Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen

Kategorie: NOZ allgemein (Seite 3 von 8)

Strukturelle Medienkritik an der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) und ihrem Verlagshaus NOZ/mh:n: Kommentarspalten-Schließung, Leserbrief-Politik, unkritische NZZ-Übernahmen, das neue Debattenformat „360°“ und die Frage, welche Öffentlichkeit eine Regionalzeitung mit überregionalem Mantelteil herstellt. Diese Kategorie richtet den Blick auf die NOZ als Institution.

Rückzug vom Leser: Die NOZ schließt ihre letzte Anlaufstelle im Emsland

Robert Koop betreibt Roberts Blog aus Lingen, einen der wenigen unabhängigen Beobachterposten für die NOZ-Berichterstattung im Emsland. Koop beschreibt, wie die Lingener Tagespost ihre letzte Geschäftsstelle im Emsland schließt und damit rund 6.000 Printabonnentinnen und Abonnenten ihren letzten persönlichen Anlaufpunkt verlieren.

https://robertkoop.wordpress.com/2026/05/23/noz-1-6-000/
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Haben Sie das auch gelesen? Nein, nicht wo es zu Pfingsten frische Brötchen gibt, sondern: „Geschäftsstelle der Lingener Tagespost schließt Ende Mai“.

Das klingt zunächst nach einer kleinen organisatorischen Meldung – zeitlich taktisch klug so gesetzt, dass sie im Tohuwabohu von gutem Wetter und (Jubel-)Schützenfesten untergeht. Oder meinen Sie, werte Mitlesende etwa, dass die Schließung erst am 22. Mai feststand?

Tatsächlich beschreibt diese kleine Meldung einen weiteren Rückzug regionaler Öffentlichkeit aus dem direkten Kontakt mit den Menschen vor Ort. Jahrzehntelang war die Geschäftsstelle – erst an der Schlachterstraße, jetzt an der Bernd-Rosemeyer-Straße – ein Ort, an dem Leserinnen und Leser persönlich vorsprechen konnten: wegen Zustellproblemen, Anzeigen oder schlicht einer Nachfrage. Künftig soll das „telefonisch oder digital“ erledigt werden. Aha.

Übrigens: Mit der Schließung fällt auch eine Vorverkaufsstelle für regionale Veranstaltungen etwa in der EmslandArena, im Theater oder im Alten Schlachthof weg. Bei der Lingener Tagespost gab es Reservix- und Eventim-Tickets ausgedruckt direkt zum Mitnehmen nach Hause.

Und natürlich wird das betriebswirtschaftlich begründet: ein verändertes Nutzerverhalten, mehr Onlinekontakte, weniger Laufkundschaft – wen wundert das nach dem Umzug aus der Fußgängerzone und der Abschaffung des Zeitungsaushangs? Handfeste Zahlen liefert die NOZ dazu indes nicht.

Erneut verschwindet also ein Stück sichtbarer lokaler Präsenz – und zwar gerade für jene älteren Leserinnen und Leser, die nicht alles per Mail oder Hotline regeln wollen oder können. Das dürfte, so mein persönlicher Eindruck, der Großteil der noch immer rund 6.000 reinen „Print“-Abonnentinnen und -Abonnenten in Lingen sein. Mit Lingen schließt auch die letzte Servicestelle der NOZ im Emsland. Die Dependancen in Meppen und Papenburg haben bereits zum 1. April 2023 geschlossen.

Ob die Menschen im Emsland es honorieren werden, so den Rücken zugekehrt zu bekommen?

Besonders aufschlussreich ist die „neue“ Nutzung der Räume. Dort sollen künftig „Eventquartiere“ erweitert werden – also Veranstaltungs- und Tagungsflächen. Anders gesagt: Für persönliche Ansprechpartner istoffenbar weniger Platz als für Events und Vermietungen. Warum bei der Vorstellung des Gebäudes zwar großspurig von Veranstaltungsräumen die Rede war, deren Nutzung aber offenbar erst mit der Schließung der Geschäftsstelle möglich sein soll, lässt die NOZ offen.

Ja, Redaktion und Werbevermarktung bleiben in Lingen. Aber die Botschaft dieser Entscheidung ist trotzdem eindeutig: Der direkte Draht zur Leserschaft wird weiter reduziert. Und das ist für eine Lokalzeitung weit mehr als nur eine organisatorische Randnotiz.

