Die NOZ räumt dem AfD-Landratskandidat Dilge eine halbe Seite ein, um die Kreishaussanierung zu kritisieren. Was er liefert, sind vage Worte über „Luxus“, ohne die Projektunterlagen zu kennen. Das steht sogar im NOZ-Artikel selbst!

Hallo NOZ, hallo Herr Fays,

der Artikel über Jörg Dilge und die Kreishaussanierung ist ein Paradebeispiel dafür, wie politische Rhetorik als Sachkritik verpackt wird.Dilge bekommt eine halbe Seite, um ein 118-Millionen-Projekt zu kritisieren. Auf die Frage, welche konkreten Maßnahmen er denn streichen würde, kommt er nicht über „goldene Wasserhähne“ und ein „teures Raumkonzept“ hinaus. Und warum? Weil er, wie er selbst sagt, die detaillierten Unterlagen nicht kennt. Das steht schwarz auf weiß im Artikel!

Dilges eigene Einlassung ist damit das deutlichste Argument gegen die Substanz seiner Kritik. Wer ein laufendes Bauprojekt öffentlich als Verschwendung bezeichnet, dabei aber einräumt, die Unterlagen nicht zu kennen, betreibt Stimmungsmache, keine Haushaltspolitik.Was im Text fehlt, ist genau das, was man von einem Portät erwarten würde. Wie erklärt sich der Kandidat, dass ein CDU-Antrag für eine abgespeckte Minimalsanierung im Kreistag bereits abgelehnt wurde? Warum kommt kein Gegenüber zu Wort, das einordnen könnte, welche Spielräume tatsächlich noch bestehen? Und warum wird die AfD-Einstufung als gesichert rechtsextrem mit keinem Wort erwähnt, obwohl sie zum Kontext eines Kandidatenporträts elementar gehört?

Der Raum, den dieser Artikel Dilge gibt, ist journalistisch nicht das Problem. Das Problem ist, dass substanzlose Aussagen eines Rechtsextremisten nicht als solche kenntlich gemacht werden.

Mit freundlichen Grüßen

Update 17.06.2026, Herr Fays antwortet:

Sehr geehrter Herr Reichl,

vielen Dank für Ihre Rückmeldung und die kritische Auseinandersetzung mit meiner Berichterstattung.Wichtig ist mir zunächst die Einordnung: Es handelt sich bei diesem Artikel nicht um ein Porträt des AfD-Landratskandidaten (das habe ich zu Dilge – genauso wie zu den Landratskandidaten der anderen Parteien bereits geschrieben – sie finden es hier: https://www.noz.de/lokales/region-osnabrueck/artikel/designierter-afd-kandidat-im-kreis-osnabrueck-wenn-in-der-afd-jemand-auslaenderfeindlich-waere-49846560), sondern um ein Format zur Kommunalwahl. Jeder Landratskandidat beziehungsweise die amtierende Landrätin bekommt dabei die Gelegenheit, sein oder ihr zentrales Wahlkampfthema vorzustellen.

Bei Jörg Dilge ist dieses Thema die Kreishaussanierung. Genau deshalb haben wir ihn mit seiner Kritik daran konfrontiert – aber eben auch ausdrücklich nach konkreten Alternativen gefragt. Ich habe im Text bewusst herausgestellt, dass er an dieser Stelle keine wirklich belastbaren Lösungen anbieten konnte und zugleich einräumt, die detaillierten Unterlagen nicht zu kennen.

Dass Sie diesen Punkt beim Lesen so klar erkannt haben, zeigt aus meiner Sicht auch, dass diese Schwäche im Artikel sichtbar wurde. Sie können sich als Leser auf dieser Grundlage ein eigenes Bild davon machen, wie substanziell die Vorschläge des AfD-Kandidaten tatsächlich sind.

Zudem wurde die Frage nach den tatsächlichen Spielräumen im Text bereits eingeordnet: Die Spielräume für grundlegende Änderungen dürften begrenzt sein. Die Planung ist bereits abgeschlossen, und das Projekt ist seit knapp einem Jahr in der Umsetzung. Ein späteres Umsteuern könnte möglicherweise zusätzliche Planungen, neue Ausschreibungen oder Verzögerungen nach sich ziehen – und damit unter Umständen sogar weitere Kosten verursachen.

Ihre Kritik an der politischen Einordnung der AfD nehme ich ernst. In diesem konkreten Format steht das jeweilige Top-Wahlkampfthema der Kandidatinnen und Kandidaten im Vordergrund. Unabhängig davon ist die Einordnung der AfD, ihrer Strukturen und ihrer politischen Ausrichtung in der Region Osnabrück aber Teil von aktuellen Recherchen im Kommunalwahl-Schwerpunkt. Meine Berichte dazu lesen Sie im Juli und August.Vielen Dank noch einmal für Ihre Rückmeldung!

Viele GrüßeJean-Charles Fays

Meine Replik:

Sehr geehrter Herr Fays,

danke für die ausführliche Antwort. Die Einordnung als Wahlkampf-Format nehme ich zur Kenntnis, sie ändert aber an meiner Kernkritik wenig.

Sie argumentieren, die erkennbare Schwäche in Dilges Argumentation sei der Beleg dafür, dass der Artikel sie sichtbar gemacht habe. Das verwechselt aus meiner Sicht zwei Dinge. Nämlich was im Text enthalten ist, und was redaktionell eingeordnet wird. Dass ich als kritischer Leser die fehlende Sachkenntnis erkenne, ersetzt keine Einordnung für die Leserschaft, die diesen Maßstab nicht mitbringt, und genau die soll ein Zeitungsartikel ja erreichen.

Auffällig finde ich zudem, dass Sie mir jetzt erklären, warum die Spielräume für Änderungen ohnehin begrenzt sind (abgeschlossene Planung, laufende Umsetzung). Dieser Kontext, der Dilges Kritik in ihrer Substanz relativieren würde, fehlt im Artikel vollständig. Er war also bekannt, wurde aber nicht weitergegeben.Und zur AfD-Einstufung, ein Verweis auf künftige Berichte im Sommer beantwortet nicht, warum dieser konkrete Text einem gesichert rechtsextremen Kandidaten eine halbe Seite unkommentierte Bühne einräumt. Die Einstufung wäre mit einem Halbsatz unterzubringen gewesen, ohne das Format zu sprengen.

Im Ergebnis bleibt für mich, dass der Artikel die Fakten liefert, mit denen sich seine eigene Schwäche erkennen lässt, aber er liefert sie nicht eingeordnet. Das ist ein struktureller Punkt, den ich gerne weiter beobachte.

Mit freundlichen GrüßenTimm Reichl