Leserbriefe, Medienkritik & politische Analysen

Wiegelmann nennt Kritik am Heuer-Foto einen Fiebertraum. Das Video erzählt etwas anderes.

Wiegelmann (NOZ) hält Kritik am Heuer-Siegmund-Foto für einen Fiebertraum. Das Video zeigt Schulteranlegen, gemeinsames Lachen und einen Verfassungsschutz-Witz, bei dem der CDUler einfach mitlacht. Das nennt die NOZ Konfrontation…

Hallo NOZ, hallo Herr Wiegelmann,

der Kommentar von Lucas Wiegelmann zum „Kuschelfoto“ von Guido Heuer und Ulrich Siegmund wirft mehr Fragen auf als er beantwortet. Wiegelmann stützt sich erkennbar auf die dpa-Meldung und auf Heuers eigene Darstellung der Situation. Ein Video, das inzwischen kursiert und deutlich mehr zeigt als ein „unglückliches“ Standbild, bleibt unerwähnt.

Zu sehen ist darin nämlich, wie Siegmund Heuer die Hand auf die Schulter legt. Beide lachen. Siegmund macht einen Witz darüber, dass der Verfassungsschutz im kaputten Mikrofon stecke. Heuer widerspricht nicht, er lächelt. Beide scherzen anschließend über das „Altparteienmikrofon“. Von Konfrontation ist in diesen Szenen nichts, aber auch so gar nichts zu erkennen.

Wiegelmann nennt jene, die das Foto für problematisch halten, Opfer eines „Fiebertraums“. Das ist eine harte Einordnung, die nur dann trägt, wenn die Sachlage wirklich so eindeutig ist wie von ihm dargestellt. Sie ist es nicht. Heuer hat seine Version der Ereignisse selbst in die Welt gesetzt, und Wiegelmann übernimmt sie, ohne das zwischenzeitlich verfügbare Videomaterial einzubeziehen.

Ob das Unwissenheit zum Zeitpunkt der Abgabe war oder ein bewusster Verzicht auf unbequemes Material, kann man von außen nicht beurteilen. Was man aber beurteilen kann, ist, dass ein Kommentar, der Kritiker als realitätsfern abtut und gleichzeitig das entlastende Gegenstück zum monierten Foto ausblendet, am Ende diejenigen schützt, die Schutz vielleicht gar nicht verdienen.

Mit freundlichen Grüßen

NOZblog

Trag dich für den NOZblog-Newsletter ein, um jeden Sonntag die Beiträge der Woche in deinen Posteingang zu bekommen.

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

8 Kommentare

  1. Martin

    Man muss dem Kommentator zu Gute halten, dass die NOZ gefühlt immer früher Redationsschluss hat. Vielleicht kannte er deshalb das Video nicht.

    Es ist wirklich eine Schande, dass die Zeitung nicht mehr über späte Fußballspiele oder Ereignisse berichtet, was früher Standard war. Es passiert ja doch noch viel abends.
    Ich vermute, die NOZ will so die gedruckte Ausgabe noch unatrraktiver machen. Wer interessiert sich für Nachrichten von vorgestern?

    • Sabine Driehaus

      Sorry, aber wer sich als Journalist:in eine Meinung bildet, bzw. sie dann auch noch verbreitet, hat eine gewisse Sorgfaltspflicht und sollte seinem / ihrem Kommentar nicht ein einzelnes Foto zugrunde legen.
      Darüber hinaus verharmlost Herr Wiegelmann nicht nur in diesem Kommentar die AfD. Mittlerweile hat es System, dass der Rechtsextremismus dieser Partei nicht beim Namen genannt, sondern der kritische Umgang mit ihr problematisiert wird.
      Bitte schauen Sie sich auch die anderen von Herrn Reichl kommentierten NOZ-Beiträge an.
      In dieser Häufigkeit lässt sich das nicht einmal mehr mit „unzureichender journalistischer Sorgfaltspflicht“ erklären. Meinem Eindruck nach ist die Normalisierung rechtsextremen Gedankenguts und der AfD gewollt.

