Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen

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Ewerts Maßstäbe: 88 und 1312, wenn der Vergleich die Argumentation verrät

Burkhard Ewert vergleicht „1312″ mit NS-Symbolik, und räumt im selben Text ein, dass der Spruch „All Cops are Bastards“ durch die Meinungsfreiheit gedeckt ist. Was das über seine Argumentation sagt.

Burkhard Ewert hat ein Fenster entdeckt. Im Osnabrücker Büro der Linken klebt ein Schild mit „1312″, dem Zahlencode für „All Cops are Bastards“. Das reicht ihm für eine komplette Kolumne. Der Befund an sich ist nicht uninteressant. Die Argumentation aber lohnt einen zweiten Blick.

Der Vergleich, der nicht trägt

Ewert schreibt, „1312″ funktioniere „im selben Stil, wie Neonazis es gerne mit dem Gruß ‚Heil Hitler‘ machen und irgendwo in die Parkbank ‚88′ ritzen“. Das ist ein starker Satz. Zu stark.

88 ist ein etabliertes Erkennungszeichen militanter Neonazis mit jahrzehntelanger Tradition. Es codiert einen Gruß, der im Kern eliminatorisch gemeint ist, als Bekenntnis zu einer Ideologie, die Millionen Menschen ermordete. 1312 dagegen ist eine pauschale, provozierende Institutionskritik, die Ewert selbst im selben Text als juristisch durch die Meinungsfreiheit gedeckt einräumt.

Wenn ich im selben Absatz erkläre, etwas sei rechtlich zulässig, und es gleichzeitig mit neonazistischer Symbolik gleichsetze, dann habe ich ein Argumentationsproblem. Ewert hat es nicht bemerkt, oder er hat es in Kauf genommen.

„Entmenschlichung“, ein Begriff mit Geschichte

Ewert bezeichnet ACAB als Parole, die „der Entmenschlichung eines politischen Gegners“ diene. Das ist ein Begriff, der Gewicht hat. Entmenschlichung ist das rhetorische Werkzeug von Völkermorden. Er wird in der Forschung für Sprache verwendet, die einer Gruppe das Menschsein abspricht, um Gewalt gegen sie denkbar zu machen.

Ob „alle Cops sind Bastarde“ dasselbe leistet wie „Juden sind Untermenschen“, das ist keine Frage, die sich durch Behaupten beantworten lässt. Ewert beantwortet sie nicht. Er setzt es einfach gleich und geht weiter.

Die Asymmetrie, die auffällt

Was den Text wirklich kenntlich macht, ist nicht das Thema, sondern der Anlass. Eine Partei hängt ein Schild ins Fenster, und das löst eine Kolumne aus, die den Begriff „Entmenschlichung“ bemüht und Vergleiche zur NS-Symbolik zieht.

Die Frage, die sich stellt, wann hat Ewert vergleichbare analytische Energie für rechte Symbolik in vergleichbaren Kontexten aufgewandt? Wann wurde in der NOZ eine Kolumne mit dem Wort „Entmenschlichung“ überschrieben, wenn es um Rhetorik gegen Migranten, Geflüchtete oder politische Gegner von rechts ging?

Das ist keine rhetorische Fangfrage. Es ist die Messlatte, die Ewert selbst anlegt, und an der sich sein Werk messen lassen muss.

Was bleibt

ACAB als Parole an einem Parteibüro ist diskutierbar. Die Frage, ob eine Partei, die Regierungsverantwortung trägt, sich solche Symbolik leisten sollte, ist legitim. Ewert stellt sie auch, das ist der vernünftige Kern seiner Kolumne.

Aber wer einen Zahlencode mit NS-Symbolik vergleicht, den Begriff „Entmenschlichung“ für Institutionskritik verwendet und das alles mit demonstrativer Empörung auflädt, der betreibt keine Einordnung. Der betreibt Aufladung. Und die Richtung dieser Aufladung ist, wie so oft bei Ewert, keine zufällige. Was ist da passiert, Herr Ewert?

