Die NOZ fasst ihr eigenes Forum zusammen, und Ewerts Kernthese wird zum Leitfaden, Kritiker zu Leuten ohne Sachargumente. Ich werde namentlich genannt. Oh je.
Die NOZ hat das Forum-Thema nun zum vierten Mal aufgewärmt, diesmal als Zusammenfassung der Leserdebatte, verfasst von Eva Kowalski. Ich werde darin namentlich genannt, mein Kommentar wurde entgegen der Meldung doch irgendwann veröffentlicht (zumindest ist er jetzt online einsehbar) und wird zitiert. Das gibt mir Anlass zur Einordnung.
Was in der Zusammenfassung steht
Ewerts Fazit wird als Leitgedanke des gesamten Artikels gesetzt: Die etablierten Parteien treiben der AfD die Wähler in die Arme. Leser, die dieser These zustimmten, werden ausführlich referiert. Gegenwind (auch meiner) erscheint als Mangel, Ewert habe „inhaltliche Gegenargumente“ vermisst.

Das ist eine rhetorische Verschiebung, die die Zusammenfassung unkritisch übernimmt. Meine Kritik galt nicht Ewerts Einzelbeispielen, sondern dem Framing. Wer den AfD-Aufstieg ausschließlich aus staatlichem Versagen erklärt und die Partei dabei nicht als gesichert rechtsextrem benennt, übernimmt ihr eigenes Narrativ. Darauf gibt es keine inhaltliche Antwort, weder im Forum noch in der Zusammenfassung.
Ewerts Gegenfrage
In seiner Forumsantwort an mich schreibt Ewert: „Gegenargumente, weshalb meine Beispiele nicht greifen, vermisse ich. Darf ich das als Zustimmung werten?“
Äh, nein! Die Frage, ob Bürokratie oder Energiepreise Menschen frustrieren, ist nicht der Streitpunkt. Der Streitpunkt ist, ob ein Chefredakteur diese Frustration als Erklärung für den Zulauf einer rechtsextremen Partei rahmen darf, ohne diese einmal beim Namen zu nennen. Das ist keine Frage der Sachbeispiele. Das ist eine Frage der redaktionellen Haltung.
Was die Zusammenfassung über das Format verrät
„360° | Das Forum“ soll laut Ewert einen „moderierten Ersatz für konstruktiven Austausch“ bieten. Die Zusammenfassung zeigt, wie dieser Austausch nachträglich gerahmt wird. Zustimmung zur Kernthese wird ausführlich referiert, strukturelle Kritik am Framing wird als inhaltliche Leerstelle dargestellt. Das ist kein Protokoll einer Debatte. Das ist ihre nachträgliche Deutung.
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