Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen seit 2025

Schlagwort: Özdemir

Leserbrief zu „Fünf Lehren aus der Baden-Württemberg-Wahl“ von Rena Lehmann, NOZ vom 10.03.2026

Pragmatismus vs. Ideologie? Cem Özdemirs Erfolg widerlegt Rena Lehmanns vereinfachende Narrative in ihrem Artikel in der NOZ.

Hallo NOZ, hallo Frau Lehmann,

Rena Lehmanns Analyse der Landtagswahl in Baden-Württemberg trifft in vielen Punkten zu, besonders in der Würdigung von Cem Özdemirs Erfolg. Doch die immer wiederkehrende Gegenüberstellung von „pragmatischen“ Grünen in Baden-Württemberg und einer angeblich „ideologischen“ Bundespartei ist nicht nur vereinfachend, sondern eine inhaltsleere Abwertung, die der politischen Realität nicht gerecht wird.

Özdemirs Politik ist nicht ideologiefrei, sondern erfolgreich in der Umsetzung. Dass er Klimaschutz und Wirtschaft verbindet, ist kein Verzicht auf Prinzipien, sondern eine moderne Synthese, und genau das honorieren die Wähler:innen. Die Grünen in Baden-Württemberg zeigen, dass wertegebundene Politik und Pragmatismus kein Widerspruch sein müssen. Dies als „gallisches Dorf“ abzutun, das sich vom „ideologischen“ Rest der Partei abgrenzt, ignoriert, dass auch Özdemirs Ansatz auf klaren Überzeugungen basiert: Ökologie und Ökonomie gehören zusammen. Das ist kein Verzicht auf Ideologie, sondern ihre intelligente Anwendung.

Gleichzeitig wird die Union in Lehmanns Artikel als „pragmatisch“ oder „mittig“ beschrieben, doch wo bleibt da die inhaltliche Substanz? Friedrich Merz CDU führte einen Wahlkampf ohne klare Zuspitzung und verlor trotzdem. Das ist kein Pragmatismus, sondern Planlosigkeit. Die Union wirkt aktuell weniger „ideologiefrei“, sondern schlicht ideenarm. Der Vorwurf der „“grünen Ideologie“ dient hier oft als Ablenkung von eigener Ratlosigkeit, statt als sachliche Kritik.

Politik lebt von Werten und ihrer Umsetzung. Wer das eine gegen das andere ausspielt, verkennt, dass erfolgreiche Politik beides braucht. Cem Özdemir hat das verstanden. Vielleicht sollte man das nicht als Ausnahme, sondern als Lehrstück begreifen.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu „Landtagswahl in Baden-Württemberg Kämpferischer Özdemir“ von Michael Clasen, NOZ vom 09.03.2026

Clasens Wahlanalyse in der NOZ: Warum seine AfD-Verharmlosung und Hagel-Kritik an der Realität vorbeigehen; eine notwendige Korrektur.

Hallo NOZ, hallo Herr Clasen,

Clasens Analyse zur Landtagswahl in Baden-Württemberg verkennt die Realität gleich mehrfach. Nicht eine angebliche „Schmutzkampagne“ der Grünen, sondern Manuel Hagels eigene Auftritte (zuletzt peinlich unangemessen an einer Schule) haben seinen Wahlkampf untergraben. Wer mit solch unwürdigem Verhalten um Wähler wirbt, muss sich nicht über das Ergebnis wundern.

Noch problematischer ist Clasens Umgang mit der AfD. Dass die Partei trotz monatelanger Umfragewerte von bis zu 20 % am Ende klar darunter blieb, ist kein „Wahlsieg“, sondern ein klares Zeichen für begrenzte Mobilisierungskraft. Die AfD blieb damit sogar hinter den letzten Prognosen zurück, ein eher mageres Ergebnis, das Clasen geflissentlich ignoriert. Wer solche Relativierungen betreibt und die AfD als „stärkste Oppositionsfraktion“ feiert, obwohl sie gegenüber den eigenen Hochrechnungen verloren hat, wirkt wie ein heimlicher Fan, nicht wie ein kritischer Beobachter.

Dass die demokratischen Parteien stattdessen die gestiegene Wahlbeteiligung als Auftrag verstehen sollten, klare Kante gegen Extremismus zu zeigen, bleibt die eigentliche Lehre dieser Wahl. Statt sich in falscher Dramaturgie oder Spekulationen über Koalitionen zu verlieren, wäre es an der Zeit, die AfD als das zu benennen, was sie ist. Eine Partei, die nicht an die eigenen Versprechungen heranreicht.

Mit freundlichen Grüßen