Ewerts AfD-Relativierung im Forum: Eine kritische Bestandsaufnahme

In meinem Artikel „Ewerts AfD-Erklärung: Fünf Gründe, die keine sind“ habe ich beschrieben, wie Burkhard Ewert den Aufstieg der AfD auf „Fehler der etablierten Parteien“ reduziert und die Partei damit aus der Verantwortung entlässt. Seine aktuellen Antworten im Rahmen des NOZ-Formats „360° | Das Forum“ zeigen, dass diese Relativierung kein Einzelfall ist, sondern eine durchgehende Herangehensweise. Statt die AfD als das zu benennen, was sie ist – eine Partei mit gesichert rechtsextremen Teilen und demokratiefeindlichen Zielen –, bleibt Ewert bei seiner These, ihr Erfolg sei vor allem ein „Protestphänomen“. Diese Perspektive verkennt, dass die AfD selbst durch gezielte Desinformation und extremistische Forderungen den Zulauf aktiv fördert.

NOZblog

Die AfD als „Symptom“: Ewerts wiederkehrendes Muster

In seinem Artikel „In Umfragen stärkste Kraft: Der Aufstieg der AfD hat seine Gründe“ vom 18. Mai 2026 führt Ewert fünf Beispiele an, die den Zulauf zur AfD erklären sollen. Falsche Aussagen in der Asylpolitik, Doppelmoral in der Justiz, Aufschläge für Beamte, Bürokratismus und doktrinäre Sichtweisen wie das Tempolimit. Sein Fazit lautet: „Die erwähnten Punkte bedeuten nicht, dass die AfD Lösungen für die Fragen dieser Zeit hätte. Aber sie bilden mit Sicherheit Gründe, warum eine wachsende Zahl von Menschen im Rest der Republik von den etablierten Parteien Abstand nimmt.“

Diese Formulierung ist bezeichnend. Ewert benennt zwar Probleme der etablierten Politik, aber er unterlässt es, die AfD selbst als Problem zu benennen. Stattdessen stellt er sie als passive Profiteurin dar, die von den Fehlern anderer profitiert. Diese Reduktion der AfD auf ein „Symptom“ ist problematisch, weil sie die Partei von ihrer eigenen Verantwortung entbindet.

Dass es sich dabei um kein Versehen handelt, zeigen seine Antworten im „360° | Das Forum“. Auf die Frage eines Lesers, warum die AfD in Umfragen so stark sei, antwortet Ewert: „Die AfD mag keine Lösungen für diese Fragen haben, doch die Fehler der etablierten Parteien treiben ihr die Menschen geradezu in die Arme.“

Wiederum wird die AfD als Reaktion auf andere dargestellt, nicht als Akteur mit eigenen Zielen. Diese Herangehensweise ist nicht neutral, sondern entlastend für die AfD.

Keine klare Einordnung: Warum Ewert die AfD nicht benennt

Auffällig ist, dass Ewert in seinem Artikel und seinen Forum-Antworten keine klare Einordnung der AfD als rechtsextrem oder verfassungsfeindlich vornimmt. Dabei gibt es dafür ausreichend Belege. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) stuft den „Flügel“ der AfD als gesichert rechtsextrem ein. Dies ist keine Meinung, sondern eine amtliche Feststellung.

Die AfD selbst vertritt in ihrem Programm Positionen, die mit dem Grundgesetz unvereinbar sind, etwa die Forderung nach einer „Remigration“ oder die Ablehnung des menschengemachten Klimawandels. Wissenschaftliche Studien, etwa die Mitte-Studien der Friedrich-Ebert-Stiftung, belegen, dass die AfD-Wählerschaft durch Rassismus, Autoritarismus und Demokratieskepsis geprägt ist.

Ewert geht auf diese Fakten nicht ein. Stattdessen bleibt er bei seiner These, die AfD sei vor allem ein „Protestphänomen“. Diese Herangehensweise ist nicht nur unvollständig, sondern irreführend. Denn sie suggeriert, die AfD sei eine legitime Alternative, obwohl ihre Ziele und Methoden mit den Werten der Demokratie nicht vereinbar sind.

