Lüddemann packt Steimles Mordfantasie gegen den Kanzler (beklatscht von AfD-Granden) und Danger Dans Song gegen Rechtsextremismus unter denselben Tucholsky-Bogen. Falsche Symmetrie, die verwischt, wer hier wogegen kämpft.
Hallo NOZ, hallo Herr Lüddemann,
Ihr Text stellt Uwe Steimles Auftritt in Dessau und Danger Dans Song „Keine Angst“ unter denselben Tucholsky-Bogen und kommt bei beiden zum gleichen Urteil, nämlich Satire, die zur Gewalt kippt. Diese Gleichsetzung geht an einem entscheidenden Punkt vorbei.
Steimle fantasierte öffentlich über ein Attentat auf den amtierenden Bundeskanzler, und die anwesenden AfD-Politiker Tino Chrupalla und Ulrich Siegmund lachten dazu und warfen sich, wie Sie selbst schreiben, „verräterische Seitenblicke“ zu. Das ist eine reale Gewaltfantasie gegen ein demokratisches Staatsoberhaupt, beklatscht von genau jener politischen Richtung, die vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird.
Danger Dans Song ruft dagegen zu zivilgesellschaftlicher Organisation gegen eine solche Partei auf. Man kann einzelne Zeilen kritisch sehen, das habe ich an anderer Stelle selbst getan. Aber diesen Song moralisch auf eine Stufe mit einer Mordfantasie gegen den Kanzler zu stellen, verschiebt den Maßstab erheblich. Wer sich gegen eine rechtsextreme Partei wehrt, wird hier in die Nähe dessen gerückt, was diese Partei selbst beklatscht.
Ihr Tucholsky-Zitat betont, der Satiriker sei „dem Guten verbunden“ und kämpfe „mit dem Wort, nicht mit der Faust“. Genau diese Unterscheidung sollte auch bei der Bewertung von Steimle und Danger Dan gelten, denn es macht einen Unterschied, wogegen sich eine Zuspitzung richtet und wer dabei applaudiert.
Mit freundlichen Grüßen