Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen

Schlagwort: AfD (Seite 3 von 7)

Leserbrief zu „Correctiv-Autoren unterliegen ein weiteres Mal vor Gericht Die Risse im Geheimplan-Bericht nehmen zu“ von Philipp Ebert, NOZ vom 20.03.2026

Warum Eberts Angriff auf die Geheimplan-Recherche von Correctiv scheitert, und wie die AfD mit SLAPP-Klagen die Pressefreiheit kaputtklagt. Eine Abrechnung mit selektiver Empörung und doppelten Standards.

Hallo NOZ, hallo Herr Ebert,

Ihre Kritik an CORRECTIVs „Geheimplan“-Recherche liest sich wie ein Lehrstück in selektiver Empörung. Sie werfen CORRECTIV vor, mit Formulierungen wie „Masterplan zur Ausweisung“ die Realität zu verzerren, doch das Berliner Gericht hat nur zwei journalistische Wertungen beanstandet, nicht die Fakten. Dass Martin Sellner ein „Remigrationskonzept“ vorstellte, das das Bundesverwaltungsgericht 2025 als verfassungswidrig einstuft, bleibt unbestritten und wird von Ihnen verschwiegen.

Noch bedenklicher ist, dass Sie die Systematik hinter den Klagen ignorieren. Die AfD nutzt SLAPP-Klagen (Strategic Lawsuits Against Public Participation), um kritische Medien einzuschüchtern und zu zermürben. Die Kanzlei Höcker klagt nicht gegen Fakten, sondern gegen Einzelformulierungen, und zieht von Gericht zu Gericht, bis eines die gewünschte Entscheidung trifft. Das ist keine Medienkritik, sondern politische Justizinstrumentalisierung. Warum thematisieren Sie das nicht?

Stattdessen unterstellen Sie CORRECTIV, „borniert“ zu sein, doch wer ist hier wirklich unbelehrbar? Die NOZ vermeidet Kritik durch die Entfernung der Kommentarfunktion und ein intransparentes Leserbriefkonzept. CORRECTIV hingegen korrigiert transparent, und wird dafür von Ihnen als „unseriös“ diffamiert. Ist das Ihr Verständnis von „Qualitätsjournalismus“?

Frage an Sie; wenn die AfD mit Klagen die Pressefreiheit aushöhlt, warum schweigen Sie dazu? Oder passt es Ihnen als NOZ-Redakteur, wenn unliebsame Konkurrenten mundtot gemacht werden?

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu „Landtagswahl in Baden-Württemberg Kämpferischer Özdemir“ von Michael Clasen, NOZ vom 09.03.2026

Clasens Wahlanalyse in der NOZ: Warum seine AfD-Verharmlosung und Hagel-Kritik an der Realität vorbeigehen; eine notwendige Korrektur.

Hallo NOZ, hallo Herr Clasen,

Clasens Analyse zur Landtagswahl in Baden-Württemberg verkennt die Realität gleich mehrfach. Nicht eine angebliche „Schmutzkampagne“ der Grünen, sondern Manuel Hagels eigene Auftritte (zuletzt peinlich unangemessen an einer Schule) haben seinen Wahlkampf untergraben. Wer mit solch unwürdigem Verhalten um Wähler wirbt, muss sich nicht über das Ergebnis wundern.

Noch problematischer ist Clasens Umgang mit der AfD. Dass die Partei trotz monatelanger Umfragewerte von bis zu 20 % am Ende klar darunter blieb, ist kein „Wahlsieg“, sondern ein klares Zeichen für begrenzte Mobilisierungskraft. Die AfD blieb damit sogar hinter den letzten Prognosen zurück, ein eher mageres Ergebnis, das Clasen geflissentlich ignoriert. Wer solche Relativierungen betreibt und die AfD als „stärkste Oppositionsfraktion“ feiert, obwohl sie gegenüber den eigenen Hochrechnungen verloren hat, wirkt wie ein heimlicher Fan, nicht wie ein kritischer Beobachter.

Dass die demokratischen Parteien stattdessen die gestiegene Wahlbeteiligung als Auftrag verstehen sollten, klare Kante gegen Extremismus zu zeigen, bleibt die eigentliche Lehre dieser Wahl. Statt sich in falscher Dramaturgie oder Spekulationen über Koalitionen zu verlieren, wäre es an der Zeit, die AfD als das zu benennen, was sie ist. Eine Partei, die nicht an die eigenen Versprechungen heranreicht.

