Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen

Schlagwort: Trump (Seite 3 von 4)

Leserbrief zu „Trump schmäht Europa als ‚schwach‘ – Drei Gründe, es sportlich zu nehmen“ von Lucas Wiegelmann, NOZ vom Donnerstag, 11.12.2025, Seite 1

Kritischer Leserbrief zum Wiegelmann-Kommentar über Trumps Europa-Aussagen: Warum seine Rhetorik nicht verharmlost werden darf.

Hallo NOZ, hallo Herr Wiegelmann,

der Kommentar von Herrn Wiegelmann versucht, überzogene Empörung zu dämpfen, verharmlost dabei aber die politische Realität. Denn Donald Trumps jüngste Aussagen über Europa und die Ukraine sind nicht bloße Sticheleien, die man unter Freunden sportlich nehmen könnte, sondern Teil einer langen Linie von Drohungen, Desinformation und offenen Angriffen auf die transatlantische Sicherheitsarchitektur.

Zwar benennt der Kommentar einige Falschbehauptungen Trumps, zieht daraus aber einen erstaunlichen Schluss: Weil Trump oft Unrecht hat, solle man seine Worte nicht zu ernst nehmen. In Wahrheit ist das Gegenteil richtig. Wenn ein möglicher nächster US-Präsident systematisch mit Unwahrheiten arbeitet, Bündnispartner herabsetzt und die NATO-Beistandspflicht wiederholt infrage stellt, dann müssen Europa und Deutschland genau hinhören, nicht abwinken.

Auch der Hinweis, Europa habe tatsächlich Probleme wie irreguläre Migration, rechtfertigt nicht Trumps pauschale Herabsetzung ganzer Staaten als „schwach“ oder „im Niedergang“. Sachliche Kritik ist das eine, populistische Entwertung und Destabilisierung etwas ganz anderes. Diese Unterscheidung verwischt der Kommentar.

Ebenso hinkt der Vergleich mit früheren Misstönen in transatlantischen Beziehungen. Weder Rumsfelds „altes Europa“ noch Kissingers Bonmot stellten die grundlegende Bündnistreue infrage. Trumps Äußerungen tun das, und zwar konsequent.

Was Europa derzeit braucht, ist keine gelassene Relativierung, sondern eine nüchterne, realistische Einschätzung der sicherheitspolitischen Lage. Dazu gehört auch, Trumps Worte nicht als folglose Laune abzutun, sondern als das zu betrachten, was sie sind: politische Signale mit potenziell gravierenden Folgen.

Vor diesem Hintergrund wirken auch die jüngsten Aussagen von Friedrich Merz bemerkenswert, der Trump nahelegt, notfalls Deutschland als bevorzugten Partner zu wählen, falls er mit Europa „nichts anfangen“ könne. Diese Haltung schwächt nicht nur den europäischen Zusammenhalt, sondern sendet genau das falsche Signal in einer Phase, in der Europa Geschlossenheit demonstrieren müsste.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zum Artikel „Infantino und Trump trüben die Vorfreude [auf die FIFA Fussball WM 2026]“ von Alexander Barklage in der NOZ vom 08.12.2025, Seite 21

Leserbrief über Infantinos fragwürdige Trump-Show bei der WM-Auslosung. Wie die FIFA den Fußball beschädigt und Fans wie Spieler frustriert.

Hallo NOZ, hallo Herr Barklage,

hier mein Leserbrief zum Artikel „Infantino und Trump trüben die Vorfreude“ von Alexander Barklage in der NOZ vom 08.12.2025 auf der Seite 21.

Die jüngste Auslosung zur Fußball-WM 2026 hat eines gezeigt: Die FIFA ist weiter denn je davon entfernt, ein unpolitischer, sportlicher Weltverband zu sein. Was Gianni Infantino dort veranstaltet hat, war nicht nur geschmacklos, sondern schlicht eine abstoßende Shitshow. Einen eigens erfundenen „Friedenspreis“ ausgerechnet an Donald Trump zu überreichen, und das auch noch in einer live übertragenen WM-Show, ist eine politische Anbiederung, die selbst für FIFA-Verhältnisse ein neuer Tiefpunkt ist.