Übernahme des AfD-Narrativs: „Die Elite lügt“

Ein weiteres Problem ist Ewerts unreflektierte Übernahme des AfD-Narrativs. In seinem Artikel schreibt er, „Menschen lassen sich nicht für dumm verkaufen.“ Dieser Satz ist kein Zufall. Er ist zentral für die Propaganda der AfD, die sich als „einzige Stimme der Vernunft“ in einer „lügenden Elite“ inszeniert. Björn Höcke, einer der führenden Köpfe der Partei, nutzt diese Rhetorik regelmäßig, um die AfD als Opfer eines „Systems“ darzustellen, das die Bürger belügt.

Indem Ewert diesen Satz ohne kritische Distanz übernimmt, bestärkt er ungewollt das Selbstbild der AfD. Dabei wäre es seine Aufgabe als Journalist, solche Narrative zu hinterfragen und einzuordnen. Stattdessen reproduziert er sie und trägt damit zur Normalisierung der AfD bei.

Fehlende Auseinandersetzung mit AfD-Inhalten

Ewerts Artikel und seine Forum-Antworten zeugen von einer fehlenden inhaltlichen Auseinandersetzung mit den Zielen der AfD. Auf die Frage eines Lesers, bei welchen konkreten Problemen die AfD keine Lösungen habe, antwortet Ewert, „Beim Haushalt sind die Vorstellungen absurd. In anderen Fragen kann die Antwort anders ausfallen.“

Diese Aussage ist vage und unpräzise. Was bedeutet „kann anders ausfallen“? Heißt das, dass einige AfD-Forderungen akzeptabel sind? Ewert geht nicht darauf ein. Dabei gäbe es genug Beispiele, die eine klare Einordnung erfordern.

Haushaltspolitik: Die AfD fordert Steuersenkungen und Ausgabenkürzungen bei gleichzeitigem Ausbau des Sozialstaats – ein unfinanzierbares Vorhaben, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in einer Studie nachweist.

Energiepolitik: Die AfD lehnt den menschengemachten Klimawandel ab und setzt stattdessen auf Atomkraft und Kohle ohne einen Plan für die energetische Zukunft Deutschlands.

EU-Politik: Die AfD fordert einen Austritt Deutschlands aus der EU („Dexit“), mit keinem konkreten Plan für die wirtschaftlichen und politischen Folgen.

Ewerts mangelnde Auseinandersetzung mit diesen Inhalten führt dazu, dass die AfD in seiner Darstellung als „Protestpartei“ erscheint, nicht als Partei mit extremistischen und unrealistischen Zielen.

Warum Ewerts Herangehensweise problematisch ist

Ewerts Relativierung der AfD ist aus mehreren Gründen problematisch. Als Chefredakteur einer großen Regionalzeitung hat Ewert eine besonders hohe Verantwortung. Wenn er die AfD nicht klar einordnet, trägt er zur Normalisierung einer Partei bei, die in Teilen rechtsextrem und demokratiefeindlich ist. Studien zeigen, dass die Medienberichterstattung maßgeblich beeinflusst, wie Parteien wahrgenommen werden. Eine unkritische Darstellung der AfD kann daher dazu führen, dass ihre extremistischen Positionen als „normal“ wahrgenommen werden.

Er verharmlost zudem die Gefahren. Die AfD vertritt Ziele, die direkt gegen die Werte des Grundgesetzes verstoßen. Dazu gehören u.a. die Abschaffung der Demokratie (vgl. Höckes Forderung nach einer „Remigration“ und einem „Systemwechsel“). Der Angriff auf Minderheitenrechte (z. B. die Ablehnung der Ehe für alle oder die Forderung nach Abschaffung der Genderforschung). Die Leugnung des Klimawandels (AfD bestreitet den menschengemachten Klimawandel). Indem Ewert diese Ziele nicht thematisiert, verharmlost er die Gefahren, die von der AfD ausgehen. Ewert zitiert in seinem Artikel und seinen Forum-Antworten keine AfD-Kritiker. Weder kommt das Bundesamt für Verfassungsschutz zu Wort, noch Wissenschaftler oder Politiker, die die AfD klar als Gefahr für die Demokratie einordnen. Diese einseitige Darstellung führt dazu, dass die AfD in seiner Berichterstattung unkritisch dasteht.

