Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen

Wiegelmann nennt Kritik am Heuer-Foto einen Fiebertraum. Das Video erzählt etwas anderes.

Wiegelmann (NOZ) hält Kritik am Heuer-Siegmund-Foto für einen Fiebertraum. Das Video zeigt Schulteranlegen, gemeinsames Lachen und einen Verfassungsschutz-Witz, bei dem der CDUler einfach mitlacht. Das nennt die NOZ Konfrontation…

Hallo NOZ, hallo Herr Wiegelmann,

der Kommentar von Lucas Wiegelmann zum „Kuschelfoto“ von Guido Heuer und Ulrich Siegmund wirft mehr Fragen auf als er beantwortet. Wiegelmann stützt sich erkennbar auf die dpa-Meldung und auf Heuers eigene Darstellung der Situation. Ein Video, das inzwischen kursiert und deutlich mehr zeigt als ein „unglückliches“ Standbild, bleibt unerwähnt.

Zu sehen ist darin nämlich, wie Siegmund Heuer die Hand auf die Schulter legt. Beide lachen. Siegmund macht einen Witz darüber, dass der Verfassungsschutz im kaputten Mikrofon stecke. Heuer widerspricht nicht, er lächelt. Beide scherzen anschließend über das „Altparteienmikrofon“. Von Konfrontation ist in diesen Szenen nichts, aber auch so gar nichts zu erkennen.

Wiegelmann nennt jene, die das Foto für problematisch halten, Opfer eines „Fiebertraums“. Das ist eine harte Einordnung, die nur dann trägt, wenn die Sachlage wirklich so eindeutig ist wie von ihm dargestellt. Sie ist es nicht. Heuer hat seine Version der Ereignisse selbst in die Welt gesetzt, und Wiegelmann übernimmt sie, ohne das zwischenzeitlich verfügbare Videomaterial einzubeziehen.

Ob das Unwissenheit zum Zeitpunkt der Abgabe war oder ein bewusster Verzicht auf unbequemes Material, kann man von außen nicht beurteilen. Was man aber beurteilen kann, ist, dass ein Kommentar, der Kritiker als realitätsfern abtut und gleichzeitig das entlastende Gegenstück zum monierten Foto ausblendet, am Ende diejenigen schützt, die Schutz vielleicht gar nicht verdienen.

Mit freundlichen Grüßen

Update 16.06.2026, Lucas Wiegelmanns Antwort

Hallo Herr Reichl,danke für Ihr Feedback. Man kann bei der Sache natürlich, wie immer, unterschiedlicher Meinung sein. Ich fand einfach die eiligen „Lügen“-Spins am Wochenende auf Social Media, auf die Sie verweisen, ein wenig ZU einmütig und in der Sache schlicht nicht nachvollziehbar. Hier eine neuere Deutung der Debatte, mit ein wenig zeitlichem Abstand zu der Hektik vom WE; vielleicht versöhnt Sie das ein wenig mit meinem Kommentar. BG https://www.spiegel.de/politik/deutschland/afd-cdu-und-brandmauer-lachen-mit-der-afd-verboten-kolumne-a-8e338b25-0b91-4afa-9a33-5ceb895f8746?sara_ref=re-so-app-sh

Meine Replik:

Hallo Herr Wiegelmann,

danke für Ihre Antwort und den Spiegel-Link.

Der Artikel argumentiert imho, dass das bloße Lachen mit AfD-Politikern kein Tabubruch sei und die Empörung darüber überzogen wirke. Das ist eine vertretbare Position. Mein Einwand war aber ein anderer.

Ihr Kommentar stützte sich auf Heuers eigene Darstellung, dass es sich um Konfrontation gehandelt habe. Das Video zeigt etwas anderes, nämlich entspanntes Schulteranlegen, gemeinsames Lachen und einen Verfassungsschutz-Witz, bei dem Heuer einfach mitlacht. Das ist kein „Lügen-Spin“, das ist ein Widerspruch zwischen Heuers Selbstdarstellung und dem, was die Aufnahme zeigt. Und diesen Widerspruch hätte ein Kommentar, der Kritiker als Opfer eines Fiebertraums bezeichnet, zumindest erwähnen müssen, denke ich.

Ob das Verhalten selbst ein Problem ist, darüber kann man streiten. Dass Ihr Text auf einer Grundlage stand, die das Video nicht trägt, bleibt davon unberührt.

Mit freundlichen Grüßen

NOZblog

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13 Kommentare

  1. Martin

    Man muss dem Kommentator zu Gute halten, dass die NOZ gefühlt immer früher Redationsschluss hat. Vielleicht kannte er deshalb das Video nicht.

    Es ist wirklich eine Schande, dass die Zeitung nicht mehr über späte Fußballspiele oder Ereignisse berichtet, was früher Standard war. Es passiert ja doch noch viel abends.
    Ich vermute, die NOZ will so die gedruckte Ausgabe noch unatrraktiver machen. Wer interessiert sich für Nachrichten von vorgestern?

