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Schlagwort: Digitale überwachung

Leserbrief zum Thema Videoüberwachung, NOZ vom 21.03.2026, Mehr Sozialarbeit statt Überwachung – nachhaltige Sicherheit braucht Prävention

Mehr Kameras = mehr Sicherheit?Polizeipräsident de Vries fordert Ausweitung der Videoüberwachung, doch Überwachung verhindert keine Straftaten, sie dokumentiert sie nur. Statt in teure Technik zu investieren, brauchen wir soziale Arbeit, Prävention und klare Datenschutzregeln.

Hallo NOZ, hallo Herr Clasen, hallo Herr Streckwaldt,

der Vorstoß von Polizeipräsident Friedo de Vries für mehr Videoüberwachung und erweiterte Gesichtserkennung in Ihrer Ausgabe vom 21.03.2026 greift zu kurz. Zwar mag Überwachungstechnik kurzfristig das Sicherheitsgefühl steigern, doch sie löst keine Probleme, sondern dokumentiert sie nur.

Die Annahme, dass Kameras Kriminalität verhindern, ist fragwürdig. Studien zeigen, dass Überwachung allenfalls an hochfrequentierten Orten, wie Bahnhöfen, abschreckend wirkt. Messerangriffe oder Jugendkriminalität entstehen jedoch oft in sozialen Brennpunkten, wo Prävention durch Streetworker oder Jugendzentren weitaus wirksamer wäre. Stattdessen werden teure Technologien eingesetzt, deren Nutzen unbewiesen bleibt, während die eigentlichen Ursachen, wie Armut oder fehlende Perspektiven, ignoriert werden.

Besonders problematisch ist der Umgang mit Datenschutz. Projekte wie das niederländische Modell „Camera in Beeld“ oder der Einsatz von KI-Tools wie Palantir werfen drängende Fragen auf. Wer kontrolliert den Zugang zu den Daten? Wie wird Missbrauch verhindert? Transparenz und klare Regeln fehlen bisher völlig. Eine flächendeckende Überwachung ohne demokratische Kontrolle gefährdet Grundrechte und schafft neue Risiken.

Die Prioritäten sind falsch gesetzt. Statt in Überwachungstechnik zu investieren, braucht es mehr soziale Arbeit, Armutsbekämpfung und digitale Aufklärung. Polizeipräsident de Vries selbst weist auf die Gefahren von Social-Media-Challenges hin, doch anstatt Jugendliche durch Aufklärung zu schützen, wird auf Repression gesetzt. Konkrete Alternativen wären der Ausbau präventiver Programme oder die Einführung unabhängiger Kontrollinstanzen für Videoüberwachung.

Sicherheit entsteht nicht durch Beobachtung, sondern durch Vertrauen und Perspektiven. Die NOZ sollte diese Diskussion führen und kritisch hinterfragen, statt unreflektiert Polizeiforderungen zu verbreiten.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu Massenüberwachung „Warum Ermittler digital aufrüsten müssen“ von Finja Jaquet, NOZ vom 14.03.2026

Digitale Massenüberwachung als Allheilmittel? Mein Leserbrief zur NOZ kritisiert die geplante Ausweitung von Ermittlungsbefugnissen und fragt, warum Prävention ignoriert wird, während Grundrechte geopfert werden.

Hallo NOZ, hallo Frau Jaquet,

der Kommentar von Finja Jaquet zur Ausweitung digitaler Ermittlungsbefugnisse für das Bundeskriminalamt und die Bundespolizei zum Zwecke der Massenüberwachung wirft wichtige Fragen auf, doch die Antworten bleiben alarmierend vage. Unter dem Deckmantel des Kinderschutzes und der Terrorismusbekämpfung wird hier ein gefährlicher Präzedenzfall geschaffen, nämlich die flächendeckende, automatisierte Auswertung von Standort-, Verkehrs- und Biometriedaten. Doch wer garantiert, dass diese Befugnisse nicht missbraucht werden?Statt in teure Überwachungstechnologien zu investieren, die Grundrechte aushöhlen, sollte der Fokus auf echter Prävention liegen. Sozialarbeit, Aufklärung und die Bekämpfung von Armut und Radikalisierung sind nachhaltiger als Algorithmen, die im Zweifel Unschuldige ins Visier nehmen.

Die Sorge, dass solche Systeme politisch instrumentalisiert werden könnten, etwa durch Parteien wie die AfD, ist kein Hirngespinst. Auch die Weitergabe von Daten an Drittstaaten wie die USA (etwa über Unternehmen wie Palantir) ist ein realistisches Risiko. Wo bleiben hier klare rechtliche Grenzen und unabhängige Kontrollinstanzen.

Wenn künstliche Intelligenz eingesetzt wird, um „Zusammenhänge zu erkennen“, muss offen gelegt werden, wie diese Systeme funktionieren. Sonst drohen willkürliche Verdächtigungen und ein Klimas der Angst, genau das Gegenteil dessen, was eine freie Gesellschaft braucht.

Ja, Sicherheit ist wichtig. Aber sie darf nicht um jeden Preis erkauft werden. Bevor wir uns in eine Überwachungsgesellschaft begeben, sollten wir fragen, welche Alternativen es gibt? Wer schützt uns vor den Wächtern?

Mit besorgten Grüßen