die Ebene der organisierten Politik und da bleibt die klare Abgrenzung zu einer antiliberalen, antihumanen und antidemokratischen Partei wie der AfD dringend geboten. Gemeinsam mit Rechtsextremisten kann man keine vernünftige und zukunftsweisende Politik machen!

    Und was Ewert natürlich völlig unter den Tisch fallen lässt, ist die hässliche „Brandmauer“, die die AfD täglich baut gegen alle Menschen, die anders denken, anders leben und anders aussehen, als die AfD und ihre Anhänger. Und genau diese Brandmauer aus Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz ist die, die wirklich brandgefährlich ist für ein wirtschaftlich starkes Deutschland und für ein friedliches Zusammenleben der vielfältigen und vielseitigen Menschen in unserem Land!

  2. Norbert D.

    Tach auch,

    Der Dmokratie Monitor NDS 2025 ist der NOZ online nur eine kurze DPA Meldung wert, wenn ich es richtig sehe. NDR hat darüber gestern Abend im TV berichtet. HAZ hat das Thema auf der heutigen Titelseite.

    Ich habe die Studie noch nicht komplett gelesen, aber die Ergebnisse sind erschreckend.
    Die Rechtsverschiebung im Rahmen einer polarisierten Gesellschaft ist dramatisch und in NDS deutlicher ausgeprägt als nebenan in NRW.
    Die AFD in NDS ist aber anders als im Osten noch dadurch geschwächt, dass sie in vielen Orten kaum Kandidaten findet, die bereit sind, Gesicht zu zeigen. Die NDR Reportage vom Wahlstand der AFD in Bohmte bestätigt dies.
    Auch der Fall derparteilosen Osnabrücker Ärztin am Klinikum Detmold,auf der AFD Liste im Wahlbereich 8, über den die Lippische Landeszeitungn heute berichtet, zeigt, dass manche
    doch befürchten, berufliche Nachteile zu bekommen. und angeben, von der AFD getäuscht wurden.
    In Bad Nenndorf beim Stadtbummel anlässlich der LAGA kein einziges Wahlplakat der AFD, die nur für den Kreistag kandidiert, gesichtet. Dafür an jedem 2.Masten die blauen Volt-Plakate. In Stadthagen war ein privates Sommerfest der AFD ,an dem auch das freundliche Gesicht des NS Thomas Helferich teilnnahm, nach 2 Stunden schnell vorbei, weil sich Nachbarn und Hausbesitzer darüber beschwert hatten.

    Die AFD ist hier eben noch nicht überall eine ganz normale Partei, wie im Osten. Dennoch muss man am Ende froh sein, wenn die AFD z.B. auf maximal 8 von 55 Mandaten im Kreistag beschränkt ist und vermutlich Sitze verfallen werden.

    In Münster ist übrigens am Wochenende NRW Tag, an dem auch zahlreiche Veranstaltungen zum Thema Rettung der Demokratie und Umgang mit der Polarisierung auf dem Programm stehen.

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