Es wirkt wie eine Farce: Eine Organisation, die sich seit Jahrzehnten als unpolitisch bezeichnet, nutzt ihre größte Bühne für einen PR-Auftritt eines US-Präsidenten, der selbst im eigenen Land extrem polarisiert. Dieses Verhalten ist nicht nur peinlich, es beschädigt den Sport und all jene, die ihn lieben.

Ich frage mich zunehmend, wie Fußballer dieses System noch mittragen können. Wie kann man für einen Verband auf den Rasen gehen, der sich derart schamlos politischen Machtspielen hingibt? Wie soll man an eine WM glauben, wenn schon die Auslosung aussieht wie eine Reality-Show für das Ego zweier Männer?

Die FIFA zerstört mit solchen Auftritten das, was die WM eigentlich ausmacht: die Freude am Sport, die Fairness, das Miteinander. Es wäre höchste Zeit, dass sich die Fußballwelt dagegen ausspricht, deutlich, hörbar und ohne Angst vor Konsequenzen. Denn solange niemand widerspricht, wird die FIFA genauso weitermachen.

Mit freundlichen Grüßen

NOZblog

Leserbrief zur Meinung von Lucas Wiegelmann „Ukraine-Gespräche in Genf – Der Friedensplan ist eine gute Nachricht“, NOZ vom 24.11.2025, Seite 1

Warum der angebliche Friedensplan zur Ukraine kein Hoffnungssignal, sondern ein von Russland dominierter Diktatfrieden ist, und weshalb der dazugehörige Kommentar die Lage politisch gefährlich verharmlost.

Hallo NOZ, hallo Herr Wiegelmann,

hier mein Leserbrief zur Meinung von Lucas Wiegelmann „Ukraine-Gespräche in Genf – Der Friedensplan ist eine gute Nachricht“, NOZ vom 24.11.2025, Seite 1.

Der Kommentar „Der Friedensplan ist eine gute Nachricht“ verkennt die Realität in einer Weise, die gefährlich naiv ist. Nicht die Existenz eines „Plans“ ist die gute Nachricht, entscheidend ist, wer ihn schreibt und wem er nützt. Mittlerweile ist klar: Der 28-Punkte-Plan trägt weitgehend die Handschrift des Kreml. Wenn ein Angreifer seine Maximalforderungen in ein Dokument diktiert, wird daraus kein Friedensplan, sondern ein Diktatfrieden.

Erschwerend kommt hinzu, dass selbst die USA widersprüchliche Signale senden: Erst wurde der Entwurf als offizieller amerikanischer Vorstoß präsentiert, dann wieder dementiert. Ein diplomatisches Chaos, das alles ist, nur kein Ausdruck amerikanischer Stärke. Ein solches Durcheinander schafft keinen Rahmen für ernsthafte Verhandlungen und schon gar keine verlässlichen Sicherheitsgarantien für die Ukraine.

Der Kommentar reduziert all das auf die scheinbar tröstliche Botschaft, dass „überhaupt etwas auf dem Tisch liegt“. Doch ein schlechter Plan ist nicht besser als keiner, er verschiebt die Gewichte zugunsten des Aggressors und gefährdet die Souveränität eines Landes, das bereits um sein Überleben kämpft. Wer hier von einer „guten Nachricht“ spricht, verkennt die Dimension des Konflikts und verharmlost die politische Realität.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zur Meinung von Thomas Ludwig „Friedensplan belohnt den Aggressor“ zum Diktatfrieden von Trump und Putin, NOZ vom 22.11.2025, Seite 3

Hallo NOZ, hallo Herr Ludwig,

ich stimme Thomas Ludwig völlig zu: Ein „Friedensplan“, der de facto russische Positionen übernimmt und auf Kosten der Ukraine geht, ist kein Frieden, sondern eine Kapitulation vor dem Aggressor. Weder Donald Trump noch Wladimir Putin ist auch nur ein Millimeter zu trauen, beide handeln ausschließlich nach geopolitischem Eigeninteresse, nicht im Sinne europäischer Sicherheit.

