Das Interview von Jonas E. Koch beginnt mit der richtigen Frage. Danach bleiben Rahmung, Überschrift und unkorrigierte Aussagen bei Klaus Wichmann von der AfD.
Hallo NOZ, hallo Herr Koch,
zuerst das, was ich anerkenne. Ihre erste Frage an Klaus Wichmann lautet, ob er Rechtsextremist sei, und im Vorspann steht, dass der Verfassungsschutz die Partei für rechtsextrem hält. Genau diese Einordnung habe ich in früheren Texten vermisst. Umso mehr fällt auf, was danach folgt.
Der Vorspann beschreibt Wichmann als „vergleichsweise sachlichen Redner“, der die Landesregierung „pointiert, aber fair“ unter Feuer nimmt. Das ist ein Zeugnis, das die AfD selbst nicht besser hätte schreiben können, und es steht direkt vor dem Gespräch.
Die Überschrift ist ein Wichmann-Zitat, und zwar seine Botschaft an die CDU. Die NOZ macht die Brandmauer-Werbung einer vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Partei zur Schlagzeile.
Dazu kommt, was im Gespräch unwidersprochen bleibt. „Zu Verurteilungen kommt es nur nie“ steht da, obwohl Björn Höcke rechtskräftig verurteilt ist. Ein „Signal an unser eigenes Volk“ durch Abschiebungen, die Frage „Welche Einwanderung nützt uns“ und die Entwicklungshilfe als Druckmittel bleiben ebenso stehen wie der Antisemitismusvorwurf gegen die Linke. Einen Einordnungskasten oder eine Gegenrecherche gibt es nicht. Übrig bleibt die Selbstbeschreibung als „politischer Lieferservice“ und das Bild vom Kapitän mit brennendem Maschinenraum.
Ein Interview ist keine Zustimmung, das gilt. Aber wer einem Spitzenkandidaten fast eine ganze Seite gibt und seine Behauptungen nicht prüft, überlässt ihm die Deutung. Meine Frage lautet daher, warum diese Aussagen ohne Faktencheck erscheinen, obwohl die Redaktion die Fakten kennt.
Mit freundlichen Grüßen