Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen

Herr Pohlmann (Hasepost) fordert Nachweise, hier sind sie schon seit Monaten

Warum die Kritik an der Aktion NOZ kritisch die eigene Methodenfrage nicht besteht: Hasepost-Verleger Pohlmann wirft der Aktion NOZ kritisch und dem NOZblog vor, sich an den immer gleichen NOZ-Autoren abzuarbeiten. Fakt ist: über 400 Leserbriefe im Blog seit Februar 2025, mehr als 50 verschiedene Namen adressiert.

Heiko Pohlmann hat der Aktion NOZ kritisch in der Hasepost eine ausführliche Antwort geschrieben, mit dem Hostile-Media-Effekt als zentralem Argument. Sein Punkt ist im Kern richtig und trotzdem verfehlt der Artikel, worum es hier eigentlich geht.

Was stimmt

Kommentare sind gekennzeichnete Meinung. Ein Redakteur darf pointiert schreiben, das schützt Artikel 5 Grundgesetz ausdrücklich, und wer daraus eine pauschale politische Schlagseite der gesamten Redaktion ableitet, macht es sich zu leicht. Auch der Hinweis auf den Hostile-Media-Effekt ist berechtigt. Wer eine starke eigene Position hat, nimmt selbst ausgewogene Berichterstattung leicht als gegnerisch wahr. Und die von Pohlmann erwähnte Befragung unter den eigenen Treffen-Teilnehmern ist tatsächlich keine Medienanalyse (sollte sie das denn überhaupt sein?), sondern eine Innensicht der eigenen Gruppe. Das kann man so benennen.

Was nicht stimmt

Pohlmann verlangt eine nachvollziehbare Methodik und übergeht dabei, dass dieser Blog seit Monaten genau das liefert. Jeder hier veröffentlichte Leserbrief zitiert seine Quelle, benennt Autor, Datum und Seite, und verlinkt den Originalartikel. Wenn eine Einschätzung falsch war, wurde sie korrigiert, öffentlich sichtbar, etwa im Fall einer früheren Unterlassungserklärung von Herrn Pohlmann selbst. Genau diese Fehlerkultur ist die Antwort auf den Hostile-Media-Einwand, nicht eine Umfrage unter Gleichgesinnten.

Interessant ist auch, dass Pohlmann den Blog sogar als „Partner“ der Initiative erwähnt, aber keinen einzigen der dort dokumentierten Fälle nennt oder widerlegt. Für jemanden, der explizit auf wissenschaftliche Inhaltsanalyse als Standard verweist, ist das eine auffällige Lücke.

NOZblog

Und der wichtigste Einwand gegen seine These, dass es hier immer nur um fein sezierte Sätze aus Kommentaren gehe. Das stimmt schlicht nicht durchgehend. Bspw. lassen drei Nachrichtentexte von Jonas Koch, veröffentlicht am 18., 19. und 21. Februar, den Begriff Rechtsextremismus konsequent aus, obwohl die Pressemitteilung des niedersächsischen Innenministeriums zur AfD-Hochstufung genau diesen Begriff verwendet. Das sind keine Meinungsstücke, sondern Berichte über eine amtliche Einstufung. Dazu kommen unkommentierte NZZ-Übernahmen ohne jede redaktionelle Einordnung, die Schließung der Kommentarspalten im Februar und eine technisch unterdrückte Antwort im neuen Debattenformat im März. Das sind redaktionelle Entscheidungen einer ganzen Struktur, keine Ausrutscher einzelner Kolumnisten.

Zur Behauptung der immer gleichen Autoren

Pohlmann schreibt, der Blog arbeite sich an den immer gleichen NOZ-Autoren ab. Ein Blick in die eigene Chronik genügt, um das zu widerlegen. Seit Februar 2025 wurden über 400 Leserbriefe veröffentlicht, adressiert an mehr als 50 verschiedene Namen aus der Redaktion und von Gastbeiträgen, von Ewert und Ebert über Koch, Fays, Scheller und Jaquet bis zu Boehme-Neßler oder Rostalski. Dass eine Handvoll Namen häufiger vorkommt, liegt schlicht daran, dass genau diese Personen bei der NOZ auch am häufigsten Meinungsbeiträge schreiben. Wer eine Redaktion mit fünf oder sechs Namen gleichsetzt, hat entweder die eigene Recherche nicht gemacht oder den verlinkten Blog nie wirklich gelesen.