Mit freundlichen Grüßen

Leserbrief zu „Diese Stadt ist eine AfD-Hochburg – aber warum?“ von Leon Grupe, NOZ vom 06.03.2026

AfD in Rastatt. Warum die NOZ die rechtsextreme Partei verharmlost.

Hallo NOZ, hallo Herr Grupe,

Ihr Artikel über Rastatt als „AfD-Hochburg“ ist ein trauriges Beispiel dafür, wie Medien unfreiwillig zur Normalisierung einer rechtsextremen Partei beitragen. Statt die AfD als das zu benennen, was sie ist, nämlich eine vom Verfassungsschutz als „gesichert extremistisch“ eingestufte Organisation, wird sie als bloßer „Protestkanal“ für frustrierte Bürger:innen dargestellt.

Das ist gefährlich. Kein Wort zur Verfassungsschutz-Einstufung der AfD, weder bundesweit noch in Baden-Württemberg. Keine klare Benennung ihrer rassistischen Kernforderungen wie „Remigration“ oder Angriffe auf die Demokratie. Keine Einordnung, dass die AfD gezielt Desinformation streut, obwohl die Polizei Rastatt als so sicher wie seit Jahren nicht beschreibt.

Stattdessen wird die Kneipe „Goldener Hirsch“ mit völkischen Sprüchen wie „Deutsches Schutzgebiet“ als „authentischer Ort“ beschrieben, ohne zu erklären, dass solche Symbole rechtsextreme Codes sind.

Besonders problematisch ist, dass der AfD-Landtagskandidat Philipp Helber als „sachlicher Politiker“ porträtiert wird, der sich um „was die Menschen wirklich interessiert“ kümmert. Dass die AfD keine Lösungen hat (außer Hetze gegen Migrant:innen und Klimapolitik), bleibt unerwähnt. Stattdessen wird ihre gezielte Täuschung als „bürgerlicher Protest“ verklärt.

Journalismus darf Extremismus nicht schönreden. Die AfD ist keine „Alternative“, sondern eine Gefahr für die Demokratie. Wenn die NOZ sie als „Stimme des Volkes“ darstellt, ohne ihre rassistische, verfassungsfeindliche Ideologie zu benennen, dann ist das keine Neutralität, das ist Komplizenschaft.

Mit kritischen Grüßen

Leserbrief zu „Hitlergruß auf einem AfD-Plakat?“ von Kathrin Klette, NOZ vom 27.02.2026, Seite 2

Wenn die NOZ ein verurteiltes AfD-Plakat mit Hitlergruß-Bezug durch CDU-Vergleiche und NZZ-Übernahmen zur „Debatte“ verharmlost.

Hallo NOZ, hallo NZZ, hallo Frau Klette,

der Artikel „Hitlergruß auf einem AfD-Plakat?“ (NOZ, 27.02.2026)
illustriert ein Problem, nämlich die schleichende Normalisierung rechtsextremer
Provokationen durch unkritische Berichterstattung.

Der Vergleich des verurteilten AfD-Plakats mit einem CDU-Motiv relativiert
die Brisanz. Während die CDU nie mit nationalsozialistischer Symbolik in
Verbindung gebracht wurde, ist der Hitlergruß-Bezug der AfD
dokumentiert, von Höckes „völkischen“ Äußerungen bis zu Möllers
Verurteilung. Diese Unterschiede werden nicht benannt.

Auffällig ist zudem das Fehlen lokaler Stimmen. Keine Reaktionen aus Osnabrücker Politik oder Zivilgesellschaft, keine Einordnung durch Expert:innen.
Stattdessen bleibt es bei einer oberflächlichen Darstellung, die das
Plakat als „kontrovers“ statt als skandalös einstuft.

Besorgniserregend ist auch die ständige Übernahme von Inhalten aus der NZZ, die selbst die AfD oft als „legitime Opposition“ framed. Wenn die NOZ solche Texte unkritisch druckt, trägt sie zur Verwässerung der Debatte bei.

Die AfD nutzt gezielt Provokationen, um Grenzen auszutesten. Medien wie die
NOZ sollten dies nicht durch Neutralität, sondern durch klare
Einordnung begleiten, sonst wird sie zum Komplizen der Normalisierung.

Mit kritischen Grüßen
Timm Reichl

Leserbrief zu „Wir müssen uns den Themen stellen“Industrie- und Handelskammern: Wirtschaftsvertreter in Ostdeutschland verweigern sich nicht Gesprächen mit der AfD“ von Susann Kreutzmann/NZZ, NOZ vom 25.02.2026, Seite 3

NOZ und NZZ: Die AfD ist rechtsextrem, warum steht das nicht in euren Artikeln? Ein Leserbrief gegen die verharmlosende Sprache der Medien.