Gerade für Deutschland ist das gefährlich. Wenn der Westen sich auf einen Deal einlässt, der Russlands Landraub nachträglich legitimiert, öffnet das die Tür für weitere Erpressung und militärische Drohungen. Frieden ohne Sicherheitsgarantien wäre für Europa ein hohes Risiko.

Hinzu kommt, dass Medien bereits darüber berichtet haben, dass eine Passage in Trumps Plan nahezu wortgleich aus einem russischen Text übernommen wurde, was zumindest den Eindruck erweckt, dass der Kreml hier mehr Einfluss hatte, als Trump öffentlich zugibt. Wer so einseitige Formulierungen ungeprüft übernimmt, kann kein neutraler Vermittler sein.

Ludwig hat deshalb recht: Dieser Plan belohnt den Aggressor und gefährdet die Stabilität Europas. Ein Frieden, der von Moskau diktiert wird, ist keiner.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zur NOZ, Meinung Burkhard Ewert: „Die Gaza-Geiseln sind frei …“ (14. Oktober 2025)

Der Leserbrief kritisiert Ewerts Kommentar zur Freilassung der Gaza-Geiseln als einseitige Darstellung amerikanischer Stärke und fordert, die humanitäre Lage, Völkerrecht und internationale Verantwortung differenziert zu berücksichtigen.

Sehr geehrte Redaktion, sehr geehrter Herr Ewert, 

hier mein Leserbrief zur NOZ, Meinung Burkhard Ewert: „Die Gaza-Geiseln sind frei …“ (14. Oktober 2025).Ewert feiert in seinem Kommentar die Freilassung der Geiseln aus Gaza als historischen Wendepunkt und als Beleg amerikanischer Stärke unter Donald Trump. Doch bei allem Jubel verschweigt er, dass der Waffenstillstand keineswegs Frieden bedeutet, und schon gar nicht das Ende des Leids in Gaza.

Trump war an der Aushandlung des Deals beteiligt, und das verdient Anerkennung. Aber Ewerts Darstellung, die USA hätten „den Frieden gebracht“, ignoriert, dass die humanitäre Lage im Gazastreifen katastrophal bleibt und über 40 000 Zivilisten ihr Leben verloren haben. Auch verschweigt er, dass der Waffenstillstand vor allem auf Druck Katars und Ägyptens zustande kam, nicht auf Trumps persönliches Wirken allein.

Besonders fragwürdig ist Ewerts Pauschalisierung, Israels Militär habe „gegen die Hamas und letztlich alle Palästinenser“ kämpfen müssen. Damit verwischt er die Grenze zwischen legitimer Selbstverteidigung und der massiven kollektiven Bestrafung einer Zivilbevölkerung, die inzwischen weltweit Empörung auslöst.

Und wenn Ewert Europa vorwirft, es habe sich „nicht klar genug an Israels Seite gestellt“, zeigt das, wie wenig differenziert er internationale Diplomatie versteht: Viele europäische Staaten unterstützen Israels Existenzrecht, setzen aber zugleich auf Völkerrecht und humanitäre Verantwortung. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Maß.

Ewerts Text reiht sich damit in eine Serie ein, die politische Komplexität auf einfache Helden-und-Schurken-Erzählungen reduziert, und die Rolle der USA unter Trump in übertriebenem Licht erscheinen lässt. Wer wirklich Frieden will, sollte nicht bloß Machtpolitik bejubeln, sondern nach Gerechtigkeit für beide Seiten fragen.

Mit freundlichen Grüßen 

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