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Die Brandmauer ist gescheitert? Warum die NOZ-Titelseite mehr behauptet, als ihr Kommentar belegt

Die AfD wurde stärkste Kraft, und trotzdem koaliert niemand mit ihr. Wer da vom Scheitern der Brandmauer spricht, verwechselt eine gescheiterte CDU mit einer gescheiterten Abgrenzung.

Hallo NOZ, hallo Herr Koslik,

die Überschrift Ihres Kommentars auf der Titelseite behauptet, die Brandmauer sei gescheitert. Der Text trägt diese Aussage nicht. Er führt das Scheitern der CDU an der Fünf-Prozent-Hürde auf eine unglückliche Kampagne, auf die Regierungspolitik des Kanzlers und auf den starken Wahlkampf von Manuela Schwesig zurück. Von einer Wirkung der Abgrenzung auf das CDU-Ergebnis steht dort nichts. Trotzdem heißt es, die Brandmauer habe „ihre Erbauer selbst ausgeschlossen“.

Der Nachrichtenteil auf derselben Seite zeigt das Gegenteil. Die AfD wurde mit 38,2 Prozent stärkste Kraft, und dennoch steuert das Land auf ein Bündnis aus SPD, Linken und Grünen zu, weil niemand mit ihr koalieren will. Genau das meint der Begriff Brandmauer. Sie hat gehalten. Gescheitert ist eine Partei, nicht die Abgrenzung.

Ich räume ein, dass man den Titel auch anders lesen kann, nämlich als Urteil über eine CDU, die sich auf Abgrenzung berief und inhaltlich wenig anzubieten hatte. Diese These wäre vertretbar. Sie müsste dann aber im Text stehen und nicht in einer Schlagzeile stecken, die weit mehr behauptet.

Auf Seite 1 wirkt der Satz außerdem als Signal an alle, die die Abgrenzung ohnehin loswerden wollen. Der Schlusssatz mit dem „Noch“ und dem Blick auf die Wahlen im nächsten Jahr verstärkt diesen Eindruck. Und wenn die AfD im selben Kommentar einmal „in Teilen rechtsextrem“ und einmal „Rechtsaußen-Partei“ heißt, bleibt offen, wie die Redaktion sie einordnet.

Ihr Kommentar erschien einen Tag, nachdem Burkhard Ewert auf derselben Seite die AfD in Schwerin neben „linke Radikale“ in Berlin stellte, ohne den Status der einen als beobachtete rechtsextreme Partei und der anderen als seit Jahren mitregierende Kraft zu erwähnen. Zwei Titelseiten-Kommentare in zwei Tagen, die auf unterschiedliche Weise dieselbe Grenze verwischen, sind mehr als ein Zufall der Textplanung.
Meine Frage an Sie, auf welche Belege stützt sich die Überschrift?

Mit freundlichen Grüßen

NOZblog

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3 Kommentare

  1. Christoph Schnare

    Die Chefredaktion der NOZ ersehnt ganz offensichtlich ein Zusammengehen des rechten Wirtschaftsflügels der CDU mit dem nichtvölkischen Teil der AfD und nutzt ihre publizistische Macht, um dieses Zusammengehen zu befördern. Dazu passt auch, dass Joschka Fischers Pladoyer für ein Festhalten an der EU, an der unteilbaren Menschenwürde und an den Errungenschaften der liberalen Demokratie als nostalgischer Traum eines „resignativen“ Altpolitikers abgetan wird.

  2. Sabine Driehaus

    Dass die Brandmauer für den Aufstieg der AfD verantwortlich sei, ist eine AfD-Erzählung. Ihr macht diese Brandmauer nämlich sehr zu schaffen, weil sie bisher trotz vieler Stimmen nicht regieren kann und sie deshalb gerne abgeschafft sähe. Außerdem verschiebt sie damit die Schuldfrage auf die demokratischen Parteien – ihr Geschäftsmodell, da sie ja inhaltlich nichts zur Problemlösung beizutragen hat.
    Mit der Diskussion um ein AfD-Verbotsverfahren ist es genau dasselbe – es würde ihr extrem schaden, deshalb verbreitet sie ein „sicheres Scheitern“ desselben und verunsichert diejenigen, die es beantragen könnten.
    Was die nicht zum Text passende Überschrift angeht, sollte man allerdings bedenken, dass diese oft nachträglich durch die Redaktion geändert worden sein könnte. Die Überschriften im Online-Teil unterscheiden sich häufig von denen im Print-Teil. Auch habe ich schon bemerkt, dass eine Überschrift eines aus dem „Tagesspiegel“ übernommenen Textes offensichtlich von der NOZ-Redaktion geändert wurde – und die Richtung damit manipuliert.
    (Es handelte sich um einen Artikel über AfD wählende Migranten und ihre Gründe: Der Tagesspiegel überschrieb mit (sinngemäß): Wir fühlen uns nicht gesehen , die NOZ (sinngemäß): Die AfD sei die kompetenteste Partei. Ohne Konkretisierung im Text übrigens.

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