Hallo NOZ, hallo NZZ, hallo Frau Kreutzmann,

Ihre (NOZ) unkommentierte Übernahme des NZZ-Artikels „Wir müssen uns den Themen stellen“ ist kein Journalismus, sondern Mitwirkung an der Normalisierung einer rechtsextremen Partei.

Die AfD wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft, nicht als „Rechtsaußen“, nicht als „populistisch“, sondern als Gefahr für die Demokratie. Doch weder NZZ noch NOZ benennen das direkt oder begleitend kommentiert.

Stattdessen wird die AfD als „diskussionswürdiger“ Gesprächspartner präsentiert, als ob ihre Forderungen nach „Remigration“, Klimaleugnung und völkischer Hetze bloße „Meinungsunterschiede“ wären. Das ist falsch. Rechtsextremismus ist kein Debattenthema, sondern ein Angriff auf unsere Grundwerte.

Unternehmen wie Intel ziehen sich nicht wegen „politischer Unsicherheit“ aus Magdeburg zurück, sondern weil sie sich weigern, mit einer Partei in Verbindung gebracht zu werden, die Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit ablehnt.Ihre „neutrale“ Berichterstattung ist in Wahrheit Komplizenschaft.

Sie suggerieren, Unternehmer müssten mit der AfD reden, um wirtschaftlich zu überleben, dabei beweisen Unternehmen weltweit, dass man erfolgreich sein kann, ohne sich mit Faschisten gemein zu machen.Warum verschweigen Sie das? Warum zitieren Sie keine Gewerkschaften, keine Menschenrechtsorganisationen, keine ökonomischen Alternativen?

Journalismus muss Rechtsextremismus benennen, nicht relativieren. Tun Sie das. Oder erklären Sie, warum Sie eine vom Verfassungsschutz beobachtete Partei als „normalen“ Akteur darstellen.

Mit freundlichen Grüßen

Susann Kreutzmann hat mir geantwortet:

Sehr geehrter Herr Timm,

ich verwahre mich gegen Ihre Darstellung, dass ich die AfD – wie Sie schreiben – unkommentiert als normale Partei darstelle und Rechtsextremismus relativiere. Handelskammern, die Körperschaften des öffentlichen Rechts sind und politisch neutral agieren müssen, machen sich Gedanken, wie sie mit der politischen Realität in ihren Bundesländern umgehen. Zwei IHK-Vertreter aus Brandenburg und Sachsen-Anhalt berichten sehr differenziert, warum sie sich der thematischen Diskussionen nicht verweigern, weil ansonsten der „extreme Rand“ gestärkt werde. Private Verbände haben andere Freiheiten, können Mitglieder ausschließen. Diese Position vertritt sehr eindeutig der Startup-Verband, der auch zu Wort kommt. In dem Text ging es um das Agieren von ostdeutschen Wirtschaftsverbänden, nicht um Menschenrechtsaktivisten oder Gewerkschaften. Deswegen kommen sie auch nicht darin vor. Sie sollten Ihre schwerwiegenden Vorwürfe nochmals überdenken.

Freundliche Grüsse Susann Kreutzmann

Meine Replik darauf an sie:

Sehr geehrte Frau Kreutzmann,

Ihre Antwort auf meinen Leserbrief bestätigt leider genau das Problem, das ich kritisiere. Ihr Artikel stellt die AfD als „diskussionswürdigen“ Akteur dar, ohne ihre rechtsextreme Ideologie zu benennen, und trägt so zu ihrer Normalisierung bei. Lassen Sie mich konkret werden, warum mich Ihre Argumente nicht überzeugen.

„Ich relativiere nicht, ich berichte nur über IHKs“

Sie schreiben, der Artikel thematisiere lediglich, wie IHKs als Körperschaften des öffentlichen Rechts mit der „politischen Realität“ in Ostdeutschland umgehen. Doch genau hier liegt das Problem. Journalismus ist keine Stenografie. Selbst wenn IHKs „neutral“ agieren müssen, obliegt es imho Ihnen als Journalistin, einzuordnen, dass die AfD vom Verfassungsschutz in mehreren Bundesländern als „gesichert rechtsextrem“ eingestuft wird. Die AfD fordert den Austritt aus der EU und die Abschaffung des Mindestlohns, beides keine „wirtschaftspolitischen Alternativen“, sondern Angriffe auf demokratische und soziale Standards.