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Apropos Botschaft: Den Verantwortlichen der NOZ ist natürlich bewusst, dass die Begründungen für die Schließung hinfällig sind und ihre Entscheidung nicht gut ankommen wird. Vorsorglich wurde deshalb auf Facebook der Kommentarbereich schon geschlossen, pardon, „eingeschränkt”. Direkter Draht und so…

Kirk als Märtyrer, Piker als Gefährder: Die NOZ und ihr verlässliches NZZ-Framing

Die NOZ inszeniert Kirk seit Monaten als Märtyrer, verharmlost Faschisten als „Querköpfe“ und übernimmt unkritisch NZZ-Texte, die linke Rhetorik als Gewaltursache rahmen. Kein Zufall.

Hallo NOZ, hallo Chefredaktion,

der NZZ-Text über Hasan Piker, am Ende als Quelle ausgewiesen, passt nahtlos in ein Muster, das ich seit Monaten dokumentiere. Im September 2025 wurde Charlie Kirk in der NOZ bereits als tragische Märtyrerfigur inszeniert, während rechte Gewalt in Deutschland, statistisch das weitaus größere Problem, kaum Schlagzeilen wert ist. Ewert widmete Kirk einen eigenen Kommentar, Clasen und Ebert folgten. Nun holt die NOZ aus der NZZ einen Text, der denselben argumentativen Bogen weiterzieht: Linke Rhetorik als Gewaltursache, rechte Akteure bestenfalls als „kontrovers“.

Der NZZ-Text selbst liefert dafür ein aufschlussreiches Beispiel. Nick Fuentes, Holocaustleugner und bekennender Faschist, wird als „neonazistischer Querkopf“ bezeichnet. Hasan Pikers Polemik hingegen wird als systemische Bedrohung für die Demokratie gerahmt. Diese sprachliche Asymmetrie ist kein stilistisches Versehen, sie ist Haltung.

Dass das Tatmotiv von Kirks Mörder, der angab, Kirk verbreite Hass gegen LGBTQ-Menschen, im Text nicht vorkommt, vervollständigt das Bild. Eine Einordnung, die das politische Profil der NZZ als wirtschaftsliberal und kulturell rechtsbürgerlich transparent macht, fehlt wie üblich.

Die NOZ befeuert seit Monaten ein Narrativ, links ist gefährlich, rechts ist übertrieben dargestellt. Wer dieses Muster kennt, liest auch diesen Text anders.

Mit freundlichen Grüßen

Strompreise und Merit-Order-Prinzip, was die NOZ zur Energiewende verschweigt

Die NOZ erklärt, warum Strom trotz Erneuerbarer teuer bleibt, und ignoriert dabei das Merit-Order-Prinzip. Gas setzt den Preis, nicht der Netzausbau. Was der Artikel weglässt, ist kein Versehen.

Hallo NOZ, hallo Herr Hinrichs,

Ihr Artikel zur Netzbelastung durch die Energiewende verschweigt das Entscheidende.

Der Satz, die Sonne schicke keine Rechnung, der Netzbetreiber schon, klingt eingängig. Er ist aber nicht mal die halbe Wahrheit. Der Hauptgrund für hohe Strompreise ist nicht der Netzausbau, sondern das Merit-Order-Prinzip. An der Strombörse setzt der teuerste noch benötigte Erzeuger den Preis. Das sind in Spitzenzeiten Gaskraftwerke. Egal wie viel Sonne und Wind Strom produzieren, Gas bestimmt den Marktpreis. Wer das weglässt, erklärt Strompreise falsch.Auch bei den Netzkosten fehlt der entscheidende Kontext. Die gestiegenen Netzentgelte sind kein Naturgesetz, sondern politische Entscheidung. Als die Bundesregierung 2024 die EEG-Umlage aus dem Bundeshaushalt strich, wurden die Kosten auf die Netzentgelte verlagert. Dazu kommen Jahrzehnte verschlafenen Netzausbaus, fehlende Speicherförderung und ein Marktdesign, das private Erzeuger systemisch benachteiligt.

Der Artikel lässt Stadtwerke-Chef Waschow diese Zusammenhänge als quasi unvermeidliche Konsequenz der Energiewende beschreiben, ohne eine kritische Nachfrage. Wer gesetzt hat, welche Rahmenbedingungen gelten, bleibt unsichtbar. So entsteht der Eindruck, die Energiewende selbst sei das Problem, nicht ihre politische Missverwaltung über Jahrzehnte. Faktenbasierter Journalismus müsste beides zeigen.

Mit freundlichen Grüßen

Faktencheck mit selektiven Fakten: Warum Schellers Bas-Kritik in der NOZ selbst einer Prüfung nicht standhält

Die NOZ korrigiert Bärbel Bas per „Faktencheck“, setzt dabei Statistiken kontextlos ein und präsentiert politisches Framing als Empirie.

Hallo NOZ, hallo Frau Scheller,

Ihr Meinungsbeitrag wirft Bärbel Bas vor, die Migrationsdebatte „wegzumoderieren“. Das ist eine griffige Formulierung, die allerdings verdeckt, was der Text selbst tut: Statistiken ohne Kontext einsetzen, um eine politisch aufgeladene These abzusichern.

