Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen

Horden, Mob, Jakobiner, wie Ewert die Frankreich-Unruhen für seine Deutschland-These nutzt

Burkhard Ewert wirft deutschen Medien vor, die Frankreich-Unruhen stereotyp zu erklären, und bildet selbst aus zwei Zitaten ein ganzes Lager.

Hallo NOZ, hallo Herr Ewert,

Sie kritisieren in „Krawall mit roten Backen“ (NOZ, 22.10.2026, Seite 2), dass deutsche Medien die Ausschreitungen in Frankreich stereotyp erklären und damit verharmlosen. Der Einwand wäre stärker, wenn Ihr eigener Text nicht aus demselben Holz geschnitzt wäre. Aus einem taz-Autor und einem Spiegel-Absatz formen Sie „die deutschen Journalisten“, aus einer Äußerung von Ines Schwerdtner die heimliche Freude „der Linken“. Genau diese Verkürzung legen Sie anderen zur Last.

Am deutlichsten wird das bei der Verbindung von Schwerdtners früherer Tätigkeit beim Magazin „Jacobin“ mit der Terrorherrschaft der historischen Jakobiner. Wer eine Politikerin über den Namen ihres damaligen Arbeitgebers an Zehntausende Hinrichtungen koppelt, erklärt nichts, sondern erzeugt eine Schuldvermutung durch Assoziation. Ihr Zitat vom überspringenden „Funken“ ist die Beschreibung einer Ausbreitung, kein Beleg für Sympathie mit Plünderern.

Auch inhaltlich geraten Sie in Widerspruch. Sie werfen anderen vor, Ursachen in Frankreich und im Bildungssystem zu suchen, und listen dann selbst Ursachen auf, vererbte Armut, Schulabbrüche, gescheiterte Integration, Staatsskepsis. Ursachensuche ist für Sie offenbar genau dann seriös, wenn sie Ihre These stützt. Die entscheidende Frage, wer da randaliert und warum, beantwortet der Text genauso wenig wie die Berichterstattung, die er kritisiert.

Eine Zeitung, die zwei Tage zuvor mit Recht vor der Migrations-Verkürzung der Unruhen gewarnt hat, sollte auch diesen Kommentar an demselben Maßstab messen. Wer mit „Horden“ und „Mob“ arbeitet und Gegner über Namensassoziationen in die Nähe von Terror rückt, verwässert die Schuldfrage, statt die Schuldigen zu benennen.

Mit freundlichen Grüßen

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2 Kommentare

  1. Sabine Driehaus

    Burkhard Ewert delegitimiert die Demonstrationen, indem er „die Demonstrant:innen“ pauschal zu „Krawallos erklärt.
    Fakt ist, dass Proteste sehr häufig von gewaltbereiten Menschen genutzt werden, um „aufzumischen“ – oft ist dabei einfach Unzufriedenheit und Frust im Spiel, keine politische Motivation.
    Im Rahmen der Berichterstattung über die Proteste konnte man wiederholt Interviews mit Schüler:innen hören, die die Gewalt verurteilten, regelrecht Angst hatten, dass ihre legitimen(!) Proteste missbraucht würden und das dazu führen könnte, dass die Politik ihr eigenes Anliegen nicht mehr wahrnimmt bzw. delegitimiert.
    Bei Herrn Ewert und auch dem Innenminister (der vor „Gen Z -Demo warnt) hat das offensichtlich schon geklappt – sie vermischen den Wunsch nach sozialer Gerechtigkeit mit Gewaltanwendung.
    Was besseres kann der Union doch gar nicht passieren – lenken die „Krawallos“ doch prächtig von den Missständen, gegen die mittlerweile europaweit nicht mehr nur die Jugend sich wehrt, ab. Man braucht die Proteste nur noch als links(extrem) zu framen und – voilá!
    Das allein zeigt doch schon, dass die Plünderer und Zerstörer, die diese Demos vereinnahmen, kein politisches Ziel verfolgen.
    Btw.: Die „Gen Z“ ist die Generation, die bereits voll im Berufsleben steht – also keine Schüler:innen! So klärte mich kürzlich ein Angehöriger der „Gen Z“ auf…..

  2. Christoph Schnare

    Wie so oft bedient sich Burkhard Ewert auch in diesem Meinungsbeitrag aus der alten Klamottenkiste der Klischees und Vorurteile und konstruiert Zusammenhänge, wo es keine gibt. Und wie üblich geht es bei ihm wieder gegen linke Politiker und linke Medien, wie die taz. So kommt keine Debatte über die wirklichen Ursachen der Unzufriedenheit vieler Menschen in ganz Europa zustande. Zum Beispiel die gewinnträchtige Spekulation mit Nahrungsmitteln, die ebenso wie die zunehmenden Klimaschäden die Preise treibt, oder auch die Profitgier der Immobilienkonzerne, die die Mieten immer stärker verteuert. Über diese Faktoren sollen wir auch gar nicht erst nachdenken, auch deshalb schreibt Ewert solchen verqueren Unsinn!

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