      • Timm Reichl

        Hallo Sabine,
        danke, das trifft es gut. Der Verweis auf die Sorgfaltspflicht ist berechtigt, und Sie haben recht, dass sich das Muster bei Wiegelmann über viele Texte zieht. Wer das einzeln betrachtet, kann immer einen Erklärungsversuch finden. Wer die Häufung sieht, kommt um die Frage nicht herum, ob das Zufall ist.
        Ob dahinter bewusste Entscheidung steckt oder eine redaktionelle Grundhaltung, die sich über die Zeit eingeschliffen hat, lässt sich für mich schwer von außen belegen. Was sich belegen lässt, ist das Muster selbst.

    • Timm Reichl

      Hallo Martin,
      der Punkt mit dem Redaktionsschluss ist fair. Das kann ich nicht ausschließen, und ich halte das im Leserbrief auch offen.
      Was die Abendberichterstattung angeht, da hast du recht, das ist ein echtes Problem. Ob dahinter Strategie steckt oder schlicht Personalmangel, lässt sich von außen schwer sagen. Wahrscheinlich beides. Eine Zeitung, die Ereignisse nach 18 Uhr systematisch ignoriert, macht sich jedenfalls selbst zur Randnotiz.
      Danke für den Kommentar

      • Martin

        Also bei Personalmangel würde man viele offene Stellenanzeigen sehen.
        Das ist aber nicht der Fall https://karriere.noz-mhn.de/jobs/

        Interessant ist, aber was man so in die Stellenanzeigen rein schreibt:
        https://karriere.noz-mhn.de/jobs/volontariat-redaktion-m-w-d/
        Haltung: Du setzt dich mit deiner Arbeit für demokratische Grundwerte ein und machst die Themen der Menschen vor Ort sichtbar.

        Man kann übrigens auch die FAZ abbonieren. Die Zustellung erfolgte bei mir zeitgleich mit der NOZ. Es ist eher eine Sparmaßnahme, um die Online-Abos anzukurbeln…

        • Timm Reichl

          Hallo Martin,
          der Link zu den Stellenanzeigen ist ein gutes Argument. Wenn Stellen frei wären, würde man sie sehen. Das stimmt. Dann ist „Personalmangel“ tatsächlich die falsche Erklärung, und „Sparmaßnahme“ trifft es besser. Dass gleichzeitig im Volontariat „Haltung für demokratische Grundwerte“ als Anforderung steht, während in der Redaktion Texte erscheinen, die genau das vermissen lassen, ist ein Widerspruch, den die NOZ sich selbst erklären müsste.

  2. Norbert D.

    Das Problem mit dem immer früheren Redaktionsschluss hat die NOZ nicht allein.
    Gab es vor 2 Jahren bei der EM noch sehr deutliche Unterschiede zwischen den Printausgaben, ( Wo das bei der Stadtausgabe OS der NOZ schon ganz krass zu sehen war) nähern sich die Blätter dabei immer mehr an. Schöner Indikator dafür war immer der Zeitstempel bei den Börsenkursen. Der liegt aber mittlerweile auch bei den Schaumburger Nachrichten nicht mehr bei 22:00, sondern bei 20:00. Für den Druck stehen immer weniger Betriebe zur Verfügung. Die Wege für den Transport und die Zusteller werden immer länger. Die gedruckte NW in Bielefeld kommt seit Monatsanfang aus Rodenberg bei Hannover, vorher aus der NOZ Druckerei in Osnabrück.

    Begründung:
    Die Leser wollen es so. Wenn die Zeitung nicht spätestens um 6 im Briefkasten ist, wird das ABO gekündigt, nicht wegen fehlender Aktualität. Und die Digitalleser erwarten mittlerweile auch schon zur Tagesschau Zeit zumindest eine E-Paper Frühversion.

    • Martin

      wobei man anmerken muss, dass früher auch die Zeitung um 6 Uhr morgens im Briefkasten war und aktuell. Es geht. Es ist nur eine logistische Frage und eine Sparmaßnahme

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert