Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen

Autor: Timm Reichl (Seite 4 von 85)

Herr Pohlmann (Hasepost) fordert Nachweise, hier sind sie schon seit Monaten

Warum die Kritik an der Aktion NOZ kritisch die eigene Methodenfrage nicht besteht: Hasepost-Verleger Pohlmann wirft der Aktion NOZ kritisch und dem NOZblog vor, sich an den immer gleichen NOZ-Autoren abzuarbeiten. Fakt ist: über 400 Leserbriefe im Blog seit Februar 2025, mehr als 50 verschiedene Namen adressiert.

Heiko Pohlmann hat der Aktion NOZ kritisch in der Hasepost eine ausführliche Antwort geschrieben, mit dem Hostile-Media-Effekt als zentralem Argument. Sein Punkt ist im Kern richtig und trotzdem verfehlt der Artikel, worum es hier eigentlich geht.

Was stimmt

Kommentare sind gekennzeichnete Meinung. Ein Redakteur darf pointiert schreiben, das schützt Artikel 5 Grundgesetz ausdrücklich, und wer daraus eine pauschale politische Schlagseite der gesamten Redaktion ableitet, macht es sich zu leicht. Auch der Hinweis auf den Hostile-Media-Effekt ist berechtigt. Wer eine starke eigene Position hat, nimmt selbst ausgewogene Berichterstattung leicht als gegnerisch wahr. Und die von Pohlmann erwähnte Befragung unter den eigenen Treffen-Teilnehmern ist tatsächlich keine Medienanalyse (sollte sie das denn überhaupt sein?), sondern eine Innensicht der eigenen Gruppe. Das kann man so benennen.

Was nicht stimmt

Pohlmann verlangt eine nachvollziehbare Methodik und übergeht dabei, dass dieser Blog seit Monaten genau das liefert. Jeder hier veröffentlichte Leserbrief zitiert seine Quelle, benennt Autor, Datum und Seite, und verlinkt den Originalartikel. Wenn eine Einschätzung falsch war, wurde sie korrigiert, öffentlich sichtbar, etwa im Fall einer früheren Unterlassungserklärung von Herrn Pohlmann selbst. Genau diese Fehlerkultur ist die Antwort auf den Hostile-Media-Einwand, nicht eine Umfrage unter Gleichgesinnten.

Interessant ist auch, dass Pohlmann den Blog sogar als „Partner“ der Initiative erwähnt, aber keinen einzigen der dort dokumentierten Fälle nennt oder widerlegt. Für jemanden, der explizit auf wissenschaftliche Inhaltsanalyse als Standard verweist, ist das eine auffällige Lücke.

NOZblog

Und der wichtigste Einwand gegen seine These, dass es hier immer nur um fein sezierte Sätze aus Kommentaren gehe. Das stimmt schlicht nicht durchgehend. Bspw. lassen drei Nachrichtentexte von Jonas Koch, veröffentlicht am 18., 19. und 21. Februar, den Begriff Rechtsextremismus konsequent aus, obwohl die Pressemitteilung des niedersächsischen Innenministeriums zur AfD-Hochstufung genau diesen Begriff verwendet. Das sind keine Meinungsstücke, sondern Berichte über eine amtliche Einstufung. Dazu kommen unkommentierte NZZ-Übernahmen ohne jede redaktionelle Einordnung, die Schließung der Kommentarspalten im Februar und eine technisch unterdrückte Antwort im neuen Debattenformat im März. Das sind redaktionelle Entscheidungen einer ganzen Struktur, keine Ausrutscher einzelner Kolumnisten.

Zur Behauptung der immer gleichen Autoren

Pohlmann schreibt, der Blog arbeite sich an den immer gleichen NOZ-Autoren ab. Ein Blick in die eigene Chronik genügt, um das zu widerlegen. Seit Februar 2025 wurden über 400 Leserbriefe veröffentlicht, adressiert an mehr als 50 verschiedene Namen aus der Redaktion und von Gastbeiträgen, von Ewert und Ebert über Koch, Fays, Scheller und Jaquet bis zu Boehme-Neßler oder Rostalski. Dass eine Handvoll Namen häufiger vorkommt, liegt schlicht daran, dass genau diese Personen bei der NOZ auch am häufigsten Meinungsbeiträge schreiben. Wer eine Redaktion mit fünf oder sechs Namen gleichsetzt, hat entweder die eigene Recherche nicht gemacht oder den verlinkten Blog nie wirklich gelesen.

Fazit

Die pauschale Formel „rechtspopulistischer Kurs der NOZ“ trägt tatsächlich nicht allein. Was trägt, ist die über Monate dokumentierte Wiederholung bestimmter struktureller Muster bei bestimmten Autoren und bestimmten redaktionellen Entscheidungen, über mehr als fünfzig verschiedene Bylines hinweg. Genau diese Unterscheidung hätte ein Diplom-Medienwissenschaftler machen können und müssen, bevor er den eigenen „Partner“-Link nur erwähnt, statt ihn zu lesen.

Mitleid oder Anklage? Warum Michael Clasens Merz-Kommentar sich selbst widerspricht

Ein Leserbrief zur unbelegten These, die Brandmauer stärke die AfD, und zum Bruch zwischen Anklage und Mitgefühl im NOZ-Kommentar zu Friedrich Merz.

Hallo NOZ, hallo Herr Clasen,

Ihr Kommentar zu den Putschgerüchten gegen Friedrich Merz wirft eine Frage auf, die im Text selbst unbeantwortet bleibt. Sie fragen, ob die Brandmauer „klug“ sei, weil sie „womöglich zum Erstarken der Rechtsaußenpartei beiträgt“. Diese Kausalität bleibt unbelegt und widerspricht der politikwissenschaftlichen Befundlage. Was rechte Parteien stärkt, ist die Übernahme ihrer Narrative durch die Mitte, nicht deren Abgrenzung. Wer diese Umkehr ohne einen einzigen Beleg vorträgt, liefert kein Argument, sondern reproduziert ein Narrativ, das der AfD selbst nützt.

Auch in der Haltung zu Merz bleibt der Text unentschieden. Erst heißt es, der Kanzler habe „kein Mitleid“ verdient, wenige Sätze später „tut es weh“, ihn so einsam zu sehen. Dieser Bruch entlastet Merz genau dort, wo zuvor Verantwortung eingefordert wurde. Politische Analyse braucht einen klaren Maßstab, kein Schwanken zwischen Anklage und Mitgefühl.

Die zentrale Diagnose, Merz habe mit gebrochenem Schuldenbremse-Versprechen Vertrauen verspielt, bleibt zudem folgenlos unterfüttert. Wofür die Neuverschuldung konkret verwendet wird, welche politischen Zwänge dahinterstehen, das bleibt außen vor. Auch die Nachfolgefrage wird mit einem Nebensatz abgeräumt. Söder habe „massiv abgebaut“, Wüst wolle sich „wiederwählen lassen“, eine Prüfung ihrer tatsächlichen Positionen findet nicht statt. Das macht den eigenen Schluss, ein Sturz wäre Selbstmord, bequem, aber nicht belastbar.

Bemerkenswert bleibt der Schluss des Textes. Der Treueschwur der Ministerpräsidenten wird als positives Signal gewertet, im selben Atemzug aber mit der Erinnerung an Angela Merkels „vollstes Vertrauen“ kurz vor Rücktritten unterlaufen. Diese Volte hätte den ganzen Kommentar tragen können, stünde sie als These und nicht als beiläufige Pointe am Ende.

Mit freundlichen Grüßen

Protest gegen die NOZ: Erfolgreiche Aktion am 16. September 2026

Heute versammelten sich etwa 50 Personen vor dem Redaktionsgebäude der NOZ am Breiten Gang, um gegen den rechtspopulistischen Kurs der Zeitung zu protestieren. Mit Plakaten und gesammelten Zeitungsexemplaren wurde die Kritik an der einseitigen Berichterstattung lautstark vorgebracht.

Die Initiatoren der Aktion NOZ-kritisch wiesen in ihren Ansprachen auf die Widersprüche der NOZ hin: Einerseits ruft Chefredakteur Burkhard Ewert nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zum Widerstand gegen Rechtspopulismus auf, andererseits hat die NOZ die AfD (trotz deren Einstufung als gesichert rechtsextrem durch den Verfassungsschutz) wiederholt als Hoffnungsträger für einen libertären Politikwechsel dargestellt. Hinzu kommen großformatige Fotos lächelnder AfD-Kandidaten, die wie kostenlose Anzeigenwerbung wirken, sowie die ständige Zeichnung eines negativen Zerrbilds Deutschlands, das die Staatsverdrossenheit der AfD-Anhänger bestätigt.

Als Symbol der Ablehnung wurden die mitgebrachten Exemplare der NOZ demonstrativ vor dem Haupteingang abgelegt.

NOZblog

Da keine Reaktion der Redaktion erfolgte, wurden die Zeitungen schließlich in einer mitgebrachten blauen Tonne entsorgt. Die Aktion endete mit der klaren Botschaft: „Annahme verweigert, da Inhalt einseitig und unungenießbar.“

Offener Brief der Aktion NOZ-kritisch an die Herausgeber und die Redaktion der Neuen Osnabrücker Zeitung zum 16. 09. 2026: https://noz-kritisch.de/offener-brief-der-aktion-noz-kritisch.html

PS: Das nächste Treffen der ANK findet am 08.12.2026 um 19.00 Uhr in der Lagerhalle in Osnabrück statt: https://noz-kritisch.de/

Wer fragt hier eigentlich kritisch? Wie Ewert und Wiegelmann im Banaszak-Interview mit zweierlei Maß messen

Im Banaszak-Interview der NOZ, Grünen-Klimapositionen bekommen Populismus-Vorwurf & den Versuch, „Klimaextremist“ zu etablieren. Banaszaks AfD-kritische Kernaussagen bleiben unkommentiert.

Am 16. September veröffentlichte die NOZ ein Interview von Burkhard Ewert und Lucas Wiegelmann mit Grünen-Chef Felix Banaszak. Ein Blick auf die Fragestruktur zeigt ein textlich klar nachweisbares Muster. Positionen des Interviewten werden unterschiedlich intensiv hinterfragt, je nachdem, ob sie sich gegen die AfD oder gegen die eigene Partei richten.

Die Asymmetrie im Detail

Als Banaszak seine Formulierung von den „demokratischen Parteien“ erläutert, fragen die Interviewer nach, ob er damit nicht selbst die AfD-Erzählung von den „Blockparteien“ bestätige. Eine legitime Nachfrage, aber sie bleibt die einzige ihrer Art in diese Richtung.Anders bei den klimapolitischen Passagen. Hier findet sich mit „Also ein Klimaextremist?“ der Versuch, einen Begriff zu etablieren, den Banaszak explizit als diskreditierend zurückweist. Kurz darauf folgt die Frage „Wie viel Populismus verträgt die Klimadebatte?“, ein Vorwurf, der sonst primär gegen die AfD in Stellung gebracht wird, hier aber auf die Klimarhetorik der Grünen angewendet wird. Die Frage „Wenn man die Grünen wählt, werden davon ja die Sommer nicht kühler“ schließlich verlässt die Ebene der Sachfrage zugunsten einer rhetorischen Pointe.

Bemerkenswert dabei, Banaszaks deutlichste AfD-kritischen Aussagen im selben Interview, etwa seine Einordnung des Stromnetz-Anschlags als Terrorismus unabhängig von der Motivation, oder sein Bekenntnis „Demokraten dürfen nicht aufgeben, für die Demokratie zu kämpfen“, werden nicht gegengefragt oder eingeordnet. Sie stehen unkommentiert im Text.

Die Schlagzeile als Verstärker

Die Wahl der Überschrift, „Nicht alle AfD-Wähler sind verkappte Nazis“, greift ausgerechnet die relativierendste Formulierung aus Banaszaks Antworten heraus. Im selben Antwortblock warnt er explizit davor, diese Einsicht mit einer „Relativierung dessen, was von der AfD propagiert und geplant wird“ zu verwechseln. Die Schlagzeile transportiert also nicht die Kernaussage, sondern deren Randbemerkung.

Fazit

Hier lässt sich neutral keine Aussage über Absichten treffen, nur über den Text selbst. Und der zeigt, Grünen-/Klimapositionen werden mit pointierten Gegenfragen konfrontiert, AfD-kritische Kernaussagen bleiben stehen. Das ist ein dokumentierbarer redaktioneller Effekt, den man beim Lesen im Blick behalten sollte.

Reformen stoppen? Über die Frage, wer eigentlich kapituliert

Wer Kürzungen bei Rente und Krankengeld gegen Kritik an der Schonung großer Vermögen verteidigt, sollte den Vorwurf der Ahnungslosigkeit nicht den Wählern machen, sondern die eigene Verteilungslogik erklären.

Hallo NOZ, hallo Herr Schmidt,

Ihr Kommentar „Reformen stoppen? Das wäre eine fatale Kapitulation“ deutet die Ablehnung der Sozialreformen vor allem als Stimmungsproblem, das mit besserer Kommunikation zu beheben wäre. Genau hier liegt der Denkfehler. Die Menschen lehnen die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren nicht ab, weil sie die Gegenfinanzierungslogik nicht verstehen. Sie lehnen sie ab, weil sie eine klare Verteilungsentscheidung erkennen. Wer nach einem langen Arbeitsleben gekürzt bekommt, während Erbschaften und große Vermögen in Deutschland im europäischen Vergleich vergleichsweise gering besteuert bleiben, sieht darin zu Recht keine technische Notwendigkeit, sondern eine politische Wahl.

Auch der Begriff der Kapitulation verdient einen zweiten Blick. Als Kapitulation gilt hier offenbar jede Korrektur an einer Reform, die von unten Opfer verlangt und oben kaum etwas verändert. Ausgerechnet die Vorschläge zur Gegenfinanzierung, die diese Schieflage adressiert hätten, etwa eine höhere Erbschaftsteuer oder höhere Spitzensteuersätze, wurden von der Union bereits abgelehnt. Wenn Klingbeils eigene Vorschläge zur gerechteren Lastenverteilung am Koalitionspartner scheitern, wirkt der Vorwurf an die SPD, sie drohe vor Populisten einzuknicken, wenig überzeugend.

Richtig ist, dass Reformen selten populär sind und dass eine alternde Gesellschaft ihre Sozialsysteme anpassen muss. Das entbindet die Politik aber nicht davon, zu erklären, warum die Anpassung fast ausschließlich bei denen ansetzt, die am wenigsten Verhandlungsmacht haben. Wer diese Kritik als bloßes Missverständnis abtut, ersetzt eine notwendige Verteilungsdebatte durch eine Erzählung über angeblich zu wenig überzeugte Wähler.

Mit freundlichen Grüßen

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