Journalismus zwischen Neutralität und Verantwortung

Burkhard Ewerts Artikel und seine Antworten im „360° | Das Forum“ zeigen ein .klares Muster. Die AfD wird als „Symptom“ dargestellt, nicht als Ursache. Diese Relativierung trägt zur Normalisierung einer Partei bei, die in Teilen rechtsextrem und demokratiefeindlich ist. Die NOZ hat als regionale Stimme eine besonders hohe Verantwortung, sie sollte sie nutzen, um Aufklärung zu betreiben, nicht um Verharmlosung.

Es ist Zeit, dass die NOZ – und insbesondere Burkhard Ewert – die AfD klar benennt als das, was sie ist. Nur so kann eine echte, kritische Diskussion über ihren Aufstieg geführt werden. Die Leser der NOZ verdienen eine vollständige und faktenbasierte Einordnung, nicht eine Relativierung, die die AfD als legitime Alternative erscheinen lässt.

Headline gegen den eigenen Artikel: Wie die NOZ rechte Gefahr kleinrechnet

NOZ, 19. Mai, Titelseite: „Mehr Straftaten aus linker Szene.“ Im selben Artikel: 3758 rechte Straftaten, ca. 1600 linke. Innenministerin und Polizeipräsident benennen rechts als Hauptgefahr. Die Headline läuft dem direkt entgegen. Das ist keine Nachlässigkeit, das ist eine Entscheidung.

Hallo NOZ, hallo Herr Koch,

die Titelseite der NOZ vom 19. Mai liefert ein Lehrstück in redaktionellem Framing. Die Überschrift lautet: „Mehr Straftaten aus linker Szene“. Der Subtext darunter präzisiert: Die Zahl habe einen neuen Höchststand erreicht.

Was fehlt ist ein vergleichbarer Hinweis darauf, dass die rechten Fallzahlen mit 3758 mehr als doppelt so hoch liegen wie die linken mit knapp 1600. Was ebenfalls fehlt: dass Innenministerin Behrens und Polizeipräsident Brockmann die Hauptgefahr für Rechtsstaat und Demokratie ausdrücklich bei rechts verorten. Beides steht im Artikel selbst.

Eine Headline ist eine redaktionelle Entscheidung. Sie bestimmt, was Leserinnen und Leser als wichtigste Information mitnehmen, und zwar unabhängig davon, was im Text steht. Die meisten lesen die Überschrift, deutlich weniger den Artikel, noch weniger den nachgelagerten Meinungsbeitrag. Wer die Seite 1 der NOZ an diesem Tag aufschlägt, nimmt mit: Die linke Szene ist das Problem. Das ist durch die Zahlen nicht gedeckt.

Dass bestimmte rechte Deliktszahlen nicht weiter gestiegen sind, bedeutet nicht, dass die Bedrohungslage geringer geworden ist. 3758 Straftaten, davon 110 Gewaltdelikte und ein versuchter Terroranschlag gegen eine Moschee, sind kein Anlass zur Entwarnung. Die Headline suggeriert sie dennoch, indem sie die Veränderungsdynamik bei links in den Vordergrund stellt und die absolute Größenordnung bei rechts unsichtbar lässt.

Hinzu kommt die qualitative Dimension, die in der Überschrift vollständig fehlt. Wahlplakate zerreißen und Hakenkreuze schmieren, Volksverhetzung im Netz betreiben und einen Anschlag auf Moscheen planen, das sind keine vergleichbaren Vorgänge. Eine Headline, die beides unter „politische Kriminalität“ subsumiert und dann den linken Anstieg hervorhebt, verschleiert genau diese Unterschiede.

Koch relativiert das im nachfolgenden Meinungsbeitrag. Das ist zu seinem Credit. Es ändert aber nichts daran, dass die Headline eine Akzentverschiebung vorgenommen hat, die sachlich nicht gedeckt ist. Headline und Kommentar stammen aus derselben Redaktion, erscheinen in derselben Ausgabe und widersprechen einander in ihrer Gewichtung. Das ist kein Versehen, sondern eine Entscheidung. Die Frage, wer sie getroffen hat und warum, bleibt offen.