    • Sabine Driehaus

      Sorry, aber wer sich als Journalist:in eine Meinung bildet, bzw. sie dann auch noch verbreitet, hat eine gewisse Sorgfaltspflicht und sollte seinem / ihrem Kommentar nicht ein einzelnes Foto zugrunde legen.
      Darüber hinaus verharmlost Herr Wiegelmann nicht nur in diesem Kommentar die AfD. Mittlerweile hat es System, dass der Rechtsextremismus dieser Partei nicht beim Namen genannt, sondern der kritische Umgang mit ihr problematisiert wird.
      Bitte schauen Sie sich auch die anderen von Herrn Reichl kommentierten NOZ-Beiträge an.
      In dieser Häufigkeit lässt sich das nicht einmal mehr mit „unzureichender journalistischer Sorgfaltspflicht“ erklären. Meinem Eindruck nach ist die Normalisierung rechtsextremen Gedankenguts und der AfD gewollt.

      • Timm Reichl

        Hallo Sabine,
        danke, das trifft es gut. Der Verweis auf die Sorgfaltspflicht ist berechtigt, und Sie haben recht, dass sich das Muster bei Wiegelmann über viele Texte zieht. Wer das einzeln betrachtet, kann immer einen Erklärungsversuch finden. Wer die Häufung sieht, kommt um die Frage nicht herum, ob das Zufall ist.
        Ob dahinter bewusste Entscheidung steckt oder eine redaktionelle Grundhaltung, die sich über die Zeit eingeschliffen hat, lässt sich für mich schwer von außen belegen. Was sich belegen lässt, ist das Muster selbst.

    • Timm Reichl

      Hallo Martin,
      der Punkt mit dem Redaktionsschluss ist fair. Das kann ich nicht ausschließen, und ich halte das im Leserbrief auch offen.
      Was die Abendberichterstattung angeht, da hast du recht, das ist ein echtes Problem. Ob dahinter Strategie steckt oder schlicht Personalmangel, lässt sich von außen schwer sagen. Wahrscheinlich beides. Eine Zeitung, die Ereignisse nach 18 Uhr systematisch ignoriert, macht sich jedenfalls selbst zur Randnotiz.
      Danke für den Kommentar

      • Martin

        Also bei Personalmangel würde man viele offene Stellenanzeigen sehen.
        Das ist aber nicht der Fall https://karriere.noz-mhn.de/jobs/

        Interessant ist, aber was man so in die Stellenanzeigen rein schreibt:
        https://karriere.noz-mhn.de/jobs/volontariat-redaktion-m-w-d/
        Haltung: Du setzt dich mit deiner Arbeit für demokratische Grundwerte ein und machst die Themen der Menschen vor Ort sichtbar.

        Man kann übrigens auch die FAZ abbonieren. Die Zustellung erfolgte bei mir zeitgleich mit der NOZ. Es ist eher eine Sparmaßnahme, um die Online-Abos anzukurbeln…

        • Timm Reichl

          Hallo Martin,
          der Link zu den Stellenanzeigen ist ein gutes Argument. Wenn Stellen frei wären, würde man sie sehen. Das stimmt. Dann ist „Personalmangel“ tatsächlich die falsche Erklärung, und „Sparmaßnahme“ trifft es besser. Dass gleichzeitig im Volontariat „Haltung für demokratische Grundwerte“ als Anforderung steht, während in der Redaktion Texte erscheinen, die genau das vermissen lassen, ist ein Widerspruch, den die NOZ sich selbst erklären müsste.

  2. Norbert D.

    Das Problem mit dem immer früheren Redaktionsschluss hat die NOZ nicht allein.
    Gab es vor 2 Jahren bei der EM noch sehr deutliche Unterschiede zwischen den Printausgaben, ( Wo das bei der Stadtausgabe OS der NOZ schon ganz krass zu sehen war) nähern sich die Blätter dabei immer mehr an. Schöner Indikator dafür war immer der Zeitstempel bei den Börsenkursen. Der liegt aber mittlerweile auch bei den Schaumburger Nachrichten nicht mehr bei 22:00, sondern bei 20:00. Für den Druck stehen immer weniger Betriebe zur Verfügung. Die Wege für den Transport und die Zusteller werden immer länger. Die gedruckte NW in Bielefeld kommt seit Monatsanfang aus Rodenberg bei Hannover, vorher aus der NOZ Druckerei in Osnabrück.

    Begründung:
    Die Leser wollen es so. Wenn die Zeitung nicht spätestens um 6 im Briefkasten ist, wird das ABO gekündigt, nicht wegen fehlender Aktualität. Und die Digitalleser erwarten mittlerweile auch schon zur Tagesschau Zeit zumindest eine E-Paper Frühversion.

    • Martin

      wobei man anmerken muss, dass früher auch die Zeitung um 6 Uhr morgens im Briefkasten war und aktuell. Es geht. Es ist nur eine logistische Frage und eine Sparmaßnahme

    • Sabine Driehaus

      Nichtsdestotrotz sollte die Qualität eines Kommentars(!) – nicht Meldung – nichts mit einem „frühen“ Redaktionsschluss zu tun haben. Wenn man sich bis Redaktionsschluss noch kein umfassendes Bild machen konnte, schreibt man seine Meinung zu einer Meldung eben am nächsten Tag – das tut der Aktualität schließlich keinen Abbruch.
      Es fällt mir nicht zum ersten Mal auf, dass bei Meinungsäußerungen auf eine erste Meldung hin schnell „geschossen“ wird, ohne den gesamten Zusammenhang zu kennen. Das ist manipulativ, und das tut ein/e seriöse/r Journalist:in nicht.