Die genannten Zahlen sind korrekt. Ihre Interpretation ist es nicht. Dass knapp die Hälfte der Bürgergeldempfänger keinen deutschen Pass hat, sagt nichts darüber aus, warum diese Menschen in Deutschland sind, ob sie zuvor Jahrzehnte Steuern gezahlt haben, ob sie als EU-Bürger aus dem Arbeitsmarkt gefallen sind oder ob sie tatsächlich als Asylsuchende gekommen sind. Diese Gruppen in einer Zahl zusammenzufassen und daraus auf „Einwanderung in Sozialsysteme“ zu schließen, ist kein Faktencheck, sondern Framing.

Dass Sozialleistungen bei der Wahl des Ziellandes „eine Rolle spielen können“, ist zutreffend, aber weit weniger eindeutig belegt als der Text suggeriert. Die Migrationsforschung zeigt überwiegend, dass Flucht- und Migrationsentscheidungen von Krieg, Verfolgung, sozialen Netzwerken und geografischer Erreichbarkeit dominiert werden. Die Rede von „Standortattraktivität“ durch Sozialleistungen klingt nach Wissenschaft, ist aber eine politische Rahmung.

Den Koalitionsvertrag als faktische Autorität gegen Bas zu zitieren ist methodisch schief. Koalitionsverträge sind politische Dokumente, keine empirischen Befunde.

Was Bas gesagt hat, war möglicherweise ungenau. Was Ihr Artikel daraus macht, ist es ebenfalls.

Mit freundlichen Grüßen

Meinungsfreiheit predigen, Widerspruch kuratieren – wie die NOZ am 02.05.2026 sich selbst widerspricht

Die NOZ widmet heute zwei große Stücke der Meinungsfreiheit. Gleichzeitig hat sie ihre Kommentarspalten geschlossen und Leserbriefe aus dem Artikelkontext herausgelöst. Wer Debattenkultur predigt und Widerspruch kontrolliert, hat ein Glaubwürdigkeitsproblem.

Hallo NOZ, hallo Herr Wiegelmann, hallo Herr Faus,

die heutige Ausgabe ist bemerkenswert. Auf Seite 4 dokumentiert Lucas Wiegelmann, wie viele Deutsche sich in ihrer Meinungsfreiheit eingeschränkt fühlen, und dass dieses Gefühl empirisch nicht unbegründet ist. Auf einer weiteren Seite mahnt Rainer Faus, dass öffentliche Debattenräume nur dann funktionieren, wenn Menschen nicht zum Schweigen gebracht werden. Beide Texte zusammen ergeben eine klare Botschaft: Wer verstummt, überlässt das Feld den Falschen.

Soweit, so richtig. Nur wer hat im Februar 2026 die Kommentarspalten auf noz.de geschlossen? Wer hat angekündigt, Leserbriefe künftig „in loser Folge“ und losgelöst vom jeweiligen Artikel zu veröffentlichen? Wer hat damit sichergestellt, dass Widerspruch gegen NOZ-Kommentare nicht mehr unmittelbar sichtbar ist, nicht mehr im Kontext des kritisierten Textes steht, nicht mehr für andere Leserinnen und Leser anschlussfähig bleibt?

Es ist dieselbe Redaktion, die heute zwei Seiten der Meinungsfreiheit widmet.

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Faus schreibt, die Kosten der freien Rede müssten sinken. Traunmüller, den Wiegelmann zitiert, fordert „weniger vorschnelle moralische Etikettierung, mehr Bereitschaft, abweichende Meinungen als Teil demokratischer Auseinandersetzung auszuhalten“. Beides sind Sätze, die die NOZ offenbar für andere geschrieben hält. Denn ihre eigene Reaktion auf unbequeme Leserstimmen war nicht mehr Raum, sondern weniger. Nicht mehr Unmittelbarkeit, sondern mehr Kontrolle. Nicht Dialog auf Augenhöhe, sondern kuratierter Rückblick nach redaktionellen Spielregeln.

Das ist kein Kavaliersdelikt. Es ist ein struktureller Widerspruch, der die Glaubwürdigkeit dieser Debattenbeiträge untergräbt. Wer Meinungsfreiheit als gesellschaftliches Problem ernst nimmt, muss sich fragen lassen, wie er selbst damit umgeht, in der eigenen Redaktion, gegenüber der eigenen Leserschaft, in den eigenen Formaten.

Debattenkultur beginnt nicht mit dem, was man anderen empfiehlt. Sie beginnt damit, was man selbst aushält.

Mit freundlichen Grüßen

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