Fazit

Die pauschale Formel „rechtspopulistischer Kurs der NOZ“ trägt tatsächlich nicht allein. Was trägt, ist die über Monate dokumentierte Wiederholung bestimmter struktureller Muster bei bestimmten Autoren und bestimmten redaktionellen Entscheidungen, über mehr als fünfzig verschiedene Bylines hinweg. Genau diese Unterscheidung hätte ein Diplom-Medienwissenschaftler machen können und müssen, bevor er den eigenen „Partner“-Link nur erwähnt, statt ihn zu lesen.

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23 Kommentare

  1. Sabine Driehaus

    Ich habe gerade den Hasepost-Artikel gelesen. Pauschalisierung und Beschimpfung als „Rechtspopulist“ durchs Megaphon finde ich genauso daneben wie eine persönlich werdende Kritik an Journalist:innen oder Mitkommentatoren.
    Aber gerade dir, Timm, kann man nicht vorwerfen, dass du dich an bestimmten Redakteuren „abarbeitetest“ – deine Leserbriefe sind immer(!) sachbezogen, und diesen Anspruch vertrittst du auch gegenüber den Blog-Mitkommentator:innen.
    Was Heiko Pohlmann „vergisst“ zu erwähnen ist, dass es im Journalismus Standards gibt. Dazu gehört bei der Themenauswahl, dass verschiedene Positionen / Aspekte zum selben Thema berücksichtigt werden. Stichwort: Recherche in seriösen Quellen – also nicht „Telegram“, woher Burkhard Ewert nach eigenen Angaben gerne seine Informationen bezieht (offizielle Rüge des Presserats dafür). Auch haben Meinungsbeiträge von Journalist:innen nicht denselben Stand wie die von „Ottonormal“: Sie haben eine große Reichweite und einen Vertrauensvorschuss aufgrund ihres Berufs. Leser:innen setzen also voraus, dass sie sich für die Meinungsbildung umfangreich mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Dass vermisse ich bei vielen Meinungsbeiträgen der NOZ, wo oft auf Basis von Halbwissen und Spekulationen Meinung verbreitet wird.
    Ein anderer Aspekt ist die Wahl der Sprache: Sehr häufig werden Begriffe der Rechtspopulisten benutzt, bzw. „Framing“ betrieben – was eigentlich neutralen Berichten und Interviews eine Schlagseite gibt. Ein sehr anschauliches Beispiel ist das gestern erschienene Interview von Burkhard Ewert mit Felix Banaszak – man beachte die Art der Fragestellung.
    Darüber hinaus haben gerade die sehr häufig kritisierten Redakteure leitende Funktionen bei der NOZ – Chefredakteure und Chefs vom Dienst haben vor der Veröffentlichung nun mal das letzte Wort und tragen die Verantwortung für die gesamte Zeitung.
    Im Gegensatz zu „noz-kritisch“ kritisiere ich auch den Lokalteil – gerade der wird immer spärlicher und dem, was in den Kommunen an Vielfalt herrscht, nicht gerecht. Auch das, worüber n i e berichtet wird, spielt eine Rolle und trägt zur Einseitigkeit bei.
    Eine NOZ mit „Schlagseite“ wäre kein Problem – es gibt auch andere Zeitungen mit eindeutiger politischer Ausrichtung. Aber die NOZ ist leider in der Region konkurrenzlos – vor allem bei der Lokalberichterstattung, wegen der viele Menschen die NOZ „behalten“. Das macht sie zu einem Informationsmonopol mit besonderer Verantwortung – denn nur wenige leisten sich eine zweite Zeitung für den politischen Teil oder können das finanziell.
    Oh, und Herr Pohlmann, falls Sie dies lesen:
    Alle, die in diesem Blog schreiben, machen von ihrer Meinungsfreiheit Gebrauch – so wie Sie das für sich und die Redakteure der NOZ beanspruchen.
    Sie können die hier kritisierten Beiträge gerne inhaltlich-sachlich kommentieren – auch argumentativ widerlegen. Wenn Sie diesen Blog als solchen aber einfach nur schlechtreden, tun Sie nichts anderes als das, was Sie ihm vorwerfen: Pauschalkritik an einem Medium – ja, auch ein „Blog“ fällt unter „Journalismus“!

    • Timm Reichl

      Hallo Sabine, vielen Dank für den Kommentar.
      By the way, ich habe versucht, den Artikel von Herrn Pohlmann zu kommentieren…die Sinnhaftigkeit, dass der eignen Kommentar nur für mich sichtbar ist, erschließt sich mir noch nicht. Naja, vielleicht ist Herr Pohlmann auch zu beschäftigt, um sich der Prüfung und Freischaltung von Kommentaren anzunehmen, immerhin bietet er noch die Möglichkeit.
      Mein Kommentar in der Hasepost

      • Heiko Pohlmann

        Hallo Herr Reichl,
        Ihr Kommentar auf hasepost.de ist inzwischen freigeschaltet, auch wenn persönliche ansprachen und Dialoge dort bei uns eigentlich nicht hingehören.
        Beste Grüße, Heiko Pohlmann

        PS: nach meiner Zählung beziehen sich 57% ihrer bisher erschienenen Beiträge auf lediglich die Kollegen Ewert, Ebert und Clasen – siehe auch ausführliche Antwort auf Hasepost.de

        • Timm Reichl

          Hallo Herr Pohlmann, wie Sie sehen, wurden auch Ihre Kommentare freigeschaltet.
          Interessante Behauptung zur Anzahl und Aufteilung der Blogbeiträge zu Artikeln der genannten Personen, klären Sie mich doch über Ihre Zählweise auf und prüfen Sie ggf. nochmal nach.Das fällt Ihnen aufgrund Ihrer Expertise und den in Ihrem Kommentar auf Hasepost genannten Instrumenten sicherlich leicht.
          MfG
          Timm Reichl

          • Heiko Pohlmann

            Die Talente sind recht unterschiedlich verteilt, Rechnen ist dabei nicht meine Stärke 😉
            Es sind 52 % nicht 57 %. Aber da wir hier nicht bei der FDP sind, machen die 5 % eigentlich keinen Unterschied. Mehr als jeder zweite Blogbeitrag „arbeit sich ab“ (meine Formulierung/Sichtweise) an nur drei Redakteuren einer deutlich größeren Redaktion: 133 ÷ 255 × 100 = 52,156862… % → 52,16 %

          • Timm Reichl

            Hallo Herr Pohlmann,
            vielen Dank für Ihre schnelle Antwort. Ich würde allerdings um erneute Korrektur bitten, und auch eine Erklärung Ihres Rechenweges. Mein Tipp, prüfen Sie auch nochmal genau die Anzahl der Beiträge, oder passen Sie den Prompt an, falls Sie moderne Tools aus dem Bereich der KI für Ihre Analysen verwenden.
            MfG
            Timm Reichl

          • Heiko Pohlmann

            Gegenstand war nicht die Gesamtzahl aller Artikel auf nozblog.com, sondern eine Rangliste der *personenbezogenen* WordPress-Kategorien nach Beitragszahl.

            Vorgehen:
            1. Alle Kategorien der Seite erfassen. Die Übersichts-URL /category/ selbst liefert bei Ihnen einen 404; die Kategorie-Liste war darüber trotzdem vollständig ermittelbar.
            2. Daraus die Kategorien herausfiltern, die konkrete Personen bezeichnen (zum Beispiel Burkhard Ewert, Philipp Ebert, Michael Clasen). Thematische Kategorien wie „Zeitgeschehen“, „NOZ allgemein“, „Die rechtsextreme AfD“ oder „Hasepost“ sind nicht in die Personen-Rangliste eingegangen.
            3. Für jede Personenkategorie wurde das Archiv seitenweise aufgerufen (/category/…/ und die Folgeseiten). Die tatsächlich angezeigten Beiträge wurden gezählt — ohne Hochrechnung aus der Seitenzahl. Die letzte Archivseite kann weniger Einträge haben; das ist berücksichtigt.
            4. Ein Beitrag, der mehreren Personenkategorien zugeordnet ist, zählt für jede dieser Personen mit. Es geht um die Häufigkeit der jeweiligen Personenkategorie, nicht um eine bereinigte Zahl eindeutiger Artikel ohne Doppelungen.
            5. Daraus entstand eine Top 10 nach Anzahl der Zuordnungen.

            Wichtig zur URL-Form: Viele Personenkategorien laufen bei Ihnen über den Nachnamen (zum Beispiel /category/ewert/, /category/ebert/, /category/clasen/), nicht über den vollen Namen. Aufrufe wie /category/burkhard-ewert/ führen deshalb ins Leere, obwohl die Kategorie „Burkhard Ewert“ existiert.

            Zu Ihrer Angabe „über 270“ auf Hasepost.de: Rechnet man die nicht personenbezogenen Beiträge heraus und zählt nur die Zuordnungen zu Personenkategorien, kommt man nicht auf „über 270 Leserbriefe“, sondern auf 266 Zuordnungen über alle 13 Personenkategorien. Nach dem Top-10-Ansatz (nur die zehn stärksten Personenkategorien) sind es 255 Zuordnungen. Eine Angabe von „über 270“ trifft auf diese personenbezogene Basis also nicht zu. Eindeutige veröffentlichte Beiträge auf dem Blog insgesamt liegen deutlich höher (über 400); das ist eine andere Bezugsgröße.

            Vollständigkeitshalber die Anteile von Ewert, Ebert und Clasen auf der Basis aller 13 Personenkategorien (266 Zuordnungen): zusammen 133 Zuordnungen =eine schon fast zu schöne glatte 50,0 %. Einzeln: Ewert 22,9 %, Ebert 14,7 %, Clasen 12,4 %. Zum Vergleich auf Top-10-Basis (255): zusammen 52,2 %.

            —> und vorsichtig beim manuellen Addieren, damit sie nicht aus Versehen auf 57 % kommen 😉

          • Timm Reichl

            Herr Pohlmann, Sie kritisieren meinen Blog als Ganzes, stützen sich aber nur auf eine Teilmenge der Daten (die personenbezogenen Kategorien). Das ist, als würden Sie ein Restaurant nach der Speisekarte beurteilen, ohne das Essen zu probieren.
            Mein Blog hat über 400 Beiträge, von denen nur ein Anteil personenbezogen kategorisiert sind. Wenn Sie den Blog als Ganzes bewerten wollen, müssen Sie alle Beiträge betrachten – nicht nur die, die ich nach Autoren sortiert habe.
            Ihre 50 %-Aussage gilt nur für einen Teil von 408 Beiträgen – das ist keine repräsentative Basis für eine Kritik am gesamten Blog.

            Zudem behandelt mein Blog nicht nur Personen, sondern auch thematische Schwerpunkte wie ‚Die rechtsextreme AfD‘, ‚NOZ allgemein‘ oder ‚Zeitgeschehen‘. Diese Beiträge machen einen erheblichen Teil aus und zeigen, dass mein Blog breiter aufgestellt ist, als Ihre Analyse suggeriert.

            Wenn Sie behaupten, mein Blog sei einseitig, dann müssen Sie alle Beiträge analysieren, nicht nur eine von mir gewählte Kategorisierung. Ich lade Sie ein, eine vollständige Inhaltsanalyse durchzuführen, die auch die thematischen Beiträge und die Häufigkeit der NOZ-Autoren in der Originalzeitung berücksichtigt. Erst dann können wir seriös darüber diskutieren, ob mein Blog ‚einseitig‘ ist.

            Und ja, ich bin vorsichtig beim manuellen Addieren – anders als Sie, die aus einer selbstgewählten Teilmenge eine pauschale Kritik am gesamten Blog ableiten. 😉

        • Sabine Driehaus

          Eine kleine Anmerkung zur „Zählerei“:
          Ich halte diese als Argument für die Ausrichtung eines Blogs für wenig aussagekräftig.
          Timm Reichl hat diesen Blog ins Leben gerufen, weil die Möglichkeiten für Leser:innen, sich kritisch zu den Artikeln, Kommentaren und Interviews zu äußern, von der NOZ stark eingeschränkt bzw. im digitalen Bereich sogar ganz eingestellt wurden.
          In seinen Leserbriefen bezieht er sich konkret auf bestimmte Texte und kritisiert sachlich die Arbeit der / des jeweiligen Journalistin / Journalisten. Er hat immer Abstand davon genommen, „Schlüsse“ bezüglich der Ausrichtung der gesamten NOZ bzw. der Intention der entsprechenden Redakteure zu ziehen. Wenn Sie nicht nur zählen würden, sondern auch lesen, wäre Ihnen das nicht entgangen.
          Timm Reichl schreibt seine Leserbriefe selbst und in Bezug auf den Mantelteil der Print-Ausgabe. Das ist viel Arbeit und so muss er selbstverständlich Prioritäten setzen – er wählt also die seiner Meinung nach relevantesten Missstände aus.
          Das heißt aber nicht, dass das alle wären – vor allem auf der Webseite der NOZ geht noch weitere „Post“ ab – die Überschriften sind oft reißerisch(er), aus dem Zusammenhang gerissen, in den Texten verschwimmen Meinung und Tatsachen, ein gewisser Kontent wird ständig wieder „nach oben“ gespült und bleibt da ewig lange, anderer verschwindet schnell wieder in der Versenkung und muss mühsam gesucht werden. Auch so etwas trägt zur Beurteilung der Ausrichtung einer Zeitung bei, ebenso, das „Wie“ etwas dargestellt wird und welche Fotos ausgewählt werden.
          Kommentare unter den Leserbriefen von Herrn Reichl sind nichts anderes als Meinungsäußerungen von Leser:innen seines Blogs – in gewisser Weise also Leserbriefe zu seinen Leserbriefen. Kommentarfunktionen bieten die Möglichkeit zur kontroversen(!) Diskussion; auch Sie könnten sich sachlich kritisch zu den Leserbriefen und den kritisierten NOZ-Beiträgen äußern.
          Im Gegensatz zur Kommentarfunktion der Hasepost werden hier Kommentare n i c h t (wenn ich das richtig verstanden habe) nach wenigen Tagen wieder gelöscht, und so kann man Herrn Reichls Leserbriefe immer inklusive ggf. kritischer Stimmen und Gegenargumente lesen – auch nach Monaten noch.

          • Heiko Pohlmann

            Liebe Frau Driehaus,
            wir löschen Kommentare auf unserer Seite tatsächlich nach einer Woche. Das hat juristische und auch ganz praktische Gründe – das machen wir auch sehr transparent in unserem Kommentarbereich deutlich.
            Ich möchte auch gar nicht das Engagement von Herrn Reichl und Ihrer Gruppe kritisieren. Erst mal bin ich mit der HASEPOST nur Chronist des Tagesgeschehens und in zweiter Linie – und weil das meiner Ansicht nach die Zukunft der Medien ist – nutze ich die Gelegenheit auch zum Kommentar, dann aber immer sauber gekennzeichnet. Hier auf Ihrer seite, weil ich direkt angesprochen werde bzw. weil ich auch etwas klarstellen möchte, wenn es unrichtig ist.
            Wie ich bereits in meinem Statement bei Ihrer zweiten Versammlung in der Lagerhalle gesagt habe, finde ich es schade, dass Sie mit all Ihrer Kreativität und Ihrem Engagement vor allem die Arbeit anderer kritisieren – die völlig legitim schlicht eine andere Meinung vertreten –, statt selbst publizistisch tätig zu werden.
            Noch nie war es einfacher und billiger, frei nach Brechts Radiotheorie, vom Empfänger zum Sender zu werden. Den ersten Schritt nach draußen haben Sie ja bereits mit ihrer eigenen Homepage geschaffen. Sollten Sie diesen Kommentar auf einem Smartphone lesen, dann haben Sie gerade etwas in der Hand, das im Durchschnitt aktuell etwa 500 Euro kostet und Foto-, Audio-, Studio- und Redaktionstechnik enthält, die vor zehn Jahren noch mehrere Zehntausend Euro gekostet hätte.
            Machen Sie was draus!

          • Heiko Pohlmann

            PS: Und „Zählerei“ ist das einzige Mittel, mit dem Sie tatsächlich punkten können. Bislang lese ich aus Ihrer Gruppe und von Herrn Reichl immer nur etwas, das eher punktuell ist und mehr einem „Bauchgefühl“ entspricht.

            Einzig eine von unabhängiger Seite durchgeführte quantitative und qualitative Inhaltsanalyse (aka „Zählerei“) wäre geeignet, Ihrer Kritik ein valides Fundament zu geben.

            Wenn ich das richtig überblicke, kommen doch einige Ihrer Mitglieder aus dem akademischen Umfeld. Am Standort Lingen hat die Hochschule Osnabrück genau den Studiengang, in dem diese Methodik zum Inhalt des Grundstudiums gehören sollte und regelmäßig in Seminararbeiten erprobt wird.

            Eine Hypothese – mehr sehe ich bislang nicht – hat, ganz im Sinne Karl Poppers, nur dann wissenschaftlichen Wert, wenn sich zumindest theoretisch eine Untersuchung beschreiben lässt, durch die sie widerlegt werden könnte. Das Risiko der Falsifizierung müssen Sie also eingehen.

          • Timm Reichl

            Hallo Herr Pohlmann,
            Popper hätte vermutlich Freude an dieser Debatte, aber dann sollten wir den Maßstab konsequent anlegen, auch auf Ihre eigenen Aussagen.
            Die einzelnen Behauptungen in meinen Leserbriefen sind längst falsifizierbar, mit Quelle, Datum und Zitat. Jeder kann selbst nachlesen, dass drei Artikel von Herrn Koch den Begriff Rechtsextremismus auslassen, während die Pressemitteilung des Innenministeriums ihn verwendet. Das ist keine „Zählerei“ und kein Bauchgefühl, das ist eine überprüfbare Einzelaussage, die auch widerlegt werden könnte, wenn sie falsch wäre. Eine geschlossene, wissenschaftlich abgesicherte These über die gesamte Redaktion habe ich dagegen nie aufgestellt, das steht so auch ausdrücklich im Artikel oben. Ihr Popper-Einwand trifft insofern die falsche Zielscheibe.
            Ihren Vorschlag einer unabhängigen Inhaltsanalyse nehme ich gerne an. Ich hätte wirklich Interesse an einer Auswertung durch die Hochschule Osnabrück in Lingen, gerne als Seminar- oder Abschlussarbeit. Wenn Sie den Kontakt herstellen können, bin ich dabei, mit offenem Ausgang.
            Zur Falsifizierbarkeit gehört allerdings auch, selbst überprüfbare Behauptungen zu liefern. Sie haben geschrieben, während der Kundgebung per Megafon als Rechtspopulist bezeichnet worden zu sein, und den Vorgang selbst als „dokumentiert“ und „justitiabel“ bezeichnet. Weder die ANK noch ich können das bestätigen, und ein Teilnehmer, der die ganze Zeit vor Ort war, erinnert sich an nichts dergleichen. Nach Ihrem eigenen Maßstab wäre jetzt der Moment, diese Dokumentation zu zeigen. Sonst bleibt genau das stehen, was Sie mir vorwerfen, eine Behauptung ohne belastbare Grundlage.
            Mit freundlichen Grüßen

          • Sabine Driehaus

            Hallo Herr Pohlmann,
            ich möchte klarstellen, dass ich n i c h t zur ANK gehöre – ich habe weder an einem Treffen noch an der Protestaktion teilgenommen, auch wenn ich die inhaltliche Kritik an der NOZ im wesentlichen teile.
            Deshalb beziehe ich mich in diesem Zusammenhang ausschließlich auf den „Noz-Blog“, den ich zum Kommentieren von Beiträgen der NOZ nutze, weil die NOZ das seit Januar diesen Jahres verwehrt.
            Wie Timm Reichl auch, halte ich diese Kommentare nach Möglichkeit sachlich, wobei ich mir – begründet durch die Häufigkeit, mit der die NOZ guten journalistischen Standard und oben bereits genannte Kriterien vermissen lässt – erlaube, Rückschlüsse auf die (politische) Haltung der verantwortlichen Redakteure zu ziehen, nach dem Motto: Was (regelmäßig) quakt wie eine Ente, ist auch eine. Wer seine Meinung äußert, wird immer beurteilt – auch Sie.
            N.b. bin ich Akademikerin (wissenschaftlicher Studiengang) mit einigen Jahren Arbeit in der Forschung sowie einer Zeitungsredaktion und Öffentlichkeitsarbeit. Der Unterschied zwischen den letzten beiden journalistischen Tätigkeiten ist mir also ebenso bekannt wie die Anforderungen an einen seriösen, ausgewogenen Journalismus. Ich weiß also, wovon ich rede, wenn ich beispielsweise Burkhard Ewert in seiner heutigen Kolumne (Meinungs(!)beitrag) vorwerfe, Meinung und Tatsachen zu vermengen: Er schreibt am Ende dieses subjektiven Beitrags über eine nicht-öffentliche Veranstaltung, durch seine Kolumne „sei man ja jetzt in gewisser Weise live dabei gewesen“ (Ihnen als Journalist muss ich das sicher nicht weiter ausführen, oder?!).
            In meinem Studienfach und während meiner wissenschaftlichen Arbeit habe ich gelernt, dass man zur Beurteilung und Bewertung einer Sachlage alle verfügbaren Aspekte berücksichtigt – neben den „Zahlen“ also auch z.B. inhaltliche und den Rahmen.
            Das habe ich versucht, Ihnen oben zu erklären, offensichtlich erfolglos.