      • Norbert D.

        Ich empfehle allen, die mit ihrer NOZ unzufrieden sind, einen Vergleich mit anderen Produkten zu ziehen. Das geht allerdings nur auf digitalem Weg.

        Digitale Schnupperangebote bekommt man aktuell überall für ’nen Appel und ein Ei.
        z.B. für den Zugriff bei der HAZ. online als WM Special 6 Monate für einmalig 1,99€.
        Oder eine komplette E-Paper Ausgabe der NW aus Bielefeld für einen Monat mit automatischer Kündigung für 12,90€. Dann kann man sich immer noch entscheiden, ob und wieviel NOZ man wegen der lokalen Inhalte bei behält z.B. durch ein Downgrade. Und vieles erhält man sowieso online gratis.
        z.B. den heutigen Standpunkt zum Umgang mit der AFD von einem Soziologen aus Jena.
        Was tun ? Was tun ? Anpacken für die Demokratie !
        https://www.rnd.de/politik/gesellschaftliches-engagement-anpacken-fuer-die-demokratie-ein-gastbeitrag-des-soziologen-matthias-CPXQI4BN6BC7XEV3NX4SYO42UQ.html

        • Sabine Driehaus

          Hallo Norbert, wir haben seit Jahren nur noch die Digitalausgabe. Dort sind viele Berichte, Artikel und Kommentare früher zu lesen als in der Printausgabe, und die Überschriften noch schlimmer. Der hier kritisierte Kommentar trägt in der Digitalausgabe folgende Überschrift:
          „CDU unter Druck nach „Kuschelfoto“ mit AfD-Mann? Die Mitte macht sich lächerlich „.
          Man sollte meinen, dass beim Digitalformat Redaktionsschlüsse kaum eine Rolle spielen. Auch könnte man problemlos korrigieren, sollte mal ein vorschneller Schluss gezogen worden sein.
          Das passiert aber nicht, deshalb bin ich überzeugt von der „Absicht“ dahinter.
          Wir sehen die NOZ schon lange nicht mehr als Informationsquelle an (wir nutzen Alternativen) – auch nicht als lokale, dafür ist die Berichterstattung zu „selektiv“ – sondern vor allem ich habe seinerzeit die Möglichkeit der Kommentarspalte genutzt, um zu kritisieren, richtig zu stellen und zu ergänzen. Die Möglichkeit wurde uns allen ja jetzt genommen, also ist auch die NOZ nicht mehr wichtig.
          Die meisten meiner Bekannten nutzen die NOZ allerdings als alleinige Informationsquelle – zusätzliche Zeitungsabos kosten Geld – und das macht sie so gefährlich. Deshalb ist es wichtig, auch in Gesprächen auf die tendenziöse Berichterstattung aufmerksam zu machen.
          Dafür muss man sie aber kennen. Es ist ein zweischneidiges Schwert: Auf der einen Seite möchte man so etwas nicht finanzieren, auf der anderen Seite kann man aber nur kritisieren, was man kennt (anders als Herr Dilge von der AfD bzgl. des Kreishauses).

          • Norbert D.

            Hallo Frau Driehaus,

            In dem Punkt, dass man nur kritisieren kann, was man kennt, gebe ich Ihnen Recht.
            Aber man kann auch auf Alternativen und Ergänzungen durch andere Produkte hinweisen.
            mein Motto ist ja. „Die NOZ mit ihren eigenen Waffen (Digitalisierungsmission) schlagen“.
            Und die gibt es ja mittlerweile auch für regionale Informationen zu recht günstigen Konditionen.
            Ich habe mich z.B. auf das Experiment von Madsack eingelassen,ein Zwitter aus E-Paper und Plus Abo, das nur über die App nutzbar ist, auszuprobieren. Kostet aktuelln 3.50€ pro Woche. Werbefrei die Haupt-Themen aus der Tageszeitung gebündelt in moderner,multimedialer Darstellung. Funktioniert wunderbar auf dem Smartphone unterwegs. Ist aber keine komplette Zeitungsausgabe.Die aktuellen Meldungen Im Laufe des Tages sind natürlich auch vorhanden.
            Und da kam gerade auch mal wieder ein Artikel von Frau Kallmeier rein zu den aktuellen Entwicklungen bei VW Osnabrück (Mehr Werksurlaub, mehr Schließtage). Schön war auch ihre ausführliche Reportage über den Michbauernhof Westrup in Bissendorf oder den Schlachthof in Badbergen. Ob das für NOZ Leser als Alternative reicht, muss jeder für sich selbst entscheiden.

        • Sabine Driehaus

          P.S. Das Video wird im digitalen Kommentar übrigens erwähnt und als „menschlicher Umgang“ interpretiert – „statt Ausgrenzung“……

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