Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen

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Herr Pohlmann (Hasepost) fordert Nachweise, hier sind sie schon seit Monaten

Warum die Kritik an der Aktion NOZ kritisch die eigene Methodenfrage nicht besteht: Hasepost-Verleger Pohlmann wirft der Aktion NOZ kritisch und dem NOZblog vor, sich an den immer gleichen NOZ-Autoren abzuarbeiten. Fakt ist: über 400 Leserbriefe im Blog seit Februar 2025, mehr als 50 verschiedene Namen adressiert.

Heiko Pohlmann hat der Aktion NOZ kritisch in der Hasepost eine ausführliche Antwort geschrieben, mit dem Hostile-Media-Effekt als zentralem Argument. Sein Punkt ist im Kern richtig und trotzdem verfehlt der Artikel, worum es hier eigentlich geht.

Was stimmt

Kommentare sind gekennzeichnete Meinung. Ein Redakteur darf pointiert schreiben, das schützt Artikel 5 Grundgesetz ausdrücklich, und wer daraus eine pauschale politische Schlagseite der gesamten Redaktion ableitet, macht es sich zu leicht. Auch der Hinweis auf den Hostile-Media-Effekt ist berechtigt. Wer eine starke eigene Position hat, nimmt selbst ausgewogene Berichterstattung leicht als gegnerisch wahr. Und die von Pohlmann erwähnte Befragung unter den eigenen Treffen-Teilnehmern ist tatsächlich keine Medienanalyse (sollte sie das denn überhaupt sein?), sondern eine Innensicht der eigenen Gruppe. Das kann man so benennen.

Was nicht stimmt

Pohlmann verlangt eine nachvollziehbare Methodik und übergeht dabei, dass dieser Blog seit Monaten genau das liefert. Jeder hier veröffentlichte Leserbrief zitiert seine Quelle, benennt Autor, Datum und Seite, und verlinkt den Originalartikel. Wenn eine Einschätzung falsch war, wurde sie korrigiert, öffentlich sichtbar, etwa im Fall einer früheren Unterlassungserklärung von Herrn Pohlmann selbst. Genau diese Fehlerkultur ist die Antwort auf den Hostile-Media-Einwand, nicht eine Umfrage unter Gleichgesinnten.

Interessant ist auch, dass Pohlmann den Blog sogar als „Partner“ der Initiative erwähnt, aber keinen einzigen der dort dokumentierten Fälle nennt oder widerlegt. Für jemanden, der explizit auf wissenschaftliche Inhaltsanalyse als Standard verweist, ist das eine auffällige Lücke.

NOZblog

Und der wichtigste Einwand gegen seine These, dass es hier immer nur um fein sezierte Sätze aus Kommentaren gehe. Das stimmt schlicht nicht durchgehend. Bspw. lassen drei Nachrichtentexte von Jonas Koch, veröffentlicht am 18., 19. und 21. Februar, den Begriff Rechtsextremismus konsequent aus, obwohl die Pressemitteilung des niedersächsischen Innenministeriums zur AfD-Hochstufung genau diesen Begriff verwendet. Das sind keine Meinungsstücke, sondern Berichte über eine amtliche Einstufung. Dazu kommen unkommentierte NZZ-Übernahmen ohne jede redaktionelle Einordnung, die Schließung der Kommentarspalten im Februar und eine technisch unterdrückte Antwort im neuen Debattenformat im März. Das sind redaktionelle Entscheidungen einer ganzen Struktur, keine Ausrutscher einzelner Kolumnisten.

Zur Behauptung der immer gleichen Autoren

Pohlmann schreibt, der Blog arbeite sich an den immer gleichen NOZ-Autoren ab. Ein Blick in die eigene Chronik genügt, um das zu widerlegen. Seit Februar 2025 wurden über 400 Leserbriefe veröffentlicht, adressiert an mehr als 50 verschiedene Namen aus der Redaktion und von Gastbeiträgen, von Ewert und Ebert über Koch, Fays, Scheller und Jaquet bis zu Boehme-Neßler oder Rostalski. Dass eine Handvoll Namen häufiger vorkommt, liegt schlicht daran, dass genau diese Personen bei der NOZ auch am häufigsten Meinungsbeiträge schreiben. Wer eine Redaktion mit fünf oder sechs Namen gleichsetzt, hat entweder die eigene Recherche nicht gemacht oder den verlinkten Blog nie wirklich gelesen.

