Warum die Kritik an der Aktion NOZ kritisch die eigene Methodenfrage nicht besteht: Hasepost-Verleger Pohlmann wirft der Aktion NOZ kritisch und dem NOZblog vor, sich an den immer gleichen NOZ-Autoren abzuarbeiten. Fakt ist: über 270 Leserbriefe im Blog seit Februar 2025, mehr als 50 verschiedene Namen adressiert.

Heiko Pohlmann hat der Aktion NOZ kritisch in der Hasepost eine ausführliche Antwort geschrieben, mit dem Hostile-Media-Effekt als zentralem Argument. Sein Punkt ist im Kern richtig und trotzdem verfehlt der Artikel, worum es hier eigentlich geht.

Was stimmt

Kommentare sind gekennzeichnete Meinung. Ein Redakteur darf pointiert schreiben, das schützt Artikel 5 Grundgesetz ausdrücklich, und wer daraus eine pauschale politische Schlagseite der gesamten Redaktion ableitet, macht es sich zu leicht. Auch der Hinweis auf den Hostile-Media-Effekt ist berechtigt. Wer eine starke eigene Position hat, nimmt selbst ausgewogene Berichterstattung leicht als gegnerisch wahr. Und die von Pohlmann erwähnte Befragung unter den eigenen Treffen-Teilnehmern ist tatsächlich keine Medienanalyse (sollte sie das denn überhaupt sein?), sondern eine Innensicht der eigenen Gruppe. Das kann man so benennen.

Was nicht stimmt

Pohlmann verlangt eine nachvollziehbare Methodik und übergeht dabei, dass dieser Blog seit Monaten genau das liefert. Jeder hier veröffentlichte Leserbrief zitiert seine Quelle, benennt Autor, Datum und Seite, und verlinkt den Originalartikel. Wenn eine Einschätzung falsch war, wurde sie korrigiert, öffentlich sichtbar, etwa im Fall einer früheren Unterlassungserklärung von Herrn Pohlmann selbst. Genau diese Fehlerkultur ist die Antwort auf den Hostile-Media-Einwand, nicht eine Umfrage unter Gleichgesinnten.

Interessant ist auch, dass Pohlmann den Blog sogar als „Partner“ der Initiative erwähnt, aber keinen einzigen der dort dokumentierten Fälle nennt oder widerlegt. Für jemanden, der explizit auf wissenschaftliche Inhaltsanalyse als Standard verweist, ist das eine auffällige Lücke.

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Und der wichtigste Einwand gegen seine These, dass es hier immer nur um fein sezierte Sätze aus Kommentaren gehe. Das stimmt schlicht nicht durchgehend. Bspw. lassen drei Nachrichtentexte von Jonas Koch, veröffentlicht am 18., 19. und 21. Februar, den Begriff Rechtsextremismus konsequent aus, obwohl die Pressemitteilung des niedersächsischen Innenministeriums zur AfD-Hochstufung genau diesen Begriff verwendet. Das sind keine Meinungsstücke, sondern Berichte über eine amtliche Einstufung. Dazu kommen unkommentierte NZZ-Übernahmen ohne jede redaktionelle Einordnung, die Schließung der Kommentarspalten im Februar und eine technisch unterdrückte Antwort im neuen Debattenformat im März. Das sind redaktionelle Entscheidungen einer ganzen Struktur, keine Ausrutscher einzelner Kolumnisten.

Zur Behauptung der immer gleichen Autoren

Pohlmann schreibt, der Blog arbeite sich an den immer gleichen NOZ-Autoren ab. Ein Blick in die eigene Chronik genügt, um das zu widerlegen. Seit Februar 2025 wurden über 270 Leserbriefe veröffentlicht, adressiert an mehr als 50 verschiedene Namen aus der Redaktion und von Gastbeiträgen, von Ewert und Ebert über Koch, Fays, Scheller und Jaquet bis zu Boehme-Neßler oder Rostalski. Dass eine Handvoll Namen häufiger vorkommt, liegt schlicht daran, dass genau diese Personen bei der NOZ auch am häufigsten Meinungsbeiträge schreiben. Wer eine Redaktion mit fünf oder sechs Namen gleichsetzt, hat entweder die eigene Recherche nicht gemacht oder den verlinkten Blog nie wirklich gelesen.

Fazit

Die pauschale Formel „rechtspopulistischer Kurs der NOZ“ trägt tatsächlich nicht allein. Was trägt, ist die über Monate dokumentierte Wiederholung bestimmter struktureller Muster bei bestimmten Autoren und bestimmten redaktionellen Entscheidungen, über mehr als fünfzig verschiedene Bylines hinweg. Genau diese Unterscheidung hätte ein Diplom-Medienwissenschaftler machen können und müssen, bevor er den eigenen „Partner“-Link nur erwähnt, statt ihn zu lesen.

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