  2. Christoph Schnare

    Liebe Sabine, lieber Timm,
    ich bin etwas verwundert, dass ihr Herrn Pohlmanns Behauptung, er sei bei der gestrigen Kundgebung der Aktion-NOZ-kritisch per Megafon als „Rechtspopulist“ beschimpft worden, einfach so übernehmt, ohne sich zuvor vergewissert zu haben, ob das denn überhaupt stimmt. Im Unterschied zu euch war ich bei der gestrigen Veranstaltung anwesend und habe nichts dergleichen mitbekommen. Auch wurde dort niemand von der NOZ-Redaktion persönlich beleidigt oder verunglimpft.

    Was allerdings gesagt wurde ist, dass die NOZ durch etliche ihrer Artikel und Kommentare rechtspopulistische Meinungsbewirtschaftung betreibt. Sie kolportiert zum Beispiel immer wieder rechte Narrative, ohne diese einem Faktencheck zu unterziehen oder sie journalistisch korrekt einzuordnen. Sie gibt rechtslastigen Meinungsmachern wie Ulf Poschardt das Wort, der sich dann ausgiebig und herablassend über den Kleidungsstil von Heidi Reichinnek auslassen darf. Wo liegt da eigentlich der Unterschied zu den zu Recht kritisierten Aussagen eines Frank Henning über die Frisur einer NOZ-Redakteurin?

    Auch malt die NOZ mit vielen ihrer Artikel und Meinungsstücke ein katastrophisierendes Bild von der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lage in Deutschland. Auf diese Weise bestätigt sie die Anhängerschaft der AfD in ihrer destruktiven Staatsverdrossenheit und ihrer verhängnisvollen Bereitschaft, unsere bewährte liberale Demokratie gegen eine autoritäre Staatsform einzutauschen.

    Über etliche selbstentlarvende Aussagen von AfD-Funktionären berichtet die NOZ entweder überhaupt nicht oder nur stark verkürzt. Und mit ihren Überschriften und ihren vielen großformatigen Bildern von AfD-Politikern gibt sie dieser Partei in ihrem Blatt und eine Bedeutung, die ihr aufgrund der Irrationalität ihres Programms und der zweifelhaften Lebensläufe vieler ihrer Funktionäre niemals zukommen dürfte. Die ANK kritisiert das als Versuch der Normalisierung einer Partei, die nach Einschätzung des Verfassungsschutzes zumindest in einigen Bundesländern als gesichert rechtsextrem zu gelten hat.

    Mag man über einzelne von der ANK kritisierte Inhalte der NOZ durchaus unterschiedlicher Meinung sein – insgesamt stimmt das Urteil: die heutige NOZ bleibt weit hinter ihren eigenen Ansprüchen an guten Journalismus zurück und trägt subtil oder auch ganz offen rechte Narrative hinein in die Mitte der Gesellschaft!

    Das ist es, was die Aktion-NOZ-kritisch mit ihrer gestrigen Kundgebung thematisieren wollte. Der ANK geht es überhaupt nicht um persönliche Angriffe auf einzelne Redakteure, wohl aber um die Verteidigung unserer liberalen Demokratie gegen diejenigen, die mit ihrer publizistischen Macht Fakten verdrehen und Misstrauen gegen das Funktionieren der Demokratie und ihrer Institutionen als solcher schüren. Und so war es ermutigend, das bei der gestrigen Aktion der ANK so viele Menschen mit dabei waren und die NOZ mit der symbolischen Rückgabeaktion von Zeitungsexemplaren an ihre gesellschaftliche Verantwortung erinnert haben!

    • Timm Reichl

      Hallo Christoph,
      vielen Dank für deinen Kommentar.
      Ich erkenne nicht, wo ich Pohlmanns Behauptung einer verbalen Attacke vom ANK übernehme. Eben weil ich leider nicht vor Ort sein konnte, verkneife ich mir eine Bewertung dazu.
      Wie auch immer Pohlmann berichtet, ich sehe die Aktion als großen Erfolg, und auch sein Artikel verschafft der ANK Sichtbarkeit. Und das wünschen wir uns doch, oder?
      Denn darin sehe ich auch den Grund der Zurückhaltung der NOZ selber, sich wenigstens ins Gespräch zu begeben. Totschweigen eben…wie es auch mit den Kommentaren geschehen ist.

  3. Sabine Driehaus

    Lieber Christoph,
    wenn Heiko Pohlmann in seinem Artikel Lügen bezüglich der ANK verbreitet hat, könnt ihr eine Gegendarstellung fordern und solltet das auch tun.
    Heiko Pohlmann scheint ja Wert auf „journalistische Gepflogenheiten“ zu legen – zumindest bei anderen – und wird euch das sicher nicht verwehren. Beziehungsweise darf er euch das nicht verwehren.

    • Heiko Pohlmann

      Liebe Frau Driehaus, könnten Sie bitte spezifizieren, wo ich in meinem Artikel „Lügen bezüglich der ANK verbreitet“ habe? Das macht es meinem RA einfacher die Unterlassungserklärung zu formulieren.
      Die direkte Ansprache aus der Gruppe heraus und die dabei verwendete Formulierung ist dokumentiert und wäre übrigens justitiabel. Ich kann es einfach an mir abprallen lassen (Luna latrantes canes non curat), aber ich lasse mir auch nicht unterstellen, ich würde Lügen verbreiten.

      • Sabine Driehaus

        Lieber Herr Pohlmann,

        ich schrieb „wenn….,.dann“. In der deutschen Sprache, der Sie ja sicher mächtig sind, ist das keine(!) Behauptung, d a s s Sie Lügen verbreitet haben, sondern „für den Fall, dass Sie das getan haben – also: „wenn“ – , dann….“. Im Gegenteil, in meinem ersten Kommentar oben bin ich davon ausgegangen, dass Ihre Darstellung der Wahrheit entspricht und habe mir dafür noch einen Rüffel eingefangen.
        Wenn Sie meine Kommentare weiter unten lesen, sollte es eindeutig sein, dass ich den Sachverhalt mangels Kenntnis des Ablaufs der Protestaktion nicht beurteilen kann, der ANK, die meint (!), dass es sich um eine Falschaussage Ihrerseits handelt, aber geraten habe, in diesem Fall (also w e n n es sich nach Meinung der ANK um eine falsche Darstellung handelt!) eine Gegendarstellung zu verlangen. Die ist presserechtlich immer dann möglich, wenn man sich falsch dargestellt fühlt. Kontext, Herr Pohlmann, ist durchaus relevant.
        Zur Kenntnis für Ihren RA mit besten Grüßen

  4. Christoph Schnare

    Sorry Timm, du hast recht. Ich war da wohl etwas angefasst, denn wir von der ANK mussten schon einmal erleben, dass Herr Pohlmann falsche Dinge über uns behauptet. Auch diesmal tut er das bewusst wieder in einem Textabschnitt, den er zuvor als „Kommentar“ betitelt hat. Denn er weiss ganz genau, dass es juristisch für die ANK dann sehr viel schwieriger ist, ihn zu einer korrigierenden Gegendarstellung zu zwingen!

    • Sabine Driehaus

      Hallo Christoph,
      auch wenn „Kommentar“ drüber steht, ist die Behauptung selbst ganz klar die „Tatsachendarstellung“ eines Vorgangs während der Protestaktion – keine „Meinungsäußerung“ über die ANK.
      Meines Wissens habt ihr bei falscher Tatsachendarstellung ein Recht auf eine Gegendarstellung. Ihr seid betroffen und die Aussage ist, wenn falsch, rufschädigend; ein berechtigtes Interesse liegt also auch vor. Presserechtlich gesehen sollte das eigentlich in Ordnung gehen.

    • Sabine Driehaus

      P.S. Da ich wie wohl die meisten Leser:innen nicht vor Ort war, also nicht beurteilen kann, ob die Behauptung stimmt, und es meines Wissens auch kein anderes Medium gibt, das über die Protestaktion berichtet hat, muss ich sie erst einmal so hinnehmen. Eine falsche Tatsachenbehauptung ist schließlich eine andere Hausnummer als eine diskreditierende Meinungsäußerung. Deshalb unterliegt sie ja auch dem Persönlichkeitsschutz.
      Ich würde mich gegen eine Falschdarstellung wehren.

  5. Christoph Schnare

    Eine falsche Behauptung wird durch ihre Wiederholung nicht richtiger. Fakt ist, dass kein Verantwortlicher von der ANK Herrn Pohlmann über die Strasse hinweg per Megafon als „Rechtspopulist“ beschimpft hat. Ob jemand anderes aus dem Kreis der ca. 50 Kundgebungsteilnehmer Herrn Pohlmann etwas zugerufen hat, wissen wir nicht und dafür sind wir auch nicht verantwortlich!

    • Timm Reichl

      Vielleicht erleuchtet uns Herr Pohlmann in einem Anfall von Transparenz noch mit der von ihm erwähnten Dokumentation des behaupteten Vorgangs.

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