Fazit

Die pauschale Formel „rechtspopulistischer Kurs der NOZ“ trägt tatsächlich nicht allein. Was trägt, ist die über Monate dokumentierte Wiederholung bestimmter struktureller Muster bei bestimmten Autoren und bestimmten redaktionellen Entscheidungen, über mehr als fünfzig verschiedene Bylines hinweg. Genau diese Unterscheidung hätte ein Diplom-Medienwissenschaftler machen können und müssen, bevor er den eigenen „Partner“-Link nur erwähnt, statt ihn zu lesen.

Heiko Pohlmann, die Hasepost und die Kunst der selektiven Empörung

Richtigstellung (22.03.2026): In einer früheren Version dieses Artikels wurden mehrere Begriffe – „importierter Terror“, „links-grün-woke“, „Zensurbefürworter“, „die Gutmenschen“, „die Systemmedien“ sowie „rechten Meinungen“ – in Anführungszeichen verwendet, die den Eindruck wörtlicher Zitate von Heiko Pohlmann erweckten. Nach Prüfung lässt sich die direkte Verwendung dieser Begriffe durch Pohlmann nicht belegen. Die entsprechenden Passagen wurden daher korrigiert. Die inhaltliche Kritik an Pohlmanns publizistischem Stil bleibt davon unberührt.

Der jüngste Kommentar von Heiko Pohlmann in der Hasepost zur „Aktion NOZkritisch“ (ANK) und zum Podcast der Osnabrücker Rundschau ist ein Musterbeispiel für die Doppelmoral, die sein publizistisches Wirken seit Jahren prägt. Unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit inszeniert er sich als Verteidiger der offenen Debatte, doch wer seine Artikel und Kommentare der vergangenen Jahre verfolgt, erkennt schnell, Pohlmanns Verständnis von Vielfalt endet dort, wo seine eigene Agenda beginnt.

NOZblog

Der Vorwurf der Verbotsmentalität, ein klassischer Projektionsmechanismus

Pohlmann unterstellt der ANK, sie wolle lieber verbieten als diskutieren. Sein Geschäftsmodell basiert darauf, eine Misstrauensgemeinschaft zu bedienen, die sich gegen den Mainstream wendet, und genau diese Dynamik kritisiert bspw. der Soziologe Aladin El-Mafaalani als demokratiegefährdend.

Pohlmanns Vorwurf ist also projektiv. Er wirft anderen vor, was er selbst praktiziert. Sein Kommentar zur ANK ist kein Beitrag zur Sachdebatte, sondern ein Ablenkungsmanöver, um von der eigenen inhaltlichen Schwäche abzulenken.

Die Hasepost als „Alternative“? Ein Geschäftsmodell der Polarisierung

Pohlmanns Hasepost inszeniert sich als Gegenentwurf zu etablierten Medien wie der NOZ. Doch statt sachlicher Berichterstattung setzt sie auf Klickökonomie und Provokation. Das zeigt sich nicht nur in der Auswahl der Themen, sondern auch in der Rhetorik.

Dabei ist es gerade diese Art des Journalismus, die Misstrauen schürt und gesellschaftliche Spaltung vorantreibt.

Pohlmanns Kommentar als Symptom, nicht als Lösung

Pohlmanns Angriff auf die ANK ist kein Beitrag zur Medienkritik, sondern ein Beleg für die Krise des lokalen Journalismus. Statt inhaltliche Auseinandersetzung zu suchen, setzt er auf Polarisierung und persönliche Angriffe. Doch eine funktionierende Demokratie braucht keine Polarisierungsunternehmer, sondern Medien, die faktenbasiert informieren und Meinungsvielfalt ernst nehmen, auch wenn sie der eigenen Meinung widerspricht.

Die ANK fordert von der NOZ mehr Transparenz, mehr redaktionelle Eigenständigkeit und eine klare Haltung gegen demokratiefeindliche Narrative. Das ist kein Angriff auf die Meinungsfreiheit, sondern ein Plädoyer für verantwortungsvollen Journalismus. Pohlmann hingegen nutzt jede Gelegenheit, um genau das zu diskreditieren, was er vorgibt zu verteidigen: den offenen, sachlichen Diskurs.

Wer wirklich an einer vielfältigen Medienlandschaft interessiert ist, sollte nicht Pohlmanns Provokationen folgen, sondern sich für eine Kultur der sachlichen Auseinandersetzung einsetzen, auch und gerade dort, wo sie unbequem ist.