Mit freundlichen Grüßen

Update 21.05.2026, zur weiteren Lektüre zu diesem Thema empfehle ich auch diesen Artikel: https://www.volksverpetzer.de/faktencheck/statistik-tagesschau-afd-angriffe/

Normalisierung durch Format: Warum das NOZ-Interview mit Peter Felser ein redaktionelles Problem ist

Die NOZ interviewt einen AfD-Politiker wie jeden anderen Parlamentarier, ohne Hinweis auf die Verfassungsschutz-Einstufung. So funktioniert Normalisierung; nicht durch Zustimmung, sondern durch Format.

Hallo NOZ, hallo Herr Ludwig,

das Interview mit AfD-Bundestagsabgeordnetem Peter Felser zum Trump-Xi-Gipfel folgt einem Format, das die NOZ für jeden anderen Politiker auch verwendet; fünf Fragen, neutrale Einleitung, keine redaktionelle Distanzierung. Genau das ist das Problem.

Die AfD ist in Niedersachsen und anderen Bundesländern gesichert rechtsextrem eingestuft. Wer einen Vertreter dieser Partei wie jeden anderen Parlamentarier interviewt, behandelt sie wie jede andere Partei. Das ist eine redaktionelle Entscheidung mit Konsequenzen, keine Selbstverständlichkeit.

Besonders problematisch ist das Fehlen eines konkreten Kontexts, der in diesem Interview zwingend gehört hätte. Peter Felser äußert sich als Vorsitzender der Deutsch-Chinesischen Parlamentariergruppe seiner Fraktion. Doch sein Parteifreund Maximilian Krah hat durch den fahrlässigen Umgang mit Zugangsdaten seinem Büromitarbeiter jahrelang ermöglicht, vertrauliche EU-Parlamentsdokumente an einen chinesischen Geheimdienst weiterzugeben. Das Dresdner Oberlandesgericht verurteilte den Mitarbeiter im September 2025 in dem nach Einschätzung der Bundesanwaltschaft schwersten Fall chinesischer Spionage in Deutschland. Wer Felser als AfD-China-Experten präsentiert, ohne diesen Sachverhalt zu erwähnen, blendet für die Einordnung seines Statements einen wesentlichen Kontext aus.

Das ist kein Angriff auf die Person, sondern eine Frage journalistischer Sorgfalt. Einordnung gehört zum Handwerk.

Mit freundlichen Grüßen

Kirk als Märtyrer, Piker als Gefährder: Die NOZ und ihr verlässliches NZZ-Framing

Die NOZ inszeniert Kirk seit Monaten als Märtyrer, verharmlost Faschisten als „Querköpfe“ und übernimmt unkritisch NZZ-Texte, die linke Rhetorik als Gewaltursache rahmen. Kein Zufall.

Hallo NOZ, hallo Chefredaktion,

der NZZ-Text über Hasan Piker, am Ende als Quelle ausgewiesen, passt nahtlos in ein Muster, das ich seit Monaten dokumentiere. Im September 2025 wurde Charlie Kirk in der NOZ bereits als tragische Märtyrerfigur inszeniert, während rechte Gewalt in Deutschland, statistisch das weitaus größere Problem, kaum Schlagzeilen wert ist. Ewert widmete Kirk einen eigenen Kommentar, Clasen und Ebert folgten. Nun holt die NOZ aus der NZZ einen Text, der denselben argumentativen Bogen weiterzieht: Linke Rhetorik als Gewaltursache, rechte Akteure bestenfalls als „kontrovers“.

Der NZZ-Text selbst liefert dafür ein aufschlussreiches Beispiel. Nick Fuentes, Holocaustleugner und bekennender Faschist, wird als „neonazistischer Querkopf“ bezeichnet. Hasan Pikers Polemik hingegen wird als systemische Bedrohung für die Demokratie gerahmt. Diese sprachliche Asymmetrie ist kein stilistisches Versehen, sie ist Haltung.

Dass das Tatmotiv von Kirks Mörder, der angab, Kirk verbreite Hass gegen LGBTQ-Menschen, im Text nicht vorkommt, vervollständigt das Bild. Eine Einordnung, die das politische Profil der NZZ als wirtschaftsliberal und kulturell rechtsbürgerlich transparent macht, fehlt wie üblich.

Die NOZ befeuert seit Monaten ein Narrativ, links ist gefährlich, rechts ist übertrieben dargestellt. Wer dieses Muster kennt, liest auch diesen Text anders.

Mit freundlichen Grüßen

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