IHKs sind nicht „neutral“, sie haben rote Linien. Sie zitieren IHK-Vertreter, die sagen, man müsse „mit der AfD reden, sonst stärkt man die Ränder“. Doch IHKs dürfen (und müssen!) selbstverständlich extremistische Positionen ausschließen. Warum wird also nicht gefragt, ob IHKs die AfD tatsächlich als demokratiefeindlich einstufen, und warum sie trotzdem mit ihr reden? Stattdessen wird der Eindruck erweckt, die AfD sei ein „normaler“ Gesprächspartner.

„Es ging um Wirtschaft, nicht um Menschenrechte“

Ihr Argument, der Artikel handele von „Wirtschaftsverbänden, nicht von Gewerkschaften oder Menschenrechtsaktivisten“, ist keine Entschuldigung, sondern das Kernproblem.Die AfD ist eine wirtschaftliche Gefahr u.a. mit und durch folgende Forderungen.

Fachkräftemangel: Die AfD fordert „Remigration“, also die Abschiebung von Millionen Menschen, darunter hochqualifizierte Arbeitskräfte. Die Folgen wären katastrophal. Unternehmen warnen seit Jahren, dass solche Pläne Investitionen unmöglich machen.

Handelskriege: Die AfD will den EU-Austritt Deutschlands und lehnt Freihandelsabkommen ab. Exportabhängige Betriebe (z. B. Automobilindustrie) würden massiv leiden.

Klimaleugnung: Die AfD bestreitet den menschengemachten Klimawandel, während der überwiegende Teil der ostdeutschen Unternehmen Klimaschutz als Standortfaktor sehen. Warum kommen diese Fakten nicht vor? Ein Artikel, der die AfD als „Wirtschaftspartner“ darstellt, sollte erklären, dass ihre Politik ökonomischen Selbstmord bedeutet.

„Private Verbände dürfen die AfD ausschließen, IHKs nicht“

Hier konstruieren Sie eine falsche Dichotomie. IHKs haben sehr wohl Spielraum. Sie zitieren selbst, dass IHKs „bei menschenverachtenden Äußerungen“ das Hausrecht nutzen. Die AfD produziert solche Äußerungen täglich. Warum fragen Sie z.B. nicht, warum IHKs eine Partei einladen, die regelmäßig gegen die Menschenwürde verstößt?

Der Startup-Verband zeigt, das es auch anders geht. Sie erwähnen, dass der Startup-Verband die AfD bewusst ausschließt. Warum wird nicht gefragt: Wie bewerten Startups die AfD-Wirtschaftspolitik? (Spoiler: Katastrophal, weil sie auf Abschottung und Fachkräftemangel setzt.) Warum trauen sich IHKs nicht, ähnlich klar Position zu beziehen?

Ein verantwortungsvoller Artikel hätte imho mindestens folgende Punkte klären müssen:

1. Die AfD ist rechtsextrem, und das sagt nicht „ein Kritiker“, sondern der Verfassungsschutz.

2. Ihre Wirtschaftspolitik ist ruinös , EU-Austritt, „Remigration“, Klimaleugnung schaden allen Unternehmen, nicht nur „linken“ oder „moralischen“.

3. Es gibt Alternativen zum „Dialog“ mit der AfD: IHKs könnten demokratische Parteien stärken (z. B. durch gezielte Einladungen an SPD/Grüne/FDP).Sie könnten rote Linien ziehen (z. B.: „Keine Zusammenarbeit mit Parteien, die den Klimawandel leugnen“). Sie könnten öffentlich machen, wie die AfD konkret die Wirtschaft gefährdet (z. B. durch Investitionsflucht).

Ich erwarte nicht, dass Sie meine Meinung teilen. Aber ich erwarte, dass Sie als Journalistin Fakten nicht verschweigen. Benennen Sie die AfD als rechtsextrem, so wie es der Verfassungsschutz tut. Erklären Sie, warum ihre Wirtschaftspolitik katastrophal ist, nicht nur „kontrovers“. Fragen Sie nach Alternativen, statt die Leser*innen im Glauben zu lassen, es gäbe nur die Wahl zwischen „Dialog“ und „Ausgrenzung“.

Journalismus, der Rechtsextremismus nicht beim Namen nennt, macht sich mitschuldig an seiner Normalisierung. Das ist kein „Vorwurf“, sondern eine Feststellung.

Mit freundlichen Grüßen

« Ältere Beiträge Neuere Beiträge »