NOZ lässt Poschardt (Welt-Herausgeber, Vance-Fan, Musk-Verehrer) unkommentiert über Politiker-Looks richten, inkl. Abwertung von Reichinneks Look als „linksradikal“. Direkt daneben finden wir die NOZ-Eigenwerbung „Kritisch. Transparent. Menschlich.“ Die Ironie schreibt sich von selbst.
Am 31.08.2026 druckt die NOZ auf Seite 23 (Rubrik „Leute“) ein Interview von Daniel Benedict mit Ulf Poschardt, der dort die Mode deutscher Spitzenpolitiker kommentiert. Direkt daneben, auf derselben Seite: eine NOZ-Eigenanzeige mit dem Slogan „Kritisch. Transparent. Menschlich.“, Selbstbeschreibung der Redaktion.

Wer hier zu Wort kommt, bleibt uneingeordnet
Was im Interview fehlt, ist jede Einordnung von Poschardts publizistischer Rolle. Laut einer Recherche von journalist.de gehört Poschardt zu den Springer-Köpfen, die sich mehrfach mit rechten und autoritären Positionen solidarisch gezeigt haben. Er fand lobende Worte für J.D. Vances Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz, in der Vance den europäischen Demokratien fehlende Meinungsfreiheit unterstellte. Bereits 2023 feierte er Elon Musk in einem Kommentar mit dem Titel, der Musk als Sieger der Freiheit über die „Woke Kultur“ inszenierte. Sein Essay-Buch gegen ein von ihm so benanntes „Shitbürgertum“ musste er im Selbstverlag veröffentlichen, weil es dem Verlag zu polemisch war.
Von alldem kein Wort in der NOZ. Poschardt tritt als amüsanter Stilexperte auf, nicht als ideologisch verorteter Akteur.
Die Ideologie steckt im Interview selbst
Auch inhaltlich ist die vermeintlich unpolitische Mode-Rubrik nicht neutral. Während Klingbeil und Kubicki wohlwollend-launig beschrieben werden, wird Heidi Reichinnek über ihr Aussehen politisch abgewertet, ihr Look wird als wenig elegant und als durchschaubares linksradikales Image-Projekt dargestellt. Politische Distanzierung, verpackt als Stilkritik.
Die Lücke
Das Ergebnis ist eine Zeitung, die sich auf derselben Seite als „kritisch, transparent, menschlich“ bewirbt, und einen publizistisch vorbelasteten Akteur unwidersprochen und uneingeordnet über das Erscheinungsbild von Politikerinnen und Politikern urteilen lässt, inklusive impliziter politischer Wertung. Das ist offensichtlich eine Kontextualisierungslücke. Die NOZ hätte die Möglichkeit gehabt, Poschardts Position einzuordnen, und hat es nicht getan.
„Alice Weidels Kleidung wirkt wie ein Panzer, der dickste Panzer in der deutschen Politik. Das ist so massiv, dass ich mich manchmal frage, ob dahinter doch irgendeine sensible Seele stecken könnte.“
Und dann: „Es ist wohl auch eine Reaktion auf den unglaublichen Hass, den man über ihr auskippt.“ Einfach nur ekelhaft, wie A.W. hier zum Opfer stilisiert wird.
Wir müssen uns gefasst machen, dass demnächst eine Promotion- und Propaganda-Aktion für Poschardts neuestes Machwerk in der NOZ erscheinen wird. Ist in dem Artikel bereits angedroht. Wem es vor gar nichts gruselt, kann in der NOZ-Ausgabe vom 26.05.2025 (S. 5) die NOZ-Werbeaktion für sein vorheriges „Meisterwerk“ nachlesen. „Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche“. Demnach kann man wohl U. P. zu recht als den shittigsten Shitbürger aller Zeiten bezeichnen (nun ja, vielleicht hinter Trump, hinter Musk, hinter Milei, hinter …). Leider auch einer mit kruder rechter Agenda.