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Schlagwort: Nuhr

Nuhr, der Femizidvorwurf, die NOZ und die Artikel, die niemand findet

Nuhr verteidigt sich mit „mehreren Artikeln“ gegen Femizid-Kritik. Tatsächlich sind es zwei Texte, einer davon sagt explizit das Gegenteil von dem, was er behauptet. Die NOZ druckt die Verteidigung unhinterfragt ab.

Hallo NOZ,

der Artikel „Dieter Nuhr: Vorwurf ist lächerlich“ (dpa) gibt fast ausschließlich Nuhrs eigene Verteidigung wieder, und übernimmt dabei eine zentrale Behauptung ohne jede Prüfung.

Nuhr begründet seine Pointe damit, er habe auf ‚mehrere Artikel in großen deutschen Zeitungen‘ reagiert, in denen Frauen infrage gestellt hätten, ’noch mit Männern leben zu können‘. Recherchen von t-online zeigen, dass Nuhr sich konkret auf einen Text in der taz und einen in der Süddeutschen Zeitung bezog. Der taz-Text selbst widerlegt Nuhrs Darstellung unmittelbar. Er trägt den Titel ‚Ich will mit Männern leben‚ und endet mit dem Satz ‚Doch ich will ein Zusammenleben trotzdem nicht aufgeben‘. Das Gegenteil von dem, was Nuhr behauptet.

Wer Frauen vorwirft, pauschal zu urteilen, und dabei selbst aus zwei einzelnen Texten eine unbestimmte Masse macht, betreibt genau die Verkürzung, die er anderen vorwirft.

Auch inhaltlich bleibt die eigentliche Pointe im Artikel unwidersprochen stehen. Nuhr rät, den Partner „vor dem Geschlechtsverkehr“ kennenzulernen, um sich zu schützen. Tatsächlich findet Gewalt gegen Frauen überwiegend innerhalb bestehender Beziehungen statt, die betroffenen Frauen haben ihre Partner also längst gekannt. Dieser Einwand ist in anderen Medien dokumentiert, im NOZ-Artikel fehlt er völlig.

Der Text lässt Nuhr und den rbb ausführlich zu Wort kommen, aber keine einzige Stimme, die seine zentrale Behauptung prüft oder den eigentlichen Vorwurf einordnet. Das ist keine Berichterstattung über eine Debatte, das ist die unkommentierte Weitergabe einer Selbstverteidigung und passt nahtlos zur Masche aus dem Yad-Vashem-Artikel vom 14.06.2026. Dort fehlten Wagner, Czollek, Steinke und die taz komplett, hier fehlt jede einzige weibliche oder feministische Stimme zu einem Text, der im Kern um Gewalt gegen Frauen geht. Die NOZ lässt wieder nur eine Seite sprechen.

Mit freundlichen Grüßen

Ewert lobt Nuhr, die NOZ verschweigt die Kritik. Wie ein Jubelbericht entsteht, wenn zwei Weltbilder sich treffen.

Die NOZ berichtet über den Leo-Baeck-Preis für Dieter Nuhr mit Ewert-Zitat und ohne jede kritische Stimme. Gedenkstättenleiter Wagner, Czollek, Steinke, taz…alles weggelassen. Dass Ewert hier als Fürsprecher auftritt, passt. Die Grundhaltung beider ähnelt sich auffällig.

Hallo NOZ, hallo Herr Otten,

der Artikel über die Leo-Baeck-Preis-Verleihung an Dieter Nuhr liest sich wie eine Jubelmeldung ohne Gegenstimme. Besonders auffällig ist, dass Burkhard Ewert als Kuratoriumsmitglied des Freundeskreises Yad Vashem mit einem begeisterten Zitat zitiert wird, als handele es sich um eine neutrale Beobachtung. „Der Preis ist verdient!“ Eine kritische Einordnung fehlt vollständig.

Dabei war die Kritik an der Preiswahl im Vorfeld laut und klar dokumentiert. Gedenkstättenleiter Jens-Christian Wagner warf Nuhr vor, rassistische und antiliberale Ressentiments zu bedienen und der antisemitisch konnotierten Bühnenarbeit von Lisa Eckart jahrelang eine Plattform geboten zu haben. Publizist Max Czollek und Journalist Ronen Steinke äußerten sich scharf. Die taz stellte fest, Nuhr bekämpfe Antisemitismus selektiv und spare jenen im bürgerlich-rechten Milieu konsequent aus. Das sind keine Randfiguren, sondern relevante Stimmen zu einer breiten Debatte, die der Artikel schlicht weggelassen hat.

Zum Kontext gehört auch, dass Nuhr in den vergangenen Jahren zunehmend durch Angriffe auf Klimaschutzbewegungen, Linke und Grüne aufgefallen ist, mit einer Grundhaltung, die strukturell gut zu jener Ewerts passt. Wer Ewerts Kommentare im Laufe der Zeit verfolgt hat, findet bei Nuhr viele vertraute Muster wieder. Dass ausgerechnet Ewert hier als zitierter Fürsprecher auftritt, ist also keine zufällige Konstellation.

Mit freundlichen Grüßen