Philipp Ebert erklärt Elif Eralp auf der NOZ-Titelseite für ungeeignet und lässt weg, was auf Seite 2 derselben Ausgabe steht.
Hallo NOZ, hallo Herr Ebert,
Sie schreiben, Elif Eralp dürfe Berlin nicht regieren, weil sie sich aus Angst vor Hamas-Sympathisanten nicht namentlich distanziert. Was Ihre Leser dabei nicht erfahren, steht auf Seite 2 derselben Ausgabe. Eralps Büro verweist darauf, dass Sicherheitsbehörden bei der aktuellen Bedrohungslage davon abraten, politische Probleme an einzelnen Personen festzumachen. Die Empfehlung des LKA, nie Namen zu nennen, stammt laut ihren Notizen zwar aus einem früheren Fall organisierter Kriminalität, und man kann kritisieren, dass sie den Rat nun übertragen hat. Etwas anderes als Feigheit vor Terrorsympathisanten ist es trotzdem.
Ebenfalls fehlt, dass Eralp laut dpa erklärt hat, sich nicht einschüchtern zu lassen und konsequent gegen Gewalt und Terror vorzugehen. Ihren Notizen zufolge hat sie die Vorfälle bisher allgemein verurteilt. Das alles gehört zu einer fairen Bewertung.
Auch die Entstehung der Geschichte kommt bei Ihnen nicht vor. Laut dpa landeten die Anmerkungen versehentlich im Dokument, das Eralps Büro zur Autorisierung zurückschickte. Die Freigabe von Interviews soll verhindern, dass Gesprächspartner gegen sich selbst verwendet werden. Ob es pressethisch vertretbar ist, aus einem solchen Büroversehen eine Titelgeschichte zu machen, ist eine Frage, die ein Kommentar zumindest streifen sollte, bevor er das Ergebnis zur Grundlage eines Appells macht.
Stattdessen stellen Sie als Tatsache hin, die Linke wolle den Verfassungsschutz schleifen und der Polizei Gelder streichen. Belegen Sie das mit dem Wahlprogramm oder kennzeichnen Sie es als Zuspitzung.
Am Ende fordern Sie, SPD und Grüne müssten die Notbremse ziehen. Damit bewerten Sie keine Kandidatin mehr, Sie erklären das Ergebnis der laufenden Sondierungen vorab. Wenn keine Distanzierung genügt und jede befolgte Sicherheitsempfehlung als Erpressbarkeit gilt, wird nicht geprüft, sondern ein Urteil gefällt.
Mit